Der automatische Detektiv von A. Lee Martinez

Buchvorstellungund Rezension

Der automatische Detektiv von A. Lee Martinez

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „The Automatic Detective“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 400 Seiten.ISBN 3-492-26688-6.Übersetzung ins Deutsche von Karen Gerwig.

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In Kürze:

Empire City ist die Stadt der Mutanten und des Giftmülls, die Metropole des stetigen Verfalls, in der keine technische Errungenschaft hält, was sie verspricht. Hier lebt der Roboter Mack Megaton, eine ehemalige Killermaschine, der sich seit seiner Umprogrammierung als Taxifahrer verdingt. Als ein finsterer Gangster Macks Nachbarn entführt, wird dieser gegen seinen Willen in das Verbrechen verstrickt. Zusammen mit der charmanten Ingenieurin Lucia beginnt Mack zu ermitteln. Dabei kommt der automatische Detektiv einer ebenso aberwitzigen wie welterschütternden Verschwörung auf die Spur.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mit Herz, Hirn und Mut“85

Science-Fiction-Rezension von Tom Orgel

Der vierte auf Deutsch erschienene Roman von A. Lee Martinez führt seine Leser in eine retro-futuristische Stadt irgendwo im Amerika der 50er Jahre. Empire City ist eine bunte Mischung aus „Mars Attacks“, „Flash Gordon“, „Dick Tracy“ und „Blade-Runner“ mit gelegentlichen Anleihen bei Douglas Adams „Dirk Gently“-Reihe.

Empire City – Die Stadt der Zukunft. Mit Tentakeln

In diesem Moloch von Großsstadt, der mit Robotern, fliegenden Autos, kuriosen Mutanten, verrückten Genies und Strahlenpistolen aus all dem zusammengesetzt ist, was in den Augen der Leute in der Lollipop-Zeit der 50er Jahre die Zukunft ausmachen würde, arbeitet der resozialisierte Killer-Roboter Mack Megaton als Taxifahrer. Sein sehnlichstes Ziel ist es vom „Automaten“ zum „Robo“ aufzusteigen, zum vollwertigen Roboter und automatischen Mitbürger. Mack, der wie eine Reihe anderer Roboter einen freien Willen entwickelt hat, ist anders als die meisten Genossen aus der Serienproduktion, denn er wurde von einem wahnsinnigen Wissenschaftler als Massenvernichtungsmaschine gebaut. Er hat sich jedoch gegen seinen Schöpfer gewandt und wünscht sich nichts sehnlicher als seine Ruhe. Die ihm natürlich nicht gegönnt wird. Was anfangs noch nach einem simplen Fall von Familienstreitigkeiten bei seinen menschlichen Nachbarn aussieht, stellt sich schnell als schwer wiegender heraus, als die Familie, die zu seinen wenigen engeren Bekannten zählt, plötzlich verschwunden ist und irgend jemand ihm Killerdrohnen auf den Hals hetzt. Alles, was ihm übrig bleibt, ist der schriftliche Hilferuf des kleinen Mädchens: „Finde uns!“

Und zum ersten Mal in seinem freien Roboterleben nimmt Mack etwas persönlich und fühlt sich veranlasst, aus seinem selbst gewählten, monotonen Alltag auszubrechen. Auf den Rat seiner Kybernetik-Psychologin beginnt er, sich Freunde zu suchen. Und auch wenn ein sprechender Gorilla, eine technikverliebte Roboterkonstrukteurin und ihr unerschütterlicher Robo-Butler oder ein klischeehafter Polizeibeamter vielleicht nicht genau das sind, was sie sich vorgestellt hat, gelingt es Mack mit ihrer Hilfe, sich in seinen ersten Fall als Marlowe’scher Privatdetektiv hinein zu finden. Dabei kommt er nicht nicht nur den Entführern, sondern auch seiner eigenen Herkunft, der Ursache für die Mutanten und letztendlich einer Verschwörung auf die Spur, die die Existenz von ganz Empire City bedroht.

Die Strahlenkanone auf 'Überbacken’ gestellt

Nach den zwei voran gegangenen Romanen „Die Kompanie der Oger“ und „Eine Hexe mit Geschmack“, die beide diverse Schwächen hatten und deshalb zwar als amüsant und überdurchschnittlich, jedoch nicht als großartig zu bezeichnen waren, hat Martinez hier alles richtig gemacht.

„Der automatische Detektiv“ ist knallbunt, vollkommen durchgeknallt und ein nahezu perfekt abgemischtes Feuerwerk von Action, Humor, intelligenten Anspielungen und Seitenhieben und zahllosen liebevoll-irrwitzigen Ideen. Ob Roboter-Empfangssekretärinnen mit dem mechanischen Äquivalent eines Botox-Unfalls, dem altbewährten Trenchcoatproblem eines Detektiv Noir, die technischen Eigenheiten von Autos ohne Räder bis hin zu den typischen Sorgen, die der Umgang mit tentakelbewehrten Mutanten-Mafiosis mit sich bringt – Martinez lässt kein noch so absurdes Klischee des retrofuturistischen Private-Investigator-Trashs aus. Und bringt dabei das Kunststück fertig, nicht klischeehaft und platt zu sein und dem ganzen sogar eine nicht zuckrig-klebrige Moral mit auf den Weg zu geben. Wie der Blechmann, der in „Der Zauberer von Oz“ schließlich sein Herz entdeckt, findet auch Mack am Ende, dass er menschlicher ist, als so manch anderer Bewohner von Empire City.

Martinez’ skurrile Figuren sind liebevoll gestaltet, mit Ecken und Kanten (und gelegentlich Schweißnähten) versehen und leben von trockenem Humor, der teilweise eher in Screwball-Komödien als in einen modernen Detektivroman zu gehören scheinen (und gelegentlich auch mit einer artigen Verbeugung von genau dort entliehen). Aber vermutlich macht genau das den Charme dieses Buches aus: Keine Spur von den üblichen, platten Witzen der weit verbreiteten Parodien auf Komedian-Niveau. Stattdessen findet der Leser hier eine gewitzte Detektiv-Story, deren Originalität das letzte mal von Eric Garcia mit „Anonymus Rex“ oder dem Computerspiel „Stubbs the Zombie“ gelungen ist. Das sie durchgehend aus altbekannten Bestandteilen zusammengebaut ist ist entschuldbar. Teilweise ist es sogar unvermeidlich – und an einigen Stellen wäre man sehr enttäuscht, wenn nicht die erwartete Szene folgen würde.

Wie leicht so etwas ins Auge gehen kann, sieht man an Verfilmungen. Gerade die Film-Versionen von Anonymus Rex oder auch Dick Tracy haben gezeigt, wie schmal der Grad zwischen respektvoller Genre-Veralberung und purem Trash ist. Martinez ist diesmal jedoch weitgehend auf der richtigen Seite dieser Linie geblieben.

Brillantes Popcorn-Kino zum lesen

Da ist es letztendlich verzeihlich, dass seine Geschichte die eine oder andere kleine Logik-Lücke aufweist und stilistisch nicht an die Größen der humoristischen Fiktion heran reicht (wobei letzteres eventuell natürlich der Übersetzung geschuldet sein könnte. Genaueres ließe sich sicher in einem Vergleich ermitteln). Es ist natürlich eine Geschichte, die keine großen, intellektuellen Herausforderungen für den Leser bereit hält (Aber wer so etwas ernsthaft von einer Privat-Detektiv-Geschichte dieses Stils erwartet, macht ohnehin etwas falsch); sie lässt sich mal eben so weg lesen. Aber sie hinterlässt den Wunsch nach mehr – und tatsächlich hat Martinez hier zum ersten Mal die eine oder andere Tür zu einer Fortsetzung deutlich sichtbar offen gelassen.Rundum empfehlenswert – und wenn mehr von Mack Megaton kommen sollte, würde sich vermutlich niemand ärgern.

Ihre Meinung zu »A. Lee Martinez: Der automatische Detektiv«

J. Müller zu »A. Lee Martinez: Der automatische Detektiv«14.04.2015
Mack Megaton , als Killermaschine gebaut, entwickelt aufgrund eines Bugs (Freier-Wille-Glitch) ein Eigenleben und strebt die Anerkennung als Bürger von Empire City an. Bis es soweit ist, verdient er sich sein Geld (für den täglichen Akku-Load) als Taxifahrer. Als seine Nachbarn entführt werden, lässt er Taxi Taxi sein und macht sich auf die Suche, die ihn schnell in eine ziemlich haarsträubende Verschwörung führt.

A. Lee Martinez schreibt das Buch aus der Sicht des automatischen Detektivs und hält dabei wunderbar konsequent an der Sichtweise dieses etwas entgleisten Roboters fest - allein dieses Sich-Hinein-Versetzen hat mich sehr amüsiert. Manchmal wird es etwas abstrus und unübersichtlich - aber das muss wohl so sein in einer Stadt, in der Roboter, Mutanten und Biologische nebeneinander leben?

Wer Lesespass sucht, Ironie+Science Fiction mag und im Urlaubgepäck nicht unbedingt ein Buch über den Sinn des Lebens braucht, der wird sehr gut bedient.
Manfred zu »A. Lee Martinez: Der automatische Detektiv«05.12.2014
Fight and run - fight and run - fight and run - fight and run - und ein bisschen Handlung.

Eine interessante Idee wird hier in immer unerträglicher werdenden Art und Weise in die Breite getreten.

Ein Roboter als Supernann.

Leider kann ich dazu nicht mehr sagen, auch wenn hier mehr als 300 Zeichen erwartet werden.
Alex zu »A. Lee Martinez: Der automatische Detektiv«19.07.2011
Würde sofort den Nachfolger lesen. Faszinierendes Buch. Ich scanne ca. 1 dicken wälzer von ca. 500 Seiten pro Tag, aber nach dem Buch fand ich es schade das ich es nicht zwischenzeitlich weglegen konnte, weil es vorbei war. Obwohl oder gerade weil es so einfach geschrieben ist, ist es eine hervorragende Lektüre, besser als jeder Film, ich lese gerne auch schwere Kost, aber dieses Buch war spannend geschrieben äusserst unterhaltsam und extrem schrill, einfach nur genial.
Daglis Ädäms zu »A. Lee Martinez: Der automatische Detektiv«08.05.2009
Auf das Buch wurde ich durch sein Cover aufmerksam.Es versprach eine gewisse Schrägheit,und das Versprechen wurde gehalten.Mac Megeton,einst als Zerstörereinheit konzipierter,Taxi fahrender Roboter,mit menschlichem Persönlichkeitsprofiel.Geplagt von all den Unannehmlichkeiten,die das mit sich bringt.Besuche beim Psychiater,Zynismus und Empathie.In einem retroeskem Utopia,bevölkert von Menschen,Mutanten und Robotern verschiedenster Entwicklungsstufen gerät Megaton auf der Suche nach einer entführten befreundeten Familie in eine Verschwörung,deren Ziel es ist,die Menscheit zu soweit mutieren,daß Aliens unbemerkt auf der Erde Fuß fassen können.
Klingt schräg.Ist es auch.Hat aber seinen ganz eigenen Charme,und beim Lesen steigen unweigerlich Bilder des Film Noir in einem auf.Wer Bogart mag wird Megaton lieben.
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