Der Mond ist nicht genug von A. Lee Martinez

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Chasing the Moon“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 384 Seiten.ISBN 3-492-26882-X.Übersetzung ins Deutsche von Karen Gerwig.

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In Kürze:

Dianas Pechsträhne scheint endlich ein Ende zu haben, als ihr nach Monaten ohne Wohnung das perfekte Apartment angeboten wird. Gut, vielleicht hätte sie der etwas merkwürdige Vermieter und die noch merkwürdigeren Verhaltensregeln, die er ihr mit auf den Weg gab, abschrecken sollen. Aber eine Jukebox mit all ihren Lieblingssongs ist ohne Zweifel ein schlagendes Argument! Man könnte also sagen, Diana ist selbst schuld, dass sie nun mit Vom zusammenleben muss, einem Monster, das sie fressen wird, sobald sie den Wandschrank öffnet (bitte nicht persönlich nehmen!). Doch eigentlich ist Dianas neue, monströse Welt gar nicht so schlecht – dumm nur, dass nicht nur der Mond, sondern das gesamte Universum bereits auf der Speisekarte eines ihrer neuen Freunde steht …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Kultautor der humorvollen Fantasy ist zurück – mit einer skurrilen Horrorkomödie der besonderen Art“74

Fantasy-Rezension von Carsten Steenbergen

Ein alles verschlingendes Monster namens Vorm der Hungrige im Schrank des neuen Apartments, ein Kühlschrank, der sämtliche Essenswünsche erfüllt und ein beinahe endloses Leben. So lange, wie man es eben aushält, als Wächter einer interdimensionalen Kreatur. Ohne den Verstand zu verlieren. Für Diana stehen nicht sehr viele Optionen offen: Entweder sich fressen lassen oder das Beste aus der Situation machen. Diana entscheidet sich für Letzteres.

Mit diesem bizarren Stand der Dinge beginnt A. Lee Martinez Roman Der Mond ist nicht genug, ein buntes Sammelsurium von Absonderlichkeiten und seltsamen Erlebnissen quer durch alle Dimensionen folgt. Sowohl für die Protagonistin als auch für den Leser.

Nicht ist, wie es scheint. Und selbst das ist anders.

Damit muss man erst einmal klarkommen. Die Welt, wie man sie kennt, läuft nur für den Uneingeweihten in den üblichen Bahnen. Doch hat man einen unfreiwilligen Blick durch das Fenster geworfen, so wie Diana, dann dürfte der Verlust des eigenen Verstandes unweigerlich erklärtes Ziel werden. Denn wann wird man schon mit der unangenehmen Wahrheit konfrontiert, dass das Universum, wie man es ein Leben lang erfährt, nur ein unbedeutender Fleck der Multidimensionen ist. Der jederzeit, im Zuge eines Wimpernschlags, von außerirdischen Rieseninsekten oder aufgrund einer ausbleibenden Opferung ausgelöscht werden könnte. Nicht gerade leicht, wenn man es recht bedenkt. Aber Martinez wäre nicht Martinez, würde sich sein Hauptcharakter nicht überzeugend und mit viel Charme und Witz der Herausforderung stellen. Selbst, wenn er sich mit weiteren Monstern wie dem Unendlichen Smorgaz, der sich ständig vervielfältigt oder Zap, dem schwebenden Riesenauge, der verheerende Strahlen verschießt, verständigen muss, die sich um ihn scharen.

Den Untergang vor Augen

Damit nicht genug. Einer der neuen Bekannten, die Diana im Zuge ihres geänderten Lebens kennenlernt, ist niemand geringer, als der Aspekt eines Gottes, der genau das vorhat. Nämlich Dianas Welt zu verschlingen. Und da sie nun mal schon mitten drin steckt, beschließt sie, gleich etwas dagegen zu unternehmen. Ob es ihr gelingt?

Martinez Figuren sind skurril, abgedreht und zudem noch sympathisch. Sofern das zum Beispiel bei einem Allesverschlinger namens Vorm ohne Augen und dafür jeder Menge mit Reißzähnen gefüllter Münder funktionieren kann. Ja, das geht. Eine gelungene Mischung mit der richtigen Portion Humor. Die normalste Person, wen wundert es, ist und bleibt Diana, die mal mit mehr, mal mit weniger nervlicher Gelassenheit durch die Geschichte läuft.

Zugegeben, streckenweise verharrt die Story etwas auf der Strecke und wird eher gemächlich vorangetrieben. Das mag einfach an dem unglaublichen Umfang der Absurditäten liegen, die der Autor auspackt. Action-Szenen sind selten gesät, werden aber auch nicht wirklich benötigt. Zu bunt ist jede neue Seite, jede bevorstehende Konfrontation mit dem Universum. Humor ohne Ausreizen jeglicher Klischees. Wer glaubt, alles schon einmal gelesen zu haben, der wird hier definitiv eines Besseren belehrt.

Die Welt, die Martinez zum Leben erweckt, bleibt dabei jedoch weiterhin glaubhaft. Naja. Gut. Das ist vermutlich Geschmacksache und bedarf einer reichlich vorhandenen offenen Einstellung für andere Entitäten. Dann aber klappt es vorzüglich.

Fazit

Der Mond ist nicht genug ist ein mit schrulligem Humor und außergewöhnlichen Weltanschauungen angefüllter Roman, der für sich zu überzeugen weiß. Ganz klar nicht für jeden geeignet. Aber zweifellos großartig.

Ihre Meinung zu »A. Lee Martinez: Der Mond ist nicht genug«

geronimox zu »A. Lee Martinez: Der Mond ist nicht genug«24.02.2014
Dies ist mein erster, unbefriedigender, Roman von Martinez.

In der Couch-Rezi wird er zwar als »Horrorkomödie mit schrulligem Humor« beschrieben, für mich ist er nur ein lauwarmes Fantasy-Kaffeekränzchen-Elaborat.

Der Roman hat – zugegebenermaßen – einen ordentlichen Anfang und auch ein erklärendes Ende, aber die vierhundert Seiten dazwischen sind mit beliebigen und für die Handlung absolut unwichtigen Fantasy-Monster-Versatzstücken gefüllt.

Der Humor dieses Romans besteht leider nicht aus echter Situationskomik, sondern aus eher brachialen: »Hey Monster, du solltest nicht gleich den Pizzaboten, sondern nur die Pizza fressen!« Zoten. Für mich hat das nur Stammtisch-Niveau.

Mein Fazit: Ein Roman mit Toilettenspruch-Witz. Schnell, aber ohne jeden Anspruch wegzulesen.

5/10
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