Gott im Unglück von A. Lee Martinez

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Divine Misfortune“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 400 Seiten.ISBN 3-492-26752-1.Übersetzung ins Deutsche von Karen Gerwig.

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In Kürze:

Er ist ein Waschbär. Er trägt Hawaiihemden. Er feiert Partys. Er ist ein Gott. Und er raubt der Menschheit den letzten Nerv. Teri und Phil sind ein junges, modernes, erfolgreiches Paar. Sie waren bislang nie darauf angewiesen, sich einen persön lichen Gott zuzulegen, der ihnen Schutz gewährt. Doch jetzt, als Phil seine Beförderung versagt wird, ändert sich die Lage. Und so bestellt er einen Gott im Internet. Die meisten Götter aber verlangen Blut, Geld, Opfer und Keuschheitsgelübde als Gegenleistung. Nur Luka, der Waschbärengott des Wohlstands, ist bescheidener – er möchte lediglich ein paar Tage bei Teri und Phil auf der Couch liegen. Doch das ist nur der Anfang. Denn der Waschbärengott hat nicht vor, wieder zu verschwinden. Und er lädt alle seine Freunde zur Einweihungsparty ein. Gar nicht zu sprechen von seinen Fein den, die auf der Jagd nach Luka noch jeden Menschen aus dem Weg geräumt haben …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Interessante Ideen, aber das Potential ein wenig verschenkt“55

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Phil und Teri sind seit 2 Jahren glücklich verheiratet. Beide sind berufstätig und eigentlich mit ihrem Leben, so wie es ist, ganz zufrieden. Doch dann merken sie, dass etwas in ihrem Leben fehlt. Andere, weniger talentierte Kollegen ziehen karrieremäßig an ihnen vorbei, das Glück scheint ihnen nicht hold zu sein.

Abhilfe könnte die Hinwendung zu einer der vielen Gottheiten des Pantheons bringen, die ihren Jüngern im alltäglichen Dasein mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Internetrecherche bringt denn auch jede Menge der zur Verfügung stehenden Gottheiten zum Vorschein, allein Teri, dessen Großvater von seinem Gott getötet wurde, weil er sich die Haare schneiden ließ, ist skeptisch. Doch in einer Welt, in der ein jeder Jünger mit göttlichem Beistand rechnen kann, lebt es sich ohne eines solchen nicht ganz so einfach. Also mutig ausprobiert und hineingesprungen in die Anbetung eines Gottes – schon klappt es wieder mit der Karriere, der Liebe und dem Leben – so die großartigen Verheißungen des Internets.

Unsere Zwei sind auch bald fündig geworden – Luka, Lucks genannt, ein eher bescheiden wirkender Gott des Glücks soll ihnen zu selbigem verhelfen. Was sie nicht geahnt haben war, dass Luka, der als kleingewachsener humanoider Waschbär in schrill-bunten Hawaihemden daherkommt, bei ihnen buchstäblich auf der Matte steht. Zusammen mit seinem Kumpel, dem gefiederten Schlangengott Quetzalcoatl, zieht er bei seinen neuen Gläubigen ein. Kurz nur versucht unser einst glückliches Paar der göttlichen Heimsuchung zu entgehen – eine Tonne Pech, das über ihren Häuptern ausgeschüttet wird, belehrt sie bald eines Besseren. Man arrangiert sich, die kleinen Gunstbeweise des Gottes des Glücks tun ein Übriges, die angespannte Atmosphäre zu entspannen – bis sich ein alter, göttlicher Feind ihres Hausgottes meldet und einen Krieg vom Zaun bricht, der droht die ganze Erde zu vernichten …

Viele Gags, viel Tempo – aber Martinez hätte mehr daraus machen können

Einmal mehr beweist A. Lee Martinez, der bei Piper die Nische der humorvollen Fantasy besetzt, dass er mit Ideen punkten kann. Nachdem seine letzten Romane nicht ganz so zu überzeugen wussten, ist die Idee, sich seinen persönlichen Gott aus dem Angebot des Internets auszusuchen, um dann in den Genuss dessen Zuneigung zu kommen, bestechend. Geschickt wählt der Autor mit dem bodenständigen Menschenpaar Teri und Phil ganz normale Sterbliche, durch deren Augen wir einen Blick auf die Allmacht der Götter erhaschen. Dass sich der Plot dann tempo- und abwechslungsreich allerdings immer mehr auf die Animositäten der Götter untereinander konzentriert und die Auswirkung von Göttern, die wahrhaftig und direkt in das Leben ihrer Gläubigen eingreifen, eher Nebensache wird, ist zu bedauern. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Martinez mehr auf die Auswirkungen der um die Gunst ihrer Jünger buhlenden Götter und deren davon abhängiges Rating eingegangen wäre. Das Auf und Ab, das uns die Götterbörse geboten hätte, wäre als Anknüpfungspunkt weit interessanter gewesen als die Auseinandersetzung zwischen Lucky und seinen Widersachern, die zudem noch sehr vermenschlicht daherkommen.

Letztlich reduziert sich alles einmal mehr auf ein Eifersuchtsdrama, in dem die Gottheiten wie kleine Kinder oder pubertäre Jugendliche aufeinander losgehen. Das liest sich zwar, vollgepackt mit jeder Menge Tempo und Gags, ganz nett, hätte aber ausgehend von der genialen Grundidee so viel mehr sein können.

(Carsten Kuhr, November 2012)

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