Das Ding aus einer anderen Welt von Alan Dean Foster

Buchvorstellungund Rezension

Das Ding aus einer anderen Welt von Alan Dean Foster

Originalausgabe erschienen 1981unter dem Titel „The Thing“,deutsche Ausgabe erstmals 1982, 283 Seiten.ISBN 3-453-01630-0.Übersetzung ins Deutsche von Heinz Nagel.

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In Kürze:

Ein außerirdischer Gestaltwandler infiltriert eine isolierte Antarktis-Station. Er kann die Gestalt seiner Opfer fast perfekt annehmen, sodass niemand weiß, ob sein Gegenüber noch Mensch oder schon ein „Ding“ ist ... – Daraus entwickelt sich die übliche Story aus verhängnisvoll falschen Verdachtsmomenten und Verfolgungsjagden, die hier jedoch angemessen simpel, spannend und temporeich erzählt wird: ein lesenswürdiges Buch zu einem klassischen B-Movie.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Frisch aus dem Eis & sofort an der Kehle“85

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

„Outpost 31“ ist vorgeblich eine Forschungsstation der „National Science Foundation“, deren Mannschaft Klima und Geologie der Antarktis untersucht. Tatsächlich geht es einerseits darum, nach möglichen Ölvorkommen zu fahnden, während die USA andererseits ihre Präsenz auch am Südpol demonstrieren will: Wir schreiben das Jahr 1982, weshalb die bösen Sowjet-Teufel noch global ihr Unwesen treiben!

Doch die zwölf Männer von „Outpost“ müssen lernen, dass es sogar tückischere Schurken gibt, als aus einem anderen Wissenschaftler-Camp zwei verrückt gewordene Norweger auftauchen, die verbissen einen Schlittenhund jagen. Sie werden gewaltsam ausgeschaltet, wenigstens der Hund überlebt. Stationsleiter Garry schickt den Piloten Macready und einen Arzt ins Norweger-Camp, um dort nach dem Rechten zu sehen. Sie finden es zerstört und die Insassen tot; offenbar haben sie sich gegenseitig abgeschlachtet.

Außerdem entdeckt Macready Hinweise auf einen bemerkenswerten Fund: Die Norweger haben ein außerirdisches Raumschiff im Eis entdeckt. Bei der Bergung wurde es zwar zerstört, aber eines der tiefgefrorenen Besatzungsmitglieder konnte unversehrt ins Camp gebracht werden. Dort ist zu neuem Leben erwacht und hat sich als lupenreiner Invasor entpuppt: Die Kreatur spritzt ihren Opfern Alien-DNA in den Körper, der sich allmählich in eine auch geistig kontrollierte Kopie des Originals verwandelt.

Leider kommt diese Erkenntnis zu spät: Der Hund, den die Norweger jagten, war infiziert. Inzwischen hat er bzw. das in ihm verborgene Wesen Zeit genug gehabt, mit der Unterwanderung von „Outpost 31“ zu beginnen. Misstrauen und Panik brechen aus. Niemand wird den Männern helfen, niemand darf zu ihnen kommen, denn genau darauf wartet das „Ding aus einer anderen Welt“, um sich weiter zu verbreiten. Wer ist schon infiziert? In den Gängen von „Outpost 31“ bricht ein mörderischer Kampf aus …

Gute Ideen halten frisch wie Polareis

1938 veröffentlichte der Science-Fiction-Schriftsteller John W. Campbell jr. (1906-1971) unter dem Pseudonym „Don A. Stuart“ in der August-Nummer des Magazins „Astounding Stories“ jene Erzählung, die sein berühmtestes Werk wurde. „Who Goes There?“ – „Wer geht dort?“ oder besser: „Wer treibt dort sein Unwesen?“ – lautete der schlichte Titel, mit dem der Verfasser in drei Worte fasste, um welches Thema sich die Geschichte drehte: Wie erkennst und bekämpfst du einen Feind, der perfekt deine Gestalt annehmen kann?

Der Plot war schon damals weder neu noch raffiniert, aber Campbell schürte die Spannung, indem er seine Protagonisten in eine Südpol-Station verbannte, die nur eine winzige Lebensoase in einer lebensfeindlichen Eiswüste darstellt. Flucht ist unmöglich, man muss sich dem Problem stellen: So funktioniert auch der Landhaus-Krimi britischer Prägung. Stuart fügte SF-Technobabbel und (sachte) Horror-Effekte hinzu und schuf eine gerade aufgrund ihrer Schlichtheit und Konsequenz höllisch spannende Abenteuergeschichte.

Nach einer ersten Verfilmung 1951 (s. u.) sollte sich das Remake von 1982 in den Reigen zeitgenössischer SF-Blockbuster einreihen. Durch „Star Wars“ war die Science Fiction zum Kino-Mainstream aufgestiegen. Die Studios waren bereit, mehr Geld in die Produktion zu investieren. Mit den Budgets stiegen wie erhofft die Einkünfte, und noch einmal George Lucas hatte gezeigt, dass der Verdienst mit einem flankierenden Merchandising weiter zu steigern war.

Foster, übernehmen Sie!

Zum „Thing“-Film von 1982 wurde u. a. ein Roman in Auftrag gegeben. Campbell hatte sein Grusel-Garn auf Story-Kürze konzentriert. Auch neu aufgelegt war damit kein Geschäft zu machen; ein ´richtiges´ Buch musste her, zumal man für den neuen Kinofilm diverse Handlungsveränderungen vorgenommen hatte, um ihn zeitgemäßer zu gestalten. So floss das post Campbell deutlich gewachsene Wissen um Themen wie Genetik und Mutation ins Drehbuch ein; die Existenz eines Gestaltwandlers aus dem Weltall klang nun zumindest ´realistischer´ als 1938.

Außerdem musste die Handlung angereichert und ´aufgepolstert´ werden, um einen Film mit beinahe zweistündiger Laufzeit zu tragen. Drehbuchautor Bill Lancaster (1947-1997) – Sohn des Schauspielers Burt Lancaster – schrieb ein Drehbuch, das diese Voraussetzungen erfüllte. Als roten Fadens entwickelte er ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, in dem die Männer von „Outpost 31“ einer nach dem anderen ´assimiliert´ wurden.

Die Umsetzung dieses Buches in einen Roman zum Film übernahm ein früher Profi seines Fachs: Alan Dean Foster schrieb in den späten 1970er und 1980er Jahren eine Vielzahl solcher „tie-ins“. Er war schnell und arbeitete terminorientiert, was die Auftraggeber freute, während die Leser nicht mit einem Abfallprodukt zum Film abgespeist wurden, sondern einen ´richtigen´ Roman für ihr Geld erwarben.

Ene, mene – buh!

Mit „Das Ding aus einer anderen Welt“ schrieb Foster einen seiner besten Filmromane. Man darf dafür sicherlich die Vorlage mitverantwortlich machen, weil sie ein stabiles Handlungsgerüst bot, auf dem Foster gut aufbauen konnte. Aber er beschränkte sich nicht darauf, Szenen und Dialoge durch eigene Worte miteinander zu verknüpfen. Foster brachte eigene Ideen ein, schuf den Figuren Biografien und gab ihnen damit Konturen, wobei er solche Hintergrundinfos der Handlung nicht aufpfropfte, sondern sie an geeigneten Stellen einfließen ließ – einen Job, den auf der Leinwand Schauspieler und Regisseur übernahmen. Auch den Alltag in einer Polarstation wusste Foster geschickt weil einprägsam darzustellen: Noch bevor die eigentliche Handlung einsetzt, wissen die Leser, wer in der nun dramatisch werdenden Geschichte wo einzuordnen ist.

Die Handlung folgt einer denkbar simplen Dramaturgie. Wen wird das Ding als nächsten packen, wie wird es seine Taktik ändern, was lassen sich seine Opfer einfallen, um ihm bzw. es zu erwischen? Der Film bietet optische und akustische Möglichkeiten, diese Ereignis-Module mit Leben zu füllen. Das Buch kann dem nur flache Seiten und schwarze Buchstaben entgegensetzen. Doch der Autor kann ausgleichen, indem er in die Köpfe der Figuren blickt und aufdeckt, was ihnen in dramatischen Momenten durch das Hirn schießt, wenn es nicht gerade die Krallenklaue des Dings ist. Dies bedeutet einen gewissen Arbeitsaufwand, den viele „tie-in“-Autoren scheuen, womit sie wissentlich in Kauf nehmen, keinen Roman, sondern nur eine flache, langweilige Nacherzählung zu fabrizieren.

Wes´ Brot ich ess …

Nimmt man seinen Job so ernst wie Foster, kann auch ein Roman zum Film eine arbeitsintensive und aufreibende Herausforderung darstellen. Im Interview erläuterte Alan Dean Foster seine Arbeitsmethodik (nachzulesen in: Wolfgang Jeschke [Hg.], Das Science Fiction Jahr 1998, Wilhelm Heyne Verlag 1997, S. 565-574.) und die damit einhergehenden Probleme. In der Regel erfährt das Buch während des Drehs zahlreiche Veränderungen. Szenen werden geändert, gekürzt oder völlig gestrichen, wodurch sich manchmal der Grundtenor eines Films vollständig wandeln kann. Mit der nachträglichen Angleichung oder Streichung betroffener Sequenzen im Buch zum Film ist es deshalb nicht getan. Der ´gute´ „tie-in“-Autor schreibt im Wettlauf mit den Dreharbeiten, was mit ein Grund ist, dass Foster diese lukrative Arbeit für viele Jahre aufgab: Die Arbeit am Roman zum chaotisch entstehenden Film „Alien 3“ hatte ihn 1992 den letzten Nerv geraubt.

Auch „Das Ding ...“ beinhaltet Szenen, die es in Carpenters Endschnitt-Fassung nicht geschafft haben. So fehlt beispielsweise die aufregende Über-Eis-Jagd auf einen besessenen Hund, dessen Alien-Besetzer versucht, eine andere Station zu Fuß zu erreichen. Im Film hätte sie den Handlungsrhythmus gestört. Im Roman macht sie sich gut.

Fosters „Ding“-Version ist sicherlich trotz aller Bemühungen kein großartiges Werk. Dreißig Jahre nach seiner Entstehung lässt sich freilich erkennen, dass dem Verfasser eine grundsolide, zeitlos spannende SF-Horror-Abenteuer-Geschichte gelungen ist, die sich problemlos und unterhaltsam auch ohne Kenntnis des Films lesen lässt. Ein größeres Kompliment lässt sich einem „tie-in“-Autoren vermutlich nicht machen!

„Das Ding“ im Kino

Als nach dem II. Weltkrieg der Science-Fiction-Film populär und zahlreich wurde, musste Hollywood zwangsläufig auf Campbells „Who Goes There?“ aufmerksam werden. Die Story war simpel und spannend, die Kosten ihrer Umsetzung blieben überschaubar, da die Handlung sich fast ausschließlich auf die Innenräume einer Polarstation beschränkte, die sich als Studiokulisse gut nachbilden ließ. Ein gewisses Problem blieb die Darstellung des „Dings“. Die Umsetzung seiner gestaltwandlerischen Fähigkeiten überstieg die Möglichkeiten des zeitgenössischen Kinos. Man umging dies, indem man das Ding klassisch, also als hässliches, Furcht einflößendes Monster gestaltete und es so lange wie möglich im Schatten ließ.

So wurde 1951 „The Thing“ gedreht. Unter straffer Aufsicht des Meisterregisseurs Howard Hawks (1896-1977) – und wohl auch mit seiner tatkräftigen ´Mithilfe´ – inszenierte Christian Nyby (1913-1993) ein straffes, gut besetztes und spannendes B-Movie, das zu den Klassikern des Genres zählt und über viele Jahrzehnte nichts von seinem Unterhaltungswert eingebüßt hat, obwohl das Ding nur ein zweibeiniger Gurken-Kaktus ist, unter dessen Gummihaut der junge James Arness (1923-2011) – später Marshall Matt Dillon in „Rauchende Colts“ – steckt.

Drei Jahrzehnte später kehrte das Ding zurück. Der aktuell sehr erfolgreiche John Carpenter beschloss, in Sachen Gestaltwandlung kompromisslos zeigefreudig zu werden, und setzte einen Film in Szene, der seiner Zeit ein wenig zu weit voraus war: 1982 war es das Publikum noch nicht gewöhnt zu sehen, wie Körper von innen nach außen gestülpt oder anderweitig aus der Fasson gebracht wurden. Kritik und Kinokasse waren sich einig in ihrer Ablehnung. Für Carpenter war der Höhenflug erst einmal beendet. Inzwischen ist seine „Ding“-Version längst rehabilitiert: Campbells Vorlage wird als SF-Horror-Abenteuer-Spektakel ohne Längen oder aufgesetzte Liebesgeschichte – Frauen spielen überhaupt nicht mit – gelungen neu interpretiert. Die noch CGI-freien, d. h. ´handgemachten´ Effekte sind ohnehin Legende.

„Das Ding“ im digitalen 21. Jahrhundert zeigte uns noch einmal drei Jahrzehnte später Matthijs van Heijningen Jr. in seinem ersten Hollywood-Film. „The Thing“ von 2011 ist Remake und Prequel zugleich; wir erfahren nun, was in dem norwegischen Camp geschah, bevor das Ding nach „Outpost 31“ umzog: eigentlich dasselbe wie dort, aber halt mit zeitgemäßen Spezialeffekten und einer weiblichen Hauptrolle.

(Dr. Michael Drewniok, Dezember 2011)

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