Die Außenseiter von Alan Dean Foster

Buchvorstellungund Rezension

Die Außenseiter von Alan Dean Foster

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „Phylogenesis“,deutsche Ausgabe erstmals 2004, 446 Seiten.ISBN 3-404-24327-7.Übersetzung ins Deutsche von Ruggero Leo.

»Die Außenseiter« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Erstkontakt. Die Menschen und die insektenartigen Thranx überwinden ihre angeborene Scheu voreinander und knüpfen vorsichtig erste Kontakte. Langsam soll diese Annäherung vor sich gehen, so beschließen es zumindest die Wissenschaftler und Politiker auf beiden Seiten. Vor der Bevölkerung soll der Erstkontakt erst einmal geheim gehalten werden. Doch niemand hat mit einer zufälligen Begegnung zweier ungewöhnlicher Außenseiter gerechnet: Das Schicksal schickt den verrückten Poeten Desvendapur vom Volke der Thranx und den Betrüger und Gauner Cheelo auf eine Reise, die nicht nur sie selbst von Grund auf verändern wird, sondern von der auch die komplette Zukunft ihrer Heimatwelten abhängt…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Sechsbeiniger Querdenker trifft zweiarmigen Tagedieb“65

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

Willow-Wane, eine eher unbedeutende Randwelt der Galaxis, wurde von den Thranx, intelligenten Riesenameisen, entdeckt und besiedelt. Allerdings wird der Planet auch von ihren ewigen Konkurrenten, den reptilischen AAnn, beansprucht. Sie sind von Natur aus kriegerisch und würden Willow-Wane im Kampf erobern, hätten sie nicht in einem grausamen Krieg gegen die Thranx den Kürzeren gezogen. Seither sind sie vorsichtiger, aber keineswegs friedfertiger geworden. Auf Willow-Wane haben die AAnn eine Geheimbasis eingerichtet, deren Enttarnung einen blutigen Konflikt auslöste. Um einen neuerlichen Krieg zu verhindern, haben sich die Gegner geeinigt. Die AAnn werden seither auf dem Planeten geduldet. Glücklich ist niemand mit diesem Kompromiss; die Thranx wissen, dass die AAnn im Untergrund weiter Ungutes treiben.

Der junge Thranx Desvendapur, ein begabter Dichter, gilt unter den Seinen als Außenseiter. Ständig hinterfragt er die Regeln und macht sich bei seinen Artgenossen wenig Freunde. Stets bemüht er sich, genau das Gegenteil von dem zu tun, was diesen recht und billig ist. Deshalb horcht Desvendapur auf, als er von einer dritten, sehr geheimnisvollen Kolonie erfährt: Auf Willow-Wane gibt es Vertreter der Menschen, mit denen die Thranx erst kürzlich erste Kontakte geknüpft haben. Sie sind warmblütig und wirken auf die beherrschten Insektoiden eher abstoßend. Aber die Thranx erkennen das Potenzial der Menschen und würden sie gern als Verbündete gewinnen.

Desvendapur verschafft sich Zugang zum heimlichen Stützpunkt Geswixt. Dort macht er die Bekanntschaft mit Cheelo Montoya, einem kleinen Gauner, dem auf der Erde der Boden zu heiß wurde. Ausgerechnet dieses ungleiche Duo wirft das Schicksal – mit unfreundlicher Unterstützung der AAnn – in eine Mission, von deren Gelingen mehr als die Zukunft des Planeten Willow-Wane abhängen wird …

Kammerspielartiger Auftakt einer „Future History“

Aller Anfang ist schwer; das gilt (vermutlich) bzw. erst recht für den Erstkontakt zwischen Menschen und Außerirdischen. Wobei den Menschen dieses Mal die Rolle der Fremden zufällt, denn „Die Außenseiter“ wird zunächst und vor allem aus der Sicht eines Thranx’ erzählt. Es dauert eine Weile, bis die Besucher von der Erde die Szene betreten. Auf Willow-Wane sind sie nur Gäste, und sie stehen unter doppeltem Druck: Ist es schon schwierig, von Mensch zu Mensch Freundschaft zu schließen, gilt dies verständlicherweise noch stärker, wenn sich Mensch und Riesenameise gegenüber stehen.

Der Mensch kämpft ständig mit dem Drang, seine sechsbeinigen Mitbewohner mit der zusammengerollten Zeitung zu verfolgen. Die Thranx sind ihrerseits keineswegs frei von Vorurteilen. Sie verabscheuen insgeheim diese bizarre Lebensform, die weiches Fleisch auf einem Innenskelett trägt, statt es unter einem glänzenden Hornpanzer zu verbergen! Nicht einmal die panzerhäutigen AAnn wirken so fremd.

Dem regelmäßigen SF-Leser klingen diese und andere fremdartige Namen dagegen vertraut. Der „Homanx-Commonwealth“-Kosmos ist die in vielen Jahrzehnten geschriebene Geschichte einer möglichen Zukunft. Mal mehr, mal weniger locker vereinigt Alan Dean Foster die meisten seiner außerhalb der Fantasy geschriebenen Romane zu einer „Future History“. Sowohl die Abenteuer des jungen Telepathen Flinx und seines empathischen Minidrachen Pip als auch eine Reihe von Romanen um die Erforschung (und Störung) fremder Ökosysteme durch Thranx und Menschen hat Foster darin eingebettet.

Alles zurück auf Anfang

Das „Commonwealth“ ist ein föderativ strukturierter politischer und kultureller Zusammenschluss der von Menschen bewohnten Welten mit den Planeten der Thranx. Die Thranx sind eine insektoide Rasse, die den Menschen Angst einflößt. Auch über die Jahrhunderte des Kontakts erhalten sich diverse Vorurteile in den Köpfen der Menschen.

„Die Außenseiter“ ist der erste Roman des so genannten „frühen“ Homanx-Zyklus. Chronologisch betrachtet erzählt er allerdings nicht die erste Geschichte. Bereits in dem 1982 erschienenen Roman „Nor Crystal Tears“ (dt. „Auch keine Tränen aus Kristall“) hatte Foster die erste Begegnung zwischen Menschen und Thranx geschildert. Eindrucksvoll beschrieb er, wie die Menschen ihre auf Äußerlichkeiten basierende Abscheu überwinden.

An diesen Schlüsselroman schließt „Die Außenseiter“ an. Die erste Begegnung hat stattgefunden, Menschen und Thranx knüpfen vorsichtig die nächsten, weiterhin von gegenseitigem Misstrauen geprägten Kontakte. Die Menschen siedeln in abgeschlossenen Habitaten auf den Thranx-Welten.

Buddys aus Fleisch und Chitin

Während die Thranx die erste fremde Rasse sind, denen der Mensch begegnet, haben sich die Insekten schon mehrmals mit den reptilienartigen und feindlichen Aann auseinandersetzen müssen. Der von seinem allzu geregelten Leben enttäuschte Thranx-Dichter Desvendapur ist der letzte Überlebende eines Nestes, das die Aann vernichtet haben. Er ist der Ansicht, nur in der streng bewachten menschlichen Kolonie die Inspiration für seine große Ballade finden zu können. Bei seinem Eindringen tötet er aus Versehen einen Artgenossen, nimmt dessen Identität an, arbeitet sich in der Bürokratie hoch und erhält schließlich die Chance, mit einem Thranx-Team auf die Erde zu reisen. Dort haben die Menschen in der Abgeschiedenheit der Anden einen Stützpunkt für die Thranx eingerichtet.

Der kleine Gangster Cheelo Montoya hat ein anderes Problem: Sein letzter Coup ist schief gegangen, und er hofft, im dichten Regenwald unterzutauchen. Er ahnt nicht, dass er dort auf Desvendapur treffen wird, dessen Landsleute ihn inzwischen als Mörder identifiziert haben und jagen.

Durchaus geschickt spielt Foster Autor mit der Erwartungshaltung seiner Leser. Der Thranx ist depressiv und zynisch, der Gauner misstrauisch und verschlagen. Auf der Flucht durch den heißen Dschungel kommen sich die beiden Wesen näher. Wie jeder echte (Trivial-) Held hatten beide nie geplant, aktiv Geschichte zu schreiben. Foster gibt ihnen keinen Augenblick Zeit, über die historische Bedeutung der Ereignisse nachzudenken. Er nutzt charakterliche Stärken und Schwächen und baut aus zwei attraktiv ungleichen Teilen ein Fundament, auf dem Jahrhunderte später ein Doppel-Sternenreich sicher und souverän stehen wird.

Abenteuer und Anspruch in der Balance

Unterhaltsam gelingt es Foster, eine nonverbale Verständnisbrücke zwischen den beiden Wesen zu bauen. Dabei profitieren Roman und Leser von dem Trick, dass die Handlung mit den Außerirdischen einsetzt, während die Menschen lange nur indirekt durch die Beschreibungen der Thranx und dann von Gerüchten und Vorurteilen ins Unerkenntliche verzerrt in Erscheinung treten. Auf diese Weise werden die fremdartigen Thranx uns vertraut und sympathisch.

Sehr konsequent beantwortet Foster in diesem Zusammenhang Fragen über die Biologie seiner Aliens, die in den bisherigen Romanen keine oder nur untergeordnete Rollen spielten. Foster vermeidet trockene Sachlichkeit durch behutsam eingesetzte Situationskomik. Desvendapur nutzt geschickt das steife und formale Verhalten seiner Rasse aus, um seinen unglaublichen Plan umzusetzen. Dies schildert der Autor augenzwinkernd aber im Gesamtkontext nachvollziehbar.

Dass die ersten Begegnung zwischen Dichter und Straßenräuber viele Ansätze für humorvolle Seitenhiebe bietet, versteht sich von selbst. Auch hier operiert Foster mit einer Prise trockenen Humors und zerstört zu keinem Zeitpunkt die sich vorsichtig anbahnende Beziehung zwischen den beiden Intelligenzwesen.

Buntes Licht, doch einige Schatten

Mit „Die Außenseiter“ kehrt Foster zu seinen Wurzeln zurück: Die Handlung ist eine farbenprächtige Space Opera mit exotischen Außerirdischen, klassischen Bösewichtern und plastisch beschriebenen Figuren. Nicht die AAnn, sondern (einige) Menschen sind die uneinsichtigen Bösewichte. Trotz aller Entbehrungen und Opfer wird der Weg zu einer unwahrscheinlichen, aber dauerhaften Freundschaft geebnet. Dass es Foster gelingt, überzeugende, und in gewisser Weise menschliche Außerirdische zu erschaffen, ist hier deutlich hervorzuheben.

Allerdings fehlt dennoch etwas. Leider ist es der „Sense of Wonder“, der Fosters frühe „Homanx“-Romane auszeichnet. „Die Außenseiter“ (sowie die beiden Fortsetzungen) deuten an, was die späten Geschichten um Flinx & Pip bestätigen: Foster ist mehr gewandter und geschickter Handwerker als innovativer Schriftsteller. Was in den 1970er und 80er Jahren frisch wirkte, erstarrt heute zur Abenteuerroutine. Foster spult sein Programm ab und beschränkt sich auf die Variation des Bekannten, was sich keineswegs übersehen lässt. „Die Außenseiter“ ist nur Auftakt einer Trilogie, doch schon gibt es Längen. Entweder hatte Foster früher seine Geschichten besser im Griff, oder zumindest sein Stammpublikum ist erwachsen und anspruchsvoller geworden.

Ihre Meinung zu »Alan Dean Foster: Die Außenseiter«

Ihr Kommentar zu Die Außenseiter

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.