Herr der Plagen von Alan Dean Foster

Buchvorstellungund Rezension

Herr der Plagen von Alan Dean Foster

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „Interlopers“,deutsche Ausgabe erstmals 2004, 397 Seiten.ISBN 3-404-24323-4.Übersetzung ins Deutsche von Ruggero Leo.

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In Kürze:

Magenprobleme. Untergehende Zivilisationen. Nervenzusammenbrüche. Schieben sie das ruhig alles auf eine Fügung des Schicksals, aber der Archäologe Cody Westcott weiß es besser. Etwas verursacht all diese Unannehmlichkeiten, die scheinbar zufällig auftreten. Etwas Uraltes, Böses, etwas… das großen Hunger hat…

Das meint phantastik-couch.de: „Das Böse als Nährboden unsichtbarer Schmarotzer“35

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

Leid und Streit begleiten die Menschen seit jeher. Dass dies nicht unbedingt in ihrem Wesen angelegt ist, sondern von außen gesteuert wird, entdeckt Archäologie-Professor Coschocton „Cody“ Westcott durch einen Zufall: Auf einer Ausgrabung in Nordperu findet er in der Kollegin Kelli Alwydd nicht nur seine zukünftige Gattin, sondern in einer Zeremonienhöhle der Chachapaya-Indianer ein Jahrhunderte altes Schamanen-Rezept für einen Trank, der buchstäblich die Augen öffnet.

Plötzlich erspäht Westcott überall die „Okkupanten“ – ektoplasmatische Parasiten aus einer fremden Dimension, die unsichtbar die Welt der Menschen heimsuchen. Heimlich schüren sie Schmerz und negative Gefühle ihrer Wirte und nähren sich davon. Natürliche Substanzen – unbehandeltes Holz, Stein, Pflanzen – sind jedem dieser unheimlichen Räuber zunächst Hafen und Gefängnis zugleich: Erst muss das Opfer die Heimstatt des Okkupanten berühren, um befallen werden zu können. Außerdem stoßen synthetische Materialien und 'vermischte’ Stoffe die Okkupanten ab.

Da niemand sie sehen kann, ist der Tisch der Parasiten normalerweise reich gedeckt. Nun weiß der erschrockene Cody Westcott Bescheid. Er will den Kampf gegen die finsteren Kreaturen aufnehmen, aber er steht allein. Nicht einmal Gattin Kelli vermag ihm Glauben zu schenken. Schlimmer noch: Den Okkupanten ist Westcotts Fähigkeit nicht verborgen geblieben.

Weil Westcott ihnen nicht direkt in diverse Fallen geht, hetzen sie ihm ihre Geheimwaffe auf den Hals: Menschensklaven, die mit ihnen zusammenarbeiten und Feinde sehr wohl direkt attackieren können. Westcott muss erleben, dass die Männer und Frauen, die er ins Vertrauen zu ziehen versucht, diversen 'Unfällen’ zum Opfer fallen. Als auch Kelli von den Okkupanten schwer verletzt wird, lässt Westcott jegliche Hoffnung fahren. Glücklicherweise meldet sich da Karl Heinrich Oelefsenten von Eichstatt bei ihm, ein Repräsentant der „Gesellschaft“, die seit Jahrhunderten die Okkupanten bekämpft und nun auch Westcott für ihre Sache rekrutieren will. Da die Rettung von Kelli der Preis ist, lässt sich dieser nicht lange bitten, und eine wüste Schlacht in dieser und anderen Welten hebt an …

Indiana Jones und die Blumen des Bösen?

Romane wie „Invasion of the Body Snatchers“ (dt. „Die Körperfresser kommen“, von Jack Finney) und „The Puppet Masters“ (dt. „Weltraum-Mollusken erobern die Erde“/„Die Puppenspieler“, von Robert A. Heinlein) und Filmklassiker wie „Invaders from Mars“ (1953, dt. „Invasion vom Mars“) sind berühmte Vorbilder der hier vorgelegten Schauermär, für die wir Freunde des Phantastischen indes viele, viele weitere Beispiele nennen könnten.

Unsichtbare Parasiten haben die Erde erobert und lassen deren Bewohner nach ihrer Pfeife tanzen – eine unheimliche Vorstellung, weil sie die Unfähigkeit der Verteidigung impliziert. Kämpfen will man ja um seine Freiheit, wenn es denn sein muss, aber was ist, wenn man vom Gegner nicht einmal weiß?

In den eingangs genannten Romanen und Filmen (das Werk von Finney wurde gleich viermal hervorragend verfilmt) spielte noch die Angst vor der „Roten Gefahr“ eine Hauptrolle. Hinter den Invasoren verbargen sich kaum maskiert allerlei kommunistische Übeltäter, die es auf die USA als Land der wahren und damit gefährlichen Freiheit abgesehen hatten. Solche politischen Untertöne vermeidet Alan Dean Foster völlig. „Herr der Plagen“ ist nur ein abenteuerliches Garn, eine Mischung aus Stephen King und Michael Crichton plus einem Spritzer Indiana Jones (bzw. Rick O=Connell aus den „Mumien“-Blockbustern von 1999, 2001 und 2008).

Der Plot ist folglich wenig originell. Das ist nicht ungewöhnlich für Foster, den man wohl eher als soliden Handwerker denn als Mythenschöpfer bezeichnen kann. Die Idee von der gleichsam beseelten und geknechteten Natur erfüllt ihren Zweck, zumal sich Foster große Mühe gibt, das Wüten der Okkupanten in packenden Worten zu schildern. Die Konstellation vom „Mann allein gegen den übermächtigen Feind“ ist ebenfalls bewährt.

Mauer Start & flaues Finale

Über dem turbulenten Hin und Her geraten die Schwächen der Story zunächst in den Hintergrund. So fällt es schwer zu glauben, dass Cody Westcott sich Monate Zeit lassen kann, seinen Gegner zu studieren, während er gleichzeitig seinem Job nachgeht, als sei nichts geschehen. Über die Okkupanten wundert man sich, dass sie, die in ihren Sklaven über handfeste Werkzeuge verfügen, sich ewig darauf beschränken Westcott zu warnen, statt ihn sogleich aus dem Verkehr zu ziehen, bevor er allzu viel über sie herausgefunden hat. Auch Foster ist sich dieses Dilemmas bewusst; seine Erklärung ist reichlich matt. (Die Okkupanten wollen nicht durch eine Mordserie Aufsehen erregen – aber wem sollte das eigentlich auffallen?)

Auch die Deutung der Menschheitsgeschichte als Spielplatz der Okkupanten wird reichlich übertrieben. Sogar (oder gerade) die Nazis sind nach Foster eine 'Erfindung’ der Parasiten. Selbst unter der gebotenen Ignorierung der „political correctness“ ist das kein guter Einfall; die Menschen benötigen keine Mächte aus dem All, die sie zum Bösen & Dummen anstiften; das schaffen sie sehr gut selbstständig.

In der zweiten Hälfte beginnt Foster zu schludern. Das Tempo zieht an, ohne dass die Logik Schritt halten kann. Statt dessen klittert der Verfasser ziemlich plump diverse turbulente Episoden zusammen, um sein Opus auf Länge zu bringen. Ohne echten Höhepunkt verpufft auch das Finale wie der erzürnte Bunyip-Dämon, der unsere Helden kreuz und quer durch den Dschungel von Neuguinea jagt. Das riecht förmlich nach einer Fortsetzung, die Foster sich und seinem Publikum jedoch ersparen sollte.

Klischee, Klischee!

Der Story angemessen ist die Figurenzeichnung. Soll heißen: Hier werden Protagonisten ins Spiel gesetzt, die in bereits existierenden und oft genutzten Formen gegossen wurden. Cody Westcott ist indianischer Herkunft und wird schon von daher mit einem politisch korrekten Sympathievorschuss versehen. Er ist zurückhaltend und entschlossen zugleich – der ideale Held für den Unterhaltungsroman (oder -film) des 21. Jahrhunderts.

Gattin Kelli ist – so gehört es sich als Ausgleich – mindestens ebenso schlau wie ihr Cody, aber – mit der Gleichberechtigung darf es um des größten gemeinsamen Nenners der Leserschaft niemals übertrieben werden – selbstverständlich wunderschön. Zwar gilt sie als weibliche Hauptperson, aber am Kampf gegen die Okkupanten nimmt sie über weite Strecken nicht aktiv teil, sondern wird in die Opferrolle abgedrängt; an ihrem komatösen Körper leistet Cody den Hollywood-Schwur der Rache, die ihn im sich anschließenden Getümmel über sich selbst hinauswachsen lässt.

Karl Heinrich Oelefsenten von Eichstatt ist der „gute Deutsche“ des US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Zwar lässt uns Foster nie vergessen, dass die Teutonen nach wie vor schwarzbraun wie die Haselnuss, d. h. seltsam steif im Wesen und irgendwie verdächtig sind, aber auch klug und diszipliniert und von daher tauglich als Verbündete in der Geisterschlacht. Deshalb darf „Oelefse“ auch mild über amerikanischen Kaffee, Bier und Automobile spotten – ja, ja, die Amis sind tolerant geworden.

Die Okkupanten sind ihrem Verhalten entsprechend vor allem bösartig. Parasiten dürfen so reinen Gewissens beschrieben werden, denn ihre Lebensweise macht sie uns Lesern als potenziellen Opfern mit gutem Recht unheimlich. Foster bedient sich geschickt echter Voraussetzungen: Parasiten sind nicht wirklich intelligent, sondern können sich vor allem im Verborgenen halten. Das müssen sie auch, da sie normalerweise über keine anderen Verteidigungsmöglichkeiten verfügen. Insofern können die manchmal reichlich unlogischen Aktivitäten der Okkupanten nachträglich erklärt werden. Das ist jedenfalls foster-freundlicher als die nüchterne Feststellung, dass dieser Roman quasi auf Autopilot verfasst wurde …

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