Kriegsrat von Alan Dean Foster

Buchvorstellungund Rezension

Kriegsrat von Alan Dean Foster

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „The Light-Years Beneath My Feet“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 350 Seiten.ISBN 3-404-24356-0.

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In Kürze:

Walker und der sprechende Hund George sind wieder frei – vorerst. Mit Hilfe neuer Freunde konnten sie ihre außerirdischen Entführer überlisten. Nun sind die beiden viele Lichtjahre von ihrer Heimat, der Erde, entfernt. Noch voller Aufregung bestaunt Walker die hochgradig fortschrittliche Welt seiner Retter – schließlich ist er der erste galaktische Reisende seiner Spezies. Doch tief in seinem Innersten zieht es ihn nach Hause. Aber wo liegt sein Heimatplanet eigentlich? Und wie soll er je dorthin zurückfinden? Die Lösung für sein Problem liegt in einem ungewöhnlichen Weg: Er muss Delikatessen für außerirdische Gaumen bereiten …

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Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

Alan Dean Foster ist ein echter Vielschreiber: Er hat in den letzten Jahren über 100 Bücher veröffentlicht. Die meisten waren Eigenkreationen, doch er hat auch etliche sogenannte Novelizations verfasst, darunter die Alien-Filmromane. Mit „Kriegsrat“ legt er jetzt den zweiten Teil seiner „Taken“-Trilogie vor und stellt damit seine thematische Vielseitigkeit unter Beweis.

Marcus Walker, in „Safari“ zwecks Versklavung von Aliens entführt und von anderen gerettet, lebt mittlerweile recht komfortabel auf dem Planeten der Sessrimathe. Zwar hat er richtig Heimweh, doch er vertreibt sich die Zeit als Starkoch für Sessrimathe-Gourmets. Foster beschreibt die Kochkünste des galaktischen Jamie Oliver derart plastisch, dass man unweigerlich Appetit bekommt auf seine Khirach-tel-Soufflés mit Bariile und Geljee.

Walkers Ruhm als exotischer kulinarischer Künstler eilt ihm voraus und er bekommt ein neues Jobangebot: Küchenchef auf dem Planeten der Niyyuu. Angehörige dieses Volkes sind bestenfalls humanoid, doch so anmutig, dass sich Walker beinahe in seine neue Arbeitgeberin Viyv-Pym verliebt. Er nimmt den Job in der Hoffnung an, so der Erde wieder näher zu kommen.

Aber die technologisch hoch entwickelten Niyyuu sind nicht nur an Haute Cuisine interessiert, sie sind auch nach irdischen Maßstäben geradezu krankhaft sensationslüstern. Die grazilen Wesen haben eine Methode entwickelt, unvermeidliche Kriege so auszutragen, dass die Zivilgesellschaft davon nicht betroffen wird: Gekämpft wird nur mit primitiven Waffen, die Soldaten sind freiwillige Gladiatoren und das Kampfgebiet ist eng begrenzt sowie fernab der Zivilisation, alle Parteien halten sich an die Regeln. Was auf den ersten wie die Zähmung der Bestie Krieg durch Moderation klingt, sorgt für Top-Einschaltquoten auf allen Kanälen der Niyyuu-News. Reporter berichten live vom Schlachtfeld, das blutige Gemetzel wird mit fast schon voyeuristischem Eifer verfolgt.

Walker ist verwirrt und geschockt zugleich. Sind die Niyyuu tatsächlich in der Lage, Gewalt zu kanalisieren oder schlichtweg blutdürstig? Hier hat Foster seinen Plot-Twist angesetzt: Was passiert, wenn ein Alien (Walker) mit knallharter Erfahrung im Wall Street-Aktienhandel bei anderen Aliens (Niyyuu) auftaucht, die Krieg auf die eben beschriebene Weise führen?

Milder Humor

Mit „Kriegsrat“ bekommt die „Taken“-Trilogie eine ungewöhnliche Wendung von einer Aliens-entführen-Erdling-und-er-überlistet-sie-Comedy hin zu einem Soft-SF-Roman. Durchsetzt von Fosters lindem, aber stets unterhaltsamem Humor, fokussiert die Spekulation auf die politischen und gesellschaftlichen Eigenheiten der Niyyuu. Dass diese den schmutzigen Krieg mit selbst aufgestellten Regeln sauber waschen, sich aber gleichzeitig an ihm ergötzen wollen, ist eine aus diversen Kriegen der letzten Jahre, die im Namen der Freiheit des Westens geführt wurden, nur allzu bekannte Bigotterie. Eine Lesart wäre demnach, dass Foster nicht nur die aggressive Außenpolitik der USA, sondern auch das Verhalten von Medien und Zuschauern anprangert.

Das Buch ist aber auch das Produkt der reichen Fantasie des Autors, der wie aus dem Handgelenk neue Rassen mit ihren individuellen Eigenarten schüttelt, der seine oftmals vielbeinigen und mehrfarbigen Charaktere plastisch zu zeichnen vermag. Unterm Strich ist „Kriegsrat“ unterhaltsam, nicht ohne Anspruch, aber dennoch kein Pageturner. Dafür sind der Humor zu mild, die Gesellschaftskritik zu oberflächlich und der Spannungsbogen nicht straff genug.

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