Aurora von Alastair Reynolds

Buchvorstellungund Rezension

Aurora von Alastair Reynolds

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „The Prefect“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 860 Seiten.ISBN 3-453-52502-7.Übersetzung ins Deutsche von Irene Holicki.

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In Kürze:

Mit seinem Bestseller „Unendlichkeit“ hat Alastair Reynolds die Science Fiction in das 21. Jahrhundert geführt: Millionen von Leserinnen und Lesern rund um die Welt haben die Abenteuer der Menschheit in dieser fernen, düsteren Zukunft verfolgt, in der wir nur eine von vielen Spezies im Universum sind. Nun kehrt Reynolds in diese Zukunft zurück und erzählt das große Finale: Wer sind die Amarantin, die geheimnisvolle Alien-Rasse, die hinter den Kulissen die Geschehnisse in der Galaxis beeinflusst, wirklich? Und welche Pläne verfolgen sie?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein Taschenbuch im Breitwandformat“90

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Um den fernen Planeten Yellowstone kreist das Glitzerband, eine Ansammlung von 10.000 Habitaten. Diese Habitate gleichen selbstständigen Städten, deren unterschiedliche, menschliche Gemeinschaften nur von ihrer Regierungsform, einer radikalen Demokratie, zusammengehalten werden. Hierdurch genießen die Bewohner größtmögliche Freiheiten. Einzige Voraussetzung dabei ist, dass auf demokratischem Wege entschieden wird. Ihre Stimme geben die Menschen durch die Abstraktion’ ab, ein Datennetzwerk, das alle Habitate miteinander verbindet.

Und so tummeln sich im Glitzerband demokratische Gemeinschaften neben selbst gewählten Tyranneien; Habitate, die dadurch ihren Lebensunterhalt bestreiten, dass sie bei den Abstimmungen besonders „weise“ stimmen, neben solchen, die ausgeloste Bewohner, nur zur Unterhaltung, auf bestialische Weise ermorden lassen.

Über die Einhaltung der demokratischen Regeln wacht die Organisation Panoplia, geleitet von Oberpräfektin Jane Aumonier. Doch die Handlungsfreiheit Panoplias ist eingeschränkt, nur gegen Verstöße, die direkt das demokratische System betreffen, dürfen ihre Präfekten vorgehen. Über weitere Maßnahmen, z.B. den Einsatz von nicht zur Standardausrüstung der Agenten gehörenden Waffen, muss zuerst durch die Abstraktion entschieden werden.

Einer ihrer Außendienstpräfekten ist Tom Dreyfus. Als eines der unzähligen Habitate explodiert, hat er die Aufgabe, herauszufinden, wie es dazu kommen konnte. Anfänglich sieht alles nach einem Racheakt aus, doch der Vorfall zieht immer weitere Kreise, die das Glitzerband letztlich bis an den Rand der vollkommenen Auslöschung bringen könnten. Bei seinen Ermittlungen stößt Dreyfus immer wieder auf zwei Personen: Zum einen ist da die geheimnisvolle Aurora, die den Namen eines vor langer Zeit bei einem gewagten Experiment gestorbenen Kindes trägt. Auf der anderen Seite scheint ein nichtmenschlicher Serienmörder, der angeblich vernichtet wurde, immer noch im Glitzerband sein Unwesen zu treiben. Der Uhrmacher wird unter anderem auch für den Tod von Dreyfus’ Frau verantwortlich gemacht.

Er kann es nicht lassen

Mit Aurora entführt Alastair Reynolds den Leser erneut in das Unendlichkeit-Universum, seine großangelegte Zukunftssaga, in der nun schon der fünfte Roman vorliegt. Dabei ist dieses Buch ein eigenständiger Roman, der auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Trotzdem schadet es nicht, Reynolds’ Welt zu kennen, denn der Autor wirft den Leser mitten in die Handlung und bombardiert ihn schon auf den ersten Seiten mit vielen fremden Begriffen, die sich selbst nur allmählich erklären.

Es ist ein düsteres Universum, in dem die Menschen den Sprung zu den Sternen geschafft haben. Während die menschliche Gesellschaft sich in verschiedene Gruppen zersplittert hat, ist sie nie auf Außerirdische gestoßen, mit denen sie auf konventionelle Weise hätte kommunizieren können. Die Distanzen zwischen den besiedelten Welten sind groß, und in den Weiten des Alls lauert noch manch übermächtiger Gegner. Obwohl Reynolds dem Glitzerband mit vielen farbenreichen Details Leben einhaucht, driftet er dabei nie in eine bunte, comicartige Welt ab und bleibt stets bei einer dunklen Grundstimmung. Auf gewohnt virtuose Weise verknüpft der Autor das Schicksal seiner Charaktere miteinander und gibt – bei einigen erschütternden Szenen – noch einen Schuss Horror hinzu.

Interessant sind besonders die ungewohnt ideologischen Aspekte des Romans. Daran, dass das politische System des Glitzerbandes’ erhaltenswert ist, lässt Reynolds keinen Zweifel. Dabei führt er dem Leser alle Facetten seiner fiktiven radikalen Demokratie’ vor. Eine Schlüsselszene des Romans ist der Moment, als Jane Aumonier und ihre Präfekten eine folgenschwere Entscheidung treffen müssen: Sollen sie die demokratische Entscheidungsfindung umgehen und ohne Erlaubnis Waffen einsetzen, dabei tausende Unschuldiger töten um Millionen zu retten, oder sollen sie sich darauf verlassen, dass die Abstraktion die richtige Wahl trifft und den Handlungsspielraum Panoplias erweitert?

Eigenständige Geschichte in einem großen Epos

Es ist beeindruckend, wie dieser Autor es schafft, mit schöner Regelmäßigkeit erstklassige SF-Romane abzuliefern. „Aurora“ ist dabei in erster Linie ein Thriller, in dem es um die Ermittlungen von Tom Dreyfus und seinen Unterpräfekten geht. Das Buch spielt zeitlich zwischen anderen Romanen der Reihe und fügt sich wunderbar in das Unendlichkeit-Universum’ ein, greift dabei bekannte Gegebenheiten auf, ohne diese zu überstrapazieren. Die Dramatik der Geschichte wird nicht bis ins Kleinste zerkaut, sondern verfeinert eine eigenständige Geschichte lediglich mit markanten Querverweisen. Hier entsteht langsam, Buch für Buch, ein Epos, das im Bereich der Space-Opera noch lange als das Maß aller Dinge gelten könnte.

„Aurora“ ist ein fantastischer Roman, der kaum Wünsche offen lässt. Den Leser erwarten bei diesem bis zur letzten Seite spannenden Buch, noch einige überraschende Wendungen, viel Action und ungewöhnlich ideologische Töne. Eine definitive Kaufempfehlung – Reynolds in Bestform!

Ihre Meinung zu »Alastair Reynolds: Aurora«

Stormking zu »Alastair Reynolds: Aurora«06.12.2008
Sehr geehrter Herr Priebe, Ihre Kritik ist - ich mache es kurz und schmerzlos - Unsinn. Welches "Geheimnis der Amarantin" hätten Sie denn gerne noch gelüftet? Ich wüßte nicht, welche Fragen da noch offen sein sollen. Eigentlich wurde zu dieser ausgestorbenen Alien-Rasse schon in Reynolds Erstling "Unendlichkeit" alles gesagt, was es zu sagen gibt.

Ich habe "Aurora/The Prefect" im englischen Original gelesen und kenne daher die Werbung des deutschen Verlages nicht. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, daß die von Ihnen unterstellten Werbeaussagen tatsächlich so geäußert wurden. Daß der Klappentext eines Buches meistens mit dessen Inhalt nicht viel zu tun hat, ist auch nichts neues. Aber eine so große Fehlleistung traue ich auch Heyne nicht zu.

Also, bitte kritisieren Sie ein Buch bitte in Zukunft für dessen Inhalt und nicht aufgrund einer völlig hanebüchenen Erwartungshaltung, die Sie wer-weiß-woher haben. In Zeiten des Internet ist es nun wirklich kein Problem mehr, sich vorab eine halbwegs Inhaltsangabe eines Romans zu besorgen.
Alfred Witte zu »Alastair Reynolds: Aurora«12.11.2008
Danke an Fritz Priebe - wollte mir Aurora kaufen haben mir statt dessen BlackTattoo von Sam Enthoven gekauft - kein Sifi aber trotzdem gute Story.

Da Aurora lt. Umschlagtext vor Offenbarung im Rostgürtel spielt verwirrt es anscheinend mehr als das es weiter hilft.
Besser wäre eine Story über Brannigan, den Mars-Krieg und die Waffen der Unendlichkeit

Himmelssturz habe ich auch nicht gelesen nachdem mich Ewigkeit auch nicht gefallen hat da es auch nicht´s mit der Saga zutun hat
Fritz Priebe zu »Alastair Reynolds: Aurora«02.11.2008
Ich habe mich auf das Buch (zu früh) gefreut! Die Ankündigung des deustchen Verlages, Reynolds würde das Geheimnis der Amarantin, der geheimnisvollen Alien-Rasse aus den ersten Romanen, in diesem "großen Finale" lüften, ist nichts als billiges Kauf-Locken. Das Wort "Amarantin" wird nicht ein einziges Mal in diesem Buch erwähnt. Aber da die Hoffnung immer zuletzt stirbt, kommt die Auflösung vielleicht in einem weiteren Buch nach "Aurora"...
"Aurora" selbst ist nichts anderes als eine Polizeigeschichte mit Weltraumflair - aber wo eigentlich angesiedelt? Man müsste sich erst wieder in die alten Romane einlesen, um zu wissen, in welchem Kapitel "Zeit" sich der Autor bewegt. Ich weiß es immer noch nicht, hoffe aber, dass Reynolds im nächsten Roman mehr Ideen hat, als "Aurora" und den "Uhrmacher", zwei Maschinen-Intelligenzen, die sich erst auf den letzten Seiten das "Leben" schwer machen und sich anscheinend bekämpfen.
Mich lässt dieses Buch ziemlich unbefriedigt zurück, ich weiß nicht so recht, wie ich es einordnen soll.
Bitte, lieber Alastair, mach' mich glücklich und schreibe endlich das große Finale der Amarantin...
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