Das Haus der Sonnen von Alastair Reynolds

Buchvorstellungund Rezension

Das Haus der Sonnen von Alastair Reynolds

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „House of Suns“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 590 Seiten.ISBN 3-453-52569-8.Übersetzung ins Deutsche von .

»Das Haus der Sonnen« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Die Menschheit hat sich im All ausgebreitet …Mittels Klontechnik hat man anfangs nur ganz wenige Menschen ins All geschickt – in immer wieder neuen Ausgaben ihrer selbst. Und so sind in Millionen von Jahren sogenannte »Häuser« entstanden, Konglomerate aus Tausenden von Menschen, die eigentlich ein einziges Individuum sind. Jedes Mal, wenn diese »Häuser« zusammenkommen, verändert sich die Richtung, die die Zivilisation nimmt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Nur ein guter Roman vom Meister der Space Opera“78

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Die Erwartungshaltung gegenüber einem neuen Roman Reynolds´ ist stets groß. Seit Jahren verwöhnt der Autor die Leserschaft mit sehr guten bis genialen SF-Romanen, hat sich längst an die Weltspitze visionärer Autoren geschrieben. Doch es ist nicht leicht, dem immer gerecht zu werden.

Das Haus Gentian

Tausend Splitterlinge des Hauses Gentian streifen durchs All. Vor Millionen von Jahren ließ sich ihre Urahnin, Abigail Gentian, klonen und entsandte ihre Ebenbilder in die Fremde. So reisen all diese Post-Menschen durch ein von vielen Spezies bewohntes Weltall und erweitern ihr Wissen. In regelmäßigen Zyklen kehren sie zu einem vereinbarten Treffpunkt zurück, feiern und tauschen ihr erworbenes Wissen aus.

Portula und Campion sind ein Paar, was nicht gern gesehen wird unter den Klonen. Und diesmal sind sie spät dran. Es steht bereits fest, dass sie nicht pünktlich zum Treffen der Splitterlinge kommen werden. Durch widrige Umstände werden sie aufgehalten und nehmen schließlich noch den Robot Hesperus an Bord ihres Schiffes auf. Hesperus gehört dem Maschinenvolk an, zu dem die Häuser der Splitterlinge nur wenige Beziehungen pflegen. Er erweist sich zwar schnell als ein guter Freund, kann sich jedoch an einen Teil seiner eigenen Vergangenheit nicht mehr erinnern, was einige Zweifel an seiner Aufrichtigkeit weckt. Bevor die Splitterlinge den Treffpunkt erreichen, ereilt sie eine schreckliche Nachricht. Und plötzlich müssen Portula und Campion nicht nur ihre eigene Haut retten, sondern auch in einem komplexen Weltall voller Geheimnisse die Mörder ihrer Schwestern und Brüder enttarnen.

Die falsche Wahl?

Der neue Roman Reynolds´ ist ungewöhnlicherweise aus der Ich-Perspektive verfasst. Dies allein ist vielleicht schon der Hauptgrund, warum die Erzählung oft nicht recht funktionieren will. Wenn sie die erste Person als Erzähler wählen, verwenden die meisten Autoren dies gerne, um ihre Geschichte mit Humor zu färben. Bei all dem Können Reynolds´, Humor ist nicht seine Stärke. Glücklicherweise – muss man sagen – versucht der Autor sich nicht daran. Auch ist der Ich-Erzähler nicht unparteiisch, nutzt oft seine Schilderungen, um seine eigenen Ansichten zu vertreten, beurteilt sich selbst und andere subjektiver als ein nüchtern-distanzierter Erzähler. Dehnungen und Verzerrungen der Realität aus der Ich-Perspektive werden größtenteils außen vor gelassen. Warum Reynolds für „Das Haus der Sonnen“ diese Sichtweise gewählt hat, bleibt unklar. Zudem erzählen drei verschiedene Personen von ihren Erlebnissen, was dem Leser immer wieder die Orientierung erschwert.

„Das Haus der Sonnen“ wirkt über weite Strecken wie ein früher Roman Reynolds´. Natürlich finden sich alle seine bekannten Stärken auch in diesem Buch, jedoch längst nicht so ausgeprägt. Die virtuose Verknüpfung von Action, atemberaubenden Spielereien mit Physik und Technik, einer dramatischen Handlung und einem vielschichtigen Weltentwurf macht Reynolds Bücher aus. Außerdem versteht er es, all dies auf der Grundlage wohldosierter Spannungsbögen aufzubauen. Der vorliegende 700-Seiten-Schmöker kann davon nur einen Teil bieten. Besonders die weitschweifigen Dialoge und ständigen Diskussionen der Helden stören schlichtweg. Radikales Kürzen hätte vieles bekömmlicher gemacht.

Was bei Reynolds ein ungewöhnlich schlichter Roman ist, gilt für andere Autoren als ein gutes Buch. „Das Haus der Sonnen“ führt einem vorwiegend die hier vermissten genialen Momente vor Augen, ist unterm Strich trotzdem ein gelungener SF-Roman. Hätte man die Weitschweifigkeit eingedämmt, wäre das Buch noch deutlich bekömmlicher ausgefallen. Es gesellt sich hier ein insgesamt eher unscheinbarer Roman zu einem gut gefüllten Regalfach genialer Werke dieses Ausnahmeautoren.

Ihre Meinung zu »Alastair Reynolds: Das Haus der Sonnen«

spacecowboy zu »Alastair Reynolds: Das Haus der Sonnen«16.10.2009
Abigail Gentians Familie stellt Klone her und steht damit in Konkurrenz zur einer anderen Familie, die Roboter herstellt. Konkurrenz deshalb, weil für bestimmte Einsatzgebiete Klone oder Roboter eingesetzt werden können. Diese beiden Familien werden in Zukunft die Geschichte der Galaxis prägen. Jawoll, nicht mehr und auch nicht weniger.

Wobei wir jetzt wieder beim Gigantismus von Reynolds wären. Unter Galaxienverschieber, Planetenvernichter, Wurmlöcher als Transportband und Schwerkrafterzeugung durch schwarze Löcher geht gar nichts. in bester Revelation-Space Manier.

Und weil Sternendämme nun mal nicht während eines Menschenlebens hergestellt werden können, müssen die Lebenserwartungen steigen. Kein Problem für Reynolds: Abigail Gentian klont sich selber; die daraus entstehenden Splitterlinge leben Millionen von Jahren, teils in Stasis, teils durch Drogen, die den gefühlten Zeitablauf verändern (prima Idee: Montagmorgen eine Pille genommen und schon ist Freitagmittag).

Doch auch Splitterlinge haben handfeste Probleme. Campion benutzt ein Raumschiff namens "Bummelant" mit "nachhinkenden Beschleunigungsdämpfern" als Fortbewegungsmittel. Woher und zu welchem Preis bekommt er ein schnelleres Gebrauchtraumschiff, ohne übers Ohr gehauen zu werden?

Gerade in den ersten Abschnitten des Romans witzelt es an einigen Stellen, während am Ende eine schöne, auch für Nichtastrologen nachvollziehbare, Beschreibung der Zusammenhänge der Galaxien untereinander dargestellt wird. Von Anfang bis Ende des Romans steht die Beziehung der Splitterlinge Campion und Portula im Mittelpunkt der Handlung; es ist durchaus auch eine Liebesgeschichte, das was man, nach dem Revelation Zyklus von Reynolds, nicht erwartet hätte. Das Ende des Romans schreit förmlich nach einer Fortsetzung, deren Erscheinen aber bitte nicht im Zustand der Stasis überbrückt werden muss.

Alles in allem ist dieser Roman eine waschechte Space-Opera von Reynolds mit für ihn nicht typischen Merkmalen, wie z. B. angedeuteter Witz und zwischenmenschliche Beziehungen. Aber das ist gut so. Auch ein Galaxienverschieber kann immer noch besser werden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
max zu »Alastair Reynolds: Das Haus der Sonnen«25.07.2009
naja, dem vor schreiber mag ich da in manchen sachen wiedersprechen, aber ganz grob gesagt ist es wohl so bzw. so änlich.
ich fand das buch am anfang etwas komisch, wobei ich ansich alastair gerne lese. aber gut. wenn man manche sachen dann einfach mal so hingenommen hat verfällt man in trance und kann fast nicht mehr aufhören. ich bin wieder mal sehr angetan von der idee und auch den stil wie es geschrieben ist. es reicht zwar nicht an cashm city ran aber das lesen macht auf jeden fall spaß. und die geschichte ist auch sehr gut.
Ihr Kommentar zu Das Haus der Sonnen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.