Advocatus Diaboli von Alisha Bionda

Buchvorstellungund Rezension

Advocatus Diaboli von Alisha Bionda

Originalausgabe erschienen 2010, 334 Seiten.ISBN 3939459224.

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In Kürze:

„Die schönste List des Teufels ist, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt.“ (Charles Baudelaire)
Was befähigt eine Seele Aufnahme in der Hölle zu finden? Womit kann man den Fürst der Finsternis dazu bewegen ihr Einlass in den Hades zu gewähren? Sind es besonders perfide Verbrechen? Oder eher die subtilen Greueltaten?
Ein illustrer Autorenkreis der Phantastik gibt Antwort auf diese Fragen und ist dem Ruf von Alisha Bionda gefolgt, die zweimal für die Herausgabe von Anthologien mit dem »Deutschen Phantastik Preis« ausgezeichnet wurde und durch ihre Vampirserienarbeit an "Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik” auf sich aufmerksam machte.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Fange an, deine Referenzen darzulegen ...“95

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Nun wenden sich die meisten an ihn, um ihr irdisches Leben bereichern zu können. Und nur die wenigen Geister, die geheimnisvoll, ruhelos, eiskalt, gefühlsbetont oder besonders gefühllos sind, trachten danach, an seiner Seite einen festen Platz zu erhalten.“
(Marc-Alastor E.-E. – Die Vernunft im Blute)

David Grashoff – Herr Sanders

Seltsam ungerührt scheint Joachim Sanders, als plötzlich ein Vertreter der Hölle an seinem morgendlichen Küchentisch auftaucht. Und auch sein Besucher ist überrascht: Dieser spießige Herr soll also im Lauf seines Lebens unentdeckt sechsundsechzig Morde begangen haben, was ihn in Luzifers Augen für einen Platz in der Hölle qualifiziert. Doch Sanders Meisterstück, das ihm einen Platz in Satans Reihen sichert, steht noch aus.

Thomas Plischke – Die Bewerbung

In diesen Zeiten muss sich selbst die Hölle an die Gepflogenheiten des modernen Unternehmertums annähern. Mit Anton Weider betritt ein vielversprechender Bewerber das Büro von Hr. Daus-Urian, um diesen von seiner absoluten Eignung für den Höllendienst zu überzeugen. Freilich nicht, ohne auf die Vergütungen einzugehen, die seinen Einsatz vergelten sollen. Eine typische Win-Win-Situation. In welchen Maße die Hölle tatsächlich die Mechanismen weltlicher Konzerne übernommen hat, erkennt Daus-Urian erst am Ende des Gespräches.

Nicolaus Equiamicus – Die Beichte

Eine schwarze Kutsche erwartet den gerade verstorbenen Jean Albert vor seinem Haus. Endlich werden sich seine Dienste auszahlen. Lange genug hat er seiner Gemeinde den frommen Pfaffen vorspielen müssen. Doch bevor er die Kutsche besteigen kann, tritt sein Herr und Meister an ihn heran, um ihm die Beichte seines unheiligen Lebens abzunemen.

Dave T. Morgan – Engelsfall

Eine List sichert dem Engel Jack die Aufmerksamkeit Luzifers, selbst ein vor Äonen gefallener Engel. Ein Umweg über die Menschenwelt war notwendig. Als Berater überzeugt er einen Finanzmogul von seinem bevorstehenden finanziellen Niedergang, sollte dieser keine geeigneten Maßnahmen ergreifen.

Bernd Rümmelein – Dein Name sei Antobaal

Haslingers Plan kann gar nicht schiefgehen. Ein unschuldiges Kind zu einem grausamen Verbrechen verführen. Das lässt unauslöschliche Krater in der noch formbaren Kinderseele zurück. Dass die Polizei ihn schnappt, nimmt er gerne in Kauf, denn seine Tat führt ihn direkt vor den Herrn der Hölle, vor dem er dann ein umfassendes Geständnis ablegt.

Gian Carlo Ronelli – Virus

Satan staunt nicht schlecht, als das goldlockige Mädchen plötzlich in seinem Büro steht. Ein Irrtum offensichtlich. Doch was die Kleine zu berichten hat, gefällt ihm zunehmend besser.

Marc-Alastor E.-E. – Die Vernunft im Blute

Vor Gericht steht Dr. Otto Hartmann von Wimmer, der die Obduktion an Adam Franz vom Schwarzenberg durchgeführt hat. Ein Jagdunfall, wie auch die Augenzeugen berichten, doch warum wurden einige Passagen nachträglich aus seinem Bericht entfernt und warum streicht der Doktor ein erkleckliches Honorar ein für die Obduktion gemeiner Bürger, denen er den Kopf abtrennen und das Herz entfernen und verbrennen soll?

Aino Laos & Christoph Marzi – Passion Killer

Der Mann im schwarzen Anzug möchte eine Geschichte von ihr hören. Sie erzählt von ihrer Enttäuschung und ihrer Eifersucht, die schließlich in einem Mord im Affekt gipfelte. Ihr interessierter Zuhörer bietet ihr ein Geschäft an. Ein neues Leben, denn die Hölle ist nur das, was man daraus macht.

Tanya Carpenter – Poison Eve

Wie erhofft, findet sich Eve nach ihrem qualvollen Gifttod vor dem Thron des Höllenfürsten wieder. Ihr Geschenk sollte ihn wohlwollend stimmen und ihr sein Gehör schenken. Referenzen kann sie wahrlich viele vorweisen, schließlich ist sie eine Meisterin im Umgang mit Giften, doch Habsucht war nie ihr Motiv, sondern Macht.

Torsten Sträter – Tag der offenen Tür

Plötzlich findet sich Reinkober in einem heruntergekommenen Dicso-Fox-Schuppen wieder, wo ihn ein seltsam vertrauter Mann begrüßt. Bei einem kleinen Rundgang durch das Etablissement erinnert sich Reinkober an den fehlgeschlagenen Mordversuch inmitten des Rosenmontagstreibens. Dabei hatte es doch so viele Male vorher funktioniert.

Ascan von Bargen – Unlicht

Dr. Sarah Portman muss sich selbst davon überzeugen, dass 2308 tot war. Der Weg führt sie zurück in das unheilige Gemäuer „Madison Rock“, das sich wie eine schwarze Nadel auf einem Felsen aus der Brandung erhebt und dessen Geschichte alles andere als rühmlich ist. Schon bevor es zu einem Hochsicherheitsgefängnis umfunktioniert wurde. Schließlich war 2308 der Mörder ihres Vaters

Melanie Stone – Die Macht der Ewigkeit

Der Todesengel Esmael muss den Höllenfürsten davon überzeugen, ihn in seinen Dienst aufzunehmen. Ein Mensch bat Esmael einst, ihn im Gegenzug für geheimes Wissen zu verschonen. Als Esmael erfährt, dass die Todesengel längst ihre ursprüngliche Bestimmung verloren haben, reift in ihm der Wunsch, sich für diese Lüge zu rächen.

Sören Prescher – Rolfs Methode

Nun ist Rolf Eugen, freiberuflicher Unternehmensberater und oft letzte Rettung für marode Unternehmen, in der Hölle. Manchmal müssen doch Opfer gebracht werden, um „gefährdete Unternehmen“ zu retten, besonders von der Belegschaft. Alles schön am Laufen halten und keine Andeutung von schwindender Arbeitslast aufkommen lassen. Einige neunmalkluge Besserwisser stören da nur die Gesundung des Unternehmens.

Andrä Martyna – Der Engel

„Bald wird sie IHM gegenüberstehen“. An nichts anderes kann Gesche Margarethe Treugott, geborene Timm, auf dem Weg zu ihrem Henker denken. Schließlich war sie Satan immer zu Diensten, nachdem Gott sie schon früh verlassen hatte. Zunächst um zu Überleben, dann aus der Not heraus hat sie ihre Opfer gefunden. Doch mehr und mehr fand sie Gefallen am Sterben um sie herum. Dies muss ihr doch einen Platz an Luzifers Seite sichern.

„Serienmörder, perverse Frauenschänder, Massenmörder im Auftrag einer wahnsinnigen Idee, Politiker, die aus Machtgier unschuldige Leute killen – ja, herzlich willkommen in meinem Stadion des Bösen. Raubmörder, durchgeknallte Musiker, die ihr Leben mir widmeten und die tollsten Morde begehen, Giftmörderinnen, Attentäter und Terroristen – Hallo! Macht es euch gemütlich!“
(Gian Carlo Ronelli – Virus)

Auf mannigfaltige Art versuchen die Protagonisten hier Eingang zu erlangen ins Reich des Höllenfürsten. Einigen soll List und Tücke die Pforte öffnen, andere prahlen mit der Vielzahl ihren mitleidlosen Handlungen und wieder andere trachten danach, den Herrn der Hölle mit einer gut ausgedachten Geschichte hinters Licht zu führen. Doch auch der Teufel agiert nicht ohne Arglist und er befindet längst nicht alle Bewerber für würdig und seinen Zwecken dienlich.

Die Herausgeberin schreibt im Vorwort, dass sie Bedenken hatte, ihren AutorInnen ein solch enges, thematisches Korsett anzulegen: Eine „Story in der Story“ sollte es sein; eine Bewerbung um einen Platz in der Hölle, möglichst überzeugend natürlich für den Hausherrn, und schließlich dessen Urteil. Diese Bedenken haben sich als unnötig erwiesen, denn jede/r der AutorInnen behandelt das Thema auf sehr unterschiedliche Weise. Es mischen sich die ernsten Gesuche von Nicolaus Equiamicus, Bernd Rümmelein und Andrä Martyna mit den zum Schmunzeln anregenden Anliegen von Thomas Plischke, Gian Carlo Ronelli, Torsten Sträter und Sören Prescher. David Grashoff , Dave T. Morgan, Marc-Alastor E.-E. Tanya Carpenter und Melanie Stone versuchen gar, den Teufel zu überlisten.

Düstere Highlights setzen Marc-Alastor E.-E., dessen „Die Vernunft im Blute“ herausragend in Aufbau und sprachlicher Fertigkeit daherkommt, sowie Ascan von Bargens „Shutter Island“-Variante „Unlicht“. Aino Laos überrascht, wie bereits in „Die Begegnung“ (Sieben-Verlag, 2010) auch hier mit einer rätselhaften Geschichte, die nach der Lektüre erst einmal inne halten lässt. Eine sehr positive Schreib-Entwicklung der Künstlerin, die momentan als Stimmtrainerin für die Pro7-Popstars tätig ist.

„Bald würde sie IHM gegenüber stehen und den verdienten Lohn erhalten. Jahre des Planens, und die Entbehrungen, die sie auf sich genommen hatte, würden sich nun endlich auszahlen.“
(Andrä Martyna – Der Engel)

Steht der Name Alisha Bionda ohnehin für schön gestaltete Anthologien, die stets durch die liebevolle Aufmachung und umfangreiche Extras, wie etwa Innengrafiken, auffallen, hat sich die Herausgeberin diesmal in Kooperation mit der Edition Roter Drache selbst übertroffen. „Advocatus Diaboli“ erscheint als Hardcover im Format 14,8 x 21 cm, gedruckt auf edlem Papier. Der Satz, die gewählten Schriftarten, sowie die Szenentrenner (eine filgran-verschnörkelte Mini-Grafik, die mit zwei Schlangen, einigen Zweige und einem Apfel an den Sündenfall gemahnt) und die Verzierung der Kopfzeilen und der Seitenzahlen sind echte Eye-Catcher. Ergänzt wird jede Geschichte durch eine eigens angefertigte Entry-Grafik von Andrä Martyna. Abgerundet wird das positive Bild durch die Kurzbiografien der AutorInnen, der Herausgeberin und des Grafikers.

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