Bird and Sword von Amy Harmon

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „The Bird and the Sword“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 400 Seiten.ISBN 3736305486.Übersetzung ins Deutsche von Corinna Wieja.

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Das meint phantastik-couch.de: Interessanter Romantasy-Stoff, jedoch durchsetzt mit sprachlicher Knappheit und farblosen Charakteren45

Phantastik-Rezension von Lisa Reim

Das magiebegabte Mädchen Lark ist gerade mal fünf Jahre alt, als ihre Mutter vor ihren Augen hingerichtet wird. Kurz vor ihrem Tod nahm sie ihrer Tochter allerdings die Worte und verdammte sie dazu von da ab stumm zu sein. Nur so konnte sie Lark vor Verfolgung und dem Tod schützen, denn Magie ist in der Welt Jeru strengstens verboten. 15 Jahre später trifft Lark auf den jungen König Tiras, der sie kurzerhand entführt, um so ihren Vater unter Druck zu setzen und ihn zu zwingen seinen Teil zur Verteidigung Jerus beizutragen. Denn Jeru wird seit einiger Zeit von den Volgar überfallen, grausamen Vogelmenschen, die jeden töten, der in ihre Nähe kommt. Lark lernt in der Burg des Königs heimlich mit ihrer Magie umzugehen. Und sie lernt auch den verschlossenen König Tiras und sein dunkles Geheimnis immer besser kennen. Schnell wird klar: Nur zusammen können sie den Untergang des Reiches verhindern.

Fantasy trifft Romantik

Die eigentlich für ihre Liebesromane bekannte Autorin Amy Harmon wagt mit „Bird and Sword“ ihren ersten Abstecher ins Fantasy-Genre. Es sollte daher niemanden verwundern, wenn sie für diesen phantastischen Exkurs eine Romanze als zentrales Handlungselement wählt. Dass dies durchaus funktionieren kann, haben schon einige Autor/Innen des immer beliebter werdenden Subgenres der Romantasy bewiesen.

Was eine ausgewogene Mischung aus Liebesroman und Fantasy sein sollte, entpuppt sich jedoch schnell als eher blutarmes Liebesabenteuer mit einem spärlich dargestellten Setting. Tatsächlich werden eingefleischte Fantasy-Fans bei dieser Geschichte die Vielschichtigkeit und Fülle so mancher Romane dieses Genres vermissen. Die Ansätze sind zwar unumstritten da, doch hapert es leider gewaltig an der Umsetzung, was in besonderem Maße auf die minimalistische Erzählweise zurückzuführen ist.

Originelle Ansätze mäßig umgesetzt

Gerade beim Schreibstil beweist die Autorin nicht unbedingt sprachliche Gewandtheit. Harmons Darstellungen von Orten, Handlungen, Personen und deren Emotionen fallen regelmäßig durch spärliche Deskriptionen auf und kommen stets zu kurz. Besonders die Kampfszenen leiden enorm unter der sprachlichen Sparsamkeit und dem eingeschränkten Wortschatz, den die Autorin verwendet, und auch der zentrale Handlungsstrang der Liebesgeschichte zwischen Lark und Tiras verliert in besorgniserregendem Maße an Tiefe. Anteilnahme am Schicksal der Protagonisten oder gar Spannung stellt sich nur selten ein. Obwohl das Ende einige interessante Wendungen zu bieten hat, werden diese von einem überraschend kurz ausfallenden finalen Showdown überschattet. Des Weiteren finden sich einige logische Unstimmigkeiten in dem Text. So geht leider einiges von dem Potential der Geschichte verloren, denn diese hat durchaus auch ein paar einfallsreiche Ideen zu bieten.

Ganz besonders hervorzuheben sind die s.g. Volgar. Diese interessanten Kreaturen halb Vogel, halb Mensch, sind es, die das Königreich Jeru mit ihrem ausgeprägten Blutdurst bedrohen. Geheimnisvoll, doch gleichzeitig beängstigend und bösartig sind sie interessante Widersacher der Bewohner Jerus. Auch das Magiesystem kann durchaus überzeugen, so können Menschen verschiedene magische Begabungen besitzen. Im Falle der Protagonistin Lark ist dies die Macht über Wörter, mit denen sie Dinge verzaubern und zum Leben erwecken kann.

Doch auch diese Ideen fallen der Detailarmut des Textes zum Opfer. Deutlich wird dies außerdem bei der Ausgestaltung der Protagonisten. Eine stumme, magiebegabte und von Liebenswürdigkeit geprägte junge Frau und ein rauer, undurchsichtiger König versprechen zunächst eine interessante Konstellation zu sein, insbesondere im Hinblick auf die sich anbahnende Liebesgeschichte. Doch leider kann man in diesem Zusammenhang nicht von Charakteren sprechen, denn vielmehr handelt es sich um eindimensionale Figuren, die nur schematisch ausgearbeitet wurden. Durch die charakterliche Oberflächlichkeit der beiden Protagonisten verliert die Liebesgeschichte an Glaubwürdigkeit und wirkt an vielen Stellen konstruiert. Genauso können die, in sehr geringer Anzahl vorhandenen, Nebencharaktere diesen Umstand nicht kompensieren. Auch bei ihnen sucht man vergebens Abwechslung und Tiefe.

Fazit:

Amy Harmons neuer Roman entpuppt sich schnell als unbeholfener Versuch eines romantischen Fantasy-Erstlings. Das große Problem liegt im knappen Erzählstil der Autorin, der sich durch den gesamten Text zieht und den eigentlich spannenden Ideen ihr Potential raubt. Zudem sorgen Logikfehler für ein eher holpriges Lesevergnügen. Harmons Konkurrenten in diesem Genre verstehen es da besser, eine glaubwürdige Welt mit mehrdimensionalen Charakteren zu erschaffen. Schade, Potential hätte es gegeben.

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