Der Metamorph von Andreas Brandhorst

Buchvorstellungund Rezension

Der Metamorph von Andreas Brandhorst

Originalausgabe erschienen 2004, 605 Seiten.ISBN 3-453-52009-2.

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In Kürze:

Aufgrund seiner isolierten Lage – am Rande des von Menschen besiedelten Teils der Galaxis – ist der Planet Kerberos bestens geeignet für ein geheimes Projekt zur Schaffung neuer, höchst anpassungsfähiger Lebensformen. Als jedoch auf eines der Labors ein Anschlag verübt wird, geräte der unscheinbare Planet ins Visier der untereinander verfeindeten Machtblöcke. Denn auf Kerberos erwacht ein Wesen zum Leben, das alle Zivilisationen im Universum zu vernichten droht …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die fantastische Saga eines wandlungsfähigen Autoren“89

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Der Metamorph ist der zweite Teil aus Andreas Brandhorsts Kantaki Trilogie. Da die Handlung auf Band 1 aufbaut, empfiehlt es sich, mit „Diamant“ zu beginnen. „Der Metamorph“ ist aber auch durchaus separat lesbar.

Die Temporalen rütteln an ihren Fesseln

Nach den Geschehnissen aus „Diamant“ bröckeln die Barrieren, hinter denen die Temporalen nach dem Zeitkrieg einst gefangen wurden. Mit aller Kraft versuchen sie zurück in die Lineare Zeit zu gelangen. Ihr gefügiges Instrument ist dabei das ehemalige Oberhaupt des Konsortiums, Rungard Avar Valdorian, dem sie im Gegenzug ein unwiderstehliches Angebot machen. Doch Valdorian hat all seine politische Macht eingebüßt. Das Konsortium hat den Krieg gegen die konkurrierende Allianz verloren, die nun den von Menschen besiedelten Teil der Galaxie beherrscht.

Im Kampf um die Zukunft der Galaxie gerät die abgelegene Provinzwelt Kerberos zwischen die Fronten. Niemand ahnt, dass tief unter der Oberfläche Kerberos’ eine Macht aus der Vergangenheit schläft, die, wenn sie losgelassen wird, unvorstellbare Zerstörung über die Galaxie bringen könnte. Welche Rolle spielt dabei das geheimnisvolle synthetische Wesen, der „Metamorph“, der aus einem Labor auf Kerberos fliehen konnte? Und was hat es mit dem allgegenwärtigen Weltgeist Kerberos’ wirklich auf sich?

Als der betagte Mönch Eklund einen Jungen mit der Macht zur Selbstheilung als seinen Novizen aufnimmt, überschlagen sich die Ereignisse. In der abgelegenen kontemplativen Gemeinschaft der Mönche geschieht ein Mord und überall auf dem Planeten suchen Sicherheitskräfte fieberhaft nach dem entflohenen Metamorph. Zu allem Übel ist auch Valdorian auf dem Weg nach Kerberos. Noch ahnt er nicht, welche Kräfte er im Begriff ist zu entfesseln.

Was bin ich?

Die Hauptakteure aus dem ersten Teil sind in „Der Metamorph“ eher Randgestalten. Die Kantaki-Pilotin Lidia DiKastro taucht überhaupt nicht mehr auf und auch die Kantaki sind eher Statisten. Dafür versorgt der Autor den Leser mit einer ganzen Riege neuer Figuren, die die verschiedenen Handlungsebenen darstellen: der Mönch Eklund und sein neuer Novize, der Ermittler Edwald Emerson, der dem Metamorph auf den Fersen ist, sowie der Sonderbeauftragte Lutor, der ebenfalls auf einer Jagd ist. Hinzu kommen die Verwalter von Kerberos, der Vorsitzende der Allianz und der Temporale Agorax.

Bei der großen Fülle von Personen behält der Leser, dank Brandhorsts klarer Sprache und strukturiertem Romanaufbau noch problemlos den Überblick, verwirrend sind anfänglich aber die recht unterschiedlichen stilistischen Ebenen der Handlung: Andersweltszenarien, eine mythische Erweckungsgeschichte, die metaphysischen Ausflüge in das Zeitgefängnis der Temporalen, Ermittlungen verschiedener Beamter usw. Letztlich bleibt der Autor doch immer Herr der Lage und vermittelt all diese Szenarien äußerst eindringlich. „Diamant“ war eine Space Opera mit einer kleinen Romanze und den Themen „Wahre Liebe“ und „Sterblichkeit“. „Der Metamorph“ ist etwas anderes: Man könnte den Roman eher als Science-Fiction-Mystery-Thriller beschreiben. Vieles ist wissenschaftlich nicht erklärbar, und das wird auch gar nicht erst versucht. Der Roman vermittelt diesen Hauch des Unbegreiflichen, Sagen erschaffender Mystery, den man sonst eher von Dan Simmons kennt. Gerade das macht dieses Buch etwas unorthodox.

Schublade war gestern

Schon der Vorgänger war eine Überraschung. „Der Metamorph“ beweist endgültig, dass man Brandhorst nicht einfach in eine Schublade stecken kann. Dabei wirkt unter der Feder des Autors all das so einfach, was vielen anderen Autoren wirkliche Probleme zu bereiten scheint. Das Kantaki-Universum wird mit diesem spannenden Roman durch eine weitere Facette erweitert, ohne dass man mit einer dürftigen Fortsetzung von der Stange abgespeist wird. So leicht macht es sich Brandhorst nicht; und den Lesern damit abermals ein schönes Geschenk. Brandhorst beweist, was man alles aus einer Space Opera machen kann. Und das ist nicht nur wichtig für ein altes Literaturgenre im Allgemeinen, sondern vor allem erstklassige Unterhaltung!

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