Diamant von Andreas Brandhorst

Buchvorstellungund Rezension

Diamant von Andreas Brandhorst

Originalausgabe erschienen 2004, 589 Seiten.ISBN 3-453-87901-5.

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In Kürze:

Tausende von Jahren in der Zukunft haben die Menschen zahllose Sonnensysteme kolonisiert. Das war nur mit Hilfe zweier Alien-Völker möglich – der Kantaki und der Horgh -, die verschiedene Techniken für die überlichtschnelle Raumfahrt entwickelt und der Menschheit zur Verfügung gestellt haben. Zwei riesige Wirtschaftskonglomerate haben sich gebildet, die nun erbittert um die Vorherrschaft kämpfen. Doch Valdorian, der künftige Anführer eines dieser Konglomerate, hat ein ganz anderes Ziel: Er ist auf der Suche nach einer Frau, die unter dem Namen »Diamant« eines der gigantischen Kantaki-Schiffe steuert. Um sie zu finden, ist ihm jedes Mittel recht – und dabei ahnt er nicht,dass das Schicksal der gesamten Galaxis in seinen Händen liegt. …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Von alternden Despoten und vertanen Chancen“88

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Im Jahre 421 der neuen Zeitrechnung steht Rungard Avar Valdorian am Ende eines langen, arbeitsreichen Lebens. Mit 147 Jahren hat er die Grenzen der lebensverlängernden, biologischen Revitalisierungen erreicht, ein genetischer Zerfall lässt seinen Körper jetzt umso schneller altern. Immer wieder hat Valdorian sich verjüngen lassen, um den Anforderungen seiner beruflich steilen Karriere gerecht zu werden. Er hat es bis zum „Primus inter pares“ des Konsortiums geschafft und ist dabei rücksichtslos seinen Weg an die Spitze gegangen, schreckte sogar vor Mord nicht zurück. Doch alle Macht, all sein Geld, kann ihn nicht vor dem nahenden Tod bewahren. Seine einzige Chance ist eine Kantaki-Pilotin namens Diamant, die er einst kannte.

Die Kantaki sind die außerirdische Spezies, die es den Menschen ermöglicht hat, ins All vorzustoßen. Heute sind viele Welten von den Menschen besiedelt. Dabei haben sich zwei große Wirtschafts-Konsortien, die „Allianz“ und das „Konsortium“, herauskristallisiert, die zwei Großmächte darstellen und auch vor militärischen Maßnahmen gegen ihre Konkurrenten nicht zurückschrecken. Jedoch besitzen die Kantaki immer noch das Monopol auf die interstellaren Reisen der Menschen, denn es ist diesen bis heute nicht gelungen solche Technologien selbst zu entwickeln.

Schon als junger Mann, der von seinem Vater zum Materialisten erzogen wurde, hatte Valdorian den Kantaki dieses Monopol missgönnt. Seine vorgefassten Ansichten milderten sich erst, als er die schöne und unkonventionelle Lidia die Kastro traf. Eine Romanze entwickelte sich zwischen den so verschiedenen jungen Menschen, doch als Lidia verkündete über die Gabe zu verfügen und Pilotin eines Kantaki Schiffes werden zu wollen, stand Valdorian vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens.

Die Kantaki indes verhalten sich gegenüber den menschlichen Auseinandersetzungen stets neutral. Für sie zählt nur ihr „Sakraler Kodex“ der verhindern soll, dass die Temporalen wieder an die Macht kommen. Diese waren einst im großen Zeitkrieg der erbitterte Feind vieler intelligenter Spezies. Nach ihrer Niederlage wurden die Temporalen in den Nullraum, eine zeitlose Dimension verbannt. Dort harren sie noch immer aus und warten auf ihre Chance, die Galaxis erneut ins Chaos zu stürzen.

Der etwas andere Start einer neuen Trilogie

Kein besonders viel versprechendes Buchcover lacht den Leser an, wenn er diesen Roman in Händen hält: Wie ein aufgeblasenes Geodreieck aus dem Schulunterricht, mit einigen Pseudo-Antennen bestückt, fliegt ein eher schlichtes graues Raumschiff einem fernen Sonnenuntergang entgegen. Im Hintergrund befindet sich ein fremder Mond mit dem Charme eines übergekochten Schokoladenpuddings. Dazu kommt noch ein klischeehafter Klappentext, der von den Verlagen von Buch zu Buch nur geringfügig modifiziert zu werden scheint. – Na, das kann ja heiter werden.

Außerirdische, die ein Monopol auf den interstellaren Transport besitzen, gab es auch schon in Marion Zimmer Bradleys „Die Farben des Alls“. Interstellare Reiche, epische Konflikte, das alles gehört zu einer Space-Opera. Eine Besonderheit dieses Romans ist der Umgang mit der Zeit. In vielen Science-Fiction Romanen wird die Tatsache, dass auch Zeit relativ vergeht, eher ignoriert, kompliziert diese Tatsache doch die Dramatik einer Erzählung. Andere Autoren stricken aus Zeitreisen und -paradoxien interessante Romane. Andreas Brandhorst geht einen anderen Weg und erzählt von Zonen der „linearen“ und „nichtlinearen“ Zeit und verwendet diese Spielereien geschickt für seine Geschichte.

Diamant ist eine Space-Opera, die in erster Linie eine Liebesgeschichte erzählt. Das ist ungewöhnlich, aber auch sehr interessant zu lesen, erwartet man doch vom ersten Band eines Science-Fiction Zyklus eher anderes. In zwei Handlungssträngen wird der Lebensweg der Hauptfiguren Valdorian und Lidia erzählt. Auch hier setzt der Autor, im Gegensatz zu manchen anderen Zyklen, auf eine überschaubare Anzahl verschiedener Handlungsebenen, was der Geschichte gut tut. Während die Suche Valdorians nach Diamant von reichlich Action geprägt ist, sorgt Lidias Geschichte, die größtenteils in der Vergangenheit spielt, für die ausgleichende, metaphysische Ebene.

Die Balance zwischen Action, interessanten Charakteren und fantasiereichen Kulissen gelingt Brandhorst ausgesprochen gut. Seine Sprache wird einem erstklassigen Science-Fiction Roman stets gerecht, ist flüssig zu lesen und äußerst unterhaltsam. Das „Kantaki-Universum“ hat eine interessante Backstory und genügend Potential, um den Leser auch für weitere Bände bei der Stange zu halten.

Einer der wenigen Kritikpunkte an einem sehr gelungenem Buch ist, dass das Ende den Leser etwas unbefriedigt zurück lässt. Dafür, dass die gesamte Handlung eigentlich auf das finale Zusammentreffen von Diamant/Lidia und Valdorian ausgerichtet ist, bleibt dieses doch etwas zu unspektakulär, bzw. offen. Auf dieses Genre scheinen ansonsten nur amerikanische und britische Autoren ein Monopol zu besitzen. Mit Brandhorsts „Kantaki-Universum“ kann auch endlich „Good Old Germany“ nachziehen – und das mit einem richtig guten Buch.

Ihre Meinung zu »Andreas Brandhorst: Diamant«

TB zu »Andreas Brandhorst: Diamant«03.09.2017
Nach "Die Stadt" und "Das Artefakt" war dies das meine dritte Lektüre eines Buches von AB. Während die vorgenannten Bücher noch als nette, in ein oder zwei Aspekten auch originelle Unterhaltung durchgehen können, ist "Diamant" ärgerlich und letztlich verschwendete Lebenszeit. Holzschnittartige, stereotype Charakterzeichnungen und ein linearer Erzählbogen ohne Originalität gestalten die Lektüre unerfreulich und mühsam.
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