Das Erbe der Elfen von Andrzej Sapkowski

Buchvorstellungund Rezension

Das Erbe der Elfen von Andrzej Sapkowski

Originalausgabe erschienen 1994unter dem Titel „Krew Elfów“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 384 Seiten.ISBN 3423247002.Übersetzung ins Deutsche von Erik Simon.

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In Kürze:

Seit dem blutigen Überfall auf Cintra ist Ciri, die Thronerbin des Reiches, verschollen. Doch es gehen Gerüchte um, dass sie nicht tot ist, sondern von Geralt, dem Hexer, entführt und an einen geheimen Ort gebracht wurde. Und Geralt sieht sich mit heiklen Fragen konfrontiert. Hat Ciri wirklich magisches Potential? Oder ist sie nur das Medium einer bösen Macht? Der halbverfallene Stammsitz der Hexer wird zum Schauplatz einer großen Prüfung …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die etwas andere Sword & Sorcery-Saga aus Polen“85

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Geralt – der Name ist Programm, versteckt sich doch hinter dem Namen Gerald, den der Autor nur leicht abänderte, die Bedeutung „;Der mit dem Schwert herrscht“ – verdingt sich als Hexer in einer mittelalterlichen Welt, um Ungeheuer zu bekämpfen. Trotz seiner weißen Haare wirkt er düster, ja abweisend auf seine Mitmenschen. Nur wenigen gelingt es, hinter die Schale zu blicken und das wahre Wesen des Hexers zu erkennen.

Nach der verlorenen Schlacht um Cintra war der Hexer verschwunden. Gerüchte wurden laut, ob auch er zu den vielen tausend Opfern der Schlacht gegen die Nilfgaarden gehöre oder ob er sich endgültig zurückgezogen hätte. Dabei wird er gesucht. Mächtige Fürsten, finstere Gestalten, Zauberer und Magierinnen, sie alle forschen nach dem Verbleib des kundigen Hexers mit dem silbernen Schwert. Schätze werden ausgelobt, Spione in Marsch gesetzt, Gefallen eingefordert, Menschen gar gefoltert, nur um dem Verschwundenen auf die Spur zu kommen. Und dies nur, weil er sich eines jungen Mädchens angenommen hat. Einem Mädchen, das nicht nur der königlichen Linie derer von Cintra und damit dem Älteren Blut entsprang, sondern das als Quelle auch magische Kräfte bündelt und einem zauberkräftigen Wesen zur Verfügung stellen kann.

In einer Welt, die am Rande eines Bürgerkrieges dahintaumelt, in der alle Nichtmenschen mit Misstrauen beäugt werden, und in der der nächste Feldzug auf allen Seiten vorbereitet wird, tut Geralt sein Möglichstes, um Cirilla zu schützen – und wer den mächtigen Hexer kennt, der weiß, dass er meist noch einen Trumpf im Ärmel hat. Doch dann wird er verraten …

Zu anspruchsvoll für den deutschen Markt

Anfang der 90er Jahre entwickelte der polnische Autor Sapkowski seinen Helden – so man die düstere Gestalt denn als solches bezeichnen mag. Eher in der Tradition eines Elric von Melniboné als eines strahlenden Recken ging dieser in zwei so genannten „;Episodenromanen“ auch in Deutschland auf Leserfang (Heyne Verlag), doch blieb dem Werk der Erfolg versagt. Die lose miteinander verbundenen Novellen in den Bänden „;Der letzte Wunsch“ und „;Schwert der Vorsehung“ entsprachen so gar nicht der Erwartungshaltung der Fans von Tarl Cabot, Conan und Co. Das war kein muskelbepackter Recke, der einen munteren Spruch auf den Lippen seine Gegner reihenweise niedermetzelte, der scheinbar problemlos Schätze und Frauen gleichermaßen eroberte. Das las sich schwieriger, weil niveauvoller. Ein dialoglastiger Stil, die Anspielungen auf Märchen insbesondere von Hans Christian Andersen und ein hintergründiger Humor waren damals einfach zu viel für den deutschen Markt. Während die Heyne-Lizenzen liegen blieben, konnte der Hexer in Polen einen Siegeszug ohnegleichen antreten. Neben den beiden einführenden Kurzgeschichten-Romanen verfasste der Autor in der Folgezeit eine fünf-bändige Saga, deren Titel es allesamt auf die polnischen Bestsellerlisten schafften.

Zwischenzeitlich bei dtv mit seiner Trilogie um dem Medicus „;Reinmar von Bielau“ auch bei uns zu Bestsellerehren gelangt und mit dem Rückenwind durch das populäre PC-Rollenspiel „;The Witcher“ begann dtv zunächst damit, die ersten beiden Episoden-Romane um den Hexer nachzudrucken. Und, was kaum einer erwartet hatte, die Bände erwiesen sich als Renner. So ist es nur folgerichtig, dass sein Verlag die neue Saga um den Hexer besonders herausstellt. Im Trade-Paperback, bei dtv unter der Bezeichnung Premium laufend, in einer hochwertigen Geschenkkassette wurde zur Buchmesse 2008 der erste der fünf Bände vorgelegt. Die weiteren Titel sollen im halbjährlichen Rhythmus folgen. Die Übersetzung der Pentalogie liegt, wie bereits die der ersten beiden Bücher, in den bewährten Händen von Erik Simon, dem es sehr gut gelingt, die sprachliche Gewandtheit des Autors zu bewahren.

Inhaltlich baut das Elfenerbe auf der Handlung der ersten Titel auf, ohne dass hier eine Lektüre zum Verständnis notwendig ist. Mit großem Geschick verpackt der Autor dabei Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Gleichberechtigung oder die Vertreibung und letztlich Ausrottung von Naturvölkern durch die technisch wie zahlenmäßig überlegenen Menschen in seine Handlung, nimmt Anleihen beim Blitzkrieg und beim Überfalls Hitlers auf Polen zu Beginn des zweiten Weltkrieges und formt aus seiner überraschend realistisch und vielschichtig gezeichneten Welt einen düsteren Rahmen für seine Geschichte.

Dabei ist auch vorliegender Roman kein geschlossener Text in gewohntem Muster. Die jeweiligen Kapitel, sieben an der Zahl, sind jeweils sehr lang, bieten einen eigenen Spannungsbogen und liegen auch zeitlich zum Teil deutlich auseinander. Dazu kommt, dass die Konzentration auf Geralt als Handlungsträger zunehmend durchbrochen wird. Immer wieder rücken neue Gestalten ins Zentrum der Aufmerksamkeit, nutzt der Autor andere Sichtweisen, um uns seine Geschichte zu erzählen. Die Bekämpfung der Monster wird kaum mehr thematisiert, statt dessen wendet sich Sapkowski dem politischen Ränkespiel zu.

Mittels seines sehr bewusst eingesetzten Stilmittels der persönlich gefärbten Dialoge gelingt es dem Autor, seinen Gestalten Leben einzuhauchen und beiläufig fast Details seiner Welt mit einfließen zu lassen. So entwickelt sich Geralt im Verlauf der Handlung von einem fast gefühlskalt wirkenden Einzelgänger hin zu einem aufopfernd für Cirilla kämpfenden Mann, der zudem tragisch in einer Dreiecksbeziehung verzweifelt.

Gerade weil diese Saga uns anders als das Übliche daherkommt, weil sie eine dezidiert ausgearbeitete, überzeugende Welt präsentiert und vom Humanismus seines Erzählers geprägt ist, kann man die Lektüre nur jedem Fantasy-Freund, der offen für Neues ist, ans Herz legen.

Ihre Meinung zu »Andrzej Sapkowski: Das Erbe der Elfen«

PMelittaM zu »Andrzej Sapkowski: Das Erbe der Elfen«16.06.2017
Nach einem Überfall auf Cintra ist die Thronerbin Ciri spurlos verschwunden. Gerüchte machen die Runde, Ciri sei tot, sie sei entführt worden, sie wäre bei Geralt von Riva, dem Hexer …

„Das Erbe der Elfen“ ist, nach den Kurzgeschichten, der erste Roman um den Hexer Geralt von Riva. Wer die Kurzgeschichten bereits kennt, wird hier eine ganze Reihe bekannter Charaktere wiedertreffen. Bereits die Kurzgeschichten hatten mir sehr gut gefallen, und mit diesem Band zeigt der Autor, dass er auch einen lesenswerten Roman schreiben kann.

Andrzej Sapkowskis Schreibstil hat schon etwas Besonderes, nicht nur, dass er sehr bild- und lebhaft schreibt, den Leser hautnah die Emotionen der Charaktere miterleben lässt, verschiedene Perspektiven wählt, immer wieder Humor einfließen lässt, nein, manche Handlungsstränge werden rein über Dialoge erzählt, wie etwa eine Diskussion über den Wahrheitsgehalt einer gerade vorgetragenen Ballade Rittersporns. Über Dialoge unterhaltsam erzählen, ist eine Kunst für sich, und die beherrscht Sapkowski perfekt.

Auch die Charaktere gefallen mir, bis in die kleinste Nebenrolle, sehr gut, sie werden beim Lesen lebendig und lassen den Leser an ihrem Leben teilhaben. Zudem sind sie durchweg interessant, auch, weil der Autor größtenteils auf Schwarz-Weiß-Zeichnung verzichtet, gerade die „Guten“ sind durchaus auch mit Vorsicht zu genießen.

Gewundert hat mich ein wenig, dass Geralt eher eine Nebenrolle spielt. Im Zentrum der Handlung steht eindeutig Ciri, und auch andere Charaktere, wie etwa Yennefer und Triss Merigold, nehmen einen größeren Part ein als er. Es dauerte auch eine ganze Zeit, bis das erste Ungeheuer seinen Auftritt hatte. Aber das macht rein gar nichts, denn die Geschichte ist interessant, spannend und abwechslungsreich erzählt, so dass der Roman ruckzuck gelesen ist, auch wenn man das bedauert, denn am liebsten würde man direkt weiterlesen, auch wegen des recht offenen Endes. Gut, dass der Roman der erste Band einer Reihe ist, die bereits komplett erschienen ist, so ist für Lesefutter erst einmal gesorgt.

Ich bin von Andrzej Sapkowskis erstem Geralt-Roman genauso begeistert wie von den Kurzgeschichten und freue mich auf die restliche Reihe. Wer gerne erwachsene Fantasy liest, die sowohl mit ihren Charakteren als auch mit der erschaffenen Welt, den Geschichten und dem Erzählstil überzeugt, sollte unbedingt zugreifen. (93°)
blackpearl zu »Andrzej Sapkowski: Das Erbe der Elfen«15.05.2012
Ich habe das Buch verschlungen! Meiner Meinung nach ist es das beste Buch rund um Geralt. Ausnahmslos jedes Kapitel ist unglaublich witzig, ohne den Ernst zu verlieren. Mir gefallen besonders die Teile, die nur als Dialoge verfasst sind (3. und letztes Kapitel).
Sehr gut an allen Romanen finde ich, dass die Personen immer wieder auftauchen. Plötzlich liest man einen Namen und denkt: Der war doch schon mal da!
Ich finde, dass jeder, der witzige Fantasy mag, dieses Buch lesen sollte.
Nanni zu »Andrzej Sapkowski: Das Erbe der Elfen«08.03.2011
Der Einstieg in „Das Erbe der Elfen“ gestaltet sich als etwas schwierig. Es ist der typische erste Band einer Reihe. Zu aller erst einmal, muss dem Leser alles erklärt und erläutert werden, bis endlich mal die eigentliche Geschichte anfängt. Andrzej Sapkowksi gelingt es zwar diese Einführung mit sehr spannenden Elementen wie Überfällen und anderen Bedrohungen zu paaren, da Geralt sich aber maßgeblich in der Politik einmischt, wird anfangs geklärt, wer nun wen bekämpft, welche Reiche befreundet, welche verfeindet sind. Es ist alles recht politisch und damit auch sehr trocken.

Davon sollte sich der Leser aber keinesfalls abschrecken lassen, denn auch das Gehirn des Lesers muss sich anstrengen, genau aufpassen, um einordnen zu können, wer denn jetzt die gute und wer die böse Seite ist. Das lässt der Autor ziemlich offen, so dass man sich ein eigenes Bild machen muss. Dadurch bekommt das Buch Bezug zur Realität. Man könnte es ein bisschen mit einem Wahlkampf vergleichen. Der Autor lässt die Charaktere so geschickt handeln, schreibt ihnen Finten auf den Leib, die den Leser immer wieder in die Irre führen, und er sich nur schwer ein Bild machen kann, auf wessen Seite er nun stehen soll. Das ist aber keineswegs negativ, sondern macht das Buch eher noch interessanter.

Das tollste an den Geralt Büchern sind die Figuren. Andrzej Sapkowski gibt sich immer unglaublich viel Mühe Charaktere zu kreieren, die den Leser auf vielerlei Art und Weise amüsieren und in ihren Bann ziehen. Widerliche Schurken, gerissene Zauberer, schlaue Zauberinnen, charismatische Hexer, Elfen, Zwergen und andere Fabelwesen begeistern mit Wortwitz, Charme oder Bösartigkeit.

Ich mag am meisten den Humor, der untergründig in den Geschichten mitmischt und besonders bei Dialogen durchschimmert.
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