Die Zeit der Verachtung von Andrzej Sapkowski

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel Czas pogardy, deutsche Ausgabe erstmals 2009 , 368 Seiten. ISBN 3423247266. Übersetzung ins Deutsche von Erik Simon.

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In Kürze:

Krieg kündigt sich an. Ein Konvent der Zauberer soll klären, wie sie sich in dem bevorstehenden Konflikt verhalten werden. Am Vorabend der Besprechungen sieht sich Geralt einem Dickicht undurchsichtiger Intrigen und Bündnisse gegenüber. Der geheimnisvolle Rience, sein alter Gegenspieler, verfolgt Ciri, die Prinzessin von Cintra, die unter Geralts Schutz steht. Es kommt zu einer blutigen Konfrontation. Ciri gelingt es zu fliehen, doch dann findet sie sich in einer entsetzlichen Wüste wieder. Ein verirrtes Einhorn ist ihr einziger Gefährte …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Das Löwenjunge, der Hexer und das Spiel der Zauberer“ 90

Fantasy-Rezension von Bernhard Renner

Eine düstere Zeit ist angebrochen, eine Zeit der Verachtung. Zwischen Nilfgaard und den nördlichen Königreichen bahnt sich ein Krieg an. Die Scioa’tael, Banden elfischer Freiheitskämpfer, machen weiterhin die Wälder unsicher und fallen über die Dörfer her.

Cirilla, auch Ciri genannt, ist die letzte noch lebende Nachfahrin von Calanthe, der Löwin von Cintra. Zwar hat Ciri selbst aufgrund ihres Geschlechts keinen Anspruch auf den Thron, dennoch ist sie der Schlüssel zur Macht über das Königreich Cintra. Cintra stellt einen strategisch wichtigen Ort im drohenden Krieg dar. Kein Wunder also, dass alle Welt versucht, ihre Fühler nach Ciri auszustrecken, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen. Der Hexer Geralt und die Zauberin Yennefer versuchen Ciri zu schützen und sie aus den politischen Ränkespielen herauszuhalten.

Welche Rolle spielen die Zauberer in dem bevorstehenden Konflikt? Dies soll ein Konvent der Zauberer auf der Insel Thanedd klären.

Auf den Mund gefallen …

sind die Protagonisten dieses Buches sicherlich nicht. Einmal mehr besticht Andrzej Sapkowski durch seine intelligenten, authentischen und witzigen Dialoge. Sei es nun ein einfach gestrickter Söldner, ein gebildeter Zauberer oder gar ein König. Sapkowski versteht es perfekt, jedem ein geeignetes Sprachrohr zu verpassen. Die zahlreichen Wortgefechte bilden den literarischen Höhepunkt dieses Romans. Handlungs- und Actionpuristen könnten diese allerdings auch als zu viel Geschwafel empfinden. Die Kampfszenen werden detailliert beschrieben und auch die Charakterzeichnung ist wieder grandios gelungen. Geralt versucht weiterhin Neutralität zu wahren, was ihm zunehmend Probleme bereitet. Allerdings wird Geralt überraschend wenig Platz in diesem Roman eingeräumt. Besonders beeindruckt hat mich die Darstellung Ciri’s. Mit ihren 13 Jahren ist sie einerseits noch ein Kind und andererseits schon eine junge Dame. Zumindest versucht Yennefer sie verzweifelt zu einer zu erziehen. Auch die etwas rauhen, wenn auch liebevollen, Erziehungsversuche Geralts sind nicht ganz spurlos an ihr vorbeigegangen. Zudem entdeckt sie gerade ihre magischen Fähigkeiten. Sapkowski hat diese schwierige Aufgabe wunderbar gemeistert und läßt Ciri Kind, junge Dame und pubertierende Rebellin sein. Die Entwicklung ist dabei immer nachvollziehbar.

Die Stimmung wird spürbar düsterer. Humorvolle Szenen sind zwar nach wie vor vorhanden, sie sind jedoch deutlich rarer gesät. Statt dessen wird die Handlung politischer. Es wird mächtig spioniert, intrigiert, Pläne geschmiedet und zum Krieg gerüstet.

Phantastik ist Realitätsflucht?

Eine weitere Besonderheit der Saga um den Hexer Geralt ist, dass immer wieder aktuelle Themen in die Handlung eingewebt werden. Während in „Das Erbe der Elfen“ noch Fremdenhass und Umweltverschmutzung eine Rolle spielten, sind es in „Die Zeit der Verachtung“ Tierschutz und wirtschaftswissenschaftliche Problematiken, wie die Überschwemmung des Marktes durch Billigprodukte aus Niedriglohnländern und zunehmende Massenproduktion. Dies sind Themen, die man in einem eher mittelalterlich geprägten Fantasy-Roman nicht unbedingt erwartet. Themen, die leicht zu einem Fallstrick werden können. Nämlich dann, wenn zu sehr die Moralkeule geschwungen wird oder Leser unsanft in die Realität zurückkatapultiert werden, aus der sie vielleicht gerade durch das Inhalieren eines phantastischen Romans entfliehen wollten. Sapkowski ist dieses Wagnis eingegangen und hat die gefährlichen Klippen geschickt umschifft. Er sensibilisiert gekonnt für diese Themen, vermeidet dabei aber seine Meinung mit erhobenen Zeigefinger aufzudrängen. Er überlässt es dem Leser, sich sein eigenes Bild zu erschaffen. Den Kritikern, die phantastische Literatur als realitätsfremden Unsinn abstempeln, dürfte Sapkowski mit diesem Werk sicher einen Maulkorb verpasst haben.

Die Verachtung der Zeit

Unzählige Personen und Orte erschweren es enorm, dem politischen Treiben folgen zu können und bei den verwirrenden Intrigen den Überblick zu behalten. Wer jedoch bereit ist, die Zeit zu verachten und diesem Buch die gebührende Aufmerksamkeit entgegenbringt, der wird erneut mit großartigen Dialogen und tollen Charakteren belohnt. Für Leser, deren Hauptinteresse dem Hexer Geralt gilt oder die vornehmlich politisch geprägte Handlungen nicht mögen, könnte sich dieser Roman als Enttäuschung entpuppen. Trotz der genannten Schwächen habe ich für dieses wortgewaltige Meisterwerk sicher keine Zeit der Verachtung übrig.

Ihre Meinung zu »Andrzej Sapkowski: Die Zeit der Verachtung«

Djamena zu »Andrzej Sapkowski: Die Zeit der Verachtung« 10.07.2009
So, endlich habe ich mich der Zeit der Verachtung mit der gebührenden Aufmerksamkeit widmen können.
Wieder hat Sapkowski ein spannendes Meisterwerk vorgelegt, auf hohem sprachlichen Niveau, mit detailliert geschilderten Kämpfen, bissigen Dialogen, erstklassigen Charakterzeichnungen, trotzdem gebe ich diesmal nur 95 % wegen der zahlreichen unübersichtlichen, verwirrenden politischen Intrigen und Ränke. Da den Überblick zu behalten und die zahlreichen Orte, Länder und Herrscher - ohne Karte-, zuordnen zu können ist sehr schwer. Das hemmt das Lesevergnügen. Aber es gibt einige herausragende Szenen, die dafür entschädigen. Das dritte Kapitel mit dem Empfang der Zauberer ist einfach zu köstlich. Und Ciri in der Wüste ist auch grandios. Und Geralt ist und bleibt mein Lieblings-Held. In all dem grausamen Geschehen vergisst Sapkowski nie die Menschlichkeit und Ciris Entwicklung entspricht meinen Vorstellungen. Das Ende ist offen, aber im November kommt ja der nächste Band.
Ihr Kommentar zu Die Zeit der Verachtung

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