Etwas endet, etwas beginnt von Andrzej Sapkowski

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „Coś się kończy, coś się zaczyna“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 352 Seiten.ISBN 3423213531.Übersetzung ins Deutsche von Erik Simon.

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In Kürze:

Gegenwart und Vergangenheit (oder Zukunft) verknüpfen sich auf brillante Weise in diesen Geschichten. Der Mythos von Tristan und Isolde wird neu erzählt – aus der Sicht zweier Nebenfiguren, nämlich der von Morholt, dem von Tristan besiegten Ritter, und Branwen (Brangäne), Isoldes Dienerin, die den beiden den Liebestrank reichte.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Gut durchwachsen“70

Fantasy-Rezension von Julia Tambor

„Etwas endet, etwas beginnt“ ist eine Anthologie, die acht voneinander unabhängig bereits zuvor veröffentlichte Erzählungen enthält, die sämtlich von Andrzej Sapkowski verfasst wurden.

Er selbst hat den Erzählungen jeweils eine Einführung vorangestellt, die recht ausführlich beschreibt, wann, wo und in welchem Zusammenhang diese Erzählung bereits erschienen ist. Sapkowski beschreibt in diesem Zusammenhang auch gern Anekdoten, die davon handeln, was ihn zu einer bestimmten Geschichte inspiriert hat – z.B. eine Nachbarin, die zerriebenes Glas in das Katzenfutter gemischt hat, weil ihr das Katzengejammer auf die Nerven ging – oder was ihn dazu veranlasst hat, sich dem Thema oder Genre zuzuwenden.

Die acht Erzählungen

„Der Weg, von dem niemand zurückkehrt“ ist in der Welt des Hexers angesiedelt. Sie beschreibt Ereignisse, die vor der Geburt Geralts stattfinden. Korin, ein junger Söldner, rastet verletzt am Wegesrand. Die Zauberin Visenna trifft auf ihn und heilt ihn, und zusammen klären sie seltsame Vorkommnisse in einer Bergregion auf, die die Einheimischen einem unheimlichen Wesen, dem Knoch, zuschreiben. Die Erzählung beschreibt, wie Visenna und Korin dabei einander näher kommen, eine Verbindung, aus der später der Hexer Geralt hervorgeht. Die Erzählung ist gewohnt gekonnt geschrieben, mit spitzzüngigen Dialogen und einer spannenden Handlung.

„Die Musikanten“ leitet Sapkowski mit der Erklärung ein, dass er sie speziell für eine Anthologie geschrieben hat. Der Herausgeber warnte ihn, er wolle keine Fantasy. Sapkowski entschloss sich, Horror zu schreiben, ein Genre, das er eingestandener Maßen nicht mochte, und schon per definitionem verlogen fand. Er selbst hat den Anspruch an eine Horrorerzählung, dass sie Entsetzen, Angst und Unruhe auslösen soll. Diesem Anspruch ist Sapkowski nicht gerecht geworden. Die Erzählung wirkt lediglich beklemmend, düster und verwirrend. Es geht um Tierversuche, intelligente Katzen, die die Revolte proben, Strahlung und Umweltzerstörung. Grusel kommt da einfach nicht auf, dazu ist die Erzählung zu abstrakt. Es fehlt an einer emotionalen Bindung zu einem der Charaktere. Ohne sie kann sich der Leser auch nicht in deren Ängste hineinversetzen.

„Tandaradei“ handelt von einer sich selbst als unansehnlich beschreibenden jungen Studentin, die im Urlaub die Gesellschaft anderer junger Leute meidet und sich lieber in ihre Fantasien mittelalterlicher Poesie hineinversetzt. Dabei wird eine Gestalt aus ihren Fantasien, der Minnesänger, immer realer und gleichzeitig beängstigender. Auch diese Erzählung vermag kaum zu fesseln. Die Figur der jungen Studentin Monika ist zu farblos und passiv. Die anfängliche Langeweile, die sie selbst verspürt, wirkt ebenso infektiös wie ihre spätere Verwirrung.

„Im Bombentrichter“ beschreibt ein Jugendlicher, der in einer vom Krieg zerstörten Stadt auf dem Schulweg in einen Bombentrichter gefallen ist, sein Leben und all die Unwegsamkeiten, die das Leben in einer umkämpften Stadt mit sich bringt. Diese Erzählung enthält ein Sammelsurium von Anspielungen auf unsere Gesellschaft, erscheint dabei aber völlig planlos. Durch die Erzählung aus der Sicht eines Jugendlichen ist der Erzählton flapsig und auf cool getrimmt. Inhaltlich wird der Leser derart mit zahllosen Nebensächlichkeiten bombardiert, dass am Ende nur die Frage bleibt – wozu das jetzt?

„Etwas endet, etwas beginnt“ beschreibt die Hochzeit Yennefers und Geralts, ist also die zweite in der Anthologie enthaltene Erzählung, die in der Welt des Hexers spielt. Die Geschichte ist insgesamt äußerst amüsant und ein Großteil der schon aus dem Hexerzyklus bekannten Gestalten darf hier noch einmal Parade laufen.

„Der goldene Nachmittag“ beschreibt aus Sicht des Cheshirekaters die Begegnung mit Alice Liddell im Wunderland. Der Kater berichtet in einem wunderbar phlegmatisch-zynischem Ton, es ist eine Freude.

Zu „Ein Vorfall in Mischief Creek“ hat sich Sapkowski von den Hexenverfolgungen von Salem inspirieren lassen. Ein bunt zusammengewürfelter Trupp Männer verfolgt eine Frau, der sie übernatürliche Kräfte nachsagen und die sie zur Strecke bringen wollen, durch die Wälder Neuenglands. Unterwegs ereignen sich Dinge, die sie verstören und den Aberglauben der Männer schüren. Schließlich stoßen sie auf ein Dorf, das scheinbar nur von Frauen bewohnt wird. Diese geradlinige Erzählung ist zwar vorhersehbar, aber unterhaltsam und mit einem hintergründigen schwarzen Humor verfasst, der den einen oder anderen Schmunzler fordert.

Die letzte Erzählung der Anthologie ist „Maladie“. Damit nimmt Sapkowski Bezug zum Arthus-Mythos und zum Roman von Tristan und Isolde, lässt hier aber Branwen von Cornwall, die Tristan den Liebestrank reichte, und Morholt von Ulster, den von Tristan besiegten Ritter, in Erscheinung treten. Auch diese abschließende Erzählung ist lesenswert und enthält, wie die anderen aus bekannten Vorbildern entlehnten Erzählungen Sapkowskis, einen ganz eigenen Twist in der Geschichte.

Sapkowskis Stärken

Man muss nicht alle seine Erzählungen mögen, um zu erkennen, dass Sapkowski einen wirklich ganz individuellen Schreibstil hat, der auch den Erzählungen dieser Anthologie ausnahmslos anhaftet. Die Anthologie zeigt aber auch, dass seine Stärken ganz offensichtlich in der Fantasy, auch mit Anlehnung an einen historischen Hintergrund, liegen. Selbst wenn drei der acht Kurzgeschichten nicht so begeistern wie der Rest, ist die Anschaffung dieses Bandes für Fans der unverwechselbaren Erzählkunst Sapkowskis zu empfehlen.

(Julia Tambor, Dezember 2012)

Ihre Meinung zu »Andrzej Sapkowski: Etwas endet, etwas beginnt«

FLafi zu »Andrzej Sapkowski: Etwas endet, etwas beginnt«30.08.2016
Ich fand bis jetzt jede Erzählung von Andrzej Sapkowski fesselnd.

Angefangen habe ich mit den Kurzgeschichten und bin dann über gegangen zu den Romanen.

Man muss dazu sagen, das ich mit den Büchern erst nach dem spielen des Witcher 3 Gamen begonnen habe und bereue es keine Minute. Im gegenteil all die Orte, Gesichter der Charaktere waren für mich schön lebendig und sehr fesselnd. Auch fällt es mir nicht schwer das Buch etwas endet etwas beginnt zu lesen.

Ich würde zu gerne erfahren was mit der jungen Frau nun passiert ist nach dem der Picklige um die Ecke kam ? Mein Kopf sagt mir die ist drauf gegangen. Die Musikanten find ich ist eine sehr schöne variante der Erzählung von den Bremer Stadtmusikanten und um so genialer fand ich es Witcher 3 dlc Blood and vine Das land der Tausend Märchen auf die Figuren zu treffen.

Man sieht die Erwartungen sind recht verschieden bei den Lesern und ich bin gespannt wie die letzte Erzählung ausgeht.
Diogenes zu »Andrzej Sapkowski: Etwas endet, etwas beginnt«30.06.2016
Wer zu 'Im Bombentrichter' schreibt "dass am Ende nur die Frage bleibt – wozu das jetzt?" hat wahrscheinlich das Vorwort nicht gelesen oder zumindest nicht verstanden.
Die Geschichte ist eine -doch sehr deutlich und verständlich geschriebene- Kritik am blinden Jubel über den Systemwechsel in Polen, der auf den Zerfall des Ostblocks folgte. Die Geschichte gipfelt in einer Parodie Martin Luther Kings und dessen Ermordung, nach der der stumpfe Kleingeist der Menschheit obsiegt, geführt vom Unternehmegeist von Mc Dreck und co.
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