Feuertaufe von Andrzej Sapkowski

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Chrzest ognia, deutsche Ausgabe erstmals 2009 , 400 Seiten. ISBN 342324755X. Übersetzung ins Deutsche von Erik Simon.

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In Kürze:

»Ausnahme-Fantasy vom Feinsten.« Nautilus In Nilfgaard wird die Verlobung des Kaisers mit Cirilla, der Thronerbin von Cintra, proklamiert. Aber handelt es sich wirklich um die echte Cirilla? Geralt, halbwegs von seinen schweren Verletzungen genesen, macht sich auf den Weg nach Nilfgaard, begleitet von Rittersporn und der Bogenschützin Milva sowie einem Vampir, der sich das Trinken von Blut schon seit Langem abgewöhnt hat. Doch auch eine gerade erst gegründete Geheimloge von Zauberern beschließt, Cirilla um jeden Preis zu finden und zur Königin zu machen, um so die Macht der Zauberer zu sichern …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der einsame Wolf und lästige Gefährten“ 80

Fantasy-Rezension von Bernhard Renner

Cirilla, die Thronerbin von Cintra, wurde entführt und soll mit dem Kaiser von Nilfgaard verheiratet werden. Das ist zumindest, was dem Hexer Geralt zu Ohren gekommen ist. Einsam und mit zahlreichen, kaum verheilten Wunden begibt er sich auf den Weg, um Ciri zu retten. Ganz so einsam, wie der weiße Wolf es sich wünscht, bleibt seine Mission nicht. Der Barde Rittersporn bleibt hartnäckig an seiner Seite und immer wieder schließen sich zu Geralts Verdruss neue Weggefährten seiner Reise an. Schon bald gesellt sich die Jägerin Milva, eine Gruppe Zwerge und noch viel seltsamere Begleiter hinzu. Dabei kommt Geralt doch alleine viel besser zurecht, oder nicht? Als wären seine Gefährten nicht schon Plage genug, wird der Hexer auch noch von Alpträumen über Ciri heimgesucht.

Der Hexer ist zurück

Die Fans von Geralt können aufatmen. Wurde der Hexer in „Die Zeit der Verachtung“ noch zur Nebenfigur degradiert, erhält Geralt jetzt wieder die verdiente Aufmerksamkeit. Besonders durch die Interaktion des Hexers mit seinen Gefährten erwacht dieser Roman zum Leben. Mehr als einmal weist Geralt seine Begleiter darauf hin, dass er ohne sie viel besser zurecht kommt und gerne auf ihre Gesellschaft verzichtet. Doch diese lassen sich nicht so leicht abschütteln. Im Gegenteil, sie stellen sich immer wieder als sehr nützlich heraus und retten den Hexer aus der ein oder anderen brenzligen Situation. Natürlich würde Geralt nie zugeben, dass er im Grunde doch ganz froh ist, sie dabei zu haben. Mit der Jägerin Milva, dem Nilfgaarder Cahir und dem Barbier Regis werden neue Charaktere eingeführt, die den Unterhaltungswert der Gruppe unheimlich bereichern. Ich möchte nicht zuviel verraten und die Erkundung der Eigenarten und Geheimnisse dieser Neulinge dem Leser überlassen. Die Charaktere der Gruppe sind alle einzigartig und ausnehmend gut gezeichnet. Der Fokus auf die Gruppe um Geralt hat jedoch seinen Preis. Cirilla verschwindet fast vollständig von der Bildfläche und die Gesamthandlung des Romanzyklus schreitet kaum voran.

Sapkowski experimentiert mit der Erzählperspektive und nicht jedes dieser Experimente ist gelungen. Im sechsten von sieben Kapiteln wird bei einem Treffen des magischen Geheimbundes die Geschichte des alten Bluts erzählt. Der Leser wird dabei mit so vielen Namen und Informationen bombardiert, dass es fast unmöglich ist, da noch den Überblick zu behalten. Eine der Zauberinnen sagt so treffend „Ich habe den Faden verloren“. So ging es mir in diesem Kapitel auch.

Einen Weg durch die Flammen …

muss der Leser sicherlich nicht gehen, sehr wohl aber die handelnden Personen in diesem Roman. Jede Figur erlebt seine ganz persönliche Feuertaufe. Zudem herrscht weiterhin Krieg zwischen Nilfgaard und den nördlichen Königreichen. Dementsprechend düster ist „Feuertaufe“ auch ausgefallen. Aufgelockert wird das unfreundliche Szenario durch einen feinsinnigen Humor und den wie gewohnt unverschämt grandiosen Dialogen. Wie schon in den vorigen Bänden, hat der Autor wieder gekonnt zeitgenössische Themen in sein Werk eingeflochten. Unter anderem wird diesmal Alkoholsucht verarbeit. Nur dass es sich in „Feuertaufe“ nicht um Alkohol, sondern um Blut handelt. Keine Panik, hier wird keineswegs die Moralkeule geschwungen. Diese kleinen Realitätsbezüge sind so geschickt verpackt, dass Leser, die damit nichts anfangen können, diese nicht als störend empfinden werden. Für mich gewinnt der Zyklus gerade durch diese kleinen Anspielungen eine zusätzliche Qualitätsebene.

„Feuertaufe“ hat eher einen Brückenbandcharakter. Für das Verständnis des Gesamtzyklus ist das Buch als unwesentlich einzustufen. Ein Auslassen dieses Bandes ist dennoch nicht empfehlenswert, denn über weite Strecken ist Sapkowski wieder einmal ein Geniestreich phantastischer Erzählkunst gelungen.

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