Das Grab des Herkules von Andy McDermott

Buchvorstellungund Rezension

Das Grab des Herkules von Andy McDermott

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „The Tomb of Hercules“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 512 Seiten.ISBN 3-442-47427-2.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Über Jahrhunderte blieb die Totenruhe des größten Kriegers der Antike ungestört, doch dann bringt ein altes Schriftstück die Archäologin Nina Wilde auf die Spur der sagenumwobenen Grabstätte. Zusammen mit ihrem Freund, dem Ex-SAS-Agenten Eddie Chase begibt sie sich auf die Suche. Schon bald stecken sie mitten in einer tödlichen Hetzjagd rund um den Globus, denn bei ihrer Suche nach dem legendären Schatz des Herkules ist ihnen ein mächtiger, skrupelloser Gegner dicht auf den Fersen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Geschichtliche Rätsel und blaue Bohnen – Matt Reilly lässt grüssen“72

Mystery-Rezension von Carsten Kuhr

Die Archäologin Dr. Nina Wilde und der frühere SAS-Einzelkämpfer Eddie Chase haben ihre Ziel erreicht. Was keiner für möglich erachtet hätte, gelang ihnen: Atlantis wurde wiederentdeckt, der heimtückische Virenangriff auf die Menschheit gestoppt.

Seitdem ist Dr. Wilde für die UN in New York tätig, stöckelt im Prada-Kostüm und mit 500-Dollar-Haarschnitt durch Sitzungssäle und intrigiert auf Empfängen, als hätte sie nie Feldarbeit geleistet. Doch tief in ihr brennt das wissensdurstige Feuer weiter, will sie sich von Neuem auf die Suche nach verschollenen Rätseln der Vergangenheit begeben. Dass sich ihre Beziehung zu Chase, der sich schlicht im Luxus langweilt, abgekühlt hat, dass sie nicht wissen, wo sie stehen, erschwert das Miteinander weiter.

Als Chases Exfrau ihn um Hilfe bittet, und er stante pede an ihre Seite eilt, ist das Maß voll.Während er seine Verflossene in Shanghai aus den Armen ihres milliardenschweren Mannes befreit, geht Frau Doktor Hinweisen auf das verschollene Grab des Herkules nach. Auf der anschließenden Jagd nach weiteren Hinweisen, die sie rund um die Erde führt, stoßen die wiedervereinten Helden auf skrupellose Verbrecher, die Atombomben an den Meistbietenden verschachern wollen, auf Industrietycoone, die mit Menschenleben spielen, und Politiker, die ihr Gewissen mit dem Scheckbuch abgegeben haben – und sie treffen auf das schlimmste Monstrum in Menschengestalt – eine gewissenlose Frau mit einer Atombombe im Gepäck, die ihre Rache unnachgiebig verfolgt …

Unlogisch, übertrieben, klischeehaft, aber packend

Mit seinen Romanen um die Archäologin Nina Wilde und den Agenten Eddie Chase hat sich der ehemalige britische Reporter Andy McDermott in die Herzen der Action-Thrillerfans geschrieben. Als Mischung aus Matt Reilly und Indiana Jones mit einer Prise Tomb Raider kann man die mittlerweile sieben Romane, die im Original vorliegen, treffend be- und umschreiben.

Das Gebotene hat mit Logik nichts mehr zu tun, auch historische Tatsachen werden nur am Rande erwähnt, im Zentrum steht ganz das rasante, gewaltbetonte Geschehen um den Kampf unserer beiden Guten gegen die vielen Bösen, die ihnen an den Kragen wollen. Da wird nicht reflektiert, da bleibt die innere Logik nur zu oft auf der Strecken, fliegen Kugeln und detonieren Bomben, dass Actionfans ihre wahre Freude haben. Von vielschichtigen Charakteren, die sich glaubwürdig fortentwickeln, einer minutiösen Recherche um historische Tatsachen oder exotisch-wirklichkeitsnahe Locations ist nichts zu erblicken.

Statt dessen trumpft McDermott, wie viele seiner Kollegen, die sich in der Sparte des gewaltbetonten Thillers versuchen, nur mit einem Pfund auf, mit dem er dann aber wuchert. Das ist Nonstop-Kampf, rasante Verfolgungsjagden und fiese Gegner, denen unser schlagkräftiges Paar ein ums andere Mal zeigt, was eine Harke ist.
Das ist unglaubwürdig, so manches Mal haarsträubend unlogisch, aber eben auch faszinierend und unheimlich spannend.

Dabei orientiert sich der Autor an einem einfachen Erfolgsrezept. Man nehme unseren beiden sich streitenden Liebenden und werfe sie den habgierigen, überlegenen Unsympathen zum Fraß vor. Dazu mische man ein historisches Geheimnis – vorliegend das Grab des Herkules, später folgen Excalibur, Osiris und Co – jede Menge blauer Bohnen und reise in entfernte Ecken unseres Planeten, fertig ist der Bestseller.

Anders als zum Beispiel James Rollins, der ins seinen Sigma-Force-Titeln (dt. Blanvalet Verlag) eine Eliteeinheit in den Mittelpunkt seiner Bücher stellt, nutzt McDermott einen Ex-Söldner und eine Wissenschaftlerin, um an diesen seinen Plot aufzuhängen. Diese stehen dann – mal abgesehen von den vielen Freunden und Verbündeten des Ex-SAS-Mannes – ihren Widersachern relativ allein gegenüber, können sich also nicht einfach auf schnell herbeigerufene Hilfe verlassen, sondern müssen sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Die sehr dosiert eingesetzt Romantik erinnert gerade aufgrund der Reibereien der beiden an gängige Kinovorbilder und lockert die sonst martialische Atmosphäre ein wenig auf.

Ob der Goldmann Verlag auch die anderen bislang fünf Romane der Reihe veröffentlichen wird, ist ungewiss. Bereits vorliegender Band wurde erst spät ins Programm genommen, so dass wohl leider davon auszugehen ist, dass der Zyklus nur bei einem entsprechenden Verkaufserfolg fortgesetzt werden wird.

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