Die leuchtende Pyramide und andere Geschichten des Schreckens von Arthur Machen

Buchvorstellungund Rezension

Die leuchtende Pyramide und andere Geschichten des Schreckens von Arthur Machen

Originalausgabe erschienen 1969, 242 Seiten.ISBN 3518372203.

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In Kürze

In vier Storys und einer Novelle schildert der Verfasser den Einbruch des Bösen in die alltägliche Welt. Es kommt nicht individuell, sondern eher als fremde, urzeitliche Kollektivmacht daher, denen der Mensch eigene, von Furcht und Schrecken geprägte Erscheinungsformen verleiht. Der Kontakt mit dieser alten Macht verspricht intensives Wissen um das Wesen dieser Welt, dem derjenige, der danach sucht, freilich nicht gewachsen ist und ein böses Ende nimmt. Arthur Machen gehört mit seinen anspruchsvollen Romanen und Geschichten zu den klassischen Gestalten der angelsächsischen Phantastik.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Das Böse als Erbe vom Anfang der Zeit“;95

Horror-Rezension von Michael Drewniok

 – Die leuchtende Pyramide („;The Shining Pyramid“;, 1895), S. 7-37: Seltsame Symbole auf einer Mauer verstören einen braven britischen Landadligen. Gemeinsam mit seinem Freund, einem Schriftsteller, kann er den Code knacken – es ist eine Einladung zum Hexensabbat, der heimlich Folge zu leisten die beiden Hobby-Detektive dummerweise nicht widerstehen können…

 – Die Geschichte vom weißen Pulver („;The Novel of the White Powder“;, 1895), S. 39- 60: Der junge Student ist überarbeitet und lässt sich ein Stärkungsmittel verschreiben. Eine Kette unglückseligen Zufälle führt dazu, dass sich das Medikament in ein wahres Teufelsgebräu verwandelt, dessen Einnahme das Opfer in den Urschleim allen Lebens zurücksinken lässt…

 – Die Geschichte vom Schwarzen Siegel („;The Novel of the Black Seal“;, 1895), S. 61- 114: In den Höhlen und Wäldern von Wales lebt noch heute das zauberische (aber keineswegs zauberhafte) „;kleine Volk“;, davon ist der ansonsten gestandene Professor Gregg fest überzeugt. Nach vielen Jahren der Forschung gelingt es ihm endlich, dessen Spur aufzunehmen – er ward seither nicht mehr gesehen…

 – Die weißen Gestalten („;The White People“;, 1906), S. 115-167: Schon an der Wiege standen sie an der Seite der namenlosen Erzählerin – Feen oder Kobolde, die allerdings nichts mit den possierlichen Puppenwesen des Kindermärchens zu tun haben, sondern Vertreter eines uralten, verderbten Volkes sind, die ihr Opfer immer tiefer in den Sog des Bösen treiben…

 – Der große Gott Pan („;The Great God Pan“;, 1894), S. 168-242: Eine schöne, aber mysteriöse Frau zieht die Männerwelt Londons in ihrem Bann. Der Klatsch über ihre geradezu magische Anziehungskraft lenkt ab von der beunruhigenden Selbstmord- Seuche, die ihre Schneise durch die High Society der Stadt zieht. Ein misstrauischer Privatgelehrter entdeckt, dass diese Dame nicht nur an anderen Orten der Welt schon zahlreiche Leichen hinterlassen hat, sondern auch mit den Mächten des Bösen im Bunde steht…

Mehr Dimensionen, als man gemeinhin (alb-)träumt

Die Welt, die in der wir leben, kennen wir Menschen nicht wirklich. Selbst wenn wir den letzten Berg bestiegen, die letzte Meerestiefe ertaucht & den letzten Urwald durchquert haben, so bleiben uns gewisse Refugien verborgen, deren Bewohner ihre ganz speziellen Methoden haben, die Privatsphäre zu sichern – oder sollte man besser „;Privat-Dimension“; sagen? Mitten im Leben sind wir nämlich von seltsamen Wesen umfangen, welche man vielleicht als Seitentriebe der Evolution bezeichnen könnte, die einen gänzlich anderen Weg als die Menschen genommen und sich dabei wahrlich übernatürliche Fähigkeiten erworben haben. Unsere Vorfahren kannten sie noch gut, nannten sie „;Götter“; oder „;Geister“;, später – den Schrecken verniedlichend – „;Feen“;, „;Kobolde“; oder „;das kleine Volk“; und meinten doch stets dieselben uralten Kreaturen, deren Weg man besser nicht kreuzen sollte. Böse sind sie zwar nicht mit Vorsatz, sondern weil es ihrem Wesen entspricht; das Böse ist für sie alltägliche Lebensart, so dass man sie eher fremd nennen sollte. Freilich ist das Ergebnis trotzdem dasselbe, wenn sie dich erwischen: ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod, erwartet ihre Opfer, denn diese Wesen beherrschen die elementaren Kräfte und rütteln an den Grundfesten des Lebens, an dessen vorzeitlichem Beginn der sprichwörtliche Urschlamm steht.

„;Böse“; ist „;fremd“; – um umgekehrt

Diese Wesen bevölkern also die hier gesammelten vier Kurzgeschichten und eine Novelle, die man als Mosaiksteinchen eines sehr viel größeren Werkes sehen sollte. Arthur Machen hat noch viele andere Storys verfasst, die sich in ihrer Gesamtheit zu einem Mythen-Kosmos fügen, der sich mit H. P. Lovecrafts „;Cthulhu“;-Saga durchaus messen kann. Dieser Vergleich wird hier nicht von ungefähr angeführt, denn dem Meister aus Providence waren die Parallelen selbst aufgefallen. In seinem langen Essay „;Supernatural Horror in Literature“; (1927) widmete Lovecraft Machens Werk lange, freundliche Passagen, die deutlich machen, dass ihn die Idee uralter, im Schatten der Menschheit bis in die Gegenwart überlebender, düster brütender Un- Wesen faszinierte. Dem Vorgänger (der ihn paradoxerweise um viele Jahre überleben würde) erwies Lovecraft auch literarisch und gleich mehrfach seine Referenz, reihte dessen Gott Nodens aus „;Der große Gott Pan“; dem eigenen Grusel-Multiversum ein („;Das merkwürdig hochgelegene Haus im Nebel“;) oder zitierte Machen direkt, so z. B. als Einleitung zu „;Grauen in Red Hook“;.

Die Schwierigkeit auf den Punkt zu kommen

Bis in die 1990er Jahre blieb „;Die leuchtende Pyramide und andere Geschichte des Schreckens“; hierzulande die einzige Möglichkeit den Phantasten Arthur Machen kennen zu lernen. Leider aus dem Zusammenhang gerissen erscheinen in dieser Sammlung „;Die Geschichte vom weißen Pulver“; und „;Die Geschichte vom Schwarzen Siegel“;, die ursprünglich Teile des Episodenromans „;The Three Imposters“; (1895) waren und als solche deutlich stärker wirken konnten. (Glücklicherweise ist dieser unter dem Titel „;Botschafter des Bösen“; inzwischen übersetzt und vollständig erschienen.) Dennoch machen die hier versammelten Geschichten sowohl das Positive als auch das Negative von Machens Werk deutlich. Immer wieder führt er an sich spannende Handlungen in Sackgassen, verliert sich und den Faden in oft überbordenden Nebenplots und Einleitungen, die in der eigentlichen Geschichte wenig oder gar nichts verloren haben, aber ihrem Verfasser die Gelegenheit zu philosophischen, recht trockenen Exkursen boten. Das lässt den Lektürefluss manchmal anstrengend und etwas zäh geraten, doch Machen findet letztlich zuverlässig zur Hauptspur zurück und fasziniert mit sowohl atmosphärischem als auch psychologischem Horror der Sonderklasse.

Ihre Meinung zu »Arthur Machen: Die leuchtende Pyramide und andere Geschichten des Schreckens«

Ginko zu »Arthur Machen: Die leuchtende Pyramide und andere Geschichten des Schreckens«12.09.2010
Denen gegenüber, die Poe gelesen haben, steht Machen auf schwachen Füßen. In der "leuchtenden Pyramide" lässt er den Schriftsteller Dyson als Detektiv haupthandeln, während Vaughan lediglich die Fakten liefert. Durch ausschweifende Schilderungen und allgemeine psychologische Überlegungen quillt der dünne Handlungsstrang auf, sodass eine längere Erzählung vorgetäuscht wird. In der lieblosen Übersetzung Preißlers gehen einige Vibrationen verloren. Diejenigen, die des Englischen mächtig sind, sollten das Original bevorzugen. Recherchen über Gefäße für englische Punschbowle und den entsprechenden geologischen Formationen haben mir zusätzliches Vergnügen bereitet.
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