Der Streik von Ayn Rand

Buchvorstellungund Rezension

Der Streik von Ayn Rand

Originalausgabe erschienen 1957unter dem Titel „Atlas Shrugged“,deutsche Ausgabe erstmals 1959, 1260 Seiten.ISBN 3000370943.Übersetzung ins Deutsche von .

»Der Streik« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der sagt, er werde den Motor der Welt anhalten – und es tut. Ist er ein Zerstörer oder der größte Befreier aller Zeiten? Weshalb muss er seinen Kampf nicht gegen seine Feinde ausfechten, sondern gegen diejenigen, die seiner am meisten bedürfen, und seine härteste Schlacht gar gegen die Frau, die er liebt? Was ist der Motor der Welt – und die Antriebskraft jedes Menschen? Die Antworten auf diese Fragen erfahren Sie, wenn Sie dem Grund für die rätselhaften Ereignisse auf die Spur kommen, die das Leben der Figuren in dieser Geschichte auf den Kopf stellen. Ein erstaunliches Panorama des menschlichen Lebens fächert dieser opulente Roman auf, angefangen mit dem produktiven Genie, das zum nichtsnutzigen Playboy verkommt, über den großen Stahlmagnaten, der ohne es zu wissen an seiner eigenen Zerstörung mitwirkt, den Philosophen, der ein Pirat wird, den Komponisten, der in der Nacht seines Durchbruchs seine Karriere an den Nagel hängt, die Frau, die eine transkontinentale Eisenbahngesellschaft betreibt, bis hin zum niedersten Gleisarbeiter in den unterirdischen Gängen ihres Terminals. Wenn Sie diesen Roman lesen, müssen Sie bereit sein, jede Prämisse Ihrer Überzeugungen neu zu überdenken. In diesem Kriminalroman geht es nicht um den Mord an einem Menschen, sondern um die Ermordung des menschlichen Geistes und dessen Wiedergeburt. Er ist eine philosophische Revolution in Form eines radikalen, brillanten, atemberaubenden Actionthrillers. Sie halten das für unmöglich? Das ist die erste Ihrer Prämissen, die es zu überprüfen gilt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ayns Welt“84

Science-Fiction-Rezension von Almut Oetjen

Dagny Taggart ist Vizepräsidentin von Taggart Transcontinental, einem großen Eisenbahnunternehmen, gegründet von ihrem Großvater. Dagnys Bruder James ist Präsident des Unternehmens, das sich in einer Krise befindet. Er hat aber kaum eine Wahrnehmung für die Probleme, will keine Verantwortung übernehmen, trifft Fehlentscheidungen wie die, Stahl von dem unzuverlässigen Anbieter Orren Boyles zu kaufen.

Als Hank Rearden (Rearden Steel) ein revolutionäres Metall entwickelt und Dagny es einsetzt, reagieren Hanks Konkurrenten neidisch. Manche von ihnen setzen Gerüchte in die Welt, das Metall sei minderwertig, und sie nehmen Einfluss auf die Politik, die steuernd eingreifen soll. Dagny soll wieder konventionellen Stahl einsetzen, weigert sich aber. Hank wird von Wesley Mouch, der erst für ihn arbeitete und nun als Lobbyist in Washington aktiv ist, hintergangen. Eine Melange aus Interessenvertretern und Regierungspolitikern sorgt für zunehmenden Regulierungsdruck. Die Wirtschaftslage verschlechtert sich, die Politik reagiert mit weiteren Eingriffen. Dagny beobachtet, dass immer mehr Entwickler, Wissenschaftler, Künstler und Unternehmer spurlos verschwinden. Die Regierung erlässt eine Direktive, die die Menschen daran hindern soll, ihre Arbeit aufzugeben. Es wird kaum noch produziert, eine Hungersnot und Bürgerkriege brechen aus. Die Nation steht vor dem Zusammenbruch.

Welt am Abgrund

Ayn Rands 1957 erschienener Roman erfährt mit „Der Streik“ seine dritte deutsche Übersetzung („Atlas wirft die Welt ab“ (1957), „Wer ist John Galt?“ (1997)). Er zeigt uns eine Welt am Abgrund. Während die Wirtschaftslage sich verschlechtert und die Politik reflexartig reagiert, wird in Zusammenhängen, in denen es keine Antworten gibt, keine Lösungen für Probleme möglich sind oder scheinen, immer öfter die Frage gestellt: „Wer ist John Galt?“

Irgendwann „hackt“ sich John Galt, der Anführer der Streikenden, in den öffentlichen Rundfunk und hält eine lange, erklärende Ansprache, in der er die Philosophie des Objektivismus darlegt. Danach lässt die Regierung Jagd auf ihn machen.

„Der Streik“ präsentiert Ayn Rands Philosophie des Objektivismus in Romanform. Rand entwickelt eine Umwelt, in der ihre Philosophie in den Handlungen der Figuren zum Leben kommt. Über beinahe 1300 großformatige Seiten verknüpft sie Figuren, Handlungen und ihr Anliegen. Dabei sind die Figuren wenig mehr als Chiffren, aber sie sind konsistent entwickelt und ihnen werden große Gefühle zugewiesen. Zwar liegt ihm der Objektivismus zugrunde, aber das Buch ist zuerst eine geistige, keine geisteswissenschaftliche Arbeit, ein fiktionales und kein akademisch-philosophisches Werk.

Wenn Atlas mit den Schultern zuckt

Der Originaltitel „Atlas Shrugged“ adressiert die Frage, was geschähe, würde die mythologische Gestalt Atlas die Welt nicht mehr auf den Schultern tragen. Man kann den Roman dogmatisch lesen oder als Steinbruch, politisch oder zur Unterhaltung, ihn zum Positionspapier der Republikaner machen, von denen ihn nicht wenige uneingeschränkt gutheißen, auch wenn er viel von dem, wofür die Republikaner stehen, eher kritisiert denn bestätigt. Für die Atheistin Rand war Ronald Reagan, der Namensgeber der Reaganomics, ein Politiker, der die Menschen ins Mittelalter zurückbringen wollte, indem er Politik und Religion zu vereinigen suchte. Dagny ist sexuell sehr aktiv und lässt sich im Verlauf der Handlung mit drei Männern ein. Einer von Rands Kerngedanken: Menschen sollen freiwillig und auf faire Weise interagieren, Ideen und Güter austauschen. Dieses Denken korrespondiert mit dem in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten verankerten unveräußerlichen Recht auf „Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit“. Mit Machtgier, der Rücksichtslosigkeit, die dem Neoliberalismus und den „Heuschrecken“ zugeeignet werden, mit Staatseingriffen bis hinein in das Private ist dies nur schwer vereinbar.

Rand, 1905 in Sankt Petersburg geboren als Alissa Sinowjewna Rosenbaum, hat schon früh in ihrem Leben einen Kampf zwischen Kollektivismus und Individualismus ausgemacht, in den sie direkt verwickelt war. Ihre Erfahrungen haben aus ihr eine konsequente Individualistin werden lassen, deren Weltsicht vermutlich nur wenige Grautöne zuließ – ganz ein Kind ihrer Zeit, mit eindeutiger Position in einer Welt, die das Denken in Kategorien wie Lagern bis weit in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts pflegte.

Über fünfzig Jahre ist Rands Roman alt, liest sich jedoch, als würde es um das Heute gehen. „Der Streik“ dürfte heute literarisch unter dem Label „Dystopie“ eingeordnet werden. Er zeigt eine Möglichkeit auf, was geschehen kann, wenn eine Gesellschaft nicht der Vernunft folgt, die Rand zu einem zentralen Argument in der gesellschaftlichen und individuellen Entwicklung macht. Rand verbindet in ihrem Roman eine fantastische Erzählung mit einer Philosophie, die über die Handlung entwickelt wird, über komplizierte Liebesbeziehungen, Interessenverbindungen und Verrat. Der in Teilen der Phantastik wichtige Weltenentwurf gelingt Rand sehr effektiv, wir lernen diese Welt und ihre Spielregeln früh im Roman kennen. Rand hält sich konsequent an diese Regeln. Phantastik-Autor John Scalzi schreibt in seinem Blog, dass er „Atlas Shrugged“ alle paar Jahre liest, weil ihm das Buch als Roman gefällt, während er der zugrunde liegenden Philosophie eher ablehnend gegenübersteht.

In den USA wurde „Der Streik“ in einer Umfrage der Library of Congress aus dem Jahr 1991 zum wichtigsten Buch nach der Bibel und verkauft sich dort auch heute noch jährlich im sechsstelligen Bereich. Von Rands Philosophie sind verschiedene Autoren beeinflusst. Am bekanntesten dürfte Terry Goodkind mit seiner Reihe „Das Schwert der Wahrheit“ sein.

(Almut Oetjen, Januar 2013)

Ihre Meinung zu »Ayn Rand: Der Streik«

Andreas Heuer zu »Ayn Rand: Der Streik«12.12.2014
Wenn man das, was Ayn Rand in ihrem monumentalem Werk ausdrücken wollte, in einem Satz zusammenfassen soll, kann man das sicher am Besten mit dem oben genannten Zitat des österreichischen Ökonomen und ehemaligen Finanzminister Eugen Böhm von Bawerk. Das Vermögen der politischen Macht, den Menschen und die Gesellschaft entgegen deren natürlichen Dispositionen nach ihren Vorstellungen zu formen sind begrenzt, langfristig sind sie bestenfalls wirkungslos, schlimmstenfalls sogar kontraproduktiv. Gute Politik befindet sich daher im Einklang mit der menschlichen Natur.

Ayn Rand weiß, worüber sie schreibt. Die 1905 in Russland geborene Autorin studierte Philosophie und Geschichte, sie erlebte die sozialistische Revolution von 1917 und emigrierte 1926 in die USA. Der Roman Atlas Shrugged, so der Originaltitel, erschien 1957, zu einer Zeit, in der sich der Ost-West-Gegensatz zu einem globalen Wettbewerb entwickelte und der Sieger noch lange nicht feststand. Sie wird als Vertreterin eines libertären Kapitalismus angesehen, den sie mit ihrer Philosophie des Objektivismus begründet. Demnach gibt es eine vom Bewusstsein unabhängige objektive Realität, die der menschliche Verstand erfassen kann und dann das Erkannte in ethisch richtiges Handeln umsetzen soll. Der Wirkungsbereich des Objektivismus beschränkt sich hauptsächlich auf den englischsprachigen Raum, in der aktuellen geisteswissenschaftlichen Debatte spielt er keine große Rolle mehr.

Die Handlung in "Der Streik" entwickelt sich wie in einem Kriminalroman, Menschen verschwinden und unbekannte Mächte wirken auf die Akteure ein. Nach und nach entfalteten sich dann die Zusammenhänge und das Geheimnis wird in einem großen, allerdings ergebnisoffenen Showdown gelüftet. Irgendwie sehr amerikanisch, wie ich finde. Der Roman ist spannend geschrieben und literarisch durchaus anspruchsvoll. Die handelnden Charaktere bleiben jedoch recht eintönig, es gibt nur die schönen intelligenten Produktiven und die hässlichen unfähigen Plünderer, Zwischentöne sind allenfalls bei den Nebenfiguren erkennbar. Das ist sicher ein recht eindimensionales Menschenbild, das aber auch bewusst überzeichnet sein kann, um die dahinterliegende Philosophie nochmals zu verdeutlichen. Dem Roman ist es jedenfalls abträglich, die gut 1250 Seiten erfordern doch einiges an Durchhaltevermögen. Belohnt wird der Leser aber mit einer wahren Fundgrube an Wahrheiten und Weisheiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Im Besonderen diejenigen, die die amerikanische Seele ein wenig verstehen wollen, kommen hier auf ihre Kosten.
Hartmut zu »Ayn Rand: Der Streik«08.04.2013
Das Zitat ist zwar ganz witzig, aber wie bei wikipedia steht:

"Sales of Atlas Shrugged have increased since the 2007 financial crisis, according to The Economist magazine and The New York Times. The Economist reported that the fifty-two-year-old novel ranked #33 among Amazon.com's top-selling books on January 13, 2009 and that its thirty day sales average showed the novel selling three times faster than during the same period of the previous year. With an attached sales chart, The Economist reported that sales "spikes" of the book seemed to coincide with the release of economic data. Subsequently, on April 2, 2009, Atlas Shrugged ranked #1 in the "Fiction and Literature" category at Amazon and #15 in overall sales."

So ganz unrealistisch sind die Helden doch nicht, oder?

Am anderen Ende des Spektrums steht dann offenbar Schirrmachers Ego.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alice zu »Ayn Rand: Der Streik«08.04.2013
"There are two novels that can change a bookish fourteen-year old’s life: 'The Lord of the Rings' and 'Atlas Shrugged'. One is a childish fantasy that often engenders a lifelong obsession with its unbelievable heroes, leading to an emotionally stunted, socially crippled adulthood, unable to deal with the real world. The other, of course, involves orcs."
Ihr Kommentar zu Der Streik

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.