Die verbogene Symmetrie von Benjamin J. Myers

Buchvorstellungund Rezension

Die verbogene Symmetrie von Benjamin J. Myers

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Twisted Symmetry“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 360 Seiten.ISBN 3772525016.Übersetzung ins Deutsche von Alexandra Ernst.

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In Kürze:

Die «Kanalratten» mag keiner aber auch andere Kinder verschwinden jetzt überall. Die Verbogene Symmetrie stiehlt sie tausendweise. Ihr Gegenspieler, das Komitee, soll das Ziel der Symmetrie, ewiges Leben zu gewinnen, vereiteln. Beide Seiten verfügen über mächtige Waffen. Aber könnte nicht eines der Kinder am mächtigsten sein? Chess Tuesday vielleicht oder ihre Brüder Box und Splinter? Sie wissen nichts über ihre Vergangenheit. So beginnt ihre gefahrvolle Reise in die Zukunft.

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Science-Fiction-Rezension von Amandara M. Schulzke

Sie sind nicht nur die Ärmsten der Armen, sondern auch noch die Geächtetsten und Verabscheuungswürdigsten. Die Kanalratten, Kinder und Jugendliche, die sich am alten Kai in stinkenden vermoderten halb verfallenen Lagerhäusern ihre Machtkämpfe liefern, die vom Stehlen überleben. Sie fürchten nur die Jäger. Und die kommen zu einer Großrazzia. Anfangs scheint es, dass die elfjährige Chess und ihre 14-jährigen Brüder Box und Splinter den Häschern entwischen können. Doch die zerren sie in den Arrestblock. Ethel, eine Pennerin, sitzt in der Ecke und strickt. Fünf Minuten darf sie mit ihnen reden. Sie macht den Geschwistern einen Vorschlag, den sie gar nicht ablehnen können. Sie rettet sie, wenn sie ihr helfen, gegen die verbogene Symmetrie zu kämpfen und aus einem Computer in einer anderen Welt etwas zu stehlen.

Nein, dieses Buch zu lesen, ist kein Vergnügen: Es ist eklig, brutal, gruselig, ungerecht und gemein. Jede Mutter bekommt Albträume, wenn sie sich vorstellen müsste, dass ihren Kindern ähnliches geschehen könnte. Wir lesen ein Buch unserer tiefsten Ängste und Abgründe. Wie ist das mit der Menschlichkeit, wenn sich Menschen nur durch das dickste Grauen bewegen? Chess findet ihre einzige Freundin Gemma wieder, die den Jägern auch entkommen konnte, doch da sind sie schon wieder und heften sich an die Fersen der Kinder. Wird Chess Gemma auf Kosten ihrer eigenen Flucht retten?

Myers schickt uns auf eine Reise, die an grausamer Spannung kaum zu überbieten ist. Die Ereignisse überschlagen sich, gerade scheinen die Waisenkinder entkommen, folgen ihnen die schrecklichsten Monster. Myers beschreibt kurz und knapp die Handlungen und Gefühle der Geschwister. Durch die Prägnanz und Härte – sie müssen hart sein, sind die Kanalratten doch an irgendeinem Tuesday einfach vor einem Waisenhaus abgeladen worden und später gemeinsam in noch größeres Elend geflohen – geht die Story dem Leser unter die Haut.

Myers ist genial, für die schlimmsten Dinge findet er eine poetische Sprache, die den literarischen Wert seines Erstlingswerks ausmacht. Die anderen bedrohlichen Welten existieren an denselben Plätzen nur auf parallelen Ebenen. Myers geht damit ins Fantastische und zugleich in die Sci-Fi, indem er Figuren schafft, bei denen wir nicht wissen, sind sie Maschine, Mensch oder Tier. Der Hintergrund von „The Bad Tuesdays“ ist noch abgefahrener als bei den Matrix-Storys. Wo er den Leser hinführt, bleibt zunächst noch das imaginäre Geheimnis, und die Logik des Ganzen wird wahrscheinlich erst in den nächsten fünf Bänden klarer.

Die richtige Seite

Ein Satz des Buches wird in der Werbung und von den Rezensenten hervorgehoben: „Hier geht es nicht darum, sich der stärksten Seite anzuschließen, sondern der richtigen.“ In einem Interview mit dem Verleger Jean-Claude Lin äußert Myers, dass die Welt voller Spannungen ist, echter Spannungen. „Selbst, wenn man sich für eine Seite entscheidet, verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, je näher man der anderen Seite kommt.“

Der Verlag Freies Geistesleben, der mit diesem Werk verlegerisches Neuland betritt, klassifiziert es als Jugendbuch. Aber bitte nur für mindestens 13-jährige, die nichts so leicht schocken kann. Ich selbst erlebe es eher als Buch für Erwachsene. Myers, Vater dreier Töchter, studierte Philosophie und Psychologie, doch anstatt, wie geplant, Anwalt zu werden, trat er in die Britische Armee ein. Im ersten Golfkrieg stand er als Kommandant einer Schwadron in erster Reihe. Dann wurde er Anwalt für Strafrecht und hatte mit Mordfällen, Vergewaltigungen, bewaffnetem Raub, weitreichenden Verschwörungen, Waffen und solchen Dingen zu tun. Schreiben wollte er schon immer und hat sich für das Buch ein Jahr Freiraum genommen, während er parallel seinen Master in Internationalem und Europäischem Menschenrecht absolvierte. Da er auch noch schreiben kann, würde es mich nicht wundern, wenn er für „The Bad Tuesdays“ für Auszeichnungen nominiert wird.

Ihre Meinung zu »Benjamin J. Myers: Die verbogene Symmetrie«

Helix zu »Benjamin J. Myers: Die verbogene Symmetrie«30.11.2009
So dann will ich euch mal einen kleinen Erfahrungsbericht liefern:
Ich hab das Buch gekauft und dachte "Ach ne Kleinigkeit für zwischendurch, leichter Stoff sozusagen"
Denkste!
Für zwischen durch wars wirklich was, weil ruckzuck ausgelesen, aber von leichtem Stoff kann wirklich nicht die Rede sein.
Das Buch ist unglaublich düster, die Protagonisten sind so glaubwürdig dass sie an gewissen Stellen richtig unsympathisch werden, auf der Straße wird man eben kein netter Mensch und Prinzipien kann man sich wohl auch nur schwer leisten.
Das Ganze ist im Prinzip eine klassische Gut/Böse Geschichte die eine Gradwanderung zwischen SiFi und Fantasy macht.
Aber im Gegensatz zu vergleichbaren Werken (habe mich die ganze Zeit and His Dark Materials erinnert gefühlt) sitzen die Guten nicht in hellen, licht durchfluteten Hallen mit antikem Möbiliar sondern verkriechen sich in Abbruchhäusern und ähnlichem.
Die Handlung leidet ein bisschen unter dem Druck eine ganze Reihe von Personen und Ideen etablieren zu müssen, immerhin handelt es sich um das erste Buch einer Serie, aber die flüssige Sprache und echte Spannung wo sie notwendig ist trösten durchaus darüber hinweg.
Insgesamt würde ich nicht von Lese"vergnügen" sprechen, aber es ist auf alle Fälle eines der Bücher die ich weiterempfehlen werde. An Leute die nicht leicht depressiv werden.
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