Fieber von Bentley Little

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „The Policy“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 400 Seiten.ISBN 3-404-16325-7.Übersetzung ins Deutsche von Ulf Ritgen.

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In Kürze:

Hunt Jackson führt ein gutes Leben. Bis er eine Lebensversicherung abschließt. Ein Fehler. Denn er hat das Kleingedruckte nicht gelesen: Sollten Sie Drohanrufe von uns erhalten, legen Sie bitte nicht auf Sollten wir Ihre Wohnung verwüsten, rufen Sie nicht die Polizei Sollten wir Sie in ein Sanatorium zwangseinweisen, hat Flucht keinen Sinn Und sollten wir als Rückversicherung ein Stück Menschenfleisch benötigen: Laufen Sie ruhig. Wir finden Sie überall

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ganz normaler Alltagshorror“82

Horror-Rezension von Peter Kümmel

In scheinbar wahlloser Reihenfolge veröffentlicht der Verlag Bastei Lübbe die Romane von Bentley Little in Deutschland. Nachdem man mit „The Association“ aus dem Jahr 2001 begonnen hat, folgt nach dem recht enttäuschenden Frühwerk „The Mailman“ aus 1991 nun „The Policy“ aus 2003.

Wie bereits bei den ersten beiden ins Deutsche übersetzten Büchern Littles hat man sich beim Verlag entschlossen, den aussagefähigen Originaltitel durch ein austauschbares nichtssagendes deutsches Wort zu ersetzten. „Böse“ und „Furcht“ passen in diesem Genre eigentlich immer, doch bei „Fieber“ kann der Namensgeber nur blind mit der Nadel in den Duden gestochen haben, denn mit „Fieber“ lässt sich nichts, aber auch rein gar nichts vom Inhalt assoziieren. Und der Klappentext dürfte mal wieder von jemandem verfasst worden sein, der zwar das Buch nicht gelesen, aber eine Karriere als Werbetexter hinter sich hat.

Alles läuft bestens, bis …

Der Computer-Spezialist Hunt Jackson zieht nach der Scheidung und dem Verlust seines Arbeitsplatzes zurück in seine alte Heimat nach Tucson, Arizona, um noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Und es läuft gut – Hunt ist richtig zufrieden. Er knüpft Kontakt mit seinem alten Schulfreund Joel, den er seit Jahren nicht gesehen hat. Dieser hat Frau und Tochter und Hunt unternimmt viel gemeinsam mit der Familie. In seinem Beruf sind zwar keine Stellen frei, doch er findet Arbeit als Baumschneider. Das hat er zwar noch nie gemacht, aber findet schnell Gefallen daran. Die Arbeit in der Natur macht Spaß und in seinen Kollegen Edward und Jorge findet Hunt zwei neue Freunde. Was das Leben aber erst lebenswert macht, ist eine neue Beziehung. Über Joels Familie lernt er Beth kennen und schnell lieben und es dauert nicht lange, bis das frisch verliebte Paar zusammen zieht.

Alles könnte so schön sein, wenn nicht... – ja, wenn es keine Versicherungsgesellschaften gäbe. Ständig hat er nur Ärger. Ein Riss in der Autoscheibe sorgt dafür, dass er seinen Rabatt verliert, obwohl er die Versicherung gar nicht in Anspruch genommen hat. Ein Einbruchsschaden wird von seiner Hausratsversicherung reguliert, aber ganz und gar nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Und irgendwann steht dann das Böse in natura vor der Tür – in Form eines Versicherungsvertreters …

„Vampire müssen ausdrücklich in das Haus ihrer Opfer hereingebeten werden.“

Der Versicherungsvertreter als Vampir. Nicht allzu weit hergeholt, muss man sagen. Wer hat es nicht selber schon erlebt? Den Kampf am Telefon mit den Versicherungen: Warteschleifen, Versicherungsnummern, Zuständigkeiten, Einzelheiten, die keinen interessieren. Es ist der ganz normale Alltagshorror, den Bentley Little hier aufs Korn nimmt. Einfach köstlich die Schilderung der Telefongespräche mit den Versicherungen.

Little verzichtet auf klassische Horrorgestalten wie Monster, die den Leser das Gruseln lehren. „Fieber“ ist mehr sozialkritische Satire als Horror und basiert auf einer schlichten Grundidee. Was man nicht alles versichern kann: die Gefahr des Verlustes des Arbeitsplatzes, den ungerechtfertigten Verdacht eines Verbrechens, und dann gibt es noch eine ganz besondere Spezial-Lebensversicherung. Die angebotenen Versicherungen werden immer absurder, doch die Klienten haben keine andere Wahl, als sie abzuschließen, denn ansonsten tritt der Schadensfall ohne jeden Zweifel ein.

Little überzeugt durch seinen flüssigen und unterhaltsamen Erzählstil – Stoff, der sich einfach so runter lesen lässt. Das Finale jedoch fällt gegenüber dem Rest des Buches ab. Wie schon in „Böse“ ist zum Schluß eigentlich alles viel zu einfach und zu einfallslos. In diesem Bereich kann sich Bentley Little von seinem „Lehrmeister“ Stephen King doch noch das eine oder andere abschauen. Ansonsten ein Buch, das Spaß macht ohne wirklich zu gruseln – ganz normaler Alltagshorror eben.

Ihre Meinung zu »Bentley Little: Fieber«

Apendix3000 zu »Bentley Little: Fieber«21.10.2015
Die Hölle ist keine Höhle mit Feuer und Schwefel sie ist ein Versicherungsbüro ...
So schreibt Bentley Little zumindest auf Seite 466 seines gemeinen Romans "Fieber", und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Little ist wahrhaftig ein Meister darin, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen und nach und nach zu verdichten. Wie zu der guten alten King-Zeit nimmt er das Vertraute, Alltägliche, in dem Fall einen etwas aufdringlichen Versicherungsvertreter, und lässt ihn nach und nach zu einem Monstrum mutieren.
Bentley Little schreibt Horrorromane für Leute über dreißig. Tatsächlich touchiert er immer wieder sozialkulturelle Fragen - in dem Fall thematisiert er den Wunsch nach Sicherheit in einer unsicheren Welt. Auch kommt die altbekannte Verschwörungsparanoia zum Tragen: Was ist, wenn sich alle (Lebens)Versicherung zu einem globalen Machtgebilde zusammengetan haben und seit Jahrtausenden die Erde beherrschen? Und darüber hinaus wahrscheinlich sogar - wie es in Littles Büchern immer wieder anklingt - mit dem Leibhaftigen im Bunde stehen?
Wie gesagt, besonders die erste Hälfte des Romans ist sehr stark, die permanente Steigerung der Bedrohung und des Terrors erschüttert bis ins Mark, man kann sich dem kaum entziehen. So gut Little diese Klaviatur beherrscht, so unbedarft und naiv/trashig ist sein Umgang mit dem erzeugten Horror im hinteren Teil seiner Geschichten. Trotzdem: Seine Bücher machen einfach Spaß, man darf hoffen, dass noch weitere Werke ins Deutsche übersetzt werden.
Alexi1000 zu »Bentley Little: Fieber«11.09.2009
Erstmal vorweg: evtl. läßt man das hier als Warnung stehen, oder meinetwegen kann es auch gelöscht werden, ich maße mir nämlich an, das Buch zu beurteilen, obwohl ich es nach 280 total enttäuscht abgebrochen habe (soll was heißen, sowas mache ich normal nicht!)
1. Frage:
wer war derjenige, welcher das Buch mit 100° bewertet hat??bitte schick mir mal ne PN...

meine Stimme wird zwar noch nicht angezeigt, aber 1° wird die Bewertung wohl etwas nach unten ziehen...

2. Frage:

lieber Stephen King, dieser Roman soll (Zitat!) Ihre Nerven frittiert haben...

mir hat er die Geduld frittiert...

warum rege ich mich so auf?? So etwas langweiliges und hanebüchenes ist mir ewig nicht untergekommen. Der Autor hat es nicht ansatzweise geschafft, eine fesselnde Story zu entwickeln. Gleichzeitig ist das ganze auch noch so unglaubwürdig, wer glaubt schon, das die "Macht" von Versicherungen so weit geht...

SPOILER!!!!

ein Beispiel: eine Frau geht zum Zahnarzt, wird unter Drogen gesetzt und wacht mit nem Metallgebiss wie der Beisser von James Bond wieder auf...

Zitat: hätten Sie eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen, wäre das nicht passiert...

ja klar, insofern ist das Buch wirklich der Horror...

so, Schluß, viel Spaß noch, denen es trotzdem gefällt!

ich bin raus...

(Liebe PC-Redaktion, kann verstehen, wenn das gelöscht wird...)
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