In den Abgrund von Bernd Perplies

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011, 450 Seiten.ISBN 3802582667.

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In Kürze:

England 1897. Der Kampf um die Wahre Quelle der Magie spitzt sich zu. Jonathan Kentham und Kendra, der Enkelin des „Wächters“ Giles McKellen, ist es gelungen, ein Artefakt zu schaffen, mit dem das Siegel von Atlantis wieder geschlossen werden kann. Jupiter Holmes und Randolph Brown stehen derweil vor einer unsicheren Allianz mit der magischen Inquisition des Vatikan. Doch auch der Usurpator Wellington war nicht untätig. Er hat die Quelle der Magie unter seine Kontrolle gebracht, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er über eine Waffe verfügt, die mächtiger ist als alles, was die Welt bis dahin gesehen hat …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mit vereinten Kräften dem Teufel entgegen“86

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

„In den Abgrund“ setzt nahtlos dort an, wo „Gegen die Zeit“ aufhörte. Die magischen Abenteuer mit Jonathan und Kendra, den Magiern um Albert Dunholms ehemaligen Sekretär Cutler, den auf dem Luftschiff der römischen Inquisition dahin gleitenden Holmes und Brown und natürlich dem teuflischen selbsternannten ersten Lordmagier Wellington gehen weiter.

Die Fronten formieren sich

Jonathan besitzt das magische Artefakt, mit dem sich die Wahre Quelle der Magie verschließen lässt. Mit seinem Freund Robert und der schottischen Hexe Kendra steht er an der Südküste Englands und wartet auf das, was der Ton aus Wächter McKellens Horn rufen mag. Und staunt nicht schlecht, als ein mit Nebel getarntes fliegendes Schiff auftaucht, dessen Kapitän sich einfach Der Holländer nennt. Jonathan, Kendra und Robert gehen an Bord, und bringen einen nicht willkommenen blinden Passagier mit.

Währenddessen loten Holmes, Brown und die Geisterkatze Watson aus, wie ihre Gastgeber auf dem Luftschiff „Gladius Dei“, die römische Agentin, der geheimnisvoller Wissenschaftler und der deutsche Luftschifferkapitän zu dem Konflikt um die wahre Quelle der Magie stehen. „Traue keinem“ lautete die Devise. Die vorgetäuschten Tarnidentitäten werden zwar schnell fallen gelassen und, wenn es nach dem Geschmack der Italienerin und des exzentrischen Briten geht, auch mehr. Was beide allerdings nicht daran hindert, den anderen hintergehen zu wollen. Zum Glück erkennt Watson in dem Magiedeflektor Scarcatore den wahren Geheimniskrämer dieser Runde.

In der Leere zwischen den Zeiten und Welten schwebt Tisiphone, die einst ein Leben als Elizabeth Holbrock in der Londoner Gesellschaft hatte und den Sinn ihres Daseins als Dämon in der Rache an Jonathan Kentham sieht. Und im fernen Westen Amerikas macht sich der indianische Seher Wovoka auf den Weg, seiner Eingebung zu folgen. Als Wächter der Wahren Quelle, der die dritte Sphäre der Magie beherrscht, muss er sich dem Monster Wellington entgegen stellen.

Magier und Magiegegner – Technik und Zauberei

Der Titel „In den Abgrund“ deutet es schon an, dieses „Magierdämmerung“-Finale ist der düsterste Teil der Trilogie. Ein gefallener Dämon, der einst des Hauptprotagonisten Angebetete war, kämpft an der Seite des irren Magiers, der aus seinen Gefangenen Zombies und noch Schlimmeres macht. Doch auch unter den Mitstreitern des Silbernen Ordens gibt es unheimliche Figuren, wie den fliegenden Holländer, der seit Jahrhunderten mit einem Schiff, das ein bizarres Geheimnis birgt, über die Meere geistert. Und das ist eben das Interessante an Bernd Perplies’ Helden. Sie alle haben etwas auf dem Kerbholz, nun auch der smarte Jonathan, der seine Geliebte sterben lassen musste. Und sie können alleine wenig ausrichten, sind sogar auf Verbündete angewiesen, von deren Existenz sie zunächst gar nichts wissen. So kommt der Indianer in das Spiel, der die Geistertanz-Bewegung begründete, die schließlich seinem Volk am Wounded Knee die endgültige Niederlage brachte. Bernd Perplies erschafft also noch einen schillernden Charakter, der das Finale entscheidend prägen wird. Eine weitere neue Figur entstand allerdings nicht in des Autors Phantasie, sondern in der einer Leserin. Auf Facebook hatte Bernd Perplies dazu aufgerufen, eine Nebenrolle für das „Magierdämmerung“-Finale zu kreieren. Die Idee, die Krankheit der realen Enkelin von Queen Victoria mit Magie zu verknüpfen, gefiel dem Autor am besten und so baute er Feodora von Sachsen Meiningen, Urenkelin von Queen Victoria in die Handlung ein. Ein wenig schade ist, dass dieser interessante Handlungsstrang dann doch nichts wirklich Entscheidendes zur Auflösung beiträgt.

Perplies ausgeklügeltes Magiekonzept haben wir schon hinlänglich beschrieben. In „Der Abgrund“ verbindet es der Autor mit zeitgenössischer Technologie, wie der von Nikola Tesla. Mit seinem Hang zur Metaphysik passt dieser hervorragend in die „Magierdämmerung“. Ein weiteres technisches Wunderwerk, das ganz ohne Magie auskommt, nämlich das Dampfschiff Turbinia, und ein magisch verstärktes Kriegsschiff, die „USS Brooklyn“ sind Teile einer Symbiose zwischen Technik und Magie, die Wellington aufhalten soll.

Und so steckt „In den Abgrund“ wieder voller Anspielungen auf historische Persönlichkeiten und Errungenschaften, sowie Figuren und Dialoge aus Literatur und Film, eine ergiebige Quelle der Inspiration für Bernd Perplies.

Der Weg zum Ziel braucht trotz aller magischer und technischer Wunder, seine Zeit. Stellenweise etwas zu viel Zeit. Den fliegenden Holländer begleitet ein Mörder, dessen Brutalität das tragische Schicksal des Schiffs preis gibt. Die „Gladius Dei“ wird von Flugechsen angegriffen, woraufhin sie zur Reparatur auf den Azoren zwischenlanden muss. Dort machen Holmes und Lionida eine wahrhaft schaurige Entdeckung. Beide Episoden sorgen zwar für die schon genannte düstere Stimmung, bringen aber die Kernhandlung nicht weiter. Letztgenannte liefert allerdings einen interessanten Beitrag zu einem Nebenkriegsschauplatz, nämlich der Frage, ob die Magie grundsätzlich zu eliminieren sei, wie es die Inquisition fordert, oder nicht. Im übertragenem Sinn darf man hier die Mahnung erkennen, das jeglicher Fortschritt, der eine gewisse Macht verleiht, eine immense Verantwortung mit sich bringt (auch Spiderman lässt grüßen). Insgesamt sind diese Passagen etwas lang geraten, während dem Indianer Wovoka leider nur recht kurze Auftritte vergönnt sind.

Dafür ist allerdings das Finale umso rasanter. Bernd Perplies führt viele kleine Aktionen und Heldentaten zusammen. Auch die Wunderwaffe der Amerikaner, die der Autor augenzwinkernd als Kavallerie ins Feld führt, vermag den entscheidenden Schlag nicht zu führen. Denn der Teufel Wellington fügt seiner Magie und Technik noch unvorstellbare Grausamkeit hinzu. Und so wird es ein spannender, harter Kampf, der viele Helden hervorbringt und einige Opfer kostet.

Der Abschied fällt schwer, denn diese internationale Schar an Magiern und ihre tierischen Helfer sind einem ans Herz gewachsen. Der Autor hat ihnen einen landestypischen Humor verliehen, und sie hier und da scheitern lassen. Was sie mindestens genauso sympathisch macht, wie ihr unerschütterlicher Mut, füreinander einzustehen.

(Eva Bergschneider, Dezember 2011)

Ihre Meinung zu »Bernd Perplies: In den Abgrund«

rolandreis zu »Bernd Perplies: In den Abgrund«25.01.2012
Der letzte Band knüpft nahtlos an die Ereignisse des zweiten an. Dabei sind nun alle Protagonisten auf verschiedenen Wegen zur Quelle der Magie um Wellington das Handwerk zu legen. Perplies ist es auch in diesem Band gelungen mich zu fesseln und mich einfach nur lesen, lesen und wieder lesen zu lassen, damit ich den Ausgang der Geschichte möglichst schnell erfahre. Das Finale ist dann großartig und spannend. Ich habe richtig mitgefiebert. Als ich die letzte Seite beendet hatte, kam sogar ein wenig Wehmut auf. Diesmal ging es mir tatsächlich so, dass ich gern noch etwas mehr oder vielleicht neue Abenteuer der Romanhelden lesen würde. Aber vielleicht erfüllt der Autor ja irgendwann meinen Wunsch. Für mich zählt diese Triologie um die Magierdämmerung auf alle Fälle zu dem Besten, das ich seit längerer Zeit gelesen habe und hat sich eindeutig in meiner persönlichen Hall of Fame weit oben einen Platz erkämpft.
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