Butlers Djihad von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Buchvorstellungund Rezension

Butlers Djihad von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Originalausgabe erschienen 2002unter dem Titel „Dune: The Butlerian Jihad“,deutsche Ausgabe erstmals 2003, 800 Seiten.ISBN 3-453-52358-X.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kempen.

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In Kürze:

„;Der Wüstenplanet – Die frühen Chroniken“; hieß die Bestsellertrilogie von Brian Herbert und Kevin J. Anderson, die Millionen von Leser in die Vorgeschichte von „;Der Wüstenplanet“;, des erfolgreichsten SF-Romans aller Zeiten, führte. Mit ihrem neuen Buch gehen die beiden Autoren nun noch weiter zurück, zu Butlers Djihad, der Quelle aller Mythen und Legenden, aus denen Frank Herbert sein atemberaubendes Wüstenplanet-Universum schuf.

Das meint phantastik-couch.de: „;Space Opera der alten Frank-Herbert-Schule“;65

Science-Fiction-Rezension von Michael Matzer

Zehntausend Jahre, bevor das Haus Atreides die Herrschaft über Arrakis, den Wüstenplaneten (Dune) und seine wertvollen Spice-Vorräte antritt, ereignen sich Dinge, die die Geschichte der Menschen veränderten – und die in späteren Legenden als Butlers Dschihad, der Kreuzzug der Maschinen und die Schlacht von Corrin erwähnt werden. Es ist die Zeit, in der die Künstlichen Intelligenzen (KIs) des irdischen Großcomputers Omnius die Synchronisierten Welten beherrschen, wohingegen die Liga der Edlen von Salusa Secundus aus eine Reihe freier Welt beschützt. Unter den Unverbündeten Welten befindet sich ein wüstenhafter Planet am Rande des Siedlungsgebiets: Arrakis.

Im Jahre 200 vor Gründung der Gilde (V.G.) wird dort erstmals Spice für den Export zu den Zentralwelten der Liga abgebaut. Doch es gibt jemanden, der einer göttlichen Vision folgt und gegen den absehbaren Raubbau einschreitet…

Vorgeschichte

Rund 1200 Jahre vor Gründung der Gilde (V.G.) übernahmen die „;Maschinen“; die Herrschaft über die Menschen. Unter „;Maschinen“; sind alle Roboter und KIs zu verstehen, die vom Zentralcomputer Omnius, dem „;Allgeist“; gesteuert werden. Omnius hat Kopien seiner Zentraldatenbank auf den eroberten Welten installiert, die folglich als Synchronisierte Welten bezeichnet werden. Regelmäßige Updates halten sie auf dem neuesten Stand. Eine interstellare Telekommunikation gibt es nicht, daher müssen Langstreckenschiffe die Updates verteilen…

Wie konnte es zu diesem Supremat der „;Maschinen“; kommen? Schuld waren die Rebellen, die das Alte Imperium stürzten. Das Imperium war alt und behäbig geworden, und ein junger Außenseiter namens Tlaloc (der Name eines antiken Regengottes) sah seine Chance und die Notwendigkeit, etwas Neues zu errichten: die Herrschaft der „;Titanen“;. (Diese einzelnen Vorgänge werden nicht kompakt, sondern sukzessive im Verlauf des Romans berichtet.)

Zwanzig Rebellen konnte Tlaloc für seine Sache gewinnen: Informatiker, Kämpfer, Bürokraten, Wissenschaftler, Gamer. Diese „;Titanen“; hatten selbstverständlich bürgerliche Namen, die sie jedoch alsbald durch Decknamen wie Juno, Dante, Barbarossa oder Xerxes ersetzten. Nach dem Tod von Tlaloc ist inzwischen Agamemnon ihr Anführer. Er ist ein geborener Atreides. 13 Söhne hat er bis zum Jahr 200 V.G. aus seiner Samenbank gezeugt, doch zwölf davon erwiesen sich als Fehlschläge. Vorian Atreides, die Nummer 13, soll nicht nur eine wichtige Rolle im Roman spielen (und in „;Der Kreuzzug“;), sondern auch Agamemnons größte Enttäuschung werden. Vorian ist ein Update-Lieferant (s.o.).

Unter den Titanen erwies sich Xerxes als ein sinnenfreudiger, aber leider feiger Zeitgenosse. Nachdem die nahen Menschenwelten unterworfen waren, übertrug er immer mehr Verwaltungs- und Steuerungsaufgaben an die KIs. Diese erkannten ihre Chance und übernahmen ihrerseits die Herrschaft von den Titanen. Der Coup überraschte die Titanen, und Omnius trat seine 1000-jährige Herrschaft an. Doch der Titan Barbarossa hatte die KIs darauf programmiert, aggressiv ihr Territorium auszudehnen. Dies nahmen die weiter entfernt liegenden Welten nicht hin und gründeten die Liga der Edlen mit Hauptsitz auf Salusa Secundus. Giedi Primus, spätere Hauptwelt der Harkonnen, gehört ebenfalls zum lockeren Schutzverband.

Doch die 20 Titanen haben sich unter der Omnius-Herrschaft stark verändert. Wie sonst hätten sie 1000 Jahre überdauern können? Auf den Vorschlag des Philosophen Eklo (der in „;Butlers Djihad“; auftritt) trennten sie ihr Gehirn vom schwachen, hinfälligen Körper und versetzten es, eingehüllt in Nähr- und Kontaktflüssigkeit in auswechselbare, stabile Metallkörper. Sie sind nun Cymeks (ähnlich Cyborgs). Und natürlich müssen sie Omnius laufend ihre Loyalität unter Beweis stellen. Der Titan Ajax hat zum Beispiel die gesamte menschliche Bevölkerung der Welt Walgis ausgelöscht, um ihre Aufstand niederzuschlagen und ein Exempel zu statuieren.

Und natürlich verlangt die Programmierung von Omnius, weitere Welten zu unterwerfen. Diesmal ist Salusa Secundus an der Reihe. Wieder einmal.

Salusa Secundus

Doch die Menschen der Liga hat technische Erfindungen gemacht, die regelmäßig von Tio Holtzman auf der Welt Poritrin geliefert werden. Sein Holtzman-Störschild – wir kennen ihn von der Arrakis-Festung – zerstört die Schaltungen in elektronischen Gehirnen, kann aber biologischen Gehirnen nichts anhaben. Deshalb fühlt sich die Bevölkerung auf Salusa recht gut geschützt, als der Angriff der irdischen Flotte der „;Maschinen“; gemeldet wird.

Während die Roboter abstürzen oder abgeschossen werden, dringen jedoch zum Entsetzen der Truppenführung unbeschadet über zwei Dutzend Flüggeräte durch, die auf dem Boden ihre tödliche Fracht ausspeien. Gesteuert werden sie von Neo- Cymeks, also biologischen Gehirnen in mechanischen Robotern. Diese Neo-Cymeks – Agamemnon und Co. bleiben in sicherer Distanz – greifen nicht nur die Truppen und die Wohngebiete an, sondern haben es auf die Generatoren des Störschildes abgesehen.

Als der Tercero (oder Drittrangige) Xavier Harkonnen erkennt, befiehlt er den geordneten Rückzug seiner Truppen zu den Generatoren sowie die Konzentration der Angriffe auf die Neo-Cymeks. Da er mittlerweile durch Ausfall der Vorgesetzten zum Oberbefehlshaber geworden ist, leistet man ihm Folge. Obwohl er durch einen Gasangriff kaum noch atmen kann, führt er den Abwehrschlag erfolgreich an. Die Neo-Cymeks fliehen! Die feindlich Flotte verschwindet. Salusa ist gerettet!

Intermezzo

Xavier verlobt sich mit Serena Butler, der schönen und energischen Tochter des Parlamentspräsidenten Manion Butler. Sie setzt sich für humanitäre Hilfe auf angegriffenen und unverbündeten Welten ein und hat schon so manchen Lorbeer dafür geerntet. Auf eine Jagdpartie wird sie beim Liebesspiel schwanger. Die Empfängnis bemerkt sie angeblich erst, als sie schon im dritten Monat ist. Kein Wunder, denn sie hat viel zu tun: Salusa wiederaufbauen, Pläne gegen die „;Maschinen“; schmieden und vieles mehr.

Auf der Welt Rossak ist ein eingeschworener Zirkel von telepathiebegabten Frauen unter Führung der strengen „;Zauberin“; Zufa Cenva entstanden. Nur die Frauen des vielerorts giftigen und teratogenen Planeten sind in der Lage, einen Energieblitz mental zu erzeugen und so eine „;Maschine“; außer Gefecht zu setzen. Dies ist der Vorläufer des Bene-Gesserit-Ordens. Nach dem erfolgreichen Einsatz wird Rossak eines Angriffs durch die Titanen…

Cenvas zwergwüchsige Tochter Norma ist eine geniale Mathematikerin, doch ihre Fähigkeiten werden von ihrer Mutter verkannt. Als ihr Vater, Zufas Lebensgefährte Aurelius Venport, ein wohlhabender Drogenhändler, ihr Tio Holtzmans Einladung überbringt, besorgt er ihr ein Ticket nach Poritrin. Norma erfindet auf dieser Sklavenwelt die schwebenden Leuchtgloben und das Suspensorfeld. Ihr gelingt die Anwendung des Holtzman-Schildes für Kriegsschiffe, während Holtzman selbst den Körperschild zur Serienreife bringt. Doch Wissenschaft muss nicht mit sozialem Gewissen gepaart sein. Die Sklaven bereiten den Aufstand gegen ihre Herren vor…

Auf Arrakis, dem Wüstenplaneten, sieht sich der ausgestoßene Zensunni-Wüstenbewohner Selim dem Tod durch Verdursten gegenüber. Oder ein Sandwurm wird ihn verschlingen. Durch Zufall gelingt es ihm, einen Sandwurm zu reiten und tief in der inneren Wüste eine botanische Teststation des Alten Imperiums zu entdecken. Er hat Wasser, Proviant und Informationen. Die Stationen bilden ein Netzwerk. Als er auch noch pure Spice-Melange isst, empfängt er eine göttliche Vision.

Giedi Primus

Der nächste Angriff der Maschinen gilt rund ein halbes Jahr später der rohstoffreichen Welt Giedi Primus. Es ist eine grüne Welt, vor dem Angriff. Giedi City verfügt über einen Störschild, doch Agamemnon hat eine List dagegen entwickelt. Er opfert ein komplettes Roboterschlachtschiff, das in seinem Sturz die Generatoren zerstört und den Planeten für den restlichen Angriff bloßlegt. Die „;Maschinen“; installieren ihr Herrschaftsstruktur und beginnen, die Rohstoffe auszubeuten, mit den ehemaligen Bürgern als Sklaven.

Der Verlust von Giedi ist ein schwerer Schlag für die Liga. Xavier Harkonnen, inzwischen Segundo (Zweitrangiger) und mit künstlichen Lungen versehen, hatte die Verteidigung des Planeten selbst kürzlich inspiziert und macht sich nun schwere Vorwürfe, nicht an diese Schwäche gedacht zu haben. Doch seine Gedanken waren bei seiner Liebsten…

Serena jedoch hat einen Plan zur Befreiung Giedis vorbereitet, im Geheimen bereits einen Blockadebrecher und eine Mannschaft organisiert. Sie schleicht sich nächstens vom Liebeslager fort, um Salusa zu verlassen. Ihr Plan: Sie will den beinahe fertiggestellten Sekundärgenerator am Nordpol von Giedi instand setzen und einen neuen Störschild errichten. Doch dieser kann natürlich nur effektiv wirken, wenn zugleich auch die Liga-Kampfflotte zu Hilfe eilt, um den Gegenangriff der Maschinen abzuwehren.

Xavier wird von Serenas geheim gehaltenem Plan ebenso überrumpelt wie das Liga-Parlament. Es ist jedoch sonnenklar, dass man Serena, immerhin eine Parlamentarierin und verdiente Bürgerin, nicht im Stich lassen kann. Xaviers Flotte trifft über Giedi ein und vernichtet die „;Maschinen“;, unterstützt von neuen Holtzman-Erfindungen und einer Rossak-Zauberin, die den Titanen Barbarossa besiegt. (Heoma wird später ein Schrein errichtet.)

Terra

Doch wo ist Serena abgeblieben, Xaviers Ein und Alles? Sie wurden von Robotern gefangen genommen und zur Erde gebracht. Dort soll sie dem unabhängigen Roboter Erasmus zu Anschauungszwecken dienen. Der Mengele-Nachfolger hat mit Omnius eine Wette abgeschlossen: Er will beweisen, dass man keinem Menschen trauen kann. Sollte er seine Wette gewinnen, so müsste Omnius alle Menschen auf der Erde exterminieren.

Doch bis es soweit ist, hat Erasmus noch viel Freude am Experimentieren mit Serena, die nun auf der Erde ihren Sohn zur Welt bringt: Manion Butler, Xaviers einzigen Sohn. Und schon bald registriert Erasmus zu seinem großen Missfallen, wie eine große Veränderung in dieser Menschenfrau vor sich geht…

Mein Eindruck

Zu meinem Missfallen fand ich mich gleich am Anfang mitten in einer Military Action Schmonzette wieder, in der sich der Schlagabtausch zwischen Menschen und „;Maschinen“; in martialischen Handlungen erschöpft. Ich dachte schon, ich würde das Buch nach fünfzig Seiten in die Ecke feuern müssen, doch zum Glück kam es anders. Es ist nur eine von Kevin Andersons Standarderöffnungen, wie sie in jedem beliebigen seiner Star-Wars-Machwerke zu finden sind – und dort offenbar vom nach Action lechzenden (männlichen) Leser verschlungen werden. Wie George Lucas weiß Anderson, wie man das Publikum für ein Garn interessiert, auch wenn es noch so hanebüchen daherkommt.

Ich wage nicht, die einzelnen Kapitel jeweils einem der beiden Autoren zuzuordnen, aber ich schätze, dass ich mit der Zuweisung der Militäraction zu Anderson richtig liege. Doch was hat dann Brian Herbert geschrieben? Ich neige zu der Einschätzung, dass er sämtliche Szenen lieferte, die auf Arrakis spielen. Der Grund für meine Einschätzung liegt darin, dass diese Szenen erstens anders aufgebaut sind, keinerlei Militäraction beinhalten und – das ist der Hauptgrund – uns das Innenleben einer Figur auf das Intensivste öffnen.

Selim Wurmreiter

Daher gehört Selim Wurmreiter auf Arrakis zu den wenigen Figuren, die dem Leser nach dem Zuschlagen des Buches in Erinnerung bleiben. Obwohl er lange nicht so intim geschildert wird wie später Paul „;Muad’dib“; und Herzog Leto Atreides, beginnen wir doch an Selims Schicksal Anteil zu nehmen. Sein buddhislamischer Zensunni-Glauben lässt ihn an die Vorsehung glauben und an einen Gott, der Großes mit ihm vorhat.

Diese Glaube deckt sich mit dem vieler Propheten – alle drei großen Weltreligionen kommen aus der Wüste, und das nicht ohne Grund. Die extremen Umweltbedingungen reduzieren die Wahrnehmung und Interpretation der Welt ringsum auf das Wesentliche. Und was könnte wichtiger sein, als in der lebensfeindlichen Arrakis-Wüste Methoden zum Überleben zu finden? Dazu gehört natürlich, Wasser zu finden, den Wurm zu reiten und letzten Endes die Herrschaft über die Spice-Melange zu erringen. Das ist ein volles Programm, und es dauert Jahre, bis Selim es umgesetzt hat. Ich fand es spannend, dies zu verfolgen. Aber leider geht es wie mit allen Episoden, die das Autorengespann liefert: Die Szenen sind oftmals viel zu kurz.

Erasmus

Der unabhängige Roboter – ein paradoxes Unikum schon von vornherein. Er ist das Paradebeispiel eines bösartigen Wissenschaftlers. Er stellt Experimente mit seinen menschlichen Zuchtsklaven anum, das Geheimnis menschlichen Verhaltens – vorgeblich für Omnius – herauszufinden. Und da gibt es ja bekanntlich so viele Widersprüche. Seine Lieblingsobjekte sind eineiige Zwillinge. Diese Vorliebe teilt er mit Dr. Mengele, dem grausamen Nazi-Arzt in Auschwitz, der dort tausende Opfer forderte.

Sein wichtigstes Experiment aber besteht in der Beobachtung der gefangenen Serena Butler, die in seiner feudalen Villa als Gärtnerin Sklavendienste verrichten muss und auf ihrer Heimatwelt für tot gehalten wird. Doch im Gegensatz zu den unterworfenen und vernachlässigten Sklaven hat er es bei Serena mit einer gebildeten Freien der Herrscherkaste von Salusa Secundus zu tun. Ein äußerst interessantes Objekt.

Seltsamerweise interessiert sich Erasmus (abgeleitet von Erasmus von Rotterdam, einem Humanisten des Mittelalters) nur für ihre Biologie und ihr Verhalten, nicht aber für die politischen Vorteile, die Omnius aus einer Geisel ziehen könnte. Sollen wir dieses Manko als Engstirnigkeit seitens der „;Maschinen“; auffassen? Mir kommt es eher als Nachlässigkeit der Autoren vor. Andererseits: Würden die „;Maschinen“; den freien Menschen von Seren erzählen, würden diese nur an eine Lüge glauben, halten sie doch Serena für tot, umgekommen auf Giedi Primus.

Vorian Atreides

Der Sohn des Agamemnon durchläuft eine Entwicklung, die ihn als Figur interessant macht, doch sein Umschwung basiert einfach auf neuem Wissen und seiner Liebe zu Serena, nicht mehr. Aus dem treuen Untertanen und Sohn, der sowohl seinen ruhmreichen Vater liebt als auch die Herrschaft der „;Maschinen“; voll in Ordnung findet, wird durch diese Begegnung mit der ersten freien Frau seines Lebens ein anderer Mensch.

Eigentlich wollte er sich ja zum Neo-Cymek machen lassen und hat bereits die Langlebigkeitsbehandlung* über sich ergehen lassen, doch nun, nach seiner Konversion zum Glauben an die Freiheit der Menschen hält er wenig von einem Exoskelett. Dennoch empfangen ihn die Leute der Liga zunächst als Verräter – warum auch nicht? Besonders Xavier ist gegen ihn eingestellt. Er muss sich zunächst als Freund bewähren und verrät die militärischen Geheimnisse von Titanen, Omnius und Terra.

* Diese Langlebigkeitsbehandlung erfolgt zwangsweise durch Agamemnon. Sie ist nicht von Vorian erbeten worden. Folglich fühlt sich Vorian quasi durch seinen Vater wie vergewaltigt. Ich darf daran erinnern, dass auch in „;Der Wüstenplanet“; Paul, der Sohn des Herzogs Leto Atreides, einer äußerst schmerzhaften Prüfung unter Zwang unterworfen wird (durch eine Bene Gesserit).

Beide Situationen sind nicht aus der Luft gegriffen! Sie haben ein reales Vorbild in Prüfungen, die der Autor Frank Herbert an seinem Sohn Brian vornahm und die für diesen selbstverständlich sehr schmerzhaft und demütigend waren. Frank fand die Prüfung notwendig und nahm sie in seinen DUNE-Roman auf, Brian münzt sie um und verarbeitet sie in „;Butlers Djihad“;. Siehe dazu besonders Brians Biografie seines Vaters: „;Dreamer of Dune“; (bislang unübersetzt).

Der Djihad

Nun habe ich noch mit keinem Wort erklärt, warum dieser Roman den Titel einer Legende aus „;Der Wüstenplanet“; trägt. Was ist nun mit dem „;heiligen Krieg“; (‚djihad’ heißt eigentlich „;heiliger Weg“;)? Und was hat das mit Serena Butler zu tun?

VORSICHT SPOILER

Im Jahre 201 V.G. wird Serenas Sohn Manion von Erasmus ermordet, ein Jahr später erscheint die Liga-Armada über Terra und vernichtet die „;Maschinen“;, darunter auch den Terra-Omnius (es gibt ja noch die Kopien!). Das ist aber nicht das, was man unter „;heiligem Krieg“; versteht.

Um es dazu kommen zu lassen, muss es erst einen Aufstand der Menschen von Terra und anderen Planeten gegen ihre Roboterherren kommen. Die Ermordung Manion Butlers ist der Zündfunke, der das schon seit Jahren vorbereitete Pulverfass des Aufstandes endgültig zur Explosion bringt. Anführer ist auf Terra ein Vorarbeiter mit dem schönen Namen Iblis Ginjo (das arabische Wort „;iblis“; bezeichnet eigentlich einen Teufel). Er hat sofort die freie Menschenfrau, die sich als Helferin der Erasmus-Sklaven profiliert hat, als potentielle Galionsfigur erkannt und für seine Rebellion vereinnahmt. Sie ahnt davon nichts.

Doch der Aufstand gegen eine globale Maschinenkultur ist zum Scheitern verurteilt, wenn die Liga nicht eingreift. Als es endlich dazu kommt, ist dies der zweite Teil des Djihad. Nach erfolgreichem Abschluss müssen die restlichen Synchronisierten Welt befreit werden – der dritte Abschnitt des heiligen Krieges gegen die Maschinen.

Erst die Schlacht um Corrin, wohin Erasmus geflohen ist, entscheidet das Schicksal der „;Maschinen“; und führt jene politischen Verhältnisse herbei, die in der Trilogie der drei Häuser und im Dune-Zyklus selbst wir vorzufinden gewohnt sind.

ENDE SPOILER

Unterm Strich

Der SF-Roman folgt wie alle Anderson-Herbert-Kooperationen dem bewährten Kochrezept eines Retorten-Bestsellers. Die Kapitel sind nicht länger als fünf Seiten, und wir bekommen daher gleich 126 Stück davon in mundgerechten Häppchen serviert. Das Glossar bewahrt den Leser vor größerer Verwirrung, selbst dann, wenn er noch nie einen Dune-Roman in der Hand gehalten hat.

Doch die Gefahr der Verwirrung ist denkbar gering: Die meisten Leser dürften DUNE-Junkies sein. Und ob der einfachen Sprachen und kurzen Kapitel können schon 13- bis 14-Jährige das Buch verstehen, ohne Angst um ihre grauen Zellen haben zu müssen. (Der Sex ist jugendfrei, doch Blut – meist das Ersatzblut von Robotern – darf bis zur Decke spritzen. Amis haben mit Gewaltdarstellungen offenbar kein Problem)

Innerhalb des DUNE-Zyklus bringt der Roman noch eine weitere Vorgeschichtsebene, eben die legendäre Zeit des Djihad (den Paul und Leto Atreides ja fortsetzen sollten) mit der Schlacht um Corrin. Noch ahnen wir nicht, wie es zur Entstehung der Gilde und der Adelshäuser, zum neuen Imperator und der Blutfehde zwischen Atreides und Harkonnen kommt. Aber das soll noch in den Bänden 2 und 3 der legenden -Trilogie nachgeliefert werden.

Fazit: durchschnittliche, aber gut gemachte Trivial-Science Fiction im Space-Opera-Format alter Schule. Muss man nicht kennen, auch nicht als DUNE-Fan.
 Vorgeschichte von „;Der Wüstenplanet“;, des erfolgreichsten SF-Romans aller Zeiten, führte. Mit ihrem neuen Buch gehen die beiden Autoren nun noch weiter zurück, zu Butlers Djihad, der Quelle aller Mythen und Legenden, aus denen Frank Herbert sein atemberaubendes Wüstenplanet-Universum schuf.

Ihre Meinung zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Butlers Djihad«

spacecowboy zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Butlers Djihad«25.07.2009
In diesem Buch werden die Anfänge um den Wüstenplaneten geschildert. Nach Machtergreifung der Roboter, in dem von Menschen besiedelten
Bereichen des Universums, versucht die restliche Menschheit gegen die "Denkmaschinen" zu bestehen. Es kommt zum militärischen Konflikt, zum
"Butlers Djihad".

Wer den Ursprungszyklus "Dune" von Frank Herbert gelesen und für gut befunden hat, wird in diesem Buch den "Sense of Wonder", die
filigrane Beschreibung der Details vermissen. Nach meinem Empfinden existiert keine tiefgreifende atmoshärische Dichte und daraus
resultierend keine tieferen Gedankengänge, die durchaus von F. Herbert bei seinen Protagonisten geschildert wurden. Wie denn auch!

Vielleicht wird das durch die kurzen Kapitel forciert. Die Autoren springen innerhalb von wenigen Seiten zwischen den Handlungsschauplätzen
hin und her. Die Handlung rast im Vergleich zum alten Dune - Zyklus, und diesen Vergleich müssen sich die neuen Bücher und Autoren gefallen
lassen, durch die Geschichte, als sollten möglichst schnell Verknüpfungspunkte zum alten Zyklus hergestellt werden.

Aber "Butlers Djihad" ist für sich allein gesehen, losgelöst vom Original, durchaus unterhaltsam, nach einer Eingewöhnungsphase. Das Buch
gibt eine Einführung in die Entstehung des Dune-Zyklus mit ganz symphatischen Ansätzen und Stilmitteln einer Space-Opera. Auf die
Entwicklung und Hinführung zum Original darf man gespannt sein. Nur noch fünf Bücher, dann ist man angekommen...
Alexander Schmitt zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Butlers Djihad«29.09.2008
Ich las dieses Buch kurz nach den ersten beiden Teilen des eigentlichen Dune-Zyklus und muss sagen: Es hat sich absolut gelohnt. Viele Dinge (z.B. die Lasgun oder die Bene-Gesserit) sind einem aus den Büchern nur halb vertraut, weil man ihre Ursprünge nicht kennt. Liest man aber diese Vorgeschichte erhält man Stück für Stück diejenigen Details, die man vielleicht während des Lesens der "Hauptbücher" vermisst hat. Das Buch basiert aus vielen kleinen Handlungssträngen, die nach und nach zusammengeführt werden und so gegen Ende ein harmonisches Ganzes ergeben. Am interessantesten ist der "Aha-Effekt", wenn scheinbar unnötige Details auf einmal einen Sinn ergeben und die Geschichte abrunden.

Zusammenfassung: Auch wenn einige Verarbeitungen des Stoffes vielleicht bei manchen Lesern etwas unüberdacht scheinen, so ist doch eine Liebe zum Detail und zur Geschichte zu erkennen, die den Leser an das Buch und seine Geschichte fesseln muss.
Annette Wagner zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Butlers Djihad«27.10.2006
Die Vor-Vorgeschichte zu Frank Herberts Dune Romanen ist für mich eine lange erwartete Ergänzung des Dune-Universums.

Auch wenn es an manchen Stellen für den Geschmack einer weiblichen Actionliebhaberin (ja, ja...so was gibts auch) etwas zu sehr "menschelt", kommen Action und Hintergrund doch nicht zu kurz. Schließlich bedarf die gewagte Konstruktion von Frank Herberts Universum, in dem alles maschinelle mit Mißtrauen und Ablehnung betrachtet wird, doch endlich irgendeiner soliden Erklärung. Der Kampf gegen die Mensch-Maschinen Wesen, die Titanen und den vollständig entgleisten Monstercomputer Omnius liefern endlich eine solide Begründung nach.
Hier nimmt alles seinen Ausgang...der Haß auf denkende Maschinen, die Versuche maschinelle Fähigkeiten Menschen anzuerziehen, die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und die einzelnen Völker und Familien. Die Gilden entstehen, die "Zuchtfarmen" der Bene Thleilax, die "große Liebe" zwischen den Atreides und den Harkonnen, Arakis und sein Spice werden entdeckt...alles was das Dune Universum eben so ausmacht.
Besonders makaber ist, daß die Abhängigkeit der Menschen von den Maschinen im Laufe dieses dreibändigen "Vorspiels" nur durch die Abhängigkeit vom Spice ersetzt wird.

Ich weiß nicht, wie dieses Buch bei Lesern ankommt, die noch keinen klassischen Dune Roman gelesen haben, aber aus meiner Sicht als Dune erfahrenem Leser, sind die drei Prequels einfach gelungenes und spannendes Hintergrundwissen zu Frank Herberts Originalen.
Allerdings sollte man die Bücher (wie grundsätzlich bei allen Büchern) am besten im Original lesen.
Ihr Kommentar zu Butlers Djihad

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