Das Haus Harkonnen von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Buchvorstellungund Rezension

Das Haus Harkonnen von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „Dune: House Harkonnen“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 842 Seiten.ISBN 3-453-52160-9.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kempen.

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In Kürze:

Das Abenteuer geht weiter: Nach dem großen Erfolg der TV-Neuverfilmung von „;Der Wüstenplanet“; legen Brian Herbert und Kevin J. Anderson den zweiten Teil ihrer Frühen Wüstenplanet-Chroniken vor und schildern eines der düstersten Kapitel von Frank Herberts atemberaubender Zukunftssaga: Der Aufstieg des Hauses Harkonnen, das mit allen Mitteln die Herrschaft über das Imperium an sich reißen will.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Sehr gut lesbarer (spannender) Mittelband der Space Opera“;75

Science-Fiction-Rezension von Michael Matzer

Die Vorgeschichte eines zweimal verfilmten Bestsellers der Science Fiction – lohnt sich das überhaupt zu lesen? Es lohnt sich durchaus, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Man sollte auf jeden Fall die Verfilmung „;Der Wüstenplanet“; von 1984 gesehen haben (und wer hat das nicht?).

Nicht schlecht wäre es, wenn man auch die literarische Vorlage dazu kennen und womöglich sogar verstehen würde (das sind immerhin ein paar Millionen Leser weltweit).

Und der Gipfel der guten Voraussetzungen wäre es, wenn man schon den ersten Band der „;Frühen Chroniken“; gelesen hätte: „;Das Haus Atreides“;. Aber man muss nicht alles wissen. Jeder Band der Frühen Chroniken„; bringt so viele Erklärungen und Rückverweise, dass man rasch den Anschluss findet. Es gibt allerdings keine Zusammenfassungen wie zu Tad Williams’ Otherland-Romanen.

“;Das Haus Harkonnen„;

Baron Wladimir Harkonnen siecht dahin, und nicht einmal superteure Suk-Ärzte wie Wellington Yueh können den kinderlosen Herrscher heilen. Als Rache für ihre Vergwaltigung hat nämlich die Bene-Gesserit-Mutter Helen Gaius Mohiam (wir kennen sie aus DUNE 1) den Baron mit einer heimtückischen Krankheit infiziert. Obwohl dieser droht, den Schwesterorden der biologischen Kriegsführung anzuklagen, bieten ihm die “;Hexen„; Paroli: Sein Neffe Glossu Rabban (“;die Bestie„;) hat versucht, mit einem unsichtbaren Raumschiff den Orden anzugreifen, war aber dabei abgestürzt. Dumm gelaufen: Sollen die “;Hexen„; das Geheimnis des Nicht-Schiffs für sich behalten, muss der Baron die Klappe halten.

Der hält sich dadurch schadlos, dass er in den Haushalt der Atreides eine Agentin einschleust. Sie indoktriniert Kailea Vernius, die Konkubine Letos und die Mutter seines Sohnes Victor. Schon bald wird die tüchtige Kailea immer unzufriedener und schließlich sogar eifersüchtig, als die Bene Gesserit eine weitere Konkubine anbieten und überstellen: Schwester Jessica (die später Pauls Mutter wird). Dieser Erzählstrang führt zu einem traurigen Ende, als Kailea Leto töten lassen will. Dabei kommt jedoch keineswegs der Herzog, sondern ihr Sohn Viktor ums Leben. Die untröstliche Kailea tötet erst die Harkonnen-Agentin und stürzt sich dann in den Freitod.

Ein relativ unbedeutender, aber doch interessanter Erzählstrang schildert das Schicksal von Baron Harkonnens sanftem und integrem Halbbruder Abulurd. Lankiveil ist das glatte Gegenteil zu Arrakis: eine polare Welt, die Walpelze exportiert und arktische Klöster beherbergt. Doch Glossu Rabban, Abulurds Sohn, vernichtet zuerst die Lebensgrundlage der Walfänger und Fischer, um dann auch einen Bürgermeister umzubringen und das wichtigste der Klöster zu zerstören. Als sich Abulurd und seine Frau Emmi wieder von der Katastrophe erholt und sie einen weiteren Sohn haben, nehmen der baron und Glossu ihnen auch dieses Kind weg: Feyd Rautha soll als echter Harkonnen aufwachsen.

Während Duncan Idaho als Eliteschwertmeister auf Ginaz ausgebildet und in die Kämpfe zwischen den Häusern verwickelt wird, will sich Gurney Halleck an den Harkonnen für das rächen, was sie seiner Schwester Bheth angetan haben. Doch nach Jahren in den Straflagern gelingt ihm die Flucht: zuerst zu Dominic Vernius’ Schmugglern und Rebellen, später zu den Atreides. Denn Dominic Vernius erfährt vom Schicksal seines Planeten: Die systematische Ausbeueutng und Vernichtung seines Volkes durch die Tleilaxu und die imperialen Truppen. Dominic beschließt, eine Atombombe über dem imperialen Palast auf Kaitain zu zünden.

Die Trilogie muß auch Neues anbieten

Die Trilogie der Vorgeschichte zu DUNE hat zwei Aufgaben zu erfüllen: Erstens muss sie alle Vorgaben aus Frank Herberts Bestsellerroman strikt befolgen, und das ist natürlich ein Handicap, denn da der Kenner bereits weiß, was folgen muss, ist aus der Spannung die Luft raus. Zu diesen Handlungssträngen gehören Duncan Idaho, Gurney Halleck, Liet-Kynes, Wellington Yueh, die Liebesgeschichte zwischen Leto und Jessica sowie die Machenschaften der harkonnens und Bene Gesserit (das Projekt “;Kwisatz Haderach„;).

Zweitens muss die Trilogie auch Neues anbieten und dies in das Bekannte geschickt so einflechten, dass das Neue wieder verschwindet, wenn und bevor es mit der späteren DUNE-Geschichte kollidiert. Die zwei neuen Faktoren sind erstens das imperiale Geheimprojekt um die synthetische Gewürzmelange und zweitens, ebenfalls mit Ix verbunden, das Schicksal des Hauses Vernius.

Nun sollte man erwarten, dass man aus den Kapiteln, die zu Aufgabe Nr. 1 gehören, nichts mehr Aufregendes erfährt. Die Figuren und ihr Schicksal sind ja dem DUNE-Kenner bekannt. Doch zum Glück stellt sich heraus, dass gerade beim Werdegang Duncan Idahos zum Schwertmeister unvorhergesehene Faktoren ins Spiel kommen, die zu einem actionreichen Höhepunkt auf Ginaz führen. Wir erfahren, wie verhängnisvoll für Gurney Halleck seine Vorliebe für das baliset und den Gesang ist. Liet-Kynes Schicksalsweg kreuzt sich zunächst mit den Schmugglern um Dominic Vernius und dann mit Gurney, den er auf dem atomar verwüsteten Planeten Salusa Secundus kennelernt (Liets einziger Ausflug von Arrakis in diesem Band).

Zum Aufgaben bereich Nr. 2 gehören ebenfalls dramatische Entwicklungen. Während sich die Situation auf Caladan im Hause Atreides bis zu Kaileas Verrat zuspitzt, verschlechtern sich die Überlebenschancen der Rebellen, die noch in den Arbeitslagern der Tleilaxu auf Ix ausharren. Doch auf einen großartigen Erfolg mit einem Bombenanschlag folgen noch bedrückendere Verhältnisse. Und eines Tages kommt der Rebell C’tair Pilru dem Geheimnis dessen auf die Spur, was die verhassten Tleilaxu wirklich auf Ix treiben – jetzt weiß er auch, wohin seine Geliebte verschwunden ist, und es dreht ihm Herz und Magen um.

Wie man sieht, gibt es Einiges, worauf man sich noch freuen darf, so etwa die Rückeroberung von Ix durch Rhombur Vernius; die Befreiung Dunes von den Harkonnens; und natürlich Kindheit und Erziehung von Paul Atreides, dem späteren Muad’dib der Fremen.

Lässt sich flüssig lesen

Der schiere Umfang des Buches schreckt erst einmal ab, aber da die Kapitel kurz sind und am Anfang vieles erklärt wird, kommt man schnell voran. Hauptsache, man schafft es, über den toten Punkt in der Mitte des Schmökers hinauszukommen. Denn auf den letzten 200 Seiten überwiegen dann die Action und das Drama. Und es ist überhaupt nicht sicher, ob sich Herzog Leto nach dem Attentat und dem Tod seines Erben noch einmal aufraffen wird.

Ich habe entgegen meinen Erwartungen diesen Band ebenso genossen wie den ersten. Und der dritte fängt ja auch schon gut an (siehe “;Ausblick„;). Natürlich stelle ich kaum literarische Ansprüche an ein derart kommerziell aufgezogenes Werk wie diese Trilogie, die quasi zum Bestseller verpflichtet ist. (Man kauft keinen Starautor wie Anderson ein, um dann sein Millionenhonorar in den Arrakis-Sand zu setzen!)

Aber gegenüber dem ersten Band konnte ich festzustellen, dass sich “;Haus Harkonnen" flüssiger und verständlicher liest. Liegen am Anfang diese Handlungsstränge noch weit auseinander, so folgen sie gegen Schluss praktisch in geschlossener Reihenfolge aufeinander. Damit sich das große Bild im Geiste bildet, darf man einfach nicht aufhören weiterzulesen. Gut fand ich auch, dass sich die Motti, die jedem Kapitel vorangestellt sind, inzwischen sehr kurz geworden sind, oft nur ein Satz. Bei DUNE 1 waren es noch ganze Philosophien, die darin steckten – sie waren dementsprechend umfangreich.

Unterm Strich

Im Mittelstück des gewaltigen Gemäldes dieser fernen Zukunft schreitet das breite Gewebe der Handlungsstränge rasch voran. Action, Dramatik und – an einer einzigen Stelle – sympathischer Humor fehlen keineswegs. Die Kapitel lassen sich flüssig und verständlich (sie sind zudem in großer Schrift gedruckt) lesen. Doch wie immer bei so dicken Büchern winkt nur dem Geduldigen der Lohn der Mühe. Doch wer sich David Lynchs Verfilmung mehrmals ansieht und wie ich stets von Neuem begeistert ist, der wird sich sehr motiviert sehen, auch diesen Schmöker zu bewältigen.

Ihre Meinung zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Harkonnen«

S. Schulte zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Harkonnen«10.03.2017
Leider muss ich es auch sagen, wer die Bücher von Frank Herbert gelesen hat, wird an denen seines Sohnes und Andersons nichts finden. Die dicke eines Buches machen das Buch nicht zu einem guten Buch. Stephen King, Tokien, F. Herbert würde ich als Starautoren bezeichen - Anderson jedoch nicht. Anderson schreibt und schreibt und schreibt. Seine Bücher erreiche nie ein gutes Niveau.
Beverly zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Harkonnen«07.09.2012
Positiv am "Haus Harkonnen" ist, dass Brian Herbert und Kevin Anderson nicht alle Angehörigen dieses Hauses als Schurken darstellen und sie um sie herum eine eigene Welt schaffen.
Doch ausgerechnet beim Baron Wladimir Harkonnen, meinem Lieblingsschurken im Dune-Universum, zeigten die Autoren kein Gespür. Frank Herbert hat in "Der Wüstenplanet" Klischeehaftes - der russische Vorname, seine negariv dargestellte Homosexualität - mit Genialem vermischt und einen genial-bösen Antihelden geschaffen. Dass der feise Fettsack den Atreides sogar noch Ärger macht, als er schon längst tot ist, rundet ihn noch ab.
Was Brian Herbert und Kevin Anderson aus dem Baron Harkonnen machen, fällt dagegen heftig ab. Sowohl die Porträtierung der Harkonnens im "Wüstenplaneten" als auch im "Haus Harkonnen" legt nahe, dass sie von Ausnahmen - Feyd Rautha - abgesehen eher stämmig sind. Völlerei und körperliche Trägheit würden die Laster und Abscheulichkeiten des Barons Harkonnen "sinnvoll" ergänzen.
Aber nix da mit Fressorgien im Hause Harkonnen!
Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war uns Wladimir in jungen Jahren ein Muskel-Schwuler, den die Bene Gesserit zur Strafe mit unheilbarer Fettsucht infiziert haben. Mal davon abgesehen, dass alle offen lebenden Schwulen des bekannten Universums sich bei so einer Gestalt "Gays against Wladimir H."-Sticker anheften würden, was das eine unnötig komplizierte und überflüssige Idee, die einen ungewöhnlichen Schurken gewöhnlich macht.
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