Kill Whitey von Brian Keene

Buchvorstellungund Rezension

Kill Whitey von Brian Keene

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Kill Whitey“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 280 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Michael Krug.

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In Kürze:

Larry Gibson sehnt sich nach Abwechslung in seinem eintönigen Alltag als Lagerarbeiter. Als er Sondra kennenlernt, eine betörende Stripperin, wird sein Leben schlagartig aufregend … zu aufregend. Von einem Tag auf den anderen sterben seine Freunde, und er ist auf der Flucht vor der Polizei der russischen MafiaPolizei, und einem scheinbar unbesiegbaren Wahnsinnigen. Will Larry überleben, muss er einen Weg finden, Whitey zu töten. 

Das meint Phantastik-Couch.de: „Töten ist ein schwieriges Geschäft“70

Horror-Rezension von Jochen König

Larry Gibson ist Lagerarbeiter, arbeitet vier Stunden pro Tag hart und will darüber hinaus Spaß haben. Mit seinen Freunden, seinem fiesen Kater Webster, und wenn es sich einrichten lässt, gerne mit Frauen. Manchmal in Zoten, wenn er mit seinen besten Kumpeln lästert, manchmal aus der Ferne, in irgendwelchen Stripclubs; ganz selten nahebei. Wie mit Sondra, der russischen Stripperin, die Larry zu seiner Traumfrau kürt. Mehrmals die Woche in einem teuren Stripclub abzuhängen, um einen Blick auf die Angebetete zu erhaschen, ist ein teurer Spleen. Dass er allerdings das Leben kosten könnte, hätte Larry kaum erwartet. Doch genau das passiert: Sondra muss flüchten. Vor der russischen Mafia und ihrem „Chef“ Whitey. Zufälligerweise ist Larry in der Nähe und wird zum Fluchthelfer und Komplizen. Im Bett, in der Schlacht und unterwegs, schwer bewaffnete Gangster auf den Fersen. Blut wird fließen. Und das nicht zu knapp. Freunde und Feinde werden sterben – doch warum steht Whitey immer wieder auf? Während der abenteuerlichen Flucht erfährt Larry die Hintergründe. Nur so viel: Die Nachfahren Rasputins müssen sich nicht allzu viele Gedanken über eine Krankenversicherung machen. Gesetzt den Fall, Aufbaunahrung ist vorhanden …

Die ersten 120 Seiten fragt man sich, was Kill Whitey eigentlich auf der Phantastik Couch verloren hat. Brian Keene erzählt eine typische Run & Hide-Story, die ihre Vorbilder unübersehbar bei John Landis´ „Kopfüber in die Nacht“ oder Martin Scorseses „Die Zeit nach Mitternacht“ hat.

Unbedarfter Junge lernt ausgekochtes Mädchen kennen, das leider einigen rüden Raubeinen ein Dorn im Auge ist. Unklar bleibt, ob sie Geld gestohlen hat, oder vom falschen Mann schwanger ist; jedenfalls steht sie auf der Abschussliste. Und in allergrößter Not kommt ihr der verliebte Jüngling zu Hilfe, um sie vor Unbill in der Gangsterwelt zu bewahren. Er wächst über sich hinaus und auch die taffe Braut tut ihr Bestes, den Ganoven das Leben schwer, bzw. kurz zu machen.

Dieser Part ist Keene recht ordentlich gelungen. Sein Larry ist scheinbar ein ausgemachter Prolet, der gerne mit seinen Freunden abhängt, um Wein, Weib und Gesang zu frönen. Wein eher weniger, Hauptsache Alkohol. Es gibt allerdings ein paar Widerhaken. Denn vereinzelte Gedankengänge, sowie Larrys Verehrung hochkomplexer Musik (Mastodons „Crack The Sky“) lassen den Schluss zu, dass unter der lärmigen Oberfläche ein kleiner Intellektueller mit tiefer gehenden Sehnsüchten lauert. Zudem einer, der mit guten und schnellen Reflexen aufwarten kann: denn die Eile, in der es der verliebte Larry auf einmal mit ganzen Brigaden der Russenmafia aufnehmen kann, ist in Windstärken nicht zu messen. Spätestens jetzt verabschiedet sich die Glaubwürdigkeit ins Nirwana. Aber das macht nichts. Denn Glaubwürdigkeit steht nicht so weit im Vordergrund bei derartigen Geschichten im Rennen, Retten, Flüchten-Milieu. Vor allem rennen und flüchten. Und statt retten eher schießen. Viel schießen.

Und das beherrscht Keene. Er hetzt unser seltsames Pärchen durch Stadt, Land, Fluss ohne Unterlass. Unterwegs werden Verbündete gesammelt, gehen verloren und am Ende heißte es für Larry im gnadenlosen Showdown: Kill Whitey! Leicht gesagt. Aber egal wie es ausgeht: für atemlose Spannung ist gesorgt. Gelegentlich sogar durch die Ambivalenz der Verhältnisse, die unsere Hauptpersonen untereinander und miteinander haben und pflegen. Nein, nicht pflegen, treten.

Doch leider hat sich Keene einen Kniff einfallen lassen, der die ganze bescheidene, aber gelungene Hetzjagd unterminiert. Denn er gibt Whitey einen mythischen Hintergrund, der aus dem knallharten Gangster mit Geschick, Durchsetzungsvermögen und ohne jede moralische Begrenzung, eine Art Zombie mit Auftrag macht. Das ist so hanebüchen und überflüssig, dass selbst ganze Wagenladungen Wodka den Humbug kaum erträglicher machen. Wenn dann noch der permanent selbst- und genrereflektierende Gestus zum Tragen kommt, wird das ganze Konstrukt wackelig und verliert den Boden unter den Füßen. Da sitzen Larry und ein Kumpel unter Beschuss und sinnieren über Jason Vorhees und seine Fähigkeit immer wieder aufzustehen, egal wie sehr man ihn verstümmelt, geköpft oder verbrannt hat. Natürlich kommt passend am Ende der Plauderstunde Whitey um die Ecke. Nicht mit guten Absichten.

Solche Insider-Jokes sind ja ganz ulkig (sagt da jemand: „Tarantino“?), doch spätestens, wenn man sich bewusst macht, dass Kill Whitey zu weiten Teilen in einer leeren Fabrikhalle spielt, wird klar, wo wir uns befinden: In einem literarischen Äquivalent zu jenen C-Z-Movies, die beliebte Themen aufgreifen und mit schlechten Schauspielern, minimalem Budget und einer leer stehenden Fabrikhalle aufwarten, um nicht vorhandene Geschichten mit Getöse und Trara über die kurzweiligen Runden zu bringen. Manchmal entstehen dabei unfreiwillig komische Trash-Granaten, manchmal legen solche hässlichen Nachgeburten auch schamlos die Mankos und Leerstellen der großen Vorbilder bloß.

Ein bisschen von alledem hat auch Kill Whitey. Macht über weite Strecken Spaß, aber es kann passieren, dass man nach der letzten Seite dasitzt und gemeinsam mit Larry vor sich hin murmelt: „Ruhe in Frieden du Stück Scheiße!“.

Das sieht Christian Endres, der eines der dämlichsten Vorworte seit langem verfasst hat, allerdings anders. Da schmeißt er unbedarft Stephen King, Richard Laymon, Graham Masterton und Jack Ketchum in einen Topf, weil „man schnell eine Verbindung zu den jeweiligen Protagonisten auf[baut]“. Woraus er schlussfolgert, dass Keenes „erzsympathische“ Hauptfigur Larry für einen Großteil des Gelingens der Story von Kill Whitey zuständig ist. Dabei ist Larry zu Beginn ein Dummschwätzer, der erst im Laufe der Handlung an Sympathie gewinnt, ohne je vollends als Held zu überzeugen. Genau diese Distanz zu seinen Figuren ist aber eine der Stärken des Romans.

Wer sich Kill Whitey zulegt, sollte das himmelhochjauchzende Vorwort erst nach Beendigung des Romans lesen (oder es ganz sein lassen), denn sonst könnte in ihm der Wunsch wachsen das Buch am liebsten ungelesen in die Ecke zu pfeffern. Und das wäre doch schade. Oder nicht?

Ihre Meinung zu »Brian Keene: Kill Whitey«

Buboter zu »Brian Keene: Kill Whitey«29.04.2011
Larry Gibson führt ein ereignisloses, aber auch problemfreies Leben. Er hat Freunde, eine Katze und einen Job. Abends zieht er gerne mal mit seinen drei Freunden los und landet so eines Abends in einem Striplokal namens "Odessa" , dessen Chef der zwielichtige Whitey ist. Larry und seine Freunde genießen die Show, als plötzlich Sondra die Bühne betritt. Ab diesem Moment gerät Larrys beschauliches Leben zunehmend aus den Fugen. Er ist vernarrt in die russische Stripperin und es zieht ihn immer öfter ins "Odessa". Als Larry und sein Freund das Lokal eines Abends verlassen, finden sie Sondra in eine Notsituation auf. Natürlich nimmt sich der gutmütige Larry ihr an und landet so ungewollt und unvermutet mitten im Visier der Russenmafia, allen voran Whitey. Ihm bleibt nur eine Möglichkeit um zu Überleben: Larry muss Whitey zuerst töten.

Als ich "Kill Whitey" zu lesen begonnen habe, war ich bewußt auf der Suche nach einem seichtem, unterhaltenden und unbelastenden Roman. Den hab ich hier zu 100 % gefunden.

Mit Larry hat Brian Keene einen absolut sympathischen Charakter geschaffen. Zumindest ich musste ihn einfach gern haben. Larry ist ein ganz normaler Typ, der in einer Notsituation plötzlich reagieren muss und zur Höchstform aufläuft. Natürlich ist das weit hergeholt und selbstverständlich ist das auch äußerst unrealistisch, aber das ist hier nur Nebensache. Absolut rasant wird der Leser durch das Geschehen regelrecht "durchgeprügelt". Es bleibt kaum Zeit zum Luftholen.

Leider wird die Geschwindigkeit immer wieder von Exkursionen in die russische Geschichte, Gedanken über die gerade laufende Musik oder Debatten über Horrorfilm-Figuren immer wieder ziemlich abrupt aus der Geschichte genommen. Einige dieser Abschweifungen sind für den Fortgang der Story notwendig, aber teilweise einfach schlecht plaziert. Würde an diesen Stellen nicht die Geschichte verlangsamt werden, könnte ich sonst wirklich von einem der schnellsten Romane, die ich je gelesen habe, sprechen.

Keene geizt auch nicht mit Blei, Blut, abgetrennten bzw. neu ausgerichteten Gliedmaßen. In diesem Bereich geht es teilweise durchaus detailliert zu. Wer das mag, wird auch daran viel Freude haben.

Alles in Allem hat mich "Kill Whitey" auf Äußerste gut unterhalten. Oft hatte ich ein Grinsen im Gesicht, welches sich teilweise bis zum lauten Lachen gesteigert hat. Wer durchaus mal auf Anspruch verzichten kann bzw. möchte und "nur" gut unterhalten werden will, kommt hier voll auf seine Kosten. 85°
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Brian Keene: Kill Whitey«22.11.2010
Larry Gibson ist mit sich und seinem Leben weitgehend zufrieden. Ein sicher Job als Lagerarbeiter, eine Handvoll Freunde zum abendlichen Bier..eigentlich ist alles gut.
Doch dann sieht er in einer Bar die der Russenmafia zugeordnet wird, die Stripperin Sondra. Und kann fortan an nichts anderes mehr denken.
Als diese sich dann nach einem weiteren Besuch im Stripclub plötzlich auf der Flucht - und bedingt durch die Umstände- auf Larrys Rückbank wiederfindet, nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Denn der Besitzer des Schuppens, Whitey, hat überhaupt nicht vor Sondra gehen zu lassen. Und Whitey hat Durchhaltevermögen.
Denn Whitey ist...äh...anders ;-).
Nach einem eher beschaulichen Beginn entwickelt sich dieser mit gut 270 Seiten recht knapp gehaltene Roman zu einer echten Splattergranate. Da purzeln die Därme, da werden Gliedmaßen neu ausgerichtet..alles dabei.
Und der eigentlich eher betuliche Larry geht an seine Grenzen.
Sehr unterhaltsam zu lesen - wenn auch etwas vorhersehbar in der Summe.
Nimmt man den Roman allerdings einfach als kurzweiligen Unterhaltungsroman, enttäuscht er zu keiner Zeit.
90%.
4 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexi1000 zu »Brian Keene: Kill Whitey«16.09.2010
Nachdem die meisten hierzulande veröffentlichten Romane von Keene eher in die Zombi/Apokalypse - Ecke abzielten, haben wir es hier auf den ersten Blick mit einem "reinrassigen" Thriller zu tun.
Wie gesagt, auf den ersten Blick...

Wir lernen den Lagerarbeiter Larry und seine Freunde kennen. Larry ist Single, und als er mit seinen Freunden in einem Striplokal aus dem Milieu der Russen - Mafia einkehrt, verliebt er sich in die Stripperin Sondra. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf...

Das erste Drittel wird (meiner Meinung nach) etwas mit zu vielen Besuchen in besagtem Etablissement "vergeudet"; nachdem aber eines Tages die Stripperin auf einmal unter seinem Auto Schutz gesucht hat, und Larry Sie mit zu sich nach Hause nimmt, entspinnt sich auf einmal eine Rasanz, die wahrscheinlich auch bewusst so konträr zum Einstieg steht...

Sondra auf den Fersen ist nämlich Whitey höchstpersönlich: Chef der Russen - Mafia und: hier webt dann Keene auch eine gewisse Komponente ein, so das es letztlich doch noch fast ein typischer Keene wird.

Die Verfolgung wird über die kommende Länge so dynamisch geschildert, das man selber kaum Zeit bekommt Luft zu holen; der Splattergehalt steigert sich dann nebenbei noch dermassen ins groteske, das ich mehrmals lauthals auflachen musste. (Schade, das ich den Film Staplerfahrer Klaus mal gesehen habe, sonst hätte ich DAS Vergnügen überhaupt erlebt...).
Mehrmals kam mir beim Lesen auch eine Verbindung zu Rex Miller, der ja auch schon öfter eine "fast" unzerstörbare Killermaschiene auf die Leserschaft losgelassen hat in den Sinn...aber hier kommt zum Schluss alles ganz anders...

ein großes Manko: für 270 Seiten eindeutig als gebundenes zu teuer (Leser die sich bei Keene nicht ganz sicher sind dürfen auf' s Taschenbuch warten).
Mir hats letztendlich doch gut gefallen....vergebe 90°.
6 von 11 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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