Krampus von Brom

Buchvorstellungund Rezension

Krampus von Brom

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Krampus: The Yule Lord“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 504 Seiten.ISBN 3-426-65334-6.Übersetzung ins Deutsche von Jakob Schmidt.

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In Kürze:

Einst war Krampus der gefeierte Herr des heidnischen Julfestes. Bis zu dem Tag, an dem er einem Komplott des Nikolaus zum Opfer fiel. Entmachtet und in eine dunkle Höhle in der neuen Welt ver­­bannt, musste Krampus mit ansehen, wie der Nikolaus das Weihnachtsfest zum Jahres­höhepunkt im Dezember erhob. Doch seine Zeit der Gefangenschaft neigt sich dem Ende zu. Denn dem mittellosen ­Musiker ­Jesse ist zufällig der Schlüssel zu Krampus’ Freiheit in die Hände gefallen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Sankt Nikolaus war kein guter Junge“85

Fantasy-Rezension von Andreas Kurth

Krampus ist ein Nordeuropäer – derzeit ist er jedoch tief in einer Höhle unter einer Berglandschaft auf dem nordamerikanischen Kontinent angekettet. Verantwortlich dafür ist Sankt Nikolaus – der eigentlich ganz anders heißt. Aber das erfährt Jesse erst im Laufe der Zeit. Zunächst wird er Zeuge der Auseinandersetzung zwischen merkwürdigen Wesen, die sich um einen mysteriösen Sack streiten, und dabei mit Schlitten durch die Luft flitzen. Als Jesse erfährt, dass es sich um den Weihnachtssack handelt, steckt er bereits mitten drin in der Auseinandersetzung zwischen Krampus, dem Herrn der Julzeit, und Sankt Nikolaus. Der Kampf um die Vorherrschaft in den Köpfen der Menschen wird mit brutaler Härte geführt, und der zunächst naive, später eher clevere Jesse muss sich entscheiden, ob er Krampus, in dessen Hände er gefallen ist, auch unterstützen will.

Mit Krampus hat Brom vier Jahre nach dem Erscheinen von „Der Kinderdieb“ seinen zweiten Roman vorgelegt. Und wie das Erstlingswerk ist dieses Buch ein phantastisches Werk im besten Sinne des Wortes. Beim Kinderdieb hat der Autor die Geschichte von Peter Pan neu verarbeitet, und dabei etliche Elemente aus der Artus-Sage eingeflochten. Bei „Krampus“ geht es um den Patron des heidnischen Julfestes, der sich im Buch einen harten Kampf mit Sankt Nikolaus liefert – der hier auch etwas anders als gewohnt dargestellt wird. Wie bei Peter Pan und Artus ist es hilfreich, wenn man ein klein wenig von den Themen kennt, die Brom hier zu einer lesenswerten und spannenden Geschichte verarbeitet hat. Aber auch wenn das nicht der Fall ist, wird im Laufe der Lektüre schnell deutlich, worum es geht.

Krampus war ein gefeierter heidnischer Gott, bis er einem Komplott des Mannes zum Opfer fiel, den die Menschen als Sankt Nikolaus verehren. Er wurde entmachtet und in einer Höhle angekettet. Anhand der Berichte seiner Getreuen musste er verfolgen, wie Nikolaus das Weihnachtsfest zum Höhepunkt des Jahres für die Menschen machte. Nicht zuletzt durch die Zufälle, in die Jesse verwickelt wird, kommt Krampus wieder frei, und sinnt auf Rache an seinem Widersacher.

Die Hauptfiguren dieses Romans sind recht unterschiedlich ausgeprägt. Krampus ist ein gnadenloses und brutales Wesen, dabei aber auch von seiner Mission durchdrungen, den Menschen auf seine Art Freunde zu bereiten. Ihm geht es darum, mit dem Julfest daran zu erinnern, dass die Erde nicht grenzenlos ausgeplündert werden darf, sondern von den Menschen auch gepflegt werden muss. Wenn man den Bogen ganz weit spannen will, könnte man Krampus als eine Art fehlgeleiteten Öko-Terroristen bezeichnen, der Gutes bewirken will, aber bei der Wahl seiner Mittel deutlich über das Ziel hinaus schießt.

Jesse ist ein gutmütiger Typ, den man landläufig als typischen Loser bezeichnen würde. Getrennt von Frau und Tochter lebt er in einer Wohnwagen-Siedlung, wie sie in den USA weit verbreitet sind. Gedacht war das Ganze als Übergangslösung, aber Jesse bekommt es einfach nicht hin, sich mit seinem musikalischen Talent endlich auf den Weg zu machen und Geld zu verdienen. Irgendwie bekommt er sein ganzes Leben nicht in den Griff, obwohl er sich das oft genug vornimmt. Er steht in ständigem Konflikt mit der Polizei, und für die örtlichen Drogen-Händler ist er nicht mehr als ein nützlicher Laufbursche. Dabei bekommt er oft genug Abreibungen verpasst – aber lösen kann er sich aus diesem Umfeld auch nicht. Und nun stolpert er förmlich in die Auseinandersetzung zwischen den Getreuen des Weihnachtsmannes und des Herren der Julzeit hinein. Bis er kapiert hat, um was es hier wirklich geht, steckt er bis über beide Ohren in der Sache mit drin, und hat kaum noch die Wahl, wie er sich verhalten will. Am Ende muss er sich dann aber doch entscheiden – auch um sein Leben und das seiner Familie nicht völlig gegen die Wand zu fahren. Jesse ist insgesamt ein sympathischer Typ, und der Leser leidet schnell mit und drückt die Daumen, dass die ganze Sache für ihn doch gut ausgehen möge.

Der Weihnachtsmann – hier Sankt Nikolaus genannt – wird in dem Roman gründlich entzaubert. Er hat einen höchst irdischen Namen, und hat sich den Sack, aus dem er die Geschenke für die Kinder herauszaubert, nur widerrechtlich angeeignet. Aber er steht in der Gunst von Gott, die ihn ein ums andere Mal rettet und immer wieder unterstützt. In der Tat ist Gott im Roman von Brom weiblich – ohne dass sich hieraus weitere Folgerungen ergeben. Die Sympathien des Autors – und irgendwann auch der meisten Leser – dürften bei Krampus liegen. Er ist zwar brutal und herrschsüchtig, aber Sankt Nikolaus ist ganz gewiss kein Typ, den man wirklich gern haben würde. Gegenüber dem Herrn der Julzeit bleibt der Weihnachtsmann auch eher unscheinbar. Die Lebensfreude, die Krampus versprüht, ist da schon etwas ganz anders.

Mit seiner bunten und doch teilweise brutalen Schilderung der Ereignisse macht der Autor deutlich, dass es viele mögliche Interpretationen der Figur des Weihnachtsmannes, aber auch des heidnischen Gottes gibt. Die Ausgangssituation für die tödliche Feindschaft von Krampus und Sankt Nikolaus verlegt der Autor in vorchristliche Zeit, wer mehr über die Hintergründe wissen will, muss sich der Lektüre der so genannten Asenlegende widmen. Am Ende des Buches wird in einem kurzen Anhang einiges erklärt, aber es bleibt genug Raum für eigene Recherchen – so es denn gewünscht ist.

Man kann das Buch aber auch ganz einfach als fantastische Geschichte lesen, die inhaltlich einige Anspielungen und Themen zu bieten hat. Unter anderem geht es um das anrührende Schicksal von Jesse und seiner Familie, es geht darum, welche Bedeutung der Glaube für Menschen hat oder haben kann. Und es geht um die Situation in einer amerikanischen Kleinstadt, in der Ganoven und Polizei gemeinsam das Sagen haben. Gekrönt wird die liebevoll gestaltete Ausgabe des Romans von den Illustrationen, die allesamt aus der Feder von Brom höchstpersönlich stammen. Dieses Buch, das man gerne mehrfach zur Hand nehmen kann, wird so zur Zierde vieler Bücherregale werden – nicht nur bei eingefleischten Fantasy- oder Horror-Fans.

Andreas Kurth im September 2013

 

Ihre Meinung zu »Brom: Krampus«

Yoorro zu »Brom: Krampus«11.09.2013
Ich habe das Buch innerhalb zweier Tage gelesen und bin echt begeistert. Erstmal vorweg, es ist besser als der Kinderdieb. Viel besser geschrieben und eine dichtere Atmosphähre. Es passiert viel und es wird nie langweilig. Zur Handlung muss ich nichts sagen, hat der Herr droben ja schon gemacht. Zur Mitte des Buches hatte ich Bedenken was dann weiter zu meiner Unterhaltung da noch kommen sollte. Krampus hatte da schon sein Etappenziel erreicht. Aber Brom läßt einen nicht im Stich und unterhält weiter vorzüglich. Die beiden Erzählstränge um Jesse und seinen Problemen und Krampus eigenen wird schön verwoben und zu einem Ende geführt. Da bleiben keine Fragen offen. Mein liebstes Kapitel ist die Nummer 16. Es ist herrlich und genau so sollte es auch im wirklichen leben sein. Das man die Wirkung draußen sehen kann fand ich sehr passend. Ich mache hier echt nur Andeutungen da ich keinem den Spass an dem Buch vorweg nehmen möchte. Eine einzige Frage beschäftigt mich: ist das Buch zur falschen Zeit erschienen? Vielleicht wäre es besser gewesen das Buch im Dezember zu bringen. Die eigene Stimmung könnte dem Buch noch mehr Tiefe und Glauben bringen. Wer weißer Schrecken von Finn mochte, wird dieses Buch lieben. Ich hoffe das Buch findet noch genug Leser und ist bis Weihnachten nicht schon wieder aus den Geschäften verschwunden.
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