Der Untergang der Stadt Passau von Carl Amery

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Der Untergang der Stadt Passau von Carl Amery

Originalausgabe erschienen 1975, 160 Seiten.ISBN 3896820869.

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In Kürze:

Ein Teil (der Männer, die die Seuche überlebt haben) versuchen – wie der „;Scheff“; von Passau, die Rosenheimer oder die Ungarn – auf ganz unterschiedliche Weise, sich den Umständen anzupassen und zu überleben. Und als Kaplan Egid seine Chronik „;Die Großtaten durch das Volk der Rosmer“; beginnt, und vom Jahre 131 Post pestilenziam (das ist Anno Domini 2112) berichtet, zeigt sich, dass die Geschichte der Menschheit bereits wieder in vollem Gang ist.

Ihre Meinung zu »Carl Amery: Der Untergang der Stadt Passau«

J.C.Feinbein zu »Carl Amery: Der Untergang der Stadt Passau«01.05.2015
Amerys Buch "Der Untergang der Stadt Passau" hab ich vor ca 30 Jahren als alter SF-Fan gelesen.Es ist eines der ganz wenigen deutschen SF-stories mit Sog, Stringenz und visueller Glaubwürdigkeit. Amerys Werk braucht keinen Vergleich mit anglo-amerikanischen Büchern zu scheuen.Leider ist es viel zu wenig berkannt
J.C.Feinbein
Beverly zu »Carl Amery: Der Untergang der Stadt Passau«02.05.2012
"Der Untergang der Stadt Passau" ist ein lesenswerter Roman über den Zusammenbruch unserer Zivilisation, der allerdings einige Fragen offen lässt.
Carl Amery verzichtet auf Krachbumm, Naturkatastrophen und Krieg, um die Welt, in der wir leben, verschwinden zu lassen. Eine ominöse Seuche besorgt das Ende und damit fangen die Probleme an:

1. Nach allem, was ich über Epidemien weiß, scheint ein mieses Leben mit Kälte, Hunger, Stress und anderen die Abwehrkräfte schwächenden Faktoren unabdingbare Voraussetzung zu sein, damit ein Erreger die große Mehrheit der von ihm befallenen Population töten kann.
Eine Mikrobe, die fast alle gut genährten, in Wärme und Wohlstand lebenden Mitteleuropäer dahinrafft, scheint mir ebenso ein Fabelwesen zu sein wie Einhörner oder Drachen. Auch Krankheitserreger sind der Logik der Evolution unterworfen und wollen sich im Grunde nur vermehren. Dass sie dabei Menschen töten, ist ein schlimmer Effekt ihrer Evolution, aber nicht ihr Sinn und Zweck. Im Gegenteil: eine im Menschen lebende Mikrobe, die innerhalb kurzer Zeit fast alle Menschen tötet, alldiweil die Überlebenden immun gegen sie werden und ihr Immunsystem den gefährlichen Erreger exterminiert, entzieht sich selbst die Lebensgrundlage.
Bleibt noch die Möglichkeit eines künstlich geschaffenen Erregers. Der ist nicht der Logik der Evolution unterworfen, aber der Logik von Wissenschaft und Technik, die seine Erschaffung ermöglichen. Dass jemand aus dem Nichts eine Superkullermikrobe kreiren und mit ihr fast die ganze Menschheit töten kann, ohne Spuren zu hinterlassen, scheint mir sehr weit hergeholt.

2. Selbst, wenn man sich mit der gruseligen Vorstellung eines Erregers abfindet, 99 Prozent der Menschen tötet, so würden in Europa noch einige Millionen Menschen überleben. Die wären durch den Tod fast all ihrer Angehörigen und Freunde traumatisiert, hätten aber im Verhältnis zu ihrer geringen Bevölkerungszahl riesige Ressourcen zur Verfügung. Nichts würde sie daran hindern, weiterhin die Errungeschaften der technischen Zivilisation zu nutzen, weil überall weit mehr Fabriken, Kraftwerke, Bibliotheken, Kaufhäuser etc. herumstehen, als noch gebraucht werden.

Der Absturz in eine vortechnische Zivilisation ist weder notwendig noch wünschenswert. Meines Erachtens hat Carl Amery einige Lehren aus der europäischen Geschichte nicht verstanden.

Vor 2000 Jahren etablierten die Römer schon einmal eine Hochkultur, die in vielen an die Zivilisation der Moderne erinnert. Die Römer waren habgierig, in Dingen wie den Gladiatorenkämpfen vulgär, sie überfielen andere Völker, liquidierten ihre Konkurrenten (Karthago), ihr System nützte nur einer Minderheit und in der Kaiserzeit führte es zu politischer, geistiger und wissenschaftlicher Stagnation. Über Jahrhunderte konnten die Römer mit straffer, vielleicht genialer Organisation die Schwächen ihres Systems kompensieren, doch im fünften Jahrhundert brach ihr Imperium zusammen.
Damals spielten sich in Europa Szenen ab, wie sie Carl Amery in "Der Untergang der Stadt Passau" wiederholt: die Zivilisation lag in Trümmern, die einen passten sich den neuen Verhältnissen an, die anderen trauerten der glorreichen Vergangenheit nach. Aus den Fehlern der Vergangenheit lernten sie nicht, im Gegenteil!
Von Byzantinern, Kalifen und Karolingern bis zu den 1776 entstandenen USA, die sich wie das Rom vor den Kaisern "Republik" nannten, einen "Senat" zu ihrer wichtigsten Entscheidungsinstanz machten und bis 1865 Sklaven hielten, ahmten etliche Reiche und Imperien die Römer nach. Die Araber entwickelten dabei wenigstens das Wissen der Antike weiter, alldiweil mitteleuropäische Barbarenfürsten, die sich "Kaiser" nannten, damit eigentlich nur peinlich waren.

Das Szenatio in "Der Untergang der Stadt Passau" entspricht ungefähr der Situation in Europa im fünften und sechsten Jahrhundert. Nach und nach gehen die letzten Reste der Zivilisation unter, doch was kommt dann? In der realen Geschichte hat sich gut dreihundert Jahre nach dem Ende Westroms ein Barbarenfürst zum Kaiser krönen lassen. Selbst so ein schonungsloser Analytiker wie Macchiavelli, der es eigentlich hätte besser wissen müssen, trauerte noch dem Glanz Roms nach.

In der Neuauflage des Mittelalters, wie sie Carl Amery schildert, würde mit Sicherheit Vergleichbares geschehen. Die Menschen, die ohne elektrisches Licht, Traktoren, Kunstdünger, Impfstoffe, moderne Medizin Hunger, Kälte und Krankheiten ausgeliefert wären, würden die untergegangene technische Zivilisation verklären. Um Legitimation zu erlangen, würden sich ihre Herrscher als Erneuerer dieser Zivilisation ausgeben. Und hatten nicht die Altvorderen ganz wunderbare Tötungsinstrumente, mit denen man dem Raubritter auf dem Hügel nebenan mitsamt seiner Burg ins Jenseits pusten könnte?
Aus den Fehlern der technischen Zivilisation würden zukünftige Barbaren ebensowenig Lehren ziehen wie die vergangenen Barbaren Lehren aus den Fehlern der Römer gezogen haben. Ja, die Geschichte ist in "Der Untergang der Stadt Passau" wieder in Gang gekommen - nur würden in ihr die gleichen oder noch schlimmere Fehler gemacht werden als in den 1500 Jahren nach dem Untergang Roms.

Fazit: "Der Untergang der Stadt Passau" ist ein spannend geschriebener Roman. Er gehört aber zu den Werken in der Science Fiction, die sich für mich nach gründlicher Analyse ihres Kontextes und ihrer Konsequenzen als dystopisch erwiesen haben.
Glanegger zu »Carl Amery: Der Untergang der Stadt Passau«19.09.2007
Was der Autor sagen oder schildern will, erschließt sich dem Leser nicht ohne weiteres. Dazu trägt die verballhornte bäuerliche Sprache der Vertreter der Naturalwirtschaft einerseits (Rosenheimer), aber auch jene der Passauer bei, die sich mit den kärglichen Überbleibseln der Zivilisation ihr städtisches Leben erhalten wollen. Hinzukommt, dass mehrer Zeitschichten miteinander verbunden werden.
Man sollte die Sekundärliteratur vor dem Werk lesen, um den Blick zu schärfen.
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