Der Fürst des Nebels von

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1993unter dem Titel „El principe de la niebla“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 300 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Carlos Ruiz Zafóns legendärer erster Roman – neu übersetzt und fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Ein frühes Meisterstück dieses begnadeten Erzählers. In »Der Fürst des Nebels« fliehen Max und seine Familie vor dem tobenden Krieg. Ein altes Haus am Meer verheißt Frieden und Sicherheit. Doch schon bald legt sich ein dunkler Schatten über den Zufluchtsort, als Max erfährt, dass der Sohn der ehemaligen Bewohner unter mysteriösen Umständen ertrunken ist. Eine geheimnisvolle Macht bedroht nun auch das Leben seiner Familie. Als er mit seinem neuen Freund Roland zum Wrack der Orpheus taucht, kann Max förmlich fühlen, wie etwas Schreckliches in der Tiefe lauert. Gibt es eine Verbindung zum finsteren »Fürst des Nebels«, von dem der Leuchtturmwärter erzählt? Und hat der ihnen wirklich alles gesagt?
Als Max erkennt, welch grauenvolle Gefahr wirklich droht, hat sich bereits ein Sturm zusammengebraut: etwas lange Totgeglaubtes erhebt sein Haupt und macht sich auf die Jagd.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Nebel des Grauens“80

Horror-Rezension von Almut Oetjen

Im Sommer 1943 zieht die Familie des Uhrmachers Maximilian Carver in ein kleines, idyllisches Dorf am Meer, um die düstere Stadt und den Krieg hinter sich zu lassen. Die Kinder, der dreizehnjährige Max, die achtjährige Irina und die fünfzehnjährige Alicia, haben keine Zeit, sich von ihren Freunden zu verabschieden. Nach einer dreistündigen Zugfahrt erreichen sie ihr neues Heim, ein großes, am Strand gelegenes Haus aus Holz, das der Chirurg Dr. Fleischmann 1924 als Sommerresidenz für sich und seine Frau Eva erbaute. Als ihr sechsjähriger Sohn Jacob 1932 ertrank und Dr. Fleischmann nur Monate darauf starb, verzog seine Frau. Seitdem stand das Haus zum Verkauf.

Max und Alicia finden in dem faszinierenden Roland einen neuen Freund. Roland, der nach dem Tod seiner Eltern von dem alten Leuchtturmwärter Victor Kray adoptiert wurde und im September eingezogen werden soll. Er taucht mit Max zu dem Wrack des Schiffs Orpheus, das 1918 im Sturm an den Klippen zerschellte. Die gesamte Besatzung verschwand spurlos, nur der Ingenieur überlebte, Victor Kray. Aus Dankbarkeit für sein Überleben blieb er im Dorf und erbaute 1919 den Leuchtturm.

Von Anfang an spürt Max, dass in dem Ort etwas Unheimliches vorgeht. Die Bahnhofsuhr läuft rückwärts, die streunende Katze, die Irina mit nach Hause nimmt, verhält sich feindselig. Die Skulpturen in dem verwilderten Garten hinter dem Haus scheinen zu leben, das Symbol am Tor des Gartens ist identisch mit dem auf der Flagge des Schiffswracks.

Max will das Geheimnis enthüllen. Dazu muss er zurück in die Vergangenheit und die Wahrheit über den mysteriösen Tod des kleinen Jacob und den Untergang der Orpheus herausfinden. Der Leuchtturmwärter kennt die Wahrheit. Doch der erzählt ihm immer neue, abenteuerlichere Geschichten. Was ist dran an dem „Fürst des Nebels“, einem bösen Magier, der den Menschen für eine hohe Gegenleistung jeden Wunsch erfüllen kann und Victor Kray angeblich seit dessen Jugendzeit verfolgt?

Die Situation spitzt sich zu, als der Nebelfürst sich zeigt. Max muss das Geheimnis lüften, um den teuflischen Plan des Fürsten zu verhindern. Aber er ist ganz allein auf sich gestellt und die Zeit läuft ab.

Die Welt der Gefahr

„Der Fürst des Nebels“ spielt in einem nicht genannten Land, das aber anhand der Namen und geographischen Angaben als Großbritannien identifizierbar ist, vermutlich spielt die Handlung an der Küste Cornwalls. Es ist das Kriegsjahr 1943, England steht vor einer Invasionsgefahr durch die Nazis. Doch für den Protagonisten Max ist der Krieg so weit entfernt, als existiere er gar nicht. Deshalb ist er über den Umzug auch nicht erleichtert, sondern beklagt ihn, weil er die Trennung von seinen Freunden bedeutet. Aber statt der drohenden Gefahr des Krieges zu entfliehen und Sicherheit zu finden, wird er mit einer neuen Gefahr konfrontiert, der er sich zwar stellt, die er aber nicht meistern kann.

Max ist nicht mehr Kind und noch kein Erwachsener. Er lernt, dass die Idylle eines Dorfes, das in seiner Ruhe und Überschaubarkeit an eine Spielzeugeisenbahn erinnert, nur eine Scheinidylle sein kann. Erwachsene lügen, um ihre Kinder zu schützen, doch Eltern sind nicht in der Lage, ihre Kinder vor allem zu beschützen, weil es stärkere, mächtigere Kräfte gibt, wie den Krieg oder den Nebelfürsten. Max betrachtet seinen Vater mit liebevoller, aber kritischer Distanz, durchschaut nicht nur dessen Strategien und Manöver, der Familie Zuversicht und Vertrauen einzuflößen, sondern wendet sie bereits selbst erfolgreich, so wenn er Alicia trösten oder beruhigen will.

Daneben wird Max zum ersten Mal mit der Liebe konfrontiert, nicht am eigenen Leibe, aber durch Alicia, denn zwischen Roland und ihr entspinnt sich eine erste zarte Beziehung. Das stürzt Max anfangs in ein Gewirr aus Eifersucht und Neugier, doch als er sieht, wie glücklich Alicia ist, überwindet er seinen kindlichen Eigennutz und fühlt sich ihr und Roland noch enger verbunden und erwachsener. Die Gestaltung der Kinder und ihrer Beziehungen ist durchweg überzeugend.

Das Grundmotiv von Zafóns Schauerroman liefert das Märchen „Rumpelstilzchen“, ein weiteres wichtiges Motiv stammt aus dem Mythos „Der Fliegende Holländer“. Am stärksten erinnert der Roman jedoch an John Carpenters Horrorfilm „Der Nebel des Grauens“, der ebenfalls von einem in der Vergangenheit geschlossenen und gebrochenen Pakt handelt, der bis in die Gegenwart hinein wirkt; auch ein Leuchtturm und ein mysteriöser Nebel sind wichtige Motive des Films.

Weitere typische Schauermotive, die Verwendung finden, sind der Zirkus und der Jahrmarkt, Clowns und Wahrsager, die das Unerklärliche und Unheimliche symbolisieren und im Gegensatz zu der Welt der Vernunft und Ordnung stehen, aus der Max kommt.

„Der Fürst des Nebels“ ist ein spannend erzählter Kurzroman, der Jugendliche adressiert, aber auch von Erwachsenen gelesen werden kann, die gut geschriebene Geschichten mögen. Allerdings weist die Geschichte ein logisches Problem auf, dessen nähere Ausführung jedoch zu viel verraten und damit die Spannung nehmen würde.

Ihre Meinung zu »Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Nebels«

jenvo82 zu »Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Nebels«23.06.2014
Dieser Roman lebt von sprachlich schönen Bildern, von subtilen Gefühlsregungen und mystischen Begebenheiten. Ein simples Konzept eingebettet in eine phantastische Geschichte. Für die Erzählung genügen dem Autor drei Protagonisten und der Fürst des Nebels, ein gruseliger Schauplatz unter dem Meer und eine alte Hütte am Strand. Die Spannung und der Nervenkitzel bauen sich zunehmend durch Vorahnungen des Lesers auf, so dass ein regelrechtes Kopfkino entsteht, welchem man sich auf relativ kurzen 270 Seiten kaum entziehen kann. Fazit: Das Erstlingswerk von Carlos Ruiz Zafon vermag mich ebenso zu fesseln wie seine Folgeromane – lesenswert!
jana zu »Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Nebels«21.04.2011
Ich habe das Buch gelesen und fand es sehr spannend und misteriös. Allerdings sollte das Buch erst mit 12 Jahren gelesen werden. Carlos Ruiz Zafón ist ein guter Autor der in seinen Büchern das geschriebene wie Bilder aussehen lässt und ist dahin so spannend das ich es an einem Tag gelesen hatte und am Nächsten Tag mir gleich den nächsten teil gekauft habe.
Stefan83 zu »Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Nebels«31.05.2010
Das Jugendbücher durchaus auch Erwachsene zu unterhalten wissen, haben bereits mehrere Schriftsteller eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Trotzdem blieb ich, Späteinsteiger in das schöne Hobby Lesen, dieser Büchersparte lange Zeit fern, aus Angst davor, beim Kauf einen Griff ins Klo zu tätigen und auf flache, uninspirierte Geschichten zu stoßen. Als mich nun aber die Neuigkeit erreichte, dass Carlos Ruiz Zafón, Autor des beeindruckenden Meisterwerks „Der Schatten des Windes“, ebenfalls in diesem Genre gewildert und ganze drei Werke beigesteuert hat, war es dann mit der Zurückhaltung vorbei. Mit „Der Fürst des Nebels“ und „Der dunkle Wächter“ wanderten sofort zwei der Titel gleich ins Regal, von denen Ersterer allerdings, und das sei für etwaige Leser nebenbei noch warnend bemerkt, bereits im Jahre 1996 bei dtv als deutsche Taschenbuchausgabe erschienen ist. Jetzt liegt der Debütroman des weltweit (völlig zurecht) gefeierten Autors in einer neuen Übersetzung als Hardcoverausgabe vor. Gemeinsam mit dem bereits erschienenen „Der dunkle Wächter“ und dem für Herbst 2010 angekündigten Buch „Der Mitternachtspalast“ bildet das Werk die sogenannte „Nebel“-Trilogie (Inhaltlich sind diese drei Titel jedoch völlig voneinander unabhängig und können deshalb ruhig in beliebiger Reihenfolge gelesen werden). Schnell zur Story von „Der Fürst des Nebels“:

England, Sommer 1943. Im vierten Jahr des Zweiten Weltkriegs zieht die Familie des Uhrmachers und Tüftlers Maximilian Carver aus der Stadt in ein kleines, idyllisches Fischerdorf am Meer, um die verheerenden Auswirkungen des Bombenkriegs hinter sich zu lassen. Unter den drei Kindern befindet sich auch der dreizehnjährige Max, der von der Aussicht all seine Freunde zu verlassen, alles andere als begeistert ist. Auch der Rest der Familie zeigt sich eher zurückhaltend, was sich auch beim Anblick ihres neuen, direkt am Strand gelegenen Hauses, nicht ändert. Die ehemalige Sommerresidenz des Chirurgen Dr. Fleischmann macht einen eher düsteren Eindruck und es hat ganz den Anschein, als hätte man die Schrecken des Krieges gegen ein viel subtileres Grauen eingetauscht, denn nicht nur die zugelaufene Katze von Max' kleiner Schwester Irina benimmt sich äußerst merkwürdig. Zudem hütet das Haus ein Geheimnis: Vor vielen Jahren ist hier unter mysteriösen Umständen der Sohn der Fleischmanns, ein Junge namens Jacob, ertrunken, worauf der Doktor wenige Monate später starb und seine Frau verzog. Einige der Hinterlassenschaften kündigen jedoch noch von den vorherigen Bewohnern. Im Schuppen findet Max das alte Fahrrad Jacobs. Und sein Vater stöbert ein paar alte Filme auf, die immer wieder in mehreren Einstellungen Aufnahmen des nahe liegenden Skulpturengartens zeigen. Als Max diesen selber aufsucht, stellt er zu seinem Entsetzen fest, dass sich die Gesichter der abgebildeten Zirkustruppe verändern und ein sich ausbreitender Nebel nach ihm zu greifen scheint.

Max beschließt daraufhin mehr über die Vergangenheit der Fleischmanns herauszufinden, wobei ihm Roland, sein neuer Freund und Enkel des Leuchtturmwärters, von unschätzbarer Hilfe ist. Gemeinsam tauchen sie vor der Küste zum Wrack des gesunkenen Frachters „Orpheus“, dessen im dunklen Wasser wehende Flagge das gleiche Symbol abbildet, wie die versteinerten Skulpturen hinter dem Haus. Gibt es vielleicht einen Zusammenhang? Bedroht ein Schrecken aus der Vergangenheit das kleine Dorf? Wer ist der geheimnisvolle Fürst des Nebels, von dem Rolands Großvater nicht zu sprechen wagt? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, muss Max tief schürfen … nur um schließlich festzustellen, dass die Zeit unweigerlich abläuft.

Sicher, es ist ein Jugendbuch. Und ja, mit gerade mal 270 Seiten nicht allzu lang. Und trotz allem zeigt sich bereits in diesem Debütwerk von Carlos Ruiz Zafón, welch begnadeter Schriftsteller er ist. „Der Fürst des Nebels“ trumpft mit einer Sprachgewalt aus, die man bei vergleichbaren Büchern wohl lange vergeblich suchen wird. Bereits nach wenigen Zeilen nimmt die Geschichte von Max und seiner Familie gefangen, führt sie den Leser in die dunklen Zeiten des Zweiten Weltkrieges zurück und fängt die Hoffnungslosigkeit dieser Epoche auf. Ein geheimnisvoller Steingarten, ein im Nebel liegendes Mausoleum, rückwärts laufende Uhren, im Dunkeln leuchtende Katzenaugen. Das alles erinnert ein wenig an die Schauergeschichten des 19. Jahrhunderts und den Großmeister Edgar Allan Poe. Vielleicht ein Grund, weswegen ich sofort Feuer und Flamme für dieses Buch war, das mich mit seiner herrlich gruseligen Atmosphäre aufs Beste unterhalten hat. Und selbst bei der Zeichnung der Figuren hat Zafón ein gutes Händchen bewiesen. Max, seine große Schwester Alicia und der ungestüme Roland sind alles andere als naive Jünglinge, sondern sehr humorvolle und schlagfertige Teenager, an deren Seite man sich gerne aufhält.

Weiteres Plus des Romans: Die stimmungsvollen und bildreichen Beschreibungen des Autors. Zafón zeigt sich hier als literarischer Maler, der unweigerlich die Fantasie des Lesers anregt, was letztlich dann sogar vergessen macht, dass bereits nach so wenigen Seiten schon wieder Schluss ist. Potenzial für einen Ausbau der unheimlich spannenden Geschichte um den Fürst des Nebels wäre, allein aufgrund der vielen Erzählansätze, sicher vorhanden gewesen. Da sich das Buch aber in erster Linie an die jüngere Leserschaft richtet, ist das ein von mir empfundener Mangel, dem man ihm nicht wirklich vorwerfen kann. „Jung“ sollte allerdings älter als 12 Jahre sein. Die vom Verlag angegebene Altersschwelle ist angesichts des sehr subtilen, psychologischen Grauens etwas zu niedrig gewählt.

Insgesamt ist „Der Fürst des Nebels“ ein herrlich schauriges Detektivspiel mit Fantasy-Anleihen, das mit viel Fantasie, sympathischen Figuren und seiner schummrigen Atmosphäre äußerst gut unterhält. Eine Empfehlung für Jung UND Alt, die mir aufgrund des etwas anderen Endes länger im Gedächtnis bleiben wird. Ich freue mich auf „Der dunkle Wächter“.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Molli zu »Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Nebels«24.05.2010
Ich habe das Buch gerade zu Ende gelesen. Es hat mir zwar gefallen, doch ich war mir vorallem zum Schluss hin sicher, das Buch viel früher schon einmal gelesen zu haben - ein Ding des Unmöglichen, wenn man dem deutschen Copyright von 2010 glaubt. Deshalb habe ich auch bis zum Ende weiter gelesen. Bei einer Google-Suche bin ich dann allerdings tatsächlich auf eine dtv Pocket-Ausgabe dieses Buches von 1996 gestoßen und habe das Titelbild auch gleich wieder erkannt. Ich finde das irgendwie geschummelt und ärgere mich. In der Zeit hätte ich lieber ein anderes Buch lesen sollen, das ich noch nicht kenne.
Tempe zu »Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Nebels«24.05.2010
Für mich war der Fürst des Nebels mit der Hauptfigur Max einfach atemberaubend.
In diesem Buch steckt soviel Mystery und Fantasie dahinter und ein klein wenig Grusselfaktor, das ich es in einem Tag gelesen habe.
Ich werde mir sofort den 2 Teil zu gemüte ziehen und hoffe doch sehr das es mich auch in eine andere Welt mit nimmt.

Mein Fazit ; 97°
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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