The Spirit Lens von Carol Berg

Buchvorstellungund Rezension

The Spirit Lens von Carol Berg

Originalausgabe erschienen 2010, 496 Seiten.ISBN 0451463730.

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In Kürze:

Reduced to tending the library at Sabria’s last collegia magica, Portier de Savin-Duplais, failed student of magic, fights off despair with scholarship. But when the King of Sabria charges him to investigate an attempted murder that has disturbing magical resonances, Portier believes his dreams of a greater destiny might at last be fulfilled.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Spannendes Who dunnit? als Auftakt zu einer gelungenen Trilogie“;84

Fantasy-Rezension von Julia Tambor

The Spirit Lens ist der erste Band der Collegia Magica – Reihe, deren dritter und letzter Band, The Daemon Prism, 2012 erschienen ist. Die Reihe ist bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden, weshalb sich diese Rezension auf das englische Original bezieht. Das Königreich Sabria befindet sich im Aufbruch in ein neues, aufgeklärtes Zeitalter, in dem Naturwissenschaften und Technik eine immer wichtigere Rolle spielen. Magie wird von den Fortschrittlichen gern als Illusion belächelt, wenn nicht gar als Betrug an den Leichtgläubigen geschmäht, deren simpler Aberglaube an die Wirksamkeit von Talismanen und Amuletten von Trickbetrügern ausgenutzt wird.

Ein Anschlag soll verhindert werden

König Philippe gehört zu den Verfechtern des Fortschritts, kommt aber nachdem auf ihn ein Mordanschlag versucht wurde und bisher nicht aufgeklärt werden konnte, auf seinen entfernten Cousin, Portier de Savin Duplais, zu. Er bietet ihm die Aufgabe an, als agente confide das Attentat aufzuklären und eine befürchtete Wiederholung am bald anstehenden Jahrestag des fehlgeschlagenen Anschlags zu verhindern. Die Leiche des Attentäters und die bei ihm gefundenen Artefakte lassen nämlich befürchten, dass Magie im Spiel ist und zwar von der schlimmen Sorte, von der seit den über ein Jahrhundert zurückliegenden Blutkriegen nichts mehr zu hören war. Die Aufklärung des Anschlags gestaltet sich nicht zuletzt aber deshalb extrem schwierig, weil der einzige Hinweis, der kaum als konkret zu bezeichnen ist, auf die Königin Eugenie weist. Der Haussegen hängt, soweit man dem Klatsch und Tratsch Glauben schenken darf, ohnehin schief, die Königin lässt eine Befragung ihrer Hausmagier nicht zu und bevor es zu einem öffentlichen Eklat kommt, will König Philippe die Angelegenheit diskret aufklären.

Im Auftrag des Königs – der ahnungslose Akademiker

Portier de Savin Duplais ist ein gescheiterter Magier, der an der letzten verbliebenen Collegia Magica des Landes eine jahrelange Ausbildung absolviert hatte, um sich letztlich eingestehen zu müssen, über keine magischen Fähigkeiten zu verfügen. Als König Philippe ihn zu sich ruft, um ihm die Aufgabe des agente confide zu übertragen, war er schon seit Jahren als Bibliothekar in der Fakultät angestellt und hatte bereits jede Hoffnung aufgegeben, eine wie auch immer geartete größere Rolle in der Welt zu spielen.

Der schwatzhafte Depp

Der König hat Portier für seinen Auftrag den Halbbruder der Königin, Chevalier Ilario de Sylvae, zur Seite gestellt. Ilario soll als allseits bekannter Höfling im Gefolge der Königin Portier Zugang zu Hofe verschaffen, treibt aber Portier mit seiner idiotischen Geckenhaftigkeit schier in den Wahnsinn, was zu einigen höchst amüsanten Szenen führt.

Der cholerische Meistermagier

Für die Aufklärung des Attentats wird natürlich auch ein fähiger Magier gebraucht. Dante, ein Magier exsanguin, also nicht zu den registrierten Familien magischen Blutes gehörend, tauchte aus dem Nichts auf, unterzog sich der Prüfung durch die Collegia Magica und wurde von den fassungslosen Magiern der Camarilla als Meistermagier zugelassen, nur um sich ohne Umschweife in einer abgeschiedenen Gegend auf dem Lande niederzulassen. Dante hat nichts für die von ihm verachteten Aristos übrig und lässt sich von Portier nur durch das Rätsel der magischen Artefakte, die beim Attentäter gefunden wurden, zur Mitarbeit überreden. Dante ist aufbrausend, schroff und unhöflich, hat keinerlei Manieren und jagt bald dem gesamten höfischen Gefolge eine Heidenangst ein.

Spannende Handlung und ausdrucksstarker Stil

The Spirit Lens fordert vom Leser einiges, um den weitreichenden Verwicklungen am Hofe bei der Jagd nach dem Auftraggeber des Mordanschlags zu folgen. Nebenher baut die Autorin eindeutig fleißig an der Rahmenhandlung, die sich über die ganze Reihe zieht, ohne dass der Leser die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt schon verstehen oder das große Ganze auch nur näher erahnen könnte.

Die sprachliche Umsetzung ist originell und so dicht, dass die Autorin eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Carol Berg gelingt es in bisher jedem ihrer Bücher unverwechselbare Charaktere, unglaublich ausgefeilte und komplexe Magiesysteme mit ihren jeweils einzigartigen Glaubenskonzepten zu entwerfen. Allein die Leidensfähigkeit ihrer Hauptcharaktere wird häufig arg strapaziert, obwohl das nun gerade auf „The Spirit Lens“ nicht zutrifft. Portier, Ilario und Dante sind individuell und lebensecht herausgearbeitet und haben alle ihre ganz persönlichen Geheimnisse und Bürden.

Zugegeben, das Interesse an der Aufklärung des Attentats besteht nicht etwa deshalb, weil man um König Philippe bangt. Nein, dieser taucht kaum auf und ist auch kein großer Sympathieträger. Auch die hauptverdächtige Königin Eugenie bleibt seltsam leblos, so dass man schnell das Interesse an der Handlung verlieren könnte, wenn nicht das ungleiche Trio die Aufmerksamkeit des Lesers allein fesseln könnte.
Eigentümlich war zudem, dass der Aufhänger des Buches, das Attentat, zwar von Portier vordergründig aufgeklärt wird, aber dabei so viele offene Fragen bleiben, dass das leicht frustrierend wird. Es wird aber im Laufe des zweiten Bandes „The Soul Mirror“ schnell klar, warum hier der Schnitt gemacht wurde und die Geschehnisse des Folgebandes nehmen noch einmal einiges an Tempo und Spannung auf.

Empfehlenswerte weithin unbekannte Autorin

Carol Berg ist eine etablierte Autorin und schreibt ausgereifte, wohl durchdachte Fantasy. Kaum zu glauben, dass nicht auch ihre neueren Bücher in Deutschland durch eine Übersetzung einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Auch wenn The Spirit Lens nicht ihr bisher bestes Buch ist, ist es ein starker Auftakt zu einer großartigen Serie und daher lohnenswert. Wer lieber erst einmal in eines ihrer Bücher reinlesen will, ohne sich gleich an eine Trilogie zu machen, dem sei das 2003 erschienene Song of the Beast empfohlen. Lesern, die Bücher auch im englischen Original gern lesen, sei Carol Berg als hierzulande noch kaum bekannte Autorin auf jeden Fall ans Herz gelegt.

 

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