Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman

Buchvorstellungund Rezension

Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Dark Orbit“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 450 Seiten.ISBN 3959811500.Übersetzung ins Deutsche von Markus Maeurer.

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In Kürze:

Die Nebula- und Hugo-Award-nominierte Ca- rolyn Ives Gilman präsentiert einen fesselnden Roman über Begegnungen mit fremden Spezies, Geheimnissen und Mord.

Berichte über einen neuen, bewohnbaren Planeten haben die Zwanzig Planeten der menschlichen Zi- vilisation erreicht. Für die Erkundung dieser Welt wird eine Gruppe von Wissenschaftlern zusammenstellt. Nach der Ankunft findet sich das Team auf einem kristallinen Planeten wieder, der vor Dunkler Materie nur so strotzt. Plötzlich wird eine von ihnen ermordet …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Willkommen auf einer glaubwürdig fremden Welt“93

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Die Menschheit hat sich in All ausgebreitet. In der zweiten Diaspora hat man zwanzig Planeten besiedelt, doch sucht man weiteren Wohnraum für die Menschheit. Dabei hofft man auf die unbemannten Expeditionsschiffe, die die erste menschliche Hochkultur baute und vor Jahrhunderten ausgesandt hat. Immer, wenn eines dieser Schiffe eine vielversprechende Welt findet kommt ein Signal, und eine Expedition macht sich per Lichtrahltransmitter auf den Weg.

Für die in atomare Informationen aufgelösten Reisenden vergehen bis zur Ankunft nur Sekunden, für die Daheimgebliebenen aber verstreicht für ein jedes Lichtjahr ein Jahr reale Zeit. Die Reisenden sind eine ganz eigene Gemeinschaft. Losgelöst von der Zeit haben sie nur sich, von familiären Ereignissen und Tragödien erfahren sie nur per verzögerungsfreiem Funk.

Die Exo-Ethnologin Saraswati Calicot gehört zu diesem, nur auf den ersten Blick elitären Kreis. Als sie die Chance bekommt, sich um Thora, eine als merkwürdig verschrieene Frau zu überwachen einer Expedition anzuschließen, die einen neu entdeckten Planeten untersuchen soll, greift sie die Chance mit beiden Händen.

Kaum auf dem Erkundungsschiff, der Escher angekommen, erschüttert ein Mord die kleine Gemeinschaft. Sie findet eine Leiche, deren Kopf fehlt. Die Suche nach dem Täter führt zur ersten Konfrontation mit dem Sicherheitschef Dagan Atlabatlow der sie mit seiner Art zur Weißglut treibt. Sara kommt aus einer Gesellschaft, in der die persönliche Freiheit über allem steht, in der man Autorität hinterfragt, ja sich darüber lächerlich macht, während der Sicherheitschef einem Umfeld entstammt, das die innigste Beziehung zwischen Menschen darin zu sieht, dass der Eine der Jäger, der Andere die Beute ist. Als sie gemeinsam mit den ersten Wissenschaftlern und Thora auf dem Regenbogenplaneten Iris landet ahnt sie nicht, was sie dort finden werden.

Zunächst stoßen sie auf eine gänzlich fremde Flora und Fauna, sofern diese Begriffe hier überhaupt zutreffen. Andere Dimensionen manifestieren sich, Raumspalten öffnen sich zu einer Welt aus dunkler Materie. Was zunächst wie ein Wald aus Spiegelbäumen und messerscharfe Aluiniumgräser aussieht, erweist sich als dimensionale Verwerfung. Als Thora verschwindet beginnt die verzweifelte Suche. Dass die Verschollene tief unter der Planetenoberfläche auf vor Generationen hier gestrandete Menschen trifft ist dabei bei weitem nicht das Besonderste – können diese doch ihre Umgebung bewillen – eine Fähigkeit, die zeitloses Reisen und beileibe nicht nur dies bedeuten würde …

Ein bunter Strauß voller Ideen, glaubwürdiger Gestalten und faszinierender Frauenfiguren

Was ist die für ein Buch, das meines Erachtens ganz zurecht für den Hugo und den Nebula Award nominiert wurde? Es geht um zwei sehr starke, dabei ganz unterschiedliche Frauenfiguren. Es geht aber auch um gesellschaftliche Entwicklungen, um Vertrauen, Missgunst, um Schwäche und um einen Planeten, der sich endlich einmal anders präsentiert, als gewohnt. Gerade dieser Sense of Wonder, der nach der recht kurzen Einführung in die Welt den Leser fast auf jeder Seite erwartet, trägt zur Faszination des Plots bei. Hier begegnen wir endlich einmal frischen, innovativen Ideen, hier wirkt das Fremde sowohl auf dem Regenbogenplaneten wie auch in den dort lebenden Menschen überzeugend anders.

Immer wieder wird Gilman mit Ursula K. LeGuin verglichen, ein Vergleich, der durchaus trifft. Ähnlich wie die Großmeisterin fokussiert sie sich auf ihre Figuren, beschreibt diese ebenso glaubwürdig wie interessant, setzt Idee auf Idee und präsentiert uns einen Erstkontaktroman mit einer glaubwürdig fremden Kultur.

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