Der Ganymed-Club von Charles Sheffield

Buchvorstellungund Rezension

Der Ganymed-Club von Charles Sheffield

Originalausgabe erschienen 1995unter dem Titel „The Ganymede Club“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 368 Seiten.ISBN 3-404-24385-4.Übersetzung ins Deutsche von Ulf Ritgen.

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In Kürze:

Der Große Krieg ist vorüber. Auf den Welten erholen sich die überlebenden Menschen nur mühsam von den schlimmen Folgen. Lola Belman ist Therapeutin auf Ganymed. Eines Tages kommt ein seltsamer Patient zu ihr. Bald stellt sich heraus: Seine Vergangenheit ist ein einziges Geheimnis. Als Lola dem Mann helfen will, stellt sie schon bald fest, dass eine gefährliche Geheimorganisation sie um jeden Preis davon abhalten will. Denn der Mann hat grausame Dinge erlebt. Dinge, die um keinen Preis bekannt werden dürfen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein sympathischer und mitreißender Thriller“83

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Science-Fiction-Altmeister Charles Sheffield erlag im Jahre 2002 seinem Krebsleiden. Mit dem im Original 1995 erschienenen „Der Ganymed-Club“ erreicht nun ein weiterer Roman aus Sheffields „Dunklem Universum“ den deutschen Leser.

Falschen Erinnerungen auf der Spur

Mitte des 21. Jahrhunderts hat die Menschheit beinahe das gesamte Sonnensystem besiedelt. Vom Mond ihres Heimatplaneten über die Monde von Saturn und Jupiter sind die Menschen bis zum fernen Asteroidengürtel vorgedrungen. Nachdem die Kolonien Schritt für Schritt wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangt haben, kommt es zu Spannungen. Wie schon oft in der Geschichte entfremden sich die Kolonien zusehends von ihrer ehemaligen Heimat, der Erde. So kommt es, wie es kommen muss: Ein Krieg entbrennt und bringt bisher nicht gekannte Zerstörung über das Sonnensystem.

Lola und ihr Bruder Augustus, von allen Spook genannt, sind Waisen des Großen Krieges. Nur mit viel Glück konnten sie vor Jahren der Zerstörung ihrer Heimat entkommen. Heute leben sie auf dem Jupitermond Ganymed. Während Lola sich eine Existenz als Therapeutin aufbaut, muss sie zudem für ihren jüngeren Bruder sorgen. Alles scheint für die beiden in halbwegs geregelten Bahnen zu verlaufen. Das ändert sich, als eines Tages Bryce Sonnenberg in Lolas Praxis auftaucht. Beunruhigende Aussetzer machen dem jungen Mann zu schaffen. Bei der Behandlung stellt sich heraus, dass Sonnenberg über eine offensichtlich reale Erinnerung verfügt, die er gar nicht haben dürfte. Damit rufen Lola und ihr Patient eine Gruppe rücksichtsloser Menschen auf den Plan: „Den Ganymed-Club“. Ein Killer wird auf alle Mitwissenden angesetzt, denn der Ganymed-Club birgt ein Geheimnis, für das die Menschheit noch lange nicht bereit ist.

Thrilleraufbau und Denksport

Wichtigste handelnde Personen sind Lola, ihr Bruder, Bryce Sonnenberg und Bat, ein jugendliches Wunderkind auf Ganymed. Gemeinsam treten sie gegen Jeffrey Cayuga, ein Mitglied des mysteriösen Ganymed-Clubs und den auf Lola angesetzten Profikiller an. Auf den ersten Seiten bietet der Autor einen kleinen Rückblick auf Ereignisse vor und während des „Großen Krieges“, die politischen Verhältnisse sind im weiteren Verlauf jedoch nur am Rande wichtig. In erster Linie handelt das Buch von der Entdeckung Lolas und dem Kampf gegen den Ganymed-Club. Ein klassischer SF-Thriller.

Sheffield beschreibt seine Kulissen meist sparsam. Auch naturwissenschaftlich-technischen Fachjargon findet man bei ihm wenig. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Figuren, sie sind durchweg menschlich und sympathisch beschrieben. Wie auch bei Larry Niven sind die Gedankengänge der Charaktere komplex und intellektuell. Immer wieder blitzt dazwischen aber auch der Humor des Autors auf. So ist „Der Ganymed-Club“ kein trocken-ernster Thriller. Sheffield schafft den Spagat zwischen lockerer Erzählung und einem spannungsgeladenen Aufbau ohne Schwierigkeiten. Zugute kommt dem Roman auch, dass Sheffield über Dinge schreiben kann, mit denen er sich als studierter Mathematiker und Physiker bestens auskennt: Mathematische Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Reiz von intellektuellen Rätseln.

Die Szenenwechsel und Zeitsprünge der ersten Kapitel lassen noch auf einen eher zerfahrenen Roman schließen. Gezielte Effekthascherei durch einen geheimnisvollen Mord und den mysteriösen „Ganymed-Club“ muss der Autor sich auch vorwerfen lassen, dies rutscht jedoch nie in allzu platte Klischees ab. Gekonnt werden die Handlungsebenen miteinander verstrickt und führen über einige Wendungen zu einem nervenaufreibenden Finale. Ein durch und durch gelungener Thriller von einem der großen amerikanischen SF-Autoren.

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