Dämonentor von Charles Stross

Buchvorstellungund Rezension

Dämonentor von Charles Stross

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „The Atrocity Archives“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 480 Seiten.ISBN 3-453-52313-X.Übersetzung ins Deutsche von Mechthild Barth.

»Dämonentor« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

London, Sonderabteilung des Geheimdienstes zum Schutz der unwissenden Menschheit vor okkulten Übergriffen: Bob Howard ist ein einfacher Angestellter – da wird er überraschend zum Agenten befördert. Nun liegt es an ihm, die Welt vor dunklen Mächten zu retten, die durch Dimensionstore in unsere Welt gekommen sind und deren Machenschaften weit in die Vergangenheit zurückreichen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Lovecraft und der Palmpilot“92

Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

Stross schlägt wieder zu. Erst schreibt er gleich drei visionäre Science-Fiction-Romane und einen knackigen Hi-Tech-Thriller, dann eine Science-Fantasy-Trilogie. Nun mixt er virtuos Cyberpunk-Gimmicks mit Lovecraft-Horror und parodistischen Spionage-Elementen, und beweist damit erneut, dass bei ihm nichts aus den Schubladen für schematische Default-Mystery kommt.

Bevor sich das „Dämonentor“ öffnet und Sprösslinge des Cthulhu ihren Weg auf die Erde finden, präsentiert Stross Alan Turing, den Vater der modernen Kryptographie, als Entdecker desselben. Mit seiner interdimensionalen Formel, dem „Turin-Lovecraft-Theorem“, hat er einen Weg in die Dimensionen der „Großen Alten“ gefunden, den Göttern des Lovecraft-Universums. Damit zumindest auf unserer Seite des Dämonentors alles einigermaßen unter Kontrolle bleibt, halten die Regierungen der westlichen Welt die monströse Gleichung unter Verschluss. Das britische Exekutiv-Organ zur Überwachung und Bekämpfung von unlauterem Gebrauch des Theorems trägt den schönen Namen „Wäscherei“.

Auftritt Bob Howard: Der Computer-Geek und Mathematiker knackt zufällig die Cthulhu-Formel und wird prompt von der Wäscherei zwangsrekrutiert, damit er sein Wissen für die Agentur einsetzen kann. Denkt er jedenfalls am Anfang. Was ihn allerdings hinter den mit Flüchen verriegelten Türen des Geister-Geheimdienstes erwartet, ist ein langweiliger IT-Job und eine überbordende Bürokratie aus Arbeitszeitkonten, Formularen und Anträgen sowie Weiterbildungs-Seminaren.

Howard übt sich allerdings in passivem Widerstand und stolpert im ersten Teil des Buches prompt in einen unglaublichen Fall: Nazis der Ahnenerbe-SS, die seit Kriegsende in einem Parallel-Universum leben, planen mit irdischen Terroristen die Götterdämmerung, die Lovecrafts furchtbare Götter auf die Erde loslässt. Doch bevor der Geek-Bond die Welt rettet, reiten die Amtsschimmel der Wäscherei noch ein paar administrative Attacken auf ihn. Seinen Palmpilot mit digitalisierten Flüchen kann er dabei leider nicht einsetzen.

Das zweite Abenteuer ist ein satirischer Frontalangriff auf die britische Total-Überwachungswut. Es geht los mit Kühen aus Beton, von denen aus sich Bob Howard, mittlerweile im Außendienst, zu antiken griechischen Mythen und Geheimdienstprotokollen aus viktorianischen Tagen recherchiert. Schließlich kommt er einer gigantischen Hacker-Verschwörung auf die Spur, die nicht nur das öffentliche Leben tödlich bedroht, sondern auch seinen Chef.

Begründer eines neuen Subgenres?

In der vorletzten Ausgabe des amerikanischen Magazins „Weird Tales“ sagt George R. R. Martin, dass „Magie ihre magischen Eigenschaften verliert, wenn aus ihr nur eine Art Alternativ-Wissenschaft wird“. Charles Stross entzaubert Dämonologie, Flüche und Mythen, indem er sie auf Formeln reduziert, Verwünschungen digitalisiert und sie somit berechenbar macht. Für Vertreter der reinen Lehre mag das verwerflich sein, doch wer auf der Suche nach wirklich origineller Unterhaltung ist, sollte dieses Buch lesen.

In „Dämonentor“ streut Stross derart viele Genre-Konzepte aus, dass es nur so brummt: Er vermengt antike Mythologie mit Techno-Gimmicks, Nazi-Verschwörungen (sehr beliebt bei den Briten) mit dem Lovecraft-Universum, Spionage-Plots mit Dilbert-ähnlicher Bürokratie. Wie das funktioniert? Nun, die Klammer heißt Humor. Die Mischung aus so gegensätzlichen Ingredienzen wie „Men in Black“, „James Bond“ und Tom Holts Fantasy-Satiren ist an sich bereits komisch und spannend zugleich. Stross würzt das Ganze zusätzlich mit der Idee, dass die Kontrolle der Lovecraft’schen Dämonen nur eine Frage der richtigen (pseudo-)wissenschaftlichen Formel und Archivierung ist.

Die Dialoge über Budgets und Überstunden zwischen Bob Howard und seiner Abteilungsleiterin treiben jedem Büromenschen Lachtränen in die Augen, die Recherchen in den „Archiven des Grauens“ stimmen mehr als nachdenklich und die Actionszenen sind wahre Pageturner. Mühe- und nahtlos hält Stross diese Komponenten beisammen, er zeigt, wie aus der Synthese von H. P. Lovecrafts und Ian Flemings Ideen zusammen mit Dilbert-Humor und Computer-Gimmicks etwas völlig neues wird: Mysterypunk.

Ihre Meinung zu »Charles Stross: Dämonentor«

Martin Zessin zu »Charles Stross: Dämonentor«15.12.2007
xxx auf den Heyne Klappentext. Das hier ist ein Horror/Spy Crossover mit schwärzestem britischem Humor.

Lovecraft+LenDeighton+Pinky&Brain+Hacker Humor= Buch des Jahres

Die deutsche Fassung ist leider politisch korrekt - oder ahem unwissend- übersetzt-
" Gene Police- You, get out off the pool!"
als Kommentar auf den Tod eine Kollegen, ist halt nicht: " er ist tot, das tut mir leid.
Dafür gibts Hiebe mit einem neunschwänzigen LART ( Google.....)
Vielleicht kann Mr.Angleton den Übersetzer noch auf seiner Newton Schaukel unterbringen(oops...)

100% für "Atrocity Archives"
70% für "Das Dämonentor"
Ihr Kommentar zu Dämonentor

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.