Halting State von Charles Stross

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Halting State, , 352 Seiten. ISBN 1841496944.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine Extrapolation der Gegenwart“ 90

Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

Phishing, Spam, Trojaner – alles digitaler Schnee von gestern. In seinem neuen Roman „;Halting State“ zeigt Charles Stross, wie die Internetkriminalität von morgen aussieht: Orks und Drachen überfallen Banken in Online-Rollenspielen.

Im Kern Thriller, drumherum Science Fiction: So ließe sich „;Halting State“ knapp beschreiben. Den MMPORG-Banküberfall anfangs ernst zu nehmen, fällt schwer, zu sehr rückt Stross Akteure und Handlung in die Nähe des ironisch-absurden. Nach und nach jedoch wird klar, dass die marodierenden Bankräuber sehr reale Verbindungen in den Meatspace besitzen und ihr Verbrechen, dass eigentlich nur der Eingriff in eine Datenbank war, überraschende bis gefährliche Folgen hat.

Erzählt wird die Geschichte aus den Blickwinkeln der drei Hauptfiguren: Elaine Barnaby, eine gerichtliche Buchprüferin, deren Hobbies Schwertkampf und Alternate Reality Games sind und die bestellt wurde, etwaige Akten-Anomalien bei der beraubten IT-Firma Hayek Associates zu prüfen; Jack Reed, ein Computerspiel-Entwickler, eingestellt von Elaines Firma, den Gaming-Aspekt des Verbrechens zu analysieren; Sue Smith, Polizeisergeant im Edinburgh des seit zwölf Jahren unabhängigen Schottland. Sie alle werden durch die Ereignisse, die auf den virtuellen Bankraub folgen, zusammengeführt.

Anfangs recht anstrengend, weil ungewöhnlich, ist die Erzählperspektive aus der 2. Person Singular. Doch daran gewöhnt man sich schnell, nach wenigen Seiten schon hat man das Gefühl, selbst mitten in einem Spiel zu stecken. Stross versteht es dabei hervorragend, die Absurdität des Ork-Überfalls mit der Ernsthaftigkeit des Gaming-Geschäfts auszubalancieren. Was anfangs ulkig wirkt, hat in Stross‘ Zukunft eine sehr handfeste Komponente: Je mehr Leute spielen, desto mehr Geld steckt in den MMPORGs; Stross‘ Blicke auf die ökonomischen Aspekte der Spieleindustrie haben analytischen Charakter.

Auch Near-Future-Spekulationen der Geschichte erscheinen sehr detailliert und plausibel. Charles Stross ist ein Autor, der über ein breites sowie tiefes Wissen über Computertechnologie verfügt und auch ihre Nutzer kennt. Beispielsweise das Echtzeit-Daten- und Überwachungssystem „;CopSpace“, auf das Polizisten per Datenbrille zugreifen können – ein Traum für den bundesdeutschen Innenminister. Auch für Nicht-Experten lohnt sich deshalb die Lektüre.

„;Halting State“ ist deshalb nicht nur ein SF-Thriller, der intelligente und stimulierende Unterhaltung auf hohem Niveau bietet. Er ist auch eine glaubhafte Vision der nahen Zukunft. Oder eine Extrapolation der Gegenwart?

 

Ihre Meinung zu »Charles Stross: Halting State«

Karsten Fischer zu »Charles Stross: Halting State« 31.10.2008
Erinnert sich noch jemand an die Textadventures? Zork und so? Oder gebe ich hiermit mein Alter ohne jede Not preis? Einerlei, die Erzählweise erinnert an diese älteren Spiele, denn ganz genau wie diese hält einen die Geschichte gefangen, bis hin zur letzten Seite. Es ist eine wunderbare Erzählung. Spannend bis zur Nägelabkaugrenze.
Die Grenzen der Wirklichkeit und der virtuellen Welt vermischen sich, oftmals scheint das reale Leben nur eine Stufe auf der gesellschaftlichen Entwicklung hin zur grenzenlosen virtuellen Realität. Mehr als einmal stellt sich dem Leser die Frage: welche Realität ist erstrebenswerter?
Im Umfeld dieser Vielfalt an Wirklichkeiten spielt sich ein Bankraub ab - in einer virtuellen Spielwelt. Doch dieser Bankraub ist eben nur die Spitze des Eisbergs, an dessen Basis es um die globale wirtschaftliche Vorherrschaft geht.
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