Das Blut von Brooklyn von Charlie Huston

Buchvorstellungund Rezension

Das Blut von Brooklyn von Charlie Huston

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „Half the Blood of Brooklyn“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 318 Seiten.ISBN 3-453-43418-8.Übersetzung ins Deutsche von Kristof Kurz.

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In Kürze:

Privatdetektiv Joe Pitt steht seit einem Jahr in den Diensten von Terry Bird und seinem Clan, der Society. Als Mann fürs Grobe beseitigt er für Terry unliebsame Konkurrenten. Doch irgendetwas scheint sich in der Unterwelt von New York zusammenzubrauen und auch auf Manhattan überzugreifen. Die Spur führt nach Brooklyn …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein Buch wie eine sehr starke Bloody Mary“85

Horror-Rezension von Verena Wolf

Joe Pitt lebt immer noch. Allerdings gehen seine Untoten-Kollegen auch diesmal nicht zimperlich mit ihm um und untertauchen wird immer schwerer. Denn was die meisten Menschen nicht ahnen: Die „Insel“ ist längst unter den verschiedenen Gangs der Vampyre aufgeteilt, die sich mit Y schreiben, da sie ein Vyrus zu dem macht, was sie sind. Dieses geteilte Wissen macht allerdings ihr Zusammenleben keinen Deut einfacher.

Die Vampire Manhattans wollen Brooklyn

Bis wörtlich aufs Blut bekriegen sich die Society, Bulls and Bears, die Koalition, Hood, die Enklave und die anderen Splittergruppen, die nicht unterschätzt werden sollten. Und obwohl sich Joe Pitt offiziell wieder seinem ältesten Freund Terry und dessen Vampyrclan, der Society angeschlossen hat, besser geht es ihm deswegen nicht. Er gerät wieder zwischen alle Fronten, als er den Auftrag bekommt nach Brooklyn zu gehen und dort im Auftrag der Society einige Dinge zu klären. Außerdem scheint ein Vampyrjäger, ein „Van Helsing“ sein Unwesen zu treiben. Aber Joe Pitt ahnt früh, dass das nur vorgetäuscht ist und politische Fäden im Hintergrund gezogen werden. Denn die Insel wird zu eng. Die verschiedenen Gangs interessieren sich mehr und mehr für Brooklyn, die Stimmung ist aufgeladen wie vor einem Gewitter. Außerdem geht es Pitts Freundin Evie immer schlechter. Sie ist aidskrank und die Krankheit ist nicht nur ausgebrochen, sondern frisst sie bei lebendigem Leibe, trotz Chemo und Tabletten. Immer öfter spielt Joe mit dem Gedanken, sie mit seinem Vyrus zu infizieren, sie so zwar auch zu einer Untoten zu machen, aber sie so von ihrer Krankheit zu heilen. Das ist jedoch gegen jedes Gesetz und der Ausgang ungewiss. Dann macht Daniel, der Oberguru der Enklave Joe das Angebot, ihm mitzuteilen, ob Evie überhaupt eine Chance hätte, ewiges Leben durch den Vyrus zu bekommen. Und dann entgleist einfach alles.

Düster und brutal

Auch dieses Buch ist nichts für Zartbesaitete. Die Sprache ist hart, direkt, ohne Federlesen. Brillant ins Deutsche übertragen von Kristof Kurz steht sie dem englischen Original nicht nach. Die Handlung ist noch härter. Nur ein Vampyr kann solche Tage voller Schläge, Schlachten, Gewalt und Verrat überstehen. Und von diesen Tagen gibt es hier verdammt viele zu überleben. Aber das macht es gerade so großartig. Die Charaktere sind alle schon bekannt und handeln so, wie sie eben handeln. Aber was anderes, Hand aufs blutige Herz, will man gar nicht. Wie depressive Schwedenkrimis oder hoffnungslose Endzeitfilme haben diese Joe-Pitt-Bücher ihre Gesetze und ihren eigenen Stil. Das Blut von Brooklyn ist konsequenterweise ein Italo-Western in bester Film-Noir-Tradition. Man möchte dieses finstere, ständig dunkle Manhattan der Gangs gar nicht mehr verlassen.

Joe geht seinen harten Weg

Joe Pitt liegt am Boden, seine Feinde – oder Freunde – das geht ineinander über, stehen drohend über ihn. Und dann, wenn sie und der Leser denken, jetzt, jetzt hält er endlich einmal die Fresse, er hat genug, gibt er wieder einen Kommentar ab und kassiert dafür. Aber Joe Pitt gibt trotzdem nie nach. Er rappelt sich auf, humpelt durch die Tür und macht weiter. Er bleibt sich treu. Das macht die Atmosphäre in dem Buch aus. Gnade gibt es nicht, Freundlichkeit, Nachsicht und Wärme auch nicht. Aber das gibt es schließlich zu Hauf in Heimatfilmen und jeder Merci-Werbung. Zwischen diesen Buchdeckeln hat das nichts verloren. Hier gibt es nur schwarz und rot, getrunken wird wie in russischen Hinterzimmern und gekämpft als ginge es immer um alles. Was für Joe Pitt sogar stimmt. Es ist mondäner, düsterer Brutalkitsch, ein bisschen trashig, aber verdammt gut.

Der letzte Satz lautet: „Und während ich in die Bronx fahre, träume ich von Feuer und Liebe und dem Blut meiner Feinde.“

Damit ist alles gesagt, oder?

Ihre Meinung zu »Charlie Huston: Das Blut von Brooklyn«

Sonny zu »Charlie Huston: Das Blut von Brooklyn«20.05.2009
Für mich wieder eine kleine Steigerung seiner Reihe.
Es macht schlicht Spaß zu lesen, wie Joe, der ja eigentlich unabhängig sein will, immer wieder zwischen die Fronten gerät und ordentlich auf die Fre... kriegt. Austeilen kann er aber eben so gut. Und genau dies ist Hauptbestandteil des Buches. Die „Story“ dient mal wieder nur als Rahmenbedingung für ordentlich Action. Schnell, hart, brutal. Dank Huston´s Stil (viele, teils recht witzige Dialoge, häufige Szenenwechsel) wieder ein Buch zum „mal eben weg lesen“.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mase zu »Charlie Huston: Das Blut von Brooklyn«15.05.2009
Im 3. Teil der Joe Pitt Reihe wird kaum noch gebissen und der Begriff „Blutsauger-Literatur“ passt auch nicht.

Es ist eher ein New Yorker Gang Epos. Die verschiedenen Stadtteile sind unter den Vampirclans aufgeteilt und irgendwo gibt es immer Probleme mit der Einhaltung der Grenzen oder Intrigen zwischen den Banden. Wo sich sonst Weisse, Schwarze und Latinos auf die Ohren hauen, sind es hier eben Vampire – bewaffnet mit Pistolen, Baseballschlägern, Pfeilen, Äxten und Messern. Das wars auch schon. Von einem Plot zu sprechen, ist irgendwie überflüssig und ich überlege gerade, ob es überhaupt einen gab.

Ich hoffe der Autor nimmt es mir nicht krumm, wenn ich vor allem diesen Teil als Pulp bezeichne, denn es hat mir gut gefallen, weil ständig etwas passiert. Viele schräge, witzige Dialoge und ständig kommt es irgendwo zu blutigen Kämpfen. Wer die Kneipenschlägerei im Titty Twister in „From dusk till dawn“ in Erinnerung hat, weiss, was hier auf den Leser zukommt.

Ein kurzweiliges sinnfreies Vergnügen. Mehr nicht. Aber ab und an genügt das völlig.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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