Messias-Maschine von Chris Beckett

Buchvorstellungund Rezension

Messias-Maschine von Chris Beckett

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „The Holy Machine“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 320 Seiten.ISBN 3-426-51119-3.Übersetzung ins Deutsche von Jakob Schmidt.

»Messias-Maschine« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Überall auf der Welt werden Wissenschaftler wie Ketzer verfolgt. Wer entkommen kann, flieht nach Illyria, das Mekka der Technik und des Fortschritts. Hier verliebt sich der schüchterne George in die schöne Lucy – eine hochentwickelte Roboterfrau, die keine Gefühle hat. Oder vielleicht doch? Als sich bei Lucy die ersten Anzeichen eines erwachenden Bewusstseins zeigen, weiß George, was geschehen wird: Die Behörden werden wie bei jeder anderen Maschine, die nicht mehr einwandfrei funktioniert, die Festplatte löschen. Ein ganz normaler Routinevorgang – oder doch nichts anderes als Mord? Die einzige Chance, Lucy zu retten, ist die Flucht aus Illyria in die feindliche Außenwelt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine bunte Welt des Grauens“94

Science-Fiction-Rezension von Almut Oetjen

Im 21. Jahrhundert beschleunigte sich die Ablehnung der Wissenschaft und des säkularen Staates, zunehmend breiteten sich reaktionäre Kräfte aus, der religiöse Fundamentalismus gewann an Überzeugungskraft für die Massen und an Macht. Wissenschaftler wurden verfolgt, flohen, bildeten eine Allianz mit Konzernen und gründeten Illyria am Adriatischen Meer. Illyria ist ein Hort der Rationalität und der Wissenschaft. Der Rest der Welt fällt in der Entwicklung zurück. Die meisten Bewohner Illyrias sind Atheisten. Zwar gibt es auch dort Gläubige, aber Religion ist aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die anderen Länder praktizieren ihre jeweiligen Formen radikaler Religiosität und ökonomischer Verelendung der Massen. Illyria ist geschützt durch seine technologische und militärische Überlegenheit, zugleich aber auf Gastarbeiter angewiesen. Diese werden als mögliche Gefährdung angesehen und nach und nach durch Roboter ersetzt. In Illyria wächst zudem eine junge Generation nach, die die früheren Schrecken nicht erlebt hat und sich für die Freiheit der Religion einsetzt.

In Illyria lebt George Simling mit seiner Mutter Ruth. George arbeitet als Übersetzer und führt damit eine im mehrsprachigen Illyria wichtige Tätigkeit aus. Er wird oft in Verhandlungen über Handelsbeziehungen eingesetzt.

George hat Angst vor Frauen und scheut den intensiveren Kontakt zu ihnen. So auch zu Marija, die ihn mag. Sein Privatleben ist weitgehend beschränkt auf Ruth, die es gar nicht schätzt, wenn er sie als seine Mutter ausgibt oder bezeichnet. Übt sie zu Beginn noch eine Teilzeitarbeit als Wissenschaftlerin aus, gibt sie diese später auf, um sich ganz ihrer großen Leidenschaft widmen zu können: dem SenSpace, einer hoch entwickelten Virtuellen Realität.

Als George mit einer Handelsdelegation nach Epiros kommt und beinahe getötet wird, Ruth nach seiner Rückkehr sich kaum noch für ihn interessiert, geht er öfter in ein Bordell und entwickelt eine einseitige fetischistische Beziehung zur Liebesmaschine Lucy.

Die Welt der Fantasie

Der SenSpace ist eine Fantasiewelt, in die man, ausgestattet mit einem speziellen Helm und Anzug, eintaucht. Die Beschaffenheit des Anzugs ermöglicht taktile Erfahrungen. Man kann sich im SenSpace rund um die Uhr aufhalten und sich in einem Mietkörper draußen bewegen – ein wenig wie in dem Film „Matrix“. Ruth ist jedoch darauf angewiesen, dass George sie aus der Vorrichtung holt, in der sie während ihres Aufenthalts im SenSpace physisch untergebracht ist. Andernfalls würde sie dehydrieren oder Wundstellen bekommen. Es gibt eine Holistische Liga, den Bund der Vernunft, eine Art demokratische Unterdrückungsinstitution, und einen Widerstand, der sich AMG nennt – die Armee des Menschlichen Geistes.

Mensch-Maschine-Sex-Liebe-Algorithmen

Das Technologiespektrum in Illyria ist recht weit gefächert. George hat einen Hausdiener namens Charlie, einen alten X3-Roboter mit Gummireifen, für den es kaum noch Ersatzteile gibt. Die am weitesten verbreiteten Roboter sind die Syntecs, sich selbst fortentwickelnde Maschinen mit einem synthetischen Überzug, der ihnen nahezu menschliches Aussehen verleiht. Sie arbeiten im Dienstleistungssektor, auf dem Bau und bei der Polizei, um nur drei Anwendungen zu nennen. Den Stand der Technik repräsentieren die HESVE, Hochentwickelte Sinnliche Vergnügungseinheiten, man könnte auch sagen: Prostitutionsroboter. Sie sind aus nahe liegenden Gründen ausgestattet mit organischer Haut und organischem Geschlechtsteil und äußerlich nicht vom Menschen zu unterscheiden.

Die Maschinen lernen in der Interaktion mit ihrer Umwelt und melden an zuständige Stellen Fehlfunktionen. Sie haben jedoch den Nachteil, dass sie, sobald sie an ihre Entwicklungsgrenze stoßen, sich scheinbar irrational verhalten, ihren Arbeitsplatz verlassen und ins Ausland gehen, wo sie gejagt und zerstört werden. Als eine wachsende Zahl Roboter unzuverlässig wird, Fehler an die Zentrale meldet und den Arbeitsplatz verlässt, fasst die Regierung den Entschluss, jedes halbe Jahr ein Reset vorzunehmen, durch das alle bis dahin erlernten Speicherinhalte verloren gehen. Besorgt um Lucy, will George mit ihr fliehen.

Die Beziehung zwischen George und Lucy ist von Anbeginn zum Scheitern verurteilt. Niemand dürfte ernsthaft glauben, dass der Roboter sich auch in George verliebt. Lucy lernt zwar und liest Bücher, irgendwann nur noch die Bibel. Aber ihre angeblichen Gefühle für George sind nichts anderes als Ergebnis einer intelligenten Form der Programmierung. Wenn George Lucy sagt, sie solle sie selbst sein, dann verliert sich ihr Gesichtsausdruck und sie spricht ohne Modulation.

Lucy ist (auch) ein Ausgangspunkt für die Überlegung, wie sich bei Menschen Gefühle für andere Menschen einstellen. Gibt es tatsächlich die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“, Liebe auf den ersten Blick? Oder handelt es sich dabei um Selbstprogrammierungen, die wir aus welchen Gründen auch immer an uns vornehmen, ohne uns dessen bewusst zu sein?

Ein neues Utopia?

Utopia ist die Vision einer idealen menschlichen Gesellschaft, inhaltlich kaum zu beschreiben, weniger noch, wenn man mehr als eine Person danach fragt. Utopia als geografischer Ort heißt in Becketts Roman Illyria und hat seine Wurzeln im antiken Illyrien Südosteuropas. Es ist zeitweilig ein friedlicher, zugleich aber auch langweiliger Ort für die Menschen, die eigentlich wenig damit anfangen können, friedlich miteinander leben zu sollen.

Als George eine Delegation nach Epiros begleitet, erfährt er, wie sehr die Bewohner Illyrias gehasst werden. Diese Erfahrung und seine Probleme im Alltag führen dazu, dass George sich in Lucy verliebt oder eine obsessive Beziehung zu ihr entwickelt. Lucy scheint sich Fragen zu stellen und über das Leben zu reflektieren. Aber sie ist seelenlos. Für Menschen, die nicht wissen, was eine Seele ist, allenfalls deren Gewicht in der televisionären Maßeinheit Bloch angeben können und fest an ihre Existenz glauben, sind die Maschinen seelenlos. Der Grieche Nikos erzählt einmal eine Geschichte, die sich tatsächlich zugetragen haben soll, eine Geschichte, in der die Vorstellung von Roboter und Vampir verwischt und die Maschine am Ende einen Pfahl in ihr Herz gestoßen bekommt.

„Seit Tausenden von Jahren versucht eure Art, sich selbst zu verbessern, und ihr seid noch immer so böse wie eh und je.“

Beckett zeichnet keine Welt in schwarzweiß. Für ihn sind alle Institutionen und Herrschaftsformen problematisch. Deshalb liegen Unterschiede eher in Individuen denn in Systemen. Der religiös basierte Pfad nutzt die in den Menschen vorhandenen negativen Potenziale, wie Gier, Neid, Hass, Intoleranz, um über Herabwürdigung des Anderen sich aufzuwerten; der vernunftbasierte Pfad benötigt einen längeren Vorlauf, um diese hässlichen Muster wirksam werden zu lassen. Becketts Welt ist eine der zwei Geschwindigkeiten, mit denen sich die Gesellschaften in die gleiche Richtung bewegen.

Vernunft und Gefühl

Beckett scheint in seinem Roman auch der Frage nachzugehen, wie sich Menschen entwickeln, und mit ihnen Gesellschaften, die allein gesteuert werden durch die Ratio oder die Emotio. In der abschließenden Sicht zeigt sich, dass beide Entwicklungen wenig wünschenswerte Ergebnisse zeitigen. Nahe liegt folglich die Annahme, eine gesunde Mischung aus beiden Komponenten würde den Menschen zum Guten gereichen. Wie diese Mischung aussehen könnte, steht vermutlich in einem utopischen Rezeptbuch (oder bei Jane Austen). Einer der interessantesten Charaktere des Romans, Marija, ist intelligent, sensibel, rational und religiös.

Maschine Lucy gewinnt ihre religiöse Sicht aus dem unreflektierten Lesen der Bibel, denkt über ihr angelesenes Wissen im Rahmen der Möglichkeiten nach, die ihr über Software gegeben sind. Es scheint, sie entwickelt eine religiöse Lehre, die die Beschränkungen der Existenz von Mensch und Maschine verbindet mit der beschränkten Wahrnehmung semantisch vielschichtiger Texte und Äußerungen von Menschen – meist Kunden. Heraus kommt das Wunder der sich selbst entwickelnden Maschine, die wir als Substitut für den Menschen ansehen können, den wir nicht begreifen und der uns nicht gefällt.

Nachdem der Mensch sich Gott und die Welt der Engel geschaffen hat, erschafft er die menschenähnliche Maschine. In der soll sich das Beste aus dem misslungenen Experiment Mensch zu etwas Höherem entwickeln. Daraus erwächst manchen Menschen der ideale Partner, anderen der ideale Prophet. Das Absolute ist unerträglich, das Relative nahe daran. Irgendwo dazwischen verhandeln wir täglich neu, wie das Erträgliche aussehen soll oder könnte.

Der blinde Glauben an die Religion und das Gute im Menschen, an die freien Märkte und an die durch Politiker regulierten Märkte, an die Wissenschaft ist nur wenig schlimmer als der Glaube daran, der sich kritisch gibt. Eine Maschine, die attraktiv ist und den Menschen wohlige Phrasen über das Leben und dessen Sinn erzählt, ist den Menschen allemal lieber als, nein, nicht die Wahrheit, sondern Informationen, mit denen sich mehr anfangen ließe. Wer immer nur dünne Bretter bevorzugt, weil die dicken zu schwer sind, darf sich nicht wundern, wenn er häufiger durchbricht. Beckett zeigt uns keine Zukunft, die so eintreten wird. Er zeigt uns eine Gegenwart, die wenig hoffen lässt für die Zukunft, in der man dann doch leben will und muss.

Die Messias-Maschine ist außergewöhnlich gute Science Fiction, vergleichbar einem Schnellboot in der Erzählung, einem Unterseeboot im Tiefgang.

(Almut Oetjen, Juli 2012)

Ihre Meinung zu »Chris Beckett: Messias-Maschine«

Sandra Seckler zu »Chris Beckett: Messias-Maschine«07.08.2015
"Messias-Maschine" ist ein Dystopie-Roman aus der Feder von Chris Beckett.

Zwar mag Illyria auf den ersten Blick wie eine eutopische Gesellschaft wirken, da aber die religiösen Eiferer der umgebenen Staaten ihren Bewohnern jede Freiheit auf eigene Meinung genommen zu haben scheinen und im Laufe des Romans auch immer klarer wird, dass Illyria auf dem besten Wege zu einer dystopischen Gesellschaft ist, ist man mit diesem Begriff hier dennoch völlig richtig.

Die eigentliche Story spannt sich um den Illyrier George, der sich in eine Maschine verliebt, deren Programmierung es ihr erlaubt so etwas wie ein Bewusstsein zu entwickeln. Ganz natürlich zieht man hier Parallelen zu Filmen wie "I-Robot" oder "Der 200 Jahre Mann", doch "Messias-Maschine" ist doch anders. Lucy ist wirklich ein lernendes System und erweitert ihr Verhalten nur entsprechend der Bücher, die sie gelesen hat und der Antworten und Vorgaben, die sie von George erhält. Der Eindruck echter Menschlichkeit ist aber vom Autor wohl auch gar nicht gewollt.

Doch dies ist nicht der einzige Handlungsschauplatz. Parallel zu Georges aufkeimender Liebe, erlebt man auch Georges Mutter, die sich immer weiter im SenSpace verliert, weil sie sich dort sicher fühlt. Dieser Zwiespalt zwischen der Realität, die so bedrohlich für sie wirkt, und der unechten Welt, die ihr Sicherheit verspricht, ist ein wirklich interessanter Aspekt dieser Story. Außerdem ist die Tiefsinnigkeit dieses Strangs, der des Haupthandlungsstrangs mehr als ebenbürtig, auch wenn das Ende dieser kleinen Story recht einfach abzusehen ist.

Allgemein ist "Messias-Maschine" sicherlich keine allzu leichte Kost, zumindest wenn man sich als Leser auch den einen oder anderen Gedanken über die Handlung macht. Es geht um extreme, totalitäre Regime, Fanatismus, Menschsein, die Definition von Leben, Bewusstsein und vieles mehr. Und dies alles versteckt in den vielen Randäußerungen einer relativ banalen Geschichte über die Liebe.

Damit erwartet den Leser eine nachdenkliche futuristische Geschichte, die vielleicht nicht die realistischste Zukunftsvision darstellt, aber doch sehr effektvoll instrumentalisiert wird.
Elwe zu »Chris Beckett: Messias-Maschine«08.07.2014
'Die Messias-Maschine' ist als Buch eine Überraschung - denn die Verpackung weist überhaupt nicht auf das hin, was man dann auch bekommt.
Hier wird viel Philosophisches und klug Gesellschaftskritisches in das Gewand eines Unterhaltungsromans verpackt, während der Klappentext suggeriert, dass wir eine Dystopie mit den typischen Zutaten in der Hand halten: eine postapokalyptische Welt und eine die Handlung dominierende Liebesgeschichte. Und da Liebesgeschichten überwiegnd so funktionieren, dass man sich als Leser mit den Figuren identifizieren oder sie wenigstens anhimmeln kann, ist man von diesem Setting hier zuerst einmal enttäuscht:
George nämlich, der Protagonist, ist wirklich nicht der klassische Held. Im Gegenteil. Er ist ein ganz gewöhnlicher Typ wie Du und ich, vielleicht etwas nerdiger, passiver und weltfremder als die meisten, der Bewohner einer Luxus-Blase, in der nach und nach Roboter die gewöhnlichen Arbeiten übernehmen und in der man kraft Überlegenheit des analytischen Verstands herabblickt auf die rückständigen Kulturen, die sich in religiöse Verwirrungen verlieren. George ist Übersetzer im Stadtstaat Illyrien, einer hochtechnisierten Enklave von Wissenschaft und Technik, die sich nach dem weltweiten Zusammenbruch der bekannten Zivilisationen unter einem Ansturm religiösen Fundamentalismus bildete. Illyrien befindet sich irgendwo auf dem Gebiet des heutigen Griechenland, umringt von kleinen Theokratien, die auf den Stand von vor der industriellen Revolution zurückgefallen sind und sich unablässig über Religionsfragen bekriegen. Die Stadt ist nun, etliche Jahre nach ihre Gründung, bevölkert von Menschen, denen in Ermangelung existentieller Sorgen Realitätsflucht das liebste Hobby geworden ist.
George lebt zusammen mit seiner Mutter, die sich aber den Großteil ihrer Zeit im SenSpace aufhält, einem virtuellen Online-Konstrukt, in dem man mit seinem Avatar lebensechte Erfahrungen in perfekten Welten erlebt, voll-immersiv und mit allen Sinnen an die Maschine angeschlossen. Die Mutter ist schwer traumatisiert, da sie die Wissenschaftler-Verfolgungen noch am eigenen Leib erlebte.
George ist der Prototyp vom naiven, wohlstandsverwöhnten Großstädter ohne echtes Ziel im Leben, der mit einer weltfremden Naivität gegenüber dem Leben außerhalb der privilegierten Blase alles dort romantisiert. Und der vom bösen Erwachen getroffen wird, als er nach draußen tritt. Nichts ist so, wie er es sich vorstellt. Die 'echte' Welt entpuppt sich für ihn einfach nur als gräßliche und unromantische Qual.
Er leidet an Langeweile und hat noch nie ein Date gehabt. Er sucht schließlich käufliche Liebe bei einem Syntec - das sind Roboter, die Menschen täuschend ähnlich sehen und aufgrund ihrer Programmierung perfekt auf ihre jeweiligen Aufgaben abgestimmt sind - und verliebt sich in Lucy, so der Name des Syntec. Als Lucys Generation von Robotern, die mit selbstlernenden Systemen ausgestattet sind, beginnen, ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, verabschiedet der Staat ein Gesetz zu ihrer sechsmonatigen Gedächtnislöschung. Um Lucy vor diesem Schicksal zu bewahren, flieht George mit ihr aus der Stadt - hinaus in eine Welt, die er sich viel romantischer vorgestellt hat, als sie wirklich ist. Die religiösen Menschen außerhalb Illyriens halten Roboter nämlich für Dämonen, deshalb hat er alle Hände voll zu tun, Lucys Identität geheimzuhalten (vor allem, nachdem sie - als Sexroboter - den Leuten beim Tischgespräch alle Nase lang anbietet, sich auszuziehen oder es ihnen mit der Hand zu machen ... woraus sich einige sehr bizarre Situationen ergeben).
Soweit die Ausgangssituation.
Wie schon eingangs gesagt, George ist kein Sympathieträger. Er ist im Grunde feige, wankelmütig, naiv und ein Zivilisations-Weichei. Tatsächlich vereint er eine Menge Eigenschaften auf sich, die man ohne weiteres auf sich selbst oder Freunde und Bekannte anwenden könnte. Er hält einem die eigenen Schwächen schmerzlich deutlich vor Augen, und vielleicht fand ich es deshalb so unangenehm, ihn zu lesen. Es wird einem schnell klar, dass von ihm keine Heldentaten zu erwarten sind, und dass also eine brenzliche Situation sich nur mit Glück entschärfen lässt, oder wahrscheinlich direkt in die Katastrophe führt.
Trotzdem ... trotzdem ist das Buch sehr lesenswert.
Vor allem zum Ende hin tun sich eine Menge interessanter Denkanstöße auf. Vordergründig scheint es um Religion versus Technik zu gehen, aber ich glaube, das ist gar nicht die wichtige Frage. Viel wichtiger fand ich zum Beispiel das Thema der wohlstandsverwöhnten Realitätsflucht, über das ich weiter oben schon einmal geschrieben habe. Oder eine Erkenntnis am Ende, über die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung, die George und seine Mutter von der Welt haben: Er, der monatelang durch die verlumpten Outskirts außerhalb Illyriens getourt ist, ist fasziniert von der Schönheit und Makellosigkeit der Menschen in Illyria. Sie dagegen, die sich im SenSpace aufgehalten wird, in dem es nur makellose Schönheit gibt, denkt, wie plump und ungelenk die Leute sich in Wahrheit doch bewegen, und wie häßlich echte Menschen sind. Und dem gegenüber steht die Wahrnehmung eines dritten, zerbrechenden (künstlichen) Wesens, das im Gegenteil die Fähigkeit der Menschen bewundert, sich immer der Umgebung anzupassen und sich aus sich selbst heraus erneuern zu können.
Das liest sich wie ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn sich unsere Welt, unser (marketinggetriebenes) Streben nach Perfektion, die Schönheit, die jetzt schon von jeder Plakatwand herunterlächelt, noch zwanzig Jahre weiterentwickelt?
Für mich liegt in diesem Ende des Buches eine ganze Menge nachdenkenswerter Philosophie.

Abschließend kann ich sagen:
Ich habe das Buch nicht mit Genuss gelesen, aber ich bin froh, dass ich es getan habe, denn es gibt eine Menge Denkanstöße und berührt in gewisser Weise.
Es ist ein sehr lesenswerter Roman, der durchaus mit ein paar Überraschungen aufwartet - man darf nur nicht mit der Erwartungshaltung an leicht zu konsumierende Unterhaltung herangehen. Viele Stellen in diesem Buch sind es wert, darüber nachzudenken und hinter die offensichtliche Aussage zu schauen. Wer sich die Mühe macht, wird ein paar interessante Überlegungen entdecken.
Nicht jede Frage erhält eine Antwort - aber das ist vielleicht auch nicht möglich, einfach weil es diese Antworten nicht allgemeingültig gibt und weil sie für jeden anders ausfallen, immer abhängig von der Prämisse, unter der er die Frage stellt.
Ihr Kommentar zu Messias-Maschine

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.