Piratenmond von Chris Wooding

Buchvorstellungund Rezension

Piratenmond von Chris Wooding

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Retribution Falls“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 460 Seiten.ISBN 3-453-52746-1.Übersetzung ins Deutsche von Peter Robert.

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In Kürze:

Frey ist stolzer Besitzer und Kapitän der Ketty Jay und seines Zeichens Luftschiffer und Kaperer – zugegeben, Luftpirat wäre angemessener. Sein nächster Auftrag: Er soll die Ace of Skulls abfangen und sie um ihre wertvolle Ladung erleichtern. Doch als das Schiff vor seinen Augen explodiert und Frey erfährt, dass der Sohn des Erzherzogs an Bord war, weiß er, dass er sich gerade um Kopf und Kragen gebracht hat. Zusammen mit seiner Crew schlittert Frey in ein unglaubliches Abenteuer…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Freibeuter der Lüfte“92

Fantasy-Rezension von Bernhard Renner

Ab und zu entdeckt man ein Buch, das etwas anders ist als andere und einen frischen Wind ins Genre bringt. Dieses Buch ist so eines.

„Retribution Falls“ ist der erste Roman in der Reihe „The Tales of the Ketty Jay“. Alle Romane der Reihe sind in derselben Welt angesiedelt und die Handlung, mit dem Fokus auf das Luftschiff Ketty Jay und dessen Crew, ist jeweils in sich abgeschlossen. Müßte ich „Retribution Falls“ mit einem Satz beschreiben, würde ich sagen, dass es eine Steampunkversion der TV-Serie „Firefly“ mit einem Spritzer „Die Lügen des Locke Lamora“ und einem Hauch „Fluch der Karibik“ ist.

Darian Frey ist der Kapitän des alten und abgenutzten Luftschiffs Ketty Jay, welches er und seine Crew mit Ach und Krach durch Erfüllen mehr oder weniger dubioser Aufträge am Leben erhalten. Eines Tages bekommt Frey das Angebot seines Lebens, ein einfacher Raubzug für unfaßbar viel Geld. Er nimmt den Auftrag an, doch es geht alles gründlich schief und eine Menge Menschen sterben. Frey bemerkt, dass sie hereingelegt wurden, denn der Auftrag sollte schiefgehen. Darian Frey ist unfreiwillig zum Werkzeug eines morbiden politischen Anschlags und somit zum Staatsfeind Nummer 1 geworden und wird von allen gejagt. Auf der Flucht versucht er mit Unterstützung durch seine Crew seine Unschuld an dem Desaster zu beweisen. Ihre Reise führt sie durch viele Scharmützel, durch ein Netz politischer Intrigen, an legendäre Orte und querbeet durch alle Gesellschaftsschichten.

Eine außergewöhnliche Crew

Der Hauptprotagonist ist der Kapitän der Ketty Jay und egozentrische Frauenheld Darian Frey, dessen vergangene Liebschaften ihn immer wieder verfolgen. Begleitet wird er von einem adligen Dämonologen, der ein ganz ungewöhnliches Haustier aus Metall mit sich führt und einer mysteriösen Navigatorin, die versucht, ihre wahre Natur zu verbergen. Dazu gesellt sich ein meistens betrunkener Arzt, der lieber mit Schußwaffen als mit dem Skalpell hantiert, ein schweigsamer Ingenieur und zwei Begleitpiloten, von denen einer lebensmüde ist und der andere am liebsten alles meidet, was sich bewegt.

Die Crew-Mitglieder könnten unterschiedlicher kaum sein und dennoch haben sie eine Gemeinsamkeit, die sie an die Ketty Jay bindet. Alle sind auf der Flucht, wenn auch jeder aus einem anderen Grund. Jeder trägt seine ganz persönlichen Dämonen mit sich herum, einer sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Häppchenweise wird das eine oder andere Geheimnis der einzelnen Charaktere gelüftet und elegant in die Haupthandlung eingeflochten. Diese Offenbarungen hinterlassen den Leser teils mit offenem Mund vor Schreck oder Erstaunen und manchmal einfach nur mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Die faszinierenden Charaktere erwecken die Handlung und die Welt erst richtig zum Leben und bilden sicher das Sahnehäubchen auf diesen Roman. Die rundum gelungene Charakterzeichnung beschränkt sich zudem keineswegs auf die Crew der Ketty Jay.

Elektrizität, Dämonen, Schießereien und magische Schwerter

Das paßt nicht zusammen? Anscheinend doch, wie Chris Wooding hier eindrucksvoll beweist. Es ist kaum möglich, „Retribution Falls“ einem bestimmten Genre der Phantastik zuzuordnen. Wissenschaft, Maschinengewehre und Elektrizität paaren sich hier hemmungslos mit Magie, Degen und Dämonen. Trotzdem hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass diese Elemente nicht zusammenpassen. Luftschiffe sind das bevorzugte Fortbewegungsmittel und anders sind einige der beschriebenen Orte wohl auch kaum zu erreichen.

Die Handlung spielt auf dem Kontinent Vardia, dessen mannigfaltige Landschaften, Menschen und Kulturen faszinierend beschrieben werden, ohne zu sehr abzuschweifen und den Leser mit unnötigen Informationen zu bombardieren. Die politische Landschaft von Vardia ist aristokratisch geprägt und die Welt wird immer wieder durch Kriege erschüttert, in denen es sich vorrangig um Aerium dreht. Aerium ist ein für die Energiegewinnung benötigter Rohstoff, der unter anderem auch für den Antrieb der Luftschiffe verwendet wird.

„Retribution Falls“ ist vielleicht keine besonders tiefschürfende und intellektuell fordernde Lektüre, bei der man alle 10 Seiten seine Gehirnwindungen entknoten muß oder welche einen nachhaltig zum Nachdenken anregt. Die erschaffene Welt ist auch kein weiches Kissen, in das man sich fallen läßt, um sich den süßesten Träumen hinzugeben. Chris Wooding serviert uns einen leckeren Cocktail aus spannendem Abenteuer, intelligenter Charakterzeichnung, rasanter Action und cleverer Handlung. Er möchte dem Leser einfach nur beste Unterhaltung und jede Menge Spaß bieten und das ist ihm verdammt gut gelungen.

Diese Rezension bezieht sich auf die Originalausgabe „Retribution Falls“

Ihre Meinung zu »Chris Wooding: Piratenmond«

arthez zu »Chris Wooding: Piratenmond«21.03.2011
Ich mag die Mischung Fantasy/steampunk. Hohes Tempo, viel action, rasante Luftkämpfe, jede Menge blauer Bohnen fliegen durch die Gegend. Besonders sympathisch: die Crew der 'Ketty Jay' besteht keinesfalls aus Helden, eher dem Gegenteil.

Lesefutter vom feinsten, da stört mich weder die eher einfache Sprache noch fehlender Intelligenter Plot, Ich habe mich gut unterhalten, konnte abschalten und freue mich auf die nächsten Abenteuer.
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