Das abartige Artefakt von Christian von Aster

Buchvorstellungund Rezension

Das abartige Artefakt von Christian von Aster

Originalausgabe erschienen 2008, 382 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Nachdem der Untergang von Zwerg und Zwergeszwerg abgewendet zu sein scheint, will der Große Verwalter seine Macht im Reich der Zwerge sichern. Statt der versprochenen Reformen bekommt das Eherne Imperium jedoch erst einmal einen Geheimdienst …und dann einen zweiten und einen dritten. Zwerge bespitzeln Zwerge, die von Zwergen bespitzelt werden. Unterdessen erscheint dem Hohepriester eine Manifestation des Ewigen Schmieds selbst ein sprechender Stein, der ihm offenbart, wie das Unheil der Erzferkelprophezeiung verhindert werden kann. Doch dafür muss der größte aller Meisterdiebe aus den Schieferkerkern befreit werden. Ein Fall für den Schicksalszwerg!

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die etwas andere Zwergensaga des Christian von Aster“80

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Willkommen in der etwas anderen Welt der Zwerge. Vor Urzeiten, im letzten großen Krieg der Zwerge, wurden alle weiblichen Vertreter der trink- und prügelfreudigen Stollenbewohner getötet. Seitdem werden die letzten Eier – ja, auch wenn sie es bisher nicht wussten, Zwerge schlüpfen aus Eiern – gehütet, wie kein anderer Schatz der Kleinwüchsigen mit ihren Bärten. Für jeden Zwerg, der ins Reich des Todes eingeht, werden zwei der Eier der streng bewachten Schatzkammer entnommen. Doch mittlerweile hat der Vorrat stark abgenommen, das Ende der stolzen Zwergengeschlechter scheint absehbar.

Eine Prophezeiung über den Untergang der stolzen Kleinen gibt es auch, die Erdferkelprophezeiung spricht von einem Zwerg, der kein Bier trinkt – eigentlich unvorstellbar, ja ein Widerspruch in sich selbst – und von weiteren Vorzeichen. Nachdem der Neue Stahl vom Schicksalszwerg – einer Gruppe findiger, altgedienter aber eben auch unwilliger Zwerge – besiegt wurde, könnte Ruhe in die Stollen einkehren. Die Erdferkelprophezeiung scheint abgewendet, die bösen Zwerge in die ewige Esse geschickt. Doch erstens kommt es anders, als zweitens ein bierseliger Zwerg meistens denkt.

Was ist das Schlimmste, das einem aufrechten Zwerg wohl passieren kann? Dass sein Bart nicht wächst – eine Katastrophe, dass sein Bier zu dünn ist, ein Weltuntergang, dass seine Spitzhacke nicht länger auf festes Gestein trifft, undenkbar – und doch gibt es etwas, das stellt all diese Horrorszenarien weit in den Schatten.

Es geht um das „Undenkbare“. In einer kryptischen Kammer, am Ende eines geheimen, mit Fallen nur so gespickten Ganges im tiefsten Schacht des Gebirges versteckt, verbirgt sich das größte Geheimnis der Zwergenheit. Ein sprechender Stein, ein Gott gar wie man munkelt, reaktiviert den Schicksalszwerg, doch auch das organisierte Verbrechen macht sich auf, das große Mysterium der kleinen, trinkfreudigen Dickköpfe zu lösen und dabei alles, was den Zwergen heilig ist, zu zerstören …

Bart ab, jetzt geht’s ans Eingemachte – die Rebellion der Zwerge gegen fast alles, was ihnen heilig ist – mal abgesehen vom Bier

Christian von Aster ist dem Freund phantastischer Literatur kein Unbekannter. Im Eigenverlag hat er diverse, von Kritikern hochgelobte Werke publiziert – vgl. www.vonaster.de – bevor er sich mit vorliegendem Roman nach „Zwerg und Überzwerg“ das zweite Mal in einem Großverlag dem breiten Fantasy-Publikum stellt.

Einmal mehr sollen es die Kleinen richten. Zwerge, eine bedrohte Spezies, glaubt man zumindest den Autoren, die ihre kurzgeratenen Gesellen ein ums andere Mal dem Bösen aussetzen. Nun sind aber von Asters Zwerge eine ganz eigene Kreation. Weibliche Zwerge, gar noch mit einem imposanten Bart versehen, das sucht man vergebens, auch am inneren Zusammenhalt des Stammes scheint es zu mangeln.

Ganz bewusst hat der Autor versucht, sich von bekannten Werken abzugrenzen, eigene Stollen durchs Gebirge zu treiben und kann damit punkten. Gerade die Tatsache, dass uns kein müder Abklatsch Heitz´scher Vorbilder erwartet, erhöht den Lesegenuss. Dabei nimmt er so manches Mal die üblich-typischen Versatzstücke entsprechender Bestseller aufs Korn, persifliert ironisch bekannte Plots und scheinbar felsenfeste Vorgaben.

Vorliegend merkt man dem Roman zu Beginn an, dass von Aster dem Verlag zunächst nur einen Einzelroman angeboten und geliefert hat. Die Geschichte war erzählt, lose Enden in sich logisch verknüpft miteinander verbunden, so dass der Autor sich zunächst eine neue Queste ausdenken musste.

Nachdem er die Bösewichter im Finale des Auftaktromans entsorgt hatte, war es gar nicht so einfach, glaubwürdig neue Antagonisten unseres wackeren Schicksalszwergs zu kreieren. Mit der Einführung des organisierten Verbrechens, mit einer Revolution von unten, mit Demagogen und Diktatoren aber nimmt von Aster diese Hürde mit Bravour.

Mit viel augenzwinkerndem Humor, einem göttlichen Stein, der im Drogenrausch zu seinen Anhängern spricht, mit genialen Erfindern, unwilligen Helden und einer – nach einer kurzen Durststrecke zu Beginn – rasanten Handlung geht von Aster in die Vollen. Spitzhacke raus, Grubenlampen an und auf geht’s hinein ins zwergische Abenteuer. Dabei nimmt er auch dieses Mal die üblichen Verdächtigen und die gewohnten Versatzstücke der Zwergen-Epen gehörig auf die Schippe, unterhält spannend, kurzweilig und stilistisch ansprechend – was will man mehr?

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