Das eherne Buch von Christian von Aster

Buchvorstellungund Rezension

Das eherne Buch von Christian von Aster

deutsche Ausgabe erstmals 2015, 347 Seiten.ISBN 3-608-93934-2.

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In Kürze:

Aus den Händen seines Vaters empfängt Jaarn, der letzte Nachkomme des Hauses von Stahl, ein sagenumwobenes Schwert, mit dessen Hilfe er dem Reich Frieden bringen soll. Es trägt den Namen 'Das Eherne Buch’ und ist aus Geschichten geschmiedet. Fürsten und Räuber trachten nach dem Legendeneisen und bald heften sich die gefürchtetsten Meuchelmörder des Reiches an seine Fersen. Seiner Jugend und Unerfahrenheit zum Trotz liegt das Schicksal des Reiches allein in Jaarns Händen. Zwischen Gaunern und Gelehrten ist es ihm bestimmt, zum Helden zu werden.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Vom Bibliothekarslehrling, der auszog dem Krieg zu beenden“84

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Der junge Jaarn wächst im Turm der königlichen Bibliothek auf. Hier lernt er nicht nur große Folianten zu schleppen, Texte zu kopieren sondern auch zu gehorchen. Als er eines Nachts geweckt und zum Leiter der Bibliothek befohlen wird, weiß er wirklich nicht, was er ausgebrochen haben könnte. Doch statt für einer Missetat belangt zu werden, wartet der alternde König auf ihn und eröffnet Jaarm, dass er der letzte verbleibende Spross des Königsgeschlechts und damit Thronerbe wäre.

Damit nicht genug hätte ihn das Schicksal auserkoren, ein verschollenes, legendäres Schwert, das eherne Schwert, das aus Geschichten geschmiedet wurde, zu vervollständigen und dem Gott des Krieges zu Fuße zu legen. Der Weltfrieden hängt anscheinend von einer kleinen, unsportlichen Leseratte ab, die mit der Aufgabe offenbar massiv überfordert ist. Ihm zur Seite stellt der König, der kurz danach verraten und gemeuchelt wird, einen legendären Abenteurer und Dieb.

Zusammen brechen sie auf, die Queste zu erfüllen – verfolgt, gejagt und bedroht von allen, die ein Interesse am Krieg haben – und das sind Viele …

Auf den ersten Blick eine Fantasy-Queste im Stil der 70er Jahre, doch dann …

Christian von Aster ist einer der interessantesten Autoren der deutschsprachigen Phantastik. Wer ihn einmal live erleben durfte – und er ist viel unterwegs in deutschsprachigen Gegenden – weiß mit welcher Freude und Intensität der Autor seine literarischen Preziosen vorträgt.

Leider ist sein Oeuvre, auch dank seines Engagements im Bereich Film, eher klein geraten. Zumeist finden kürzere, pointierte Texte Aufnahme in seine Sammlungen, die er im Eigenverlag herausgibt.

Nach einer etwas anderen, besonderen, fast bin ich geneigt zu sagen absonderlichen aber auf jeden Fall vergnüglichen Zwerge-Trilogie im Egmont-Lyx Verlag erschien vor ein paar Jahren ein ersten Phantastik-Roman in der Hobbit-Presse von Klett-Cotta. Dieser Roman – Der letzte Schattenschnitzer – scheint sich glücklicherweise so gut verkauft zu haben, dass der Verlag nun ein weiteres Werk aus der von Aster´schen Werkstatt auflegt.

Die Handlung kommt uns auf den ersten Blick leidlich bekannt vor – ein junger, überforderter Mann wird auserwählt eine Queste zu erfüllen, die seine Welt retten soll. Es geht um Frieden für die Welt, um alten Hass, um Geheimnisse und Götter, die ihre Schöpfung verlassen haben.

Wie wir dies von von Aster erwarten, erweist sich die Queste in der Tradition der 70er Jahre jedoch auf den zweiten Blick als ein wenig anders, als erwartet. Statt der Jagd auf einen Schatz oder die Mühe sich selbst zum natürlich gerechtem Herrscher eines Reiches aufzuschwingen, geht es vorliegend um etwas weit profaneres – um den Weltfrieden! Wenn dem Gott des Krieges das legendäre eherne Schwert zu Füssen gelegt wird, dann soll endlich wieder Friede auf Erden herrschen – so zumindest die Mär.

Eine wahrhaft verantwortungsvolle, wichtige und anerkennenswerte Queste, allein, es gibt, wie im realen Leben auch, immer Kriegsgewinnler. Menschen, die sich vom Krieg Profit versprechen, die ihre merkantile Zukunft vom Fortsetzen des ewigen Schlachtens abhängig gemacht haben. Dass es sich hierbei immer um die Reichen, die Mächtigen der Welt handelt, die ihre Ziele durchzusetzen gewohnt sind sorgt für einen rauen Gegenwind für unsere Erzähler.

Mit hinein verwoben hat der Autor alte Familienfehden, ehrbare Gauner, Diebe und Leichenfledderer, wobei er immer mit wachem Auge auf menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten schielt.

Unterschwellig hat er viel in seine spannend aufgezogene Handlung hineingepackt. So geht es um wirtschaftliche Macht und verantwortungslose Politiker / Könige, um die Angst vor Veränderung, um die Automatismen des Krieges und der Unfähigkeit von Menschen sich zu ändern. Und es geht – einmal mehr – um die Kraft der Liebe und der Hoffnung und um Götter, denen ihre Gläubigen herzlich egal sind.

Das hat Pepp, bietet jede Menge Verwicklungen, faszinierende Gestalten und reichlich Dramatik so dass sich der Roman bestens für eine Urlaubslektüre eignet. Eine Fortsetzung scheint möglich, ich denke aber, das von Aster so viele Geschichten mit sich herumträgt, dass er uns lieber zu neuen Ufern entführen wird.

Ihre Meinung zu »Christian von Aster: Das eherne Buch«

Tobias Dahlmann zu »Christian von Aster: Das eherne Buch«09.11.2015
Ich rechne dieses Buch der düsteren High-Fantasy zu. Es ist ein abgeschlossener Einzelroman und macht nicht den Eindruck, als wäre eine Fortsetzung angedacht. Beschrieben wird (mit Ausnahme einzelner Abschnitte) ein einzelner, jugendlicher Hauptcharakter namens "Jaarn von Stahl". (Falls jemand sprachliche Vorbildung fehlt: "järn" ist schwedisch für "Eisen", und die Wortwurzel kommt auch sonst vor.) Die meisten anderen Namen sind jedoch nicht redend.
Beschrieben wird, wie Jaarn das "eherne Buch" (ein magisches Schwert, geschmiedet aus Geschichten) zu einem Tempel des Kriegsgottes bringen soll. Der Hintergrund dazu ist eine Wette unter Göttern. Die Überbringung soll alle Kriege beenden, von denen die Welt ansonsten reichlich geplagt wird. Welt und Reich gehen als Begriffe in dem Roman übrigens etwas durcheinander. Das allein schadet nicht wirklich.
Dennoch schließt sich hier eine Schwäche des Buches an: Einerseits wird der Kriegsgott als übermächtig dargestellt. Alles richtet sich nach ihm, wodurch ohnehin schon die Logik arg strapaziert wird. Wenn ständig Landstriche entvölkert werden, müsste eigentlich irgendwann niemand mehr zum Kämpfen übrig sein.
Andererseits aber kann der Kriegsgott nicht persönlich in das Geschehen eingreifen, und irgendetwas in seinem Sinne beeinflussen. Hier hat man es dann plötzlich wieder mit einem sozialen Gottesbild zu tun. Man fragt sich, warum die Leute denn nicht einfach Frieden schließen, wenn sie ihn denn dann haben wollen. Der schwächliche Kriegsgott hindert sie ja doch nicht daran.
Man hätte hier sehr gut eine Debatte zum sozialen und kulturhistorischen Stellenwert von Kriegen anschließen können. Diese habe ich wirklich vermisst. An ihrer Stelle wird allgemein auf einen Gott verwiesen, der scheinbar schizophren ist.
Auch andere Götter werden nur ganz am Rande erwähnt. Man fragt sich unwillkürlich, warum die örtlichen Jäger eigentlich keinen Gott des Waldes haben, und die Fischer keinen Gott des Meeres. Offenbar möchte Christian von Aster sein Buch auf Aussagen ausrichten, und nicht auf entsprechende Hintergründe. Leider führt das zu immanenten Widersprüchen. Der Wunsch nach Frieden wird allgemein vorausgesetzt, aber nicht in seinen Implikationen diskutiert.
Jaarn jedenfalls begegnet auf seiner teils unfreiwilligen Reise einer Reihe von Charakteren, die vielfach sehr schön und ideenreich ausgearbeitet sind. Warum allerdings gerade Jaarn der Auserwählte ist, wird bis zum Schluss nicht wirklich geklärt. Es gibt nur sehr lockere Andeutungen in Richtung der keltischen Mythologie. Diese werden jedoch auch nicht ausgeführt.
Ich kannn nur spekulieren, ob das ein Kunstgriff sein soll, damit sich eine breitere Leserschaft mit ihm identifizieren kann. Bei mir hat das nicht funktioniert. Der Hauptcharakter ist für mich die mit Abstand farbloseste Gestalt in dem Buch. Dadurch haben allerdings dann andere Charaktere ihre zahlreichen Momente, die gerade durch den Kontrast deutlich werden.
Zwischendurch gibt es noch eine größere Anzahl von Crossover-Querverweisen, die man von Christian von Aster erwarten durfte. Der Stadt-Land-Konflikt nimmt eine zentrale Rolle ein. Eine bestimmte Personengruppe benimmt sich wie Urchristen. Die Figur des Gidwigk diskutiert Autorendasein und Realitätswahrnehmung.
Seinen Glanzpunkt und seine stärksten Momente hat das Buch für mich bei der Beschreibung der Weißen Stadt. Im Kontext von Krieg und Frieden liefert Christian von Aster hier ein Bild, das teilweise auf die EU der Gegenwart verweist. Man kann sicherlich auch zahlreiche andere Sozialwelten erkennen, die sich von einem umgebenden Krieg abschotten wollen. In jedem Fall haben die entsprechenden Abschnitte positive, vielschichtige Forderungen an den Leser.
Das Buch schließt auf eine schöne Weise. Der Leser wird vorher tatsächlich gedanklich auf Abwege geschickt. Dadurch gelingt es dem Autor, die Spannung durchgehend aufrecht zu erhalten. Er schließt mit einer Pointe, die absolut passend und lesenswert ist, in sich aber dennoch weitere Fragen aufwirft.

Insgesamt kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Es hat kleinere logische Schwächen. Diese bewegen sich jedoch absolut im Rahmen dessen, was man von anderen Fantasy-Autoren auch erzählt bekommt. Ihnen gegenüber stehen Stärken, die man nur selten findet. Sobald Christian von Aster einmal in ein Motiv oder eine Diskussion eingestiegen ist, führt er sie erzählerisch wie bildsprachlich auf die gebührenden Höhen der Fantasy.
Für mich ist dies mein Buch des Jahres 2015.
www.lesemomente.net zu »Christian von Aster: Das eherne Buch«31.10.2015
Als Jaarn, ein junger Bibliothekar, eines Nachts aufgeweckt wird, ahnt er noch nicht, dass sich sein Leben von Grund auf verändern wird: Er selbst soll der letzte Erbe des Hauses von Stahl sein, der Sohn des Fürsten. Und nur ihm kann es gelingen, mit Hilfe des Ehernen Buches der Welt Frieden zu bringen.

“Du wirst vorsichtig sein müssen, Freund und Feind werden schwer zu unterscheiden sein. Doch wenn es dir gelingt zu finden, was verlorenging, und das Eherne Buch dem Kriegsbringer zu Füßen zu legen, dann wird jener Gott zu dem Wort stehen, das er einst gab.” (S. 28)

Das Eherne Buch: ein Schwert, ein Legendeneisen. Die Legende besagt, dass das Eherne Buch aus den verschiedenen Geschichten des Reiches geschmiedet wurde und der Welt Frieden bringen kann, wenn es dem Kriegsbringer zu Füßen gelegt wird. Bevor dies allerdings möglich ist, müssen zunächst die verloren gegangenen Geschichten gefunden werden.

Bevor Jaarn diese Neuigkeiten so richtig verdauen kann, wird er allerdings schon mitten in der Nacht entführt. Der Mann, der ihn mitnimmt, ist voller Narben, trägt keinen oder ganz viele Namen und behauptet Jaarns einziger Freund zu sein. Da Jaarn nichts anderes übrig bleibt, muss er dem Narbigen zunächst vertrauen. Ob das ein Fehler ist?

Ein Schwert, geschmiedet aus den Geschichten des Reiches: Die Idee, dass Wörter und Legenden den Frieden bringen können, gefällt mir gut. Die Umsetzung allerdings weniger. Christian von Aster entwirft zwar einige interessante Charaktere und Konflikte innerhalb der Geschichte, doch ist es ihm nicht gelungen, wirkliche Spannung aufzubauen. Der Verlauf der Geschichte interessierte mich zu wenig. Das einzige, was mich fesseln konnte, war das Geheimnis des Narbigen. Was oder wer steckt hinter diesem mysteriösen Mann? Um das zu erfahren, habe ich immer weiter gelesen.

“Das Eherne Buch" ist kein schlechtes Buch. Allerdings konnte mich der Autor trotz spannender Nebencharaktere und einigem an Potenzial innerhalb der Handlung einfach nicht fesseln. Leider kann ich mich schon jetzt, wenige Wochen nach dem Lesen, nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern. Man kann die Geschichte gut lesen – muss es aber nicht! Gute 5 von 10 Sternen!
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