Die Baker-Street-Artefakte von Christian von Aster (Hg.)

Buchvorstellungund Rezension

Die Baker-Street-Artefakte von Christian von Aster (Hg.)

deutsche Ausgabe erstmals 2015, 240 Seiten.ISBN 3867622493.

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In Kürze:

Mysteriöse Mumien, die Säge eines Rochens, ein Schrumpfkopf aus Ecuador es sind ebenso bizarre wie geheimnisvolle Schätze, die Ende 2013 hinter einem Mauerdurchbruch im Herzen Saarbrückens gefunden wurden. All diese Kuriositäten, die Heinz Rox-Schulz, der König der Globetrotter , auf seinen Reisen gesammelt hat, scheinen nur Eines gemein zu haben: Ihre genaue Herkunft liegt im Dunkeln. Welches Rätsel steckt hinter der mit Nägeln gespickten Maske? Was hat es mit der aztekischen Urne auf sich? Warum wurden all diese Artefakte vor über einem halben Jahrhundert eingemauert? Im Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen und die Geheimnisse der Baker-Street-Artefakte zu lüften, haben verschiedene Phantastik-Autoren für ihre gleichermaßen unterschiedlichen wie faszinierenden Geschichten in diesem Buch gegrübelt, analysiert, recherchiert aber vor allem viel Seemannsgarn gesponnen. Denn die Wahrheit ist, was man daraus macht. Mit Kurzgeschichten von: Christian von Aster, Sandra Baumgärtner, Tom Daut, Oliver Graute, Markus Heitz, Michael Hess, Oliver Hoffmann, Benjamin Kiehn, Diana Kinne, Silke Lindenberger, Christoph Marzi, Germaine Paulus, Mark Schneider, Nicole Schuhmacher, Isa Theobald und Vera Lynn Wehberg

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein Schmuckstück von Buch“91

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Was wäre die Deutsche Verlagslandschaft ohne ihre kleinen Mitglieder. Immer wieder erscheinen bei den so genannten „Kleinen“ der Branche Bücher, die von der Liebe der Herausgeber zum Medium Buch zeugen, die Stoffe präsentieren, die bei einem der Großverlage, die rein auf merkantilen Erfolg schielen, keine Chance auf eine Veröffentlichung gehabt hätten.

Dies gilt auch und insbesondere für das phantastische Genre und mehr noch für das Medium der Kurzgeschichte.

Gleich, ob es sich bei den Beiträgen um kurze Stoffe oder Novellen handelt, der Markt, so ist es zumindest in den Gängen der Frankfurter Buchmesse all überall zu hören, lehnt die pointierte Erzählung ab, kauft sie schlicht nicht. Das war in der Vergangenheit noch anders. 100 deutsche Ausgaben des Magazin of Fantasy & SF erschienen bei Heyne, Isaac Asimov und analog erschienen in Übersetzungen, von Originalanthologien und Kollektionen im Bereich der Weird Fiction wie auch der SF gar nicht zu reden.

Mittlerweile hat sich der Markt gewandelt. Wenn überhaupt noch gelesen wird, dann zumeist Endlosserien im Ziegelsteinformat, in denen dieselbe Handlung in geringen Variationen wiedergekäut wird. Wer die pointierte, überraschende Begegnung in kurzen Texten sucht, der wird so gut wie ausschließlich bei den Kleinverlagen bedient, hier dafür aber in zumeist sorgfältig und mit liebe gestalteten Büchern.

Einer dieser Verlage ist der in Mannheim ansässige Feder & Schwert Verlag. Zu Beginn konzentrierten sich die Macher hinter dem Verlag – Oliver Hoffmann und Oliver Graute sind hier besonders zu nennen – auf den Fantasy-Spielbereich, später weitete man das Angebot auf Belletristik aus. Mit Charlaine Harris' gefeierter „Sookie Stackhouse“-Reihe (TV Junkies besser als „True Blood“ bekannt) landete man einen Bestseller, der Entdeckung von Tanya Huff liess man eine eigene Steampunk-Edition sowie Simon R. Greens „Geschichten aus den Nightside“ folgen. Spätestens als F&S von Knaur Jim Butchers „Harry Dresden“ Zyklus übernahm, hoben die Fans des wohl eigenwilligsten magischen Detektivs der Urban Fantasy den Verlag in den Himmel.

Auffallend dabei, dass die Verleger immer darum bemüht sind, ihren Lesern auch Autoren heimischer Zunge zu offerieren. So erschienen einige der interessantesten Debuts der letzten Jahre bei Feder & Schwert.

Und nun legt der umtriebige Verlag ein Schmuckstück von einem Buch auf. Schon äußerlich merkt man dem Buch an, dass hier Liebhaber des Genres sowie des Mediums Buch am Werke waren.

Man hat das Buch gestaltet, wie sich die Tage- und Arbeitsbücher zu Beginn des letzten Jahrhunderts präsentierten – abgerundete Ecken, im hinteren Einband wurde ein Gummiband eingearbeitet, mit dem sich das Buch schließen lässt, das aber auch als Lesezeichen verwendet werden kann – das wirkt, wie direkt aus dem Arbeitszimmer eines Indiana Jones geklaut, und auch der Inhalt könnte Indi gefallen.

Heinz Rox-Schult, Globetrotter, Abenteurer, als Artist in allen Erdteilen erfolgreich trug aus seinem mehr als abwechslungsreichen Leben Erinnerungsstücke zusammen die er nach seinem Ableben der Stadt Saarbrücken vermachte. Im Baker Street, einer Teestube und Pub werden diese ausgestellt und dem Publikum in einem einzigartigen Ambiente zugänglich gemacht.

Von einigen dieser Artefakte liessen sich die Autoren zu Geschichten inspirieren, die Rox-Schult bestimmt gefallen hätten. Erzählungen voller Flair, voller Abwechslung, Abenteuer und absonderlichen Vorkommnissen.

Als Leser folgt man den Autoren willig in Zeiten, da die Welt noch kleiner schien, als es auf der Landkarte noch unerforschte Gebiete gab, in denen Menschenfresser, Bestien sowohl menschlichen, tierischen wie auch übernatürlichen Ursprungs lauerten, Verbrechen verübt und Heldentaten vollbracht wurden.

Wer nun meint, eine Anthologie von Sherlock Holmes Geschichten vorgesetzt zu bekommen, der wird enttäuscht. Der Meisterdetektiv und sein Antagonist haben nur einen Auftritt, alle anderen Beiträge wandeln ganz auf eigenen Pfaden.

Der Herausgeber hat sich erfolgreich darum bemüht, uns einen abwechslungsreichen Strauss an Stories zu präsentieren. Unter den Verfassern tummeln sich Bestseller-Autoren wie Markus Heitz, oder Christoph Marzi ebenso wie Verfasser, auf die ich hier zum ersten Mal stieß. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie ihre Leser bestens unterhalten, packende, mitreissende Plots bereit halten und uns die Umgebung vergessen lassen.

Sei es, dass sie von mehr oder wenigen menschlichen Kannibalen zu berichten wissen, den Einbruch des Bösen in unsere Welt beschreiben, Sammler und Hehler und deren Obsessionen in den Mittelpunkt stellen, uralte Wesen, Dämonen wie Naturgeister auftreten lassen, das Gebotene liest sich abwechslungsreich und handwerklich solide. Mir persönlich haben die Beiträge von Christoph Marzi, Christian von Aster, Oliver Hoffmann und Tom Daut am Besten gefallen, doch das ist ganz Geschmackssache.

Auf jeden Fall findet jeder, der sich für phantastische Abenteuer und gruselige Begebenheiten interessiert hier beste Unterhaltung, so dass mir nur die Empfehlung bleibt, Ihnen dieses Schmuckstück von Buch ans Herz zu legen.

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