Somnia von Christoph Marzi

Buchvorstellungund Rezension

Somnia von Christoph Marzi

Originalausgabe erschienen 2008, 600 Seiten.ISBN 3-453-52483-7.

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In Kürze:

Der neue magische Bestseller vom preisgekrönten Autor von „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“: Die Welt ist im Wandel. Verborgene Himmel verschwinden, Träume werden zu Fallen. In London sind zwei mächtige Häuser endlich geeint. Doch weit entfernt, in der unergründlichen Welt unterhalb New Yorks, stoßen Scarlet Hawthorne und der mürrische Alchemist Wittgenstein auf ein Geheimnis, das die Uralten Metropolen der Welt für immer verändern wird …

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Das Mädchen ohne Gedächtnis und der Krieg der Engel“70

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Ihr Name ist Scarlet Hawthorne. Wir lernen die junge Frau kennen, als sie ohne Erinnerung – wer sie ist und wie sie hierher kam – im winterlichen New York von etwas angegriffen wird, das es eigentlich nicht geben dürfte. Wendigos nennt man die Wesen, blutfressende Geister trachten ihr offensichtlich nach dem Leben. Aber warum nur, und was schützt sie – noch zumindest – vor den Angriffen?

Ihre Flucht bringt sie in Kontakt mit einer Frau – Mistress Anthea Atwood -, die sie zunächst vor den Werwölfen rettet. In ihrem Heim, einer alten Mühle, fasst sie den Entschluss. herauszufinden, was um sie herum vorgeht. Wer ist sie, was ist das für eine Welt, die unbemerkt von den meisten Menschen anscheinend existiert, und was hat das alles mit ihr zu tun?

Die Spur führt sie in die Metropole unter der Stadt. Hier haben sich Elfen, Engel und andere Wesen angesiedelt, hierher zog es in letzter Zeit viele der Wesen aus der Stadt der Schornsteine. Das Leben in der Metropole unter London ist nicht mehr das, was es einmal war. Eine neue Regentin schwingt das Zepter, ein geheimnisvoller Berater hat dafür gesorgt, dass die Engel und ihre Freunde gnadenlos verfolgt werden.

Nach Gotham emigriert werden die ehemaligen Heerscharen des Träumers jedoch weiter bedroht. Eistote und Schläfer findet man überall im Big Apple, Kinder verschwinden aus der Stadt unter der Stadt, Luzifer und Lilith scheinen ihre Schreckensherrschaft von neuem zu beginnen. Auf der Suche nach ihren Erinnerungen und Wurzeln begibt sich Scarlet immer tiefer in diese für sie unbekannte Welt – eine Welt aber, zu der sie eine Verbindung hat. Über Gotham findet sie Zugang zu den Neverglades, besucht Chinadowntown und wird schließlich in der Hölle in einen uralten Konflikt verwickelt – oder ist doch alles nur ein Traum....?

Die Fortsetzung einer abgeschlossenen Geschichte

Christoph Marzi katapultierte sich mit seiner Emily Laing Trilogie auf die Bestsellerlisten. Mit seinen Geschichten um die Uralten Metropolen, um Götter, Engel und Elfen, Luzifer und den Träumer verband er auf ganz eigene, innovative Weise eine anrührende Geschichte um ein junges Waisenmädchen mit der Darstellung eines historisch überzeugenden Londons und einer Stadt unter der Stadt. Diese Geschichte, die dem Leser in den Romanen Lycidas, Lilith und Lumen präsentiert wurde, ist in sich abgeschlossen.

Aber wie sagte Wittgenstein immer so treffend – es gibt keine Zufälle. Und so ist es auch kein Zufall, dass im vierten Band um die Uralten Metropolen alte, bekannte Gesichter auftauchen. Seinen es Herr Fuchs und Herr Wolf, Lucifer und Lilith, ja auch Wittgenstein selbst haben ihren Platz in vorliegendem Buch. Dabei ist es aber keine simple Fortsetzung geworden. Nein, die Geschichte der Laing ist erzählt. Hier geht es um die Auseinandersetzung zwischen dem Lichtlord und dem Träumer, zwischen dem gefallenen Engel und seinem ehemaligen Herren, auch wenn dies erst spät deutlich wird.

Verpackt in eine Handlung, die erneut den Phantasiereichtum Marzis dokumentiert, die vor bizarren Einfällen nur so strotzt, lässt sich der Leser von einem New York verzaubern, wie er es so bestimmt noch nie zu Gesicht bekommen hat. Ein New York aber auch, das merkwürdig unscharf bleibt. Sicherlich es gibt den Ground Zero, die Freiheitsstatue, Madison Square Garden, den Central Parc und Greenwich Village, doch so richtig mitspielen tut der Big Apple nicht.

Auffallend, dass der Autor immer wieder zwischen einem allwissenden Erzählstil und der Ich-Erzählung aus Sicht von Mistress Atwood wechselt. Diese Wechsel werden sehr bewusst auch mitten in Kapiteln eingesetzt, bewirken zum Einen, dass der Leser mitten in der Handlung eine andere, erhellende Sichtweise auf die Vorgänge bekommt, und sorgt zum Anderen dafür, dass wir direkter in die Handlung eingebunden werden.

Dennoch kann ich nicht verhehlen, dass mich das Geschehen nicht ganz so in seinen Bann zog, wie in den ersten drei Bänden. Dies mag damit zusammenhängen, dass Scarlet als Protagonistin lange nicht die charismatische Person ist wie es Emily war. Zu sehr wird Scarlet von den Ereignissen, die ihr widerfahren, beherrscht, zu unscharf bleibt sie insbesondere zu Beginn des Romans, als sie sich selbst und ihren Platz im Geschehen sucht.

Und auch New York und die Stadt unter der Stadt bleiben gegenüber den Settings in London und Paris doch ohne wirkliches Flair. Zu sehr steht die Suche nach der Aufklärung um Scarletts Vergangenheit im Mittelpunkt der Handlung, als dass viel Platz für die Darstellung der unterirdischen Metropole bleibt. Dabei sind faszinierende Ansätze vorhanden. Der gestrandete Walfänger aus Moby Dick komplett mit Überlebenden aus Melvilles Roman, die Neverglades mit ihren intelligenten Alligatoren oder Chinadowntown natürlich mit Drachen, das sind Orte voller Farbe und Atmosphäre, über die ich nur zu gerne mehr erfahren hätte. Allein diese Schauplätze werden nur gestreift, sind lediglich Pappkulisse für die Handlung. Lange Zeit bleibt die Suche unserer Protagonistin nach sich selbst im Zentrum des Geschehens. Erst spät offenbart der Autor, was wirklich hinter den Vorgängen, deren Zeuge wir werden, steckt.

Der Krieg selbst, die Täuschung in der Täuschung, der Traum im Traum, das eigentliche Finale kommt dann abrupt und wird kurz, um nicht zu sagen zu kurz regelrecht abgehandelt. Zwar erhalten wir Erklärungen für die Fährnisse unserer Heldin, doch so richtig befriedigen oder gar mit ihrem Schicksal versöhnen konnten mich diese nicht. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Christoph Marzi sich ein wenig in seiner Handlung verloren hat. Zum Finale hin überstürzen sich die Ereignisse, werden wir von Offenbarungen förmlich erschlagen.

Zwar besticht der Roman mit tollen Ideen, doch macht der Autor letztlich zu wenig daraus, um im Vergleich mit seiner Bestseller-Trilogie oder den Jugendbuch-Titeln aus dem Arena Verlag wirklich punkten zu können.

Ihre Meinung zu »Christoph Marzi: Somnia«

PMelittaM zu »Christoph Marzi: Somnia«10.02.2015
Scarlet Hawthorne findet sich ohne Gedächtnis im New Yorker Battery Park wieder und wird von unheimlichen Wesen verfolgt. Anthea Atwood nimmt sich ihrer an und gemeinsam machen sie sich daran, Scarlets Erinnerung wiederherzustellen.

Zwei Jahre nach „Lumen“ kehrt Christoph Marzi noch einmal in die uralten Metropolen zurück, dieses Mal ist es New York, die erste, die es in der Neuen Welt zu entdecken gibt. Dafür hat der Autor auch neue Protagonisten entwickelt, Scarlet Hawthorne, deren Abstammung für eine Überraschung sorgt, und Anthea Atwood, die im Grunde Wittgensteins Part übernimmt, vor allem den der Erzählerin, die zwar in Ich-Form aber dennoch allwissend auch die Parts erzählt, bei denen sie gar nicht anwesend ist. Mitunter wird dabei mitten im Abschnitt die Perspektive gewechselt, ich hatte tatsächlich mehrere Male das Problem, dass ich in dem Ich-Erzähler kurz Scarlet wähnte. Wer die alten Charaktere vermisst: Der Roman erzählt zumindest ein bisschen davon, was in London passiert und es gibt auch ein Wiedersehen, mit wem, wird aber nicht verraten.

Gut gefällt mir, dass Marzi nicht nur den Ort in die USA verlegt hat sondern auch amerikanische Mythen und historische Gegebenheiten in die Handlung einfließen lässt. Wer gerne googelt, wird schnell fündig. Ebenso gut gefallen mir die vielen literarischen Anspielungen, wahrscheinlich habe ich längst nicht alle entdeckt.

Bis etwa zur Hälfte hat mich der Roman wirklich begeistert. Kurz hatte ich zwar wieder Probleme mit Marzis in meinen Augen übertriebenem Schreibstil, jedoch finden sich hier viel weniger der sehr nervtötenden Wiederholungen, die es noch in der vorhergehenden Trilogie gab. Die Geschichte beginnt zudem sehr spannend und vielversprechend. Dann hatte ich jedoch immer mehr das Gefühl, nichts wirklich Neues zu lesen, was ich zunehmend ermüdend fand, mein Interesse ließ nach, Spannung kam kaum mehr auf.

Ich denke, Christoph Marzi und ich sind einfach nicht kompatibel. Nachdem ich nun alle Bücher von ihm, die in meinem Besitz sind, gelesen habe, werde ich wohl kein weiteres seiner Werke mehr lesen. Wer schon die Trilogie (Lycidas, Lilith, Lumen) mochte, wird wahrscheinlich auch an diesem Roman Freude haben, wer sie noch nicht kennt, sollte sie vorab lesen, denn der Roman baut letztlich auf ihr auf.
Eldera zu »Christoph Marzi: Somnia«01.09.2010
Das Buch hat mich enttäuscht.
Sosehr wie ich von den ersten Bänden gefesselt war, so sehr habe ich mich durch dieses gequält, um die „ganze“ Geschichte zu erfahren.

Manchmal überkam mich das Gefühl, dass ein ganz anderer Autor dies geschrieben hat. Aus der kraftvollen Erzählung der ersten Bände wurde eine sentimentale Geschichte. Scarlet fürchtet sich vor so viel, es ist ein Wunder, dass sie überhaupt den anderen Protagonisten hinterher geht. Denn nur das tut sie, sich hinterher schleifen, ziehen und -zerren zu lassen.
Zudem werden viele kleine Geschichten erzählt, die aber nur wenig Einfluss auf die Handlung haben. Leider machten diese Geschichten für mich eher den Eindruck von Füllwerk statt von Flair und Farbe.

Fazit: Schade. Wie schon öfter erlebt, eine Fortsetzung, um an die alten Erfolge anzuschließen. Nur leider nicht halbwegs so gut wie die alten Bücher.
arne anger zu »Christoph Marzi: Somnia«23.11.2008
Es ist eine erfolgriche Fortsetzung der "Uralten-Metropolen Reihe". Nach nur wenigen Seiten ist man so in die Geschichte vertieft, dass einem der Alltag erspart bleibt.
Spannung, Abenteuer und viel Fantasie sind in einer hervorragenden Mischung vorhanden. Wiedersehen mit alten Bekannten und das kennenlernen neuer Charaktere macht viel Spaß und hilft einem über so manche Herbsdepression hinweg.
Ein Buch, welches man nur Empfehlen kann.
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