Das Labyrinth des Maal Dweb von Clark Ashton Smith

Buchvorstellungund Rezension

Das Labyrinth des Maal Dweb von Clark Ashton Smith

Originalausgabe erschienen 2013deutsche Ausgabe erstmals 2013, 416 Seiten.ISBN 3865521282.Übersetzung ins Deutsche von Malte S. Sembten u.a..

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In Kürze:

Im Festa Verlag erscheinen Die gesammelten Erzählungen von Clark Ashton Smith in sechs Bänden. Geordnet nach Zyklen, jeder Zyklus mit einer Einführung des amerikanischen Fantastikexperten Will Murray. Dazu weitere Texte über Smiths Leben und Werk. Circa 120 Geschichten in neuer Übersetzung – von den ersten Schreibanfängen 1910 bis zur letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Story 1958. Mehr als 60 deutsche Erstveröffentlichungen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Expeditionen durch bizarre und triviale Welten“90

Horror-Rezension von Michael Drewniok

16 Erzählungen von Clark Ashton Smith (1893-1961), einem Meister des farbenfrohen, gern grotesken Abenteuers:

  • Die Kette des Aforgomon (The Chain of Aforgomon, 1934/1934), S. 7-32: Die in einem früheren Leben begangene Tat holt den ahnungslos wiedergeborenen Frevler mit schrecklichen Folgen ein.
  • Ein Trank für die Mondgöttin (An Offering to the Moon, 1930/1950), S. 33-48: Der unstete Weltreisende erfährt auf einer Pazifikinsel, dass ihn sein Schicksal durch viele Leben hindurch verfolgt.
  • Prinz Alcouz und der Magier (Prince Alcouz and the Magican, um 1912/1977), S. 49-51: Der böse Prinz lässt sich die Zukunft weissagen, doch ihm bleibt nicht die Zeit, die dabei erhaltene Warnung in die Tat umzusetzen.
  • Ein Abenteuer in der Zukunft (An Adventure in Futurity, 1930/1931), S. 52-104: 15000 Jahre in der Zukunft muss ein Zeitreisender mitansehen, wie der Mensch von der Erde vertrieben wird.
  • Die Venus von Azombeii (The Venus of Azombeii, 1929/1931), S. 105-140: Im tiefsten Afrika findet der Reisende die Liebe seines Lebens und kehrt unter einem grässlichen Fluch in seine Heimat zurück.
  • Der Allmächtige des Mars (Seedling of Mars, 1931/1931), S. 141-196: Eine uralte Macht bittet um Hilfe und bietet unglaubliches Wissen im Tausch, doch die Menschheit reagiert wie üblich mit Dummheit, Angst und Krieg.
  • Die Rückkehr des Hexers (The Return of the Sorcerer, 1930/1931), S. 197-217: Der Mord an einem Hexenmeister wird zum Problem, weil der Tod dessen Rachsucht nicht stoppen kann.
  • Der Flirt (The Flirt, 1921/1922 o. 1923), S. 218/19: Nicht nur Männer wissen um die Macht des Wortes, wenn es gilt, das andere Geschlecht einzuwickeln.
  • Genius Loci (Genius Loci, 1931/1933), S. 220-243: Ein verfluchter Ort zieht seine Besucher in einen unheiligen Bann, dem sie schließlich schauerlich erliegen.
  • Etwas Neues (Something New, 192?/1924), S. 244-247: Der Liebhaber findet endlich heraus, wie er seine gelangweilte Gefährtin neu für sich entflammen kann.
  • Die Dimension des Zufalls (The Dimension of Chance, 1932/1932), S. 248-282: Durch ein Dimensionsloch geraten zwei Piloten in eine Welt, die ihre Naturgesetze buchstäblich auf den Kopf stellt.
  • Ein Gedichtband von Burns (A Copy of Burns, 1930), S.  283-286: Der enttäuschte Neffe versäumt es, das einzige Erbstück seines Onkels genauer unter die Lupe zu nehmen.
  • Invasion von der Venus (The Metamorphosis of the World, 1930/1951), S. 287-328: Auf besonders perfide Art soll die Erde in eine Kopie der lebensfeindlichen Höllenwelt Venus verwandelt werden.
  • Sadastor (Sadastor, 1925/1930), S. 329-333: Ein Dämon möchte seine Gefährtin mit einer traurigen Geschichte auf andere Gedanken bringen.
  • Will Murray: Maal Dweb, Herrscher über Xiccarph, S. 334-339
  • Das Labyrinth des Maal Dweb (The Maze of the Enchanter, 1932/1938), S. 340-362: Um seine Geliebte zu retten, wagt sich ein junger Jäger in das mit Fallen gespickte Schloss eines gefürchteten Magiers.
  • Das Wagnis des Maal Dweb (The Flower-Woman, 1933/1935), S. 363-380: Den allmächtigen Magier Maal Dweb plagt die Langeweile, weshalb er sich einer tödlichen Herausforderung ohne die üblichen Hilfsmittel stellt.
  • Scott Connors u. Ron Hilgers: Anmerkungen zu den Erzählungen, S. 381-411

(Die Jahreszahl vor dem Schrägstrich dokumentiert den Zeitpunkt der Niederschrift, die Zahl dahinter das Jahr der Erstveröffentlichung. Diese Informationen wurden den „Anmerkungen zu den Erzählungen“ entnommen.)

Der Künstler und das liebe Brot

Clark Ashton Smith war nicht der erste Künstler, der sich gezwungen sah, sein Talent zugunsten eines breiteren Publikums herunterzufahren. In den 1920er und frühen 1930er Jahren war er auf den Verdienst angewiesen, den ihm die Mitarbeit an diversen phantastischen Magazinen bescherte. Deren Herausgeber zahlten ein oder zwei Cent pro Wort, wenn sie denn überhaupt zahlten. Nicht nur Smith musste mehr als einmal erleben, dass ein Magazin einging, bevor ihn der Honorarscheck erreichte oder er sein Geld mit Anwaltshilfe eintreiben konnte.

Zudem zeigten sich die Herausgeber wählerisch. Smith galt als verkappter Literat, vor dem man die Leserschaft – die man für anspruchsarm bzw. geistig beschränkt hielt – schützen musste. Immer wieder klagte Smith seinem ähnlich betroffenen Brieffreund H. P. Lovecraft (1890-1937), dass eine Story abgelehnt worden war, weil er Wörter verwendet hatte, für die man womöglich ein Lexikon zu Rate ziehen musste. So erging es ihm beispielsweise mit den beiden Geschichten um den Magier Maal Dweb. Zwar konnte Smith sie schließlich unterbringen, doch er musste sie mehrfach umarbeiten, um sie auf das gewünschte Niveau herunterzubrechen. Diese Erfahrung frustrierte Smith so, dass er die Welt Xiccarph aufgab.

Heute würden wir sehr gern mehr über die Taten des Maal Dweb erfahren. In diesen beiden Geschichten zeigt sich ein schreibfreudiger, vom Thema gefesselter Smith, der deshalb die für ihn typische Mischung aus Exotik, Spannung und Ironie an den Tag legt. Die Differenz zu den Brot-&-Butter-Storys, die Smith für „Wonder Stories“, „Weird Tales“ oder „Amazing Stories“ schrieb, ist beachtlich. „Ein Abenteuer in der Zukunft“, „Der Allmächtige des Mars“ oder „Invasion von der Venus“ zeigen einen mühsam gebändigten Smith, der sich mit der ´wissenschaftlichen’ Akkuratesse quälte, die seitens der „Pulp“-Magazine stolz behauptet wurde.

Frustriert aber vielseitig

Reine Unterhaltungsautoren mussten und müssen vor allem schnell arbeiten können und thematisch flexibel sein. Anders als der schon erwähnte Lovecraft war Smith in der Lage, sich dem Markt anzupassen, obwohl er manche besonders bittere Kröte schlucken musste. „Ein Gedichtband von Burns“ ist eine schön geschriebene aber auf den Schlussgag getrimmte Story ohne übernatürliche oder abenteuerliche Elemente. „Etwas Neues“ belegt gar den Versuch, für ein Sado-Maso-Magazin zu schreiben. Dass die schwiemelige Schweinigelei dieses Milieus nichts für den lebenslustigen Verfasser war, geht aus jeder Zeile hervor.

Überhaupt war Smith kein Kind von Traurigkeit. Er liebte die Frauen, was auf Gegenseitigkeit beruhte, und er machte trotz der zeitgenössisch erforderlichen Zurückhaltung keinen Hehl daraus. Anders als Lovecraft oder Robert E. Howard (1906-1936) gab es bei Smith nie Zweifel, dass seine Helden Sex kannten – und schätzten. In „Die Venus von Azombeii“ oder „Sadastor“ lassen bereits seine ´Andeutungen’ an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig.

Ebenso ausgeprägt zeigt sich ein Sinn für Humor, der gerade im „Pulp“-Umfeld (aber nicht nur dort) keine Selbstverständlichkeit war. In „Der Allmächtige des Mars“ lässt Smith in eine ansonsten naive, stark gealterte Story zahlreiche Bosheiten einfließen, die sich gegen allzu selbstbewusste Mitglieder des politischen oder kulturellen Establishments richten. Solche Spitzen wird der aufmerksame Leser immer wieder finden.

Neue Wege wagen

Ungeachtet der Widerstände, denen er sich in der Magazin-Mühle ausgesetzt sah, versuchte Smith, Anspruch und Anforderungen in ein ihm genehmes Verhältnis zu setzen. Er konnte erstaunlich vielseitig schreiben. Man mag kaum glauben, dass „Die Rückkehr des Hexers“ und „Genius Loci“ von demselben Mann stammen, der für seine komplizierten Wortspiele und flamboyanten Stimmungs- und Landschaftsbilder bekannt war. Diese beiden Storys sind lupenreine Gruselgeschichten, die Genre-Großmeister wie Algernon Blackwood (1869-1951) oder M. R. James (1862-1936) nicht besser hätten schreiben können. So nimmt es kaum Wunder, dass diese beiden Erzählungen immer wieder in Sammlungen klassischer Spuk-Storys aufgenommen werden.

Ungeachtet des schauerlichen Endes wandelt Smith mit „Die Venus von Azombeii“ gelungen auf den Spuren von Henry Rider Haggard (1856-1925). Mit dieser „Lost-Race“-Geschichte stellte er unter Beweis, dass er das übernatürliche Element nicht unbedingt benötigte, um Spannung zu erzeugen. Leider verhinderte die gedämpfte Begeisterung der potenziellen Käufer abermals, dass Smith sich in dieser Richtung entwickelte. Gefordert wurden stattdessen simple Abenteuer mit gruseligen Einlagen. Natürlich konnte Smith liefern. Für „Die Kette des Aforgomon“ oder „Ein Trank für die Mondgöttin“ bremste er seine überschäumende Fantasie und lenkte sie in die gewünschten Bahnen, ohne seine amüsanten Eigenheiten gänzlich aufzugeben.

Noch besser gelang es Smith in „Die Dimension des Zufalls“, seiner Erzähllust die Sporen zu geben. Der alberne Plot von der Jagd auf Spione ist reinster Vorwand. Stattdessen malt Smith unter weitgehendem Verzicht auf eine stringente Handlung das Bild einer naturgesetzlich außer Rand und Band geratenen Fremdwelt, die durch absurden Einfallsreichtum besticht.

Die Reise geht weiter

In sechs Teilen sollen die Erzählungen von Clark Ashton Smith im Festa-Verlag erscheinen. Das ehrgeizige Werk wird sich über mehrere Jahre hinziehen, denn ein Millionenpublikum dürfte es nicht erreichen. Umso erfreulicher ist die Hartnäckigkeit, mit der Herausgeber Frank Festa an dem Projekt festhält, das mit Das Labyrinth des Maal Dweb seine Halbzeit erreicht hat.

Einmal mehr erfreut nicht nur der Buchinhalt das Leserherz. Auch die Präsentation trägt zu seinem Unterhaltungswert bei. Die Geschichten wurden erstmals oder neu übersetzt – und das mit dem Blick auf die Lesbarkeit von Texten, die viele Jahrzehnte alt sind und/oder inhaltlich hohe Ansprüche stellen: Smith war ein kluger und gebildeter Mann, der nicht nur seine Handwerk verstand, sondern echtes literarisches Talent an den Tag legte, wenn man es ihm denn gestattete. Vor allem seine besseren Geschichten sind buchstäblich komponiert; oft feilte Smith an einzelnen Wörtern, bis er die gewünschte Wirkung erreicht sah.

Viele hochinteressante Informationen über die schriftstellerische Arbeit des Verfassers lassen sich den ausführlichen Anmerkungen entnehmen. Will Murray erläutert, wieso „Maal Dweb, Herrscher über Xiccarph“ nach nur zwei Auftritten wieder in der Versenkung verschwand. Scott Connors und Ron Hilgers werten den Briefverkehr des Schriftstellers aus, der sich gern und oft zu seiner Arbeit äußerte. Außerdem verorten sie jede einzelne Story in der Biografie, denn manche Erzählung begleitete (oder verfolgte) Smith über Jahre.

Fest eingebunden, schön gedruckt und mit Lesebändchen gehört Das Labyrinth des Maal Dweb zu jenen Werken, die nachdrücklich unter Beweis stellen, dass sich das eBook mit dem gedruckten Buch in Sachen Haptik nicht messen kann.

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