Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis von Clark Ashton Smith

Buchvorstellungund Rezension

Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis von Clark Ashton Smith

Originalausgabe erschienen 2012, 416 Seiten.ISBN 3865520898.

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In Kürze:

Der zweite Band der sechsbändigen Gesamtausgabe der Erzählungen von Clark Ashton Smith (1893-1961) mischt einmal mehr großartige, vom ideenstarken Verfasser bis ins Detail polierte Phantastik mit Brot-und-Butter-Prosa, die nichtsdestotrotz ihre eigenen unterhaltsamen Reize entfaltet: Wieder zeigt sich Smith als Autor, der sein Publikum noch heute in den Bann ziehen kann.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Faszinierende Schattenseiten höchst fremder Welten“95

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Band 2 der sechsbändigen Gesamtausgabe der Erzählungen von Clark Ashton Smith (1893-1961):

  • Die unentdeckte Insel (The Uncharted Isle, 1930), S. 7-21:
    Ein Seemann landet schiffbrüchig auf einer Insel, die aus dem Raum-Zeit-Kontinuum gerissen wurde.
  • Das Ungeheuer aus der Prophezeiung (The Monster of the Prophecy, 1929/1932), S. 22-68:
    Ein abenteuerlustiger Erdmann schließt sich der Heimfahrt eines Außerirdischen an, um sich vor Ort als Opfer einer Palastintrige missbraucht zu sehen.
  • Der Brief aus Mohaun Los (The Letter from Mohaun Los, 1932), S. 69-113:
    Die Experimentalreise mit einer neu erfundenen Zeitmaschine führt nicht nur in die ferne Zukunft, sondern auch auf fremde Welten mit bizarren und ungastlichen Bewohnern.
  • Das Gorgonenhaupt (The Gorgon, 1930/1932), S. 114-128:
    Bereits die Erwartung, das von Perseus abgeschlagene Haupt der sagenhaften Medusa zu sehen, lässt einen jungen Abenteurer voller Vorfreude förmlich erstarren.
  • Die Epiphanie des Todes (The Epiphany of Death, 1930/1934), S. 129-135:
    Wie alt der berüchtigte Tomeron wirklich war, erfährt sein Begleiter während einer Expedition in die Tiefen einer vergessenen Totenstadt.
  • Eine nekromantische Geschichte (The Necromantic Tale, 1930/1931), S. 136-152:
    Das Studium uralter Quellentexte öffnet dem ruchlosen Urahn einen Weg durch Raum und Zeit in das Hirn seines allzu neugierigen Nachfahren.
  • Die Unsterblichen des Merkur (The Immortals of Mercury, 1932), S. 153-197:
    Eine Weltraumexpedition zum Planeten Merkur endet für einige Teilnehmer in den unterirdischen Höhlen böswilliger Ureinwohner, die sie erbarmungslos durch eine schrecklich lebendige Unterwelt jagen.
  • Ein Leichnam zuviel (The Supernumerary Corpse, 1932), S. 198-208:
    Der Mord am verhassten Nebenbuhler endet zum Schrecken des Täters mit einer Verdoppelung der Leiche.
  • Die namenlose Ausgeburt (The Nameless Offspring, 1931/1932), S. 209-234:
    Der Familie Tremoth wurde einst ein unmenschlicher Spross geboren, der eingesperrt in einem schwer gesicherten Zimmer sein Leben fristet und dies mit allen Mitteln zu verlassen gedenkt.
  • Die Knospen des Grabes (The Seed from the Sepulcher, 1933), S. 235-254:
    In einer verwunschenen Urwaldstadt stoßen Forscher auf eine Pflanze, die sie als fruchtbare Gastkörper erkennt und behandelt.
  • Will Murray: Der Mars-Zyklus von Clark Ashton Smith, S. 257-266
  • Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis (The Vaults of Yoh-Vombis, 1931/1932), S. 267-296:
    Statt gewaltiger Schätze finden Erdmänner tief unter der Oberfläche des Planeten Mars eine Grabstätte mit lebendigen, grässlichen, hungrigen Bewohnern.
  • Der Herrscher der Tiefe (The Dweller in the Gulf, 1933), S. 297-321:
    Ein gewaltiger Schacht in die Tiefen des Mars führt einige Glücksritter nicht zu wertvollen Bodenschätzen, sondern unter Kreaturen, die stets nach Opfern für ihren grausigen Meister suchen.
  • Vulthoom (Vulthoom, 1933/1935), S. 322-361:
    Ein uraltes und mächtiges Mars-Wesen bereitet die Invasion der Erde vor, was einige Menschen zu verhindern trachten.
  • E. Hoffman Price: Erinnerungen an Klarkash-Ton, S. 363-381
  • Scott Connors und Ron Hilgers: Anmerkungen zu den Erzählungen, S. 383-414
  • Nachtrag zu Band 1, S. 415

Fremd ist faszinierend – mit irdischen Einmischungen

Zum zweiten Mal nimmt uns Clark Ashton Smith auf seine Reisen durch Raum, Zeit und diverse Dimensionen. Dabei steuert er manche Untiefe an – dies keineswegs immer freiwillig, sondern schnöde auf Anordnung derer, die seine Storys kauften. Smith schrieb für die zeitgenössischen „Pulp“-Magazine, deren Herausgeber jeden Cent mindestens dreimal umdrehten, um ihn dann im Idealfall wieder einzustecken, statt ihn den Autoren zukommen zu lassen. In den „Anmerkungen zu den Erzählungen“ leben die Kämpfe auf, die ein frustrierter Smith mit Redakteuren führte, weil diese seine Erzählungen zu wortreich, zu gruselig oder zu kompliziert fanden. Vor allem das letzte Urteil wirft ein bezeichnendes Licht auf die Einschätzung des „Pulp“-Publikums.

Smith wollte sich dem nicht beugen, musste es aber, weil er auf die kargen Einkünfte seiner Magazinverkäufe angewiesen war. Das Ergebnis sind im schlimmsten Fall Storys wie „Der Brief aus Mohaun Los“, deren altmodische Naivität im Inhalt allerdings durch Passagen gemildert und ausgeglichen werden, in denen Smith ungeachtet aller Sabotage durch den Herausgeber einschmuggelt, woran sein Herz hing: die Darstellung des Fremden und Exotischen, gleichermaßen Faszinierenden wie Abstoßenden.

Wer von Smith kaufte, musste stets auf der Hut sein, weil dieser mit einem gleichermaßen hintersinnigen wie hinterlistigen Humor begabt war, der es ihm ermöglichte, seine anweisungsgemäß auf Pulp-Niveau gebrachten Storys mit Spitzen zu versehen, die der Redaktion womöglich nicht auffielen. „Das Ungeheuer aus der Prophezeiung“ ist ein gutes Beispiel. Die übliche Reise zu und über einen fremden Planeten zeitigt beim irdischen Besucher Folgen, die den Pulp-Lesern üblicherweise vorenthalten blieben: „Alvor begann die Einsamkeit in sich zu spüren …Er wurde zwar nicht im eigentlichen Sinne krank, dafür jedoch grauenhaft nervös.“ (S. 54) Aus dem Kontext wird sonnenklar, was Smith damit meint: Alvor ist geil!

So kommt es zu einer Annäherung der dritten Art, die den Erdmann keineswegs nur freundschaftlich mit einer außerirdischen Gefährtin zusammenführt. Den lästigen Kritikern schrieb Smith abschließend dies ins Stammbuch:

„Allem Anschein nach beherrschten die Einwohner Omanorions die zivilisierteste aller Künste – nämlich die, ihre Nase nicht in fremde Angelegenheit zu stecken.“ (S. 68)

Sehen, fühlen, handeln – in dieser Reihenfolge

Vergangenheit, Zukunft, Dimension X, Y, Z: Seine Protagonisten verschlägt es nach dem Willen des Verfassers dorthin, wo ihnen Erfahrung und Wissen wenig helfen. Allzu forsch erkunden sie ihre Umgebung, reagieren eher, als zu agieren, werden manchmal von den Bewohnern jener fremden Sphären nicht einmal zur Kenntnis genommen („Die unentdeckte Insel“). Oft endet das Abenteuer ebenso abrupt, wie es begonnen hat. Der Reisende entflieht – oder er kommt um, denn der Zauber des Fremden hat seinen Preis.

In „Die Epiphanie des Todes“ gerät der Erzähler nie in echte Gefahr. Trotzdem laufen auch dem Leser Schauer über den Rücken, wenn sich aufklärt, wer da wen in eine alte Grabkammer begleitet hat. Faszination und Schrecken verknüpft Smith wohl am eindrucksvollsten in der längeren Erzählung „Die Unsterblichen des Merkur“. Der Held muss durch mehr als eine Hölle gehen, ein Happy-End bleibt wiederum aus. Solche Erlebnisse können einem auch auf der heimischen Erde buchstäblich blühen, wie zwei Glücksritter in „Die Knospen des Grabes“ erfahren.

Raum und Zeit unterliegen bei Smith keinen festen Grenzen. Es gibt Portale und Überlappungen, die sich oft kluge aber auch unfreundliche Zeitgenossen zunutze machen. In „Eine nekromantische Geschichte“ entkommt nicht namen- aber körperloses Grauen der Vergangenheit seinem Ende durch Flucht in die Zukunft. Oft ist der Schrecken alterslos. „Das Gorgonenhaupt“ übt seine furchtbare Wirkung in der Gegenwart so ungebrochen aus wie in der griechischen Antike. „Die namenlose Ausgeburt“ will nicht sterben, sondern bahnt sich stattdessen seinen Weg in die Freiheit. Fast von Glück kann jener Mörder sprechen, der in „Ein Leichnam zuviel“ „nur“ vor dem Problem steht, eine Leiche partout nicht zum Verschwinden bringen zu können.

Der rote, nur scheinbar tote Planet

Für jene drei Mars-Geschichten, die zwischen 1931 und 1933 verfasste, genießt Smith besonders hohes Ansehen. Literaturkritiker schätzen sein in diesem Fall gelungenes Bemühen, formale und inhaltliche Qualität zu bewahren, obwohl auch diese Storys ursprünglich nur in den „Pulps“ erschienen. Dieses Mal lag Smith mit den auf leicht verdauliche Käuferware geeichten Herausgebern auf einer Linie. Hinzu kam der Schauplatz: In den 1930er Jahren kristallisierte sich zwar für die Wissenschaft bereits heraus, dass der Planet Mars kein wüstenhaftes Spiegelbild der Erde darstellte. Noch standen endgültige Beweise aus, sodass die romantische Darstellung eines von Kanälen durchzogenen und von uralten Kulturen bewohnten Nachbarplaneten weiterhin möglich war.

Smith wäre allerdings nicht Smith gewesen, hätte er diese Vorgaben nicht auf seine spezielle Weise ergänzt. In gewisser Weise lag er auf einer Linie mit H. G. Wells (1866-1946), der 1897 sehr feindselige Marsianer den Krieg der Welten gegen die Menschheit erklären ließ. Smith entschied sich gegen offene Auseinandersetzungen. „Sein“ Mars ist zwar karg aber keineswegs tot. Das eigentliche Leben hat sich tief unter die Oberfläche zurückgezogen, wo es die menschlichen Siedler eher zufällig und dann stets zu ihrem Nachteil entdecken.

Dabei richtet sich die Feindseligkeit nicht unbedingt gegen die Erdlinge. Nur Vulthoom will sie gezielt unterwerfen. Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis oder die Herrscher der Tiefe existierten hingegen lange vor den Menschen. Schon die alten Marsianer hatten unter ihnen zu leiden. Die Menschen nehmen ahnungslos und unfreiwillig ihre Stelle ein. Da Smith ein Mann ausgeprägter Fantasie war, wirken die Schicksale dieser Pechvögel noch heute außerordentlich grässlich. Hinzu kommt ein Gespür für einen oberflächlich trügerisch stillen Mars, der Smith zu außerordentlichen Landschafts- und Stimmungsbildern inspirierte.

Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis bietet abermals Abenteuer und Grusel auf solidem, bis hohem Niveau. Nostalgie sorgt für weitere Anziehungskraft. Dieser zweite Band der geplanten sechsbändigen Gesamtausgabe des erzählerischen Smith-Werkes reiht sich ebenso unterhaltsam wie prächtig in die Reihe ein. Die Übersetzung ist vorzüglich, die „Features“ in Gestalt kundiger Hintergrundinformationen und Kommentare sind interessant. Auf diese Weise kann es mit der Ausgabe weitergehen!

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