Sturm von Claudia Kern

Buchvorstellungund Rezension

Sturm von Claudia Kern

Originalausgabe erschienen 2008, 400 Seiten.ISBN 3-442-24420-X.

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In Kürze:

Es ist ein großer Tag für Ana, die einzige Tochter des Fürsten von Somerstorm. Ihr siebzehnter Geburtstag beginnt mit den Darbietungen von Gauklern und Schaustellern – und endet in einem Massaker an ihrer Familie! Jetzt ist Ana auf der Flucht, nur begleitet von einem Leibwächter, den sie kaum kennt und dem sie noch weniger traut. Auf Burg Somerstorm, ihrer verlorenen Heimat, herrschen nun die geheimnisvollen Nachtschatten – und der Mord an Anas Familie war nur der Anfang ihrer düsteren Pläne!

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Eigenständiges und beeindruckendes Fantasy-Debut“90

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Das Bergfürstenreich Somerstorm gilt dank ausgiebiger Goldvorkommen als eines der reichsten und damit mächtigsten Fürstentümer der bekannten Welt. Kein Wunder, dass dieser Reichtum Begehrlichkeit, Neid und Hass weckt. Ausgerechnet am siebzehnten Geburtstag der Thronfolgerin Ana kommt es zum Undenkbaren. Die unbezwinglich scheinende Feste wird verraten und überfallen, die feiernden Fürsten gemeuchelt.

Ein seit Jahrhunderten besiegt geglaubtes Übel – die Nachtschatten, finstere Gestaltwandler – erhebt erneut sein Haupt. Nur die königlichen Geschwister Ana und ihr jüngerer Bruder Gerit überleben das Massaker. Während Gerit gefangen auf der Burg zurückbleibt, flieht Ana, begleitet nur von einem bezahlten Leibwächter aus ihrem beschützten Leben.

Zur gleichen Zeit macht sich Prinz Richard, der Verlobte Anas zusammen mit einem Adepten der Wissenschaft auf, seine Liebe zu suchen und Somerstorm an der Spitze eines Heeres aus der Hand der Gestaltwandler zu befreien.

Währenddessen gerät Kronprinz Gerit immer mehr in den Bann des charismatischen Heerführers der Nachtschatten, dem ehemals überall ob seiner Erfolge gefeierten General Korvelan. Schmerzhaft muss er lernen, dass das Leben nicht nur Befehlen und Vergnügen bedeutet, dass jeder seinen Weg suchen und ihn auch gegen Widerstände gehen muss. Nicht länger kann er sich auf andere verlassen, er selbst muss werten, seine Entscheidungen treffen und die Folgen tragen.

Als das Befreiungsheer an den Pässen zum Fürstentum entdeckt wird, muss er sich entscheiden, auf welcher Seite er in den Krieg zieht – keine so einfache Wahl, wie man denken sollte . …

Das Spielen mit der Erwartungshaltung der Leser

Claudia Kern ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt im Genre. Mit ihrem Namen verbindet der Freund der Phantastik das SF Magazin „Space View“, RingCon und FedCon ebenso wie packende Haftromane um Maddrax und Co. Noch ein Heft-Schreiberling, der in den Buchmarkt drängt – so werden böse Zungen daher unken.

Nun, eine Fantasy-Trilogie ist es zunächst einmal geworden, aber damit hören die Austauschbarkeiten und Unkerufe dann auch auf, denn das, was die Verfasserin ihrem Leser an die Hand gibt, kann sich wirklich sehen lassen.

Die Grundsituation entspricht zu Beginn dem Gewohnten – ein Königreich wird verraten, die natürlich bösen Gestaltwandler überfallen die Feste des regierenden Fürsten, den beiden Königskinder gelingt es zu überleben. In der Folgezeit werden sie Verbündete um sich scharen, um den finsteren Verrätern ihre dunklen Pläne zu durchkreuzen – so zumindest meine Erwartungen. Doch nur zu bald wurde ich – glücklicherweise – eines Besseren belehrt.

Im Verlauf der Handlung bleiben sowohl die Figuren, deren Bedeutung als auch die Geschehnisse selbst permanent im Fluss. Immer wieder wandeln sich die als felsenfest zementiert erscheinenden Unterstellungen, muss man Geschehnisse neu bewerten, wird eine unerwartete Motivation von Taten und Gestalten nachgeschoben. Nie kann sich der Leser sicher sein, wie es weitergehen wird, wen er bei seiner natürlich gerechten Queste begleiten soll.

Überhaupt: Gerechtigkeit, Verantwortung – zwei Begriffe, die ungenannt immer präsent sind, die mitschwingen, die sich aber auch immer sehr subjektiv präsentieren. Was dem einen, für den Rezipienten durchaus nachvollziehbar gerecht erscheint, wird vom Gegenüber als perfider Verrat gewertet. Beide Seiten der Medaille werden dargestellt, so einfach nach Schema X macht es uns die Autorin nicht. Hier gibt es keine Guten oder Schlechten, hier hat vieles einen doppelten Boden, entpuppt sich so manches als ganz anders wie ursprünglich gedacht.

Das ist kein nettes, flüssig lesbares, aber austauschbares Fantasy-Abenteuer, das fordert den Leser, das spielt mit seiner Erwatungshaltung, das überrascht so manches Mal. Dabei liest sich das Buch faszinierend, stilistisch solide auf einen Rutsch durch, nimmt den Leser mit seinen Gestalten gefangen und macht neugierig darauf, wie es wohl weitergehen wird. Einzig die Darstellung ihrer Welt bleibt noch ein wenig im Dunkeln, ordnet sich der fast episch zu nennenden Wucht der Ereignisse und den tragisch zu nennenden Schicksalen der Personen unter.

Endlich einmal ein Fantasy-Debut, das die Meriten, die der Waschzettel ihm andichtet, wirklich verdient hat – Hut ab, Frau Kern, das war eigenständig und beeindruckend.

 

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