Die Kristallkäfer von Clifford D. Simak

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Die Kristallkäfer von Clifford D. Simak

Originalausgabe erschienen 1968unter dem Titel „So Bright the Vision“,deutsche Ausgabe erstmals 1971ISBN nicht vorhanden.

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Luxi zu »Clifford D. Simak: Die Kristallkäfer«13.10.2009
"Die Kristallkäfer" ist eine Storysammlung von Clifford D. Simak, die im englischen Original "So Bright the Vision" hieß und erstmals 1968 erschien. Die Storys selbst sind jedoch noch älter und wurden zwischen 1956 und 1960 in diversen SF-Magazinen erstveröffentlicht.

Es gibt nur diese eine deutsche Ausgabe in Form eines Groschenheftes (Terra Astra 17) aus dem Jahre 1971, worin drei der ursprünglich vier Geschichten enthalten sind. Dem Platzmangel zum Opfer gefallen ist übrigens die Titelstory "So Bright the Vision", was in der Bibliographie von Christian Pree (http://www.chpr.at/buecher/s/simakb.txt) und in allen anderen mir bekannten deutschen SF-Bibliographien falsch vermerkt ist (richtige Story-Zuordnung siehe unten).


Die Kristallkäfer (orig. "The Golden Bugs", 1960)

Im Garten des Ich-Erzählers erscheint plötzlich ein riesiger Stein (ein Achat) und in seinem Haus Käfer, die Marienkäfern ähnlich sind, jedoch aus Kristall bestehen. Zunächst beginnen sie das Haus blitzblank zu putzen, dann entfernen sie alle nichtmetallischen Gegenstände, um schließlich alle metallischen der näheren Umgebung an sich zu ziehen. Ganz offensichtlich handelt es sich bei dem Achat um ein Raumschiff, mit dem die Käfer zur Erde gelangten. Das Ziel ihres Treibens bleibt dem Protagonisten (und dem Leser) verborgen, jedoch wird ziemlich klar, dass hier eine gewaltige Bedrohung im Anmarsch ist. Menschen kommen nicht zu Schaden, aber immerhin wird ein Hund Opfer des rücksichtlosen Vorgehens der Aliens. Während die Regierung den Einsatz der Atombombe erwägt, hat ein experimentierfreudiger und ansonsten seine Mitmenschen ständig nervender Nachbar die rettende Idee, wie man Kristallen mit viel einfacheren Mitteln beikommen kann ....

Etwas untypisch für Simak ist, dass die Aliens hier in einem durchweg negativen Licht erscheinen, denn außer, dass sie zerstören, erfahren wir nicht viel von ihnen. Vielleicht wollte uns der Autor nur sagen, dass man große Probleme mitunter mit sehr einfachen Mitteln lösen kann, wenn man nur seinen Grips anstrengt. Die Story ist ansonsten flüssig und durchaus witzig geschrieben.



Brieffreund von den Sternen (orig. "Leg. Forst.", 1958)

Clyde Packer ist ein kontaktscheuer Eigenbrötler, dem seine Mitmenschen (der Hauswart, die Witwe von gegenüber, sein Neffe) gehörig auf den Zünder gehen.
Er sitzt in seiner Bude voll mit Kisten, Papier und Unrat und sein einziger Lebensinhalt besteht im Sammeln von Briefmarken, und zwar solchen von fernen Welten. Allerdings schafft er es nicht Ordnung zu halten, er sucht ständig seine Lupen, Pinzetten und bestimmte Briefmarken, die er, wenn er sie denn fände, zu einem Vermögen machen könnte.
Eines Tages erhält er merkwürdige gelbe Briefmarken, von denen eine zufällig mit seiner Mittagssuppe in Berührung kommt, woraufhin er sie achtlos in den Papierkorb wirft. Als er später in seine Wohnung zurückkehrt, hat sich ein großer gelber Klumpen im Papierkorb gebildet, der offenbar Intelligenz und telekinetische Kräfte besitzt. Denn der Klumpen ist dabei, die Briefmarkensammlung zu ordnen und die ganze Wohnung aufzuräumen!

Packers geschäftstüchtiger Neffe Tony hat sodann die Idee, dass man aus dieser sonderbaren Masse, die sich im übrigen scheinbar unendlich vermehren lässt, Profit schlagen kann: Die beiden gründen ein Dienstleistungsunternehmen, welches Betrieben, Behörden und schließlich der Regierung anbietet, Ordnung zu halten. Das Geschäft läuft sehr gut ....

Es stellt sich später heraus, dass die gelbe Masse, auch wenn man sie von einem Ort fortschafft, in Form von Sporen in den Ritzen usw. verbleibt, man wird sie also nie wieder los! Und sie hat eine ganz entscheidende Nebenwirkung: Die Menschen, die den Sporen ausgesetzt sind, werden bedingungslos ehrlich und können ihre Mitmenschen nicht mehr übers Ohr hauen! Nicht einmal die Regierung kann das mehr!

Einzig Clyde Packer ist davon ausgenommen, denn er besitzt ein Gegenmittel in Form eines Kautabaks, den ihn ein geheimnisvoller Brieffreund von den Sternen seit Jahren regelmäßig zukommen lässt. Dieser Fremde schickt Packer auch immer wieder Botschaften, die erahnen lassen, dass er so etwas wie sein Schutzengel ist. Aber irgendeine Veränderung muss in Packer wohl doch vorgehen, denn plötzlich findet er die Witwe Forsay von gegenüber, die er nie ausstehen konnte, interessant ...

Für mich ist "Brieffreund von den Sternen" eine der schönsten und ungewöhnlichsen Storys eines der größten SF-Meister aller Zeiten. Sie ist vor allem ungeheuer lustig geschrieben. Allein die Szene, wo ein anderer Sammler mit Packer um eine besonders seltene Briefmarke feilscht, treibt einem die Tränen in die Augen. Es ist schade, dass ein solches Kleinod der Fabulierkunst es hierzulande nur bis in die Mitte eines unauffäligen Romanheftes geschafft hat.


Helfer der Menschheit (orig. "Galactic Chest", 1956)

Der Provinzreporter Mark Lathrop hat immer nur langweiliges Zeug zu schreiben, u.a. muss er einmal wöchentlich die Wohlfahrtsspalte seiner Zeitung füllen. Immerhin geschahen in jüngster Zeit ein paar Merkwürdigkeiten: Eine schwerkranke alte Frau wird von ihren Leiden erlöst, indem sie vorzeitig stirbt; ein Physiker findet auf zwei zufällig übereinanderliegenden Zetteln zwei selbstentwickelte Formeln, die ihn, erst richtig zusammengefügt, einen großen Schritt weiterbringen; ein herzkrankes Kind wird von Provinzärzten erfolgreich operiert.
Als sich Lathrop einmal mit seinem Redakteur überwirft, erfindet er einfach eine unglaubliche Story: Er fast alle diese kleinen Merkwürdigkeiten (von entlaufenen und zurückgekehrten Hunden, von lange verloren geglaubten und plötzlich wiedergefundenen Gegenständen, von Lottogewinnen und edler Nachbarschaftshilfe), die man sonst eher als Zufälle empfunden hätte, zusammen und schreibt sie den sagenumwobenen Brownies (zu deutsch: Heinzelmännchen) zu.

Sein Chef veröffentlicht die Story auch, eigentlich um ihm eins auszuwischen, aber sie schlägt ein wie eine Bombe: Plötzlich meinen alle, dass ihnen von den Brownies geholfen wurde, einige meinen sogar, sie hätten welche gesehen.
Kurz darauf gelingt es einem Reporter dann tatsächlich, sie auf einem nahe gelegenen Flugplatz bei der Arbeit zu fotografieren. Nur dieses eine Mal lassen sie sich in der Öffentlichkeit sehen, aber sie wirken weiterhin im Hintergrund.

Es handelt sich ganz offensichtlich um Außerirdische, die sich als eine Art galaktische Wohlfahrtstruppe verstehen, deren Mission es ist, der Menschheit die kleinen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, damit sie sich den wirklich großen Aufgaben widmen kann.

Was dann offenbar gelingt, denn Jahre später wird Mark Lathrop der seit Jahrzehnten erste akkredierte Korrespondent in China und er resümiert: "Die Welt ist schön und der kalte Krieg kann als beendet betrachtet werden. Vielleicht findet die Menschheit doch noch zu einem echten Frieden."

Sicher, eine herrlich naive Utopie, aber sie zeigt besonders deutlich, wie sich Clifford Simak von der Masse der SF-Schreiberzubft abhebt.


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Alle drei Storys sind auf deutsch nur einmal, nämlich in diesem Romanheft veröffentlicht worden und daher breiteren Leserkreisen unbekannt geblieben.
Insgesamt hat Clifford D. Simak im Laufe seiner fast sechzigjährigen Schriftstellerkarriere 28 Romane und etwa 120 SF-Stories geschrieben. Während die Romane bis auf einen (Highway to Eternity), sämtlichst (wenn auch teilweise gekürzt) auf deutsch erschienen sind, sind es bei den Storys nach meiner Zählung nur etwas weniger als die Hälfte, nämlich 52. Und da sind die acht Geschichten des City-Zyklus schon mit eingerechnet.
Nach der Lektüre von "Die Kristallkäfer" ahnt man, dass so manche originelle und lustige Story des Altmeisters dem deutschen Leser bis zum heutigen Tage vorenthalten wurde...
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