Invasionen von Clifford D. Simak

Buchvorstellungund Rezension

Invasionen von Clifford D. Simak

Originalausgabe erschienen 1977unter dem Titel „Skirmish: The Great Short Fiction of Clifford D. Simak“,deutsche Ausgabe erstmals 1979, 127 Seiten.ISBN 3-442-23310-0.Übersetzung ins Deutsche von Tony Westermayr.

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In Kürze:

Obwohl in der deutschen Fassung aus dem originalen Sammlungs-Zusammenhang gerissen, fesseln diese vier Kurzgeschichten des SF-Altmeisters Simak durch ihre autorentypischen Qualitäten: Ohne Weltraumschlachten und Permanent-Action erzählt er unaufgeregt und spannend von seltsamen Begebenheiten und gewinnt dabei mancher klassischen SF-Idee neue Aspekte ab.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Das Wunderbare kann im Banalen stecken“75

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

 – Invasionen („Skirmish“, 1950), S. 7-30: Bevor sie offen angreifen, prüfen die Außerirdischen die Widerstandskraft der Menschheit, indem sie den irdischen Maschinen ein Bewusstsein einpflanzen – und die Überzeugung, geknechtete Sklaven zu sein …

 – Das Wesen im Fels („The Thing in the Stone“, 1970), S. 31-83: Wallace Daniels entdeckt bei seinen Wanderungen durch die Bergwildnis eine vor Jahrmillionen auf der Erde gestrandete Kreatur. Er bemüht sich um ihre Befreiung, doch dann gibt es Anzeichen dafür, dass dieses Wesen nicht grundlos in einem Felsen steckt …

 – Ewiger Herbst („The Autumn Land“, 1971), S. 84-110: Auf der Flucht vor seinem aus dem Ruder gelaufenen Leben gerät Nelson Rand in ein mysteriöses Dorf, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint …

 – Reise in die Vergangenheit („The Ghost of a Model T“, 1975), S. 111-128: Als sich sein Leben dem Ende zuneigt, ergibt sich für den alten Hank, der gern an eine Vergangenheit zurückdenkt, in der es für ihn besser lief, die unerwartete Möglichkeit, in diese alten Zeiten zurückzukehren …

In der Ruhe liegt die Kraft

Vier Erzählungen und vier Plots, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Zu allem Überfluss stehen diese Storys (s. u.) nicht in dem vom Verfasser konzipierten Zusammenhang. Nicht einmal chronologisch bilden sie eine Einheit. Dennoch fällt es leicht, Zusammenhänge zu entdecken. Clifford D. Simak war ein Autor mit diversen Ideen, die ständig in seinem Werk auftauchen und es prägen.

Dazu gehört sein Nein zu Raum & Zeit überspannenden Space-Operas, obwohl er in der Goldenen Ära genau dieses Genres zur Science Fiction stieß und ihm selbst einen typischen Roman („Cosmic Engineers“, 1938; dt. „Ingenieure des Kosmos“) widmete. Diese Phase hatte Simak jedoch längst hinter sich gelassen, als er nach dem II. Weltkrieg seine literarisch relevanten Romane und Kurzgeschichten schrieb.

„Ruhe“ beschreibt vielleicht am besten, was Simaks Werke auszeichnet. Freilich darf man dadurch nicht fälschlich schlussfolgern, dass in ihnen wenig geschieht. In „Invasionen“ bereitet eine außerirdische Fünfte Kolonne die Eroberung der Erde vor, in „Das Wesen im Fels“ wird ein Mann durch Jahrmillionen irdischer Naturgeschichte geschleudert, in „Ewiger Herbst“ werden die Gesetze des Raums, in „Reise in die Vergangenheit“ die der Zeit außer Kraft gesetzt.

Jede Reise findet auch im Kopf statt

Diese bei anderen SF-Autoren niemals ohne galaktischen Donnerhall ablaufenden Ereignisse werden von Simak buchstäblich auf den Punkt gebracht. Muss sich das Außerirdische, Übernatürliche, Seltsame unbedingt der gesamten Menschheit präsentieren? Diese Frage ist berechtigt, und Simak beweist, dass es weder der Logik noch der Spannung abträglich ist, sie mit „Nein“ zu beantworten.

Tatsächlich ist das Kollektiv der Empfängnisbereitschaft für das Unbekannte eher abträglich. Simaks ´Helden´ sind Durchschnittsmenschen. Vielleicht gehen sie einem Beruf nach, aber privat leben sie allein („Invasionen“). Oft haben sie sich nach persönlichen Tragödien in die Einsamkeit zurückgezogen („Das Wesen im Fels“, „Ewiger Herbst“) oder wurden vom Alltagsstrom allmählich ins soziale Abseits geschwemmt („Ewiger Herbst“), wo ihnen nur die Erinnerungen an bessere Zeiten bleiben („Reise in die Vergangenheit“).

Sie haben sich auf diese Weise gesellschaftlich isoliert. Während die Protagonisten in „Invasionen“, „Ewiger Herbst“ und „Reise in die Vergangenheit“ nicht einmal daran denken, ihre Mitmenschen über das Seltsame zu informieren, das ihnen zustieß, unternimmt Wallace Daniels in „Das Wesen im Fels“ wenigstens den Versuch. Doch ihm fehlt wie allen Simak-Figuren der Draht zum Establishment, dessen Vertreter ihn deshalb als wunderlichen Spinner ignorieren.

Selbst ist der Mann!

Schnell besinnt sich auch Daniels auf die eigentliche Stärke des (US-amerikanischen) Mannes: Er ist naturverbunden, denkfähig und geht Probleme im Alleingang an. Simak-Helden sind ohnehin keine Teamarbeiter. Sie dulden höchstens Hunde gern an ihren Seiten, wenn sie den Dingen auf den Grund gehen. Simak weiß diesen Prozess, der von Rückschlägen und Missverständnissen begleitet wird, überaus spannend darzustellen, obwohl faktisch wenig geschieht: Für den Autoren fallen Gedankengänge eindeutig in die Kategorie ´Action´. Ergänzt werden sie durch ausführliche, trotz ihrer Nüchternheit beinahe hymnisch wirkende Landschaftsbeschreibungen. (Vielleicht ist es dieser aus der Mode gekommene Stil, der eine Neuauflage von Simak-Werken aus der Sicht hiesiger Verlage unrentabel erscheinen lässt; allerdings denkt man im angelsächsischen Sprachraum anders. Dort ist Simak weiterhin präsent.)

Zur Überprüfung der Fakten tritt in einem zweiten Schritt die Kommunikation. Simaks Figuren suchen den Kontakt, der im Guten („Invasionen“) wie im Bösen („Ewiger Herbst“) in der Regel nützliches Mehrwissen bringt („Das Wesen im Fels“). Manchmal ist es irrelevant; der alte Hank in „Reise in die Vergangenheit“ ist über das Stellen von Fragen längst hinaus. Er reagiert nur noch auf das, was ihm angeboten wird.

Die Melancholie des Wunderbaren

Der Verzicht auf Gewalteffekte kennzeichnet Simak nicht als naiven Gutmenschen. Jede der hier versammelten Geschichten weist bedrohliche Untertöne auf. Dazu gehört, dass die Protagonisten trotz eifriger Nachforschungen nur bedingt oder auch gar nicht die Geheimnisse lüften, auf die sie gestoßen sind. Wallace Daniels bewahrt nur der Zufall vor einem wahrscheinlich fatalen Fehler. Der Journalist Crane hat die Invasoren schließlich enttarnt. Doch schließlich steht er ihnen allein und nur mit einem Eisenrohr ´bewaffnet´ gegenüber; das Ende lässt Simak offen.

Das Fremde kann durchaus gefährlich sein. Für Nelson Rand wird das Dorf im ewigen Herbst, das ihm zunächst eine Zuflucht bot, erst zum Gefängnis und dann zu einer Durchgangsstation zwischen Leben und Tod, wobei die reale Welt inzwischen in einem atomaren Feuerball untergegangen sein könnte. Und der alte Hank wird von seiner Fahrt mit dem geisterhaften Ford Modell T nicht mehr zurückkehren.

Seine Geschichten lässt Simak ohne Knalleffekte ausklingen. Was er erzählen wollte, hat er erzählt. Das Ende mag offen bleiben, aber es bildet dennoch einen logischen Abschluss. Wenn es gelingt – und das schafft Simak meist -, bleibt der Leser gedanklich noch eine Weile bei der Lektüre. Wird Crane die Invasoren Mores lehren? Daniels seine Zeitreisen fortsetzen? Rand aus dem Dorf des ewigen Herbstes entkommen? Wie wird Hanks Ausflug enden? Das ist keine schlechte Leistung für einen Verfasser, in dessen Geschichten gar nichts passiert …

Anmerkung:

„Invasionen“ ist nur die deutsche Rumpffassung einer im US-Original deutlich umfangreicheren Sammlung Simakscher Kurzgeschichten. Der Covertext möchte andeuten, dass dieser Praxis nicht das verlagsseitige Bestreben zugrundelag, ein möglichst seitendünnes Buch möglichst teuer verkaufen zu können, sondern der ehrliche Wunsch im Vordergrund stand, die Leser vor dem doppelten Erwerb von Storys zu bewahren, die sie nach dem Erwerb früher erschienener SF-Bände bereits besaßen.

In der deutschen Fassung fehlen folgende Geschichten:

  • „Huddling Place“ (1944, dt. „Das Haus“, in: „Als es noch Menschen gab“, Goldmann-SF 23036/Heyne-TB 52628)
  • „Desertion“ (1944), dt. „Die Flucht“, „, in: “Als es noch Menschen gab„, Goldmann-SF 23036/Heyne-TB 52628)
  • “Goodnight, Mr. James„ (1951, dt. “Der Doppelgänger„, in “Der einsame Roboter„, Goldmann-SF 23045)
  • “The Sitters„ (1959, keine dt. Fassung)
  • “The Big Front Yard„ (1958, dt. “Der große Vorgarten„, in: “Das Tor zur anderen Welt„, Goldmann-SF 23015)
  • “All the Traps of Earth„ (1962, dt. “Der einsame Roboter„, in “Der einsame Roboter", Goldmann-SF 23045)

Ihre Meinung zu »Clifford D. Simak: Invasionen«

Luxi zu »Clifford D. Simak: Invasionen«07.03.2011
"... sondern der ehrliche Wunsch im Vordergrund stand, die Leser vor dem doppelten Erwerb von Storys zu bewahren, die sie nach dem Erwerb früher erschienener SF-Bände bereits besaßen."

Im Klappentext heißt es übrigens wörtlich: "Eine Auswahl der besten in Deutschland noch unveröffentlichten Science Fiction Stories von Clifford D. Simak ..."

Diese Behauptung trifft allerdings nur auf das Goldmann-Programm zu.
"Invasionen" ("Skirmish") war schon 1967, also 12 Jahre zuvor, unter dem Titel "Vorpostengefecht" im Terra-Heft 523 "Nacht über dem Mars" auf deutsch veröffentlicht worden; ebenso "Das Wesen im Fels" ("The Thing In The Stone") im Jahre 1975 als "Das Ding im Stein" in den "Science Fiction Stories 48" des Ullstein Verlages.

Das eine war jedoch ein Roman-Heftchen, das andere eine Anthologie eines anderen Verlages, so dass diese beiden Erzählungen hier erstmals in einem deutschen Autoren-Taschenbuch von Clifford Simak erschienen. Aber selbst mit diesen Dopplungen lag das Bändchen mit 127 (!) Seiten sogar für damalige Verhältnisse deutlich unter dem Durchschnitt.

Vor diesem Hintergrund ist es erst recht unverständlich, weshalb man die Story "The Sitters" nicht in die Auswahl aufgenommen hat.
Diese Story war auch Bestandteil der Simak-Collection "All The Traps Of Earth" von 1962, aus der noch im selben Jahr eine Auswahl (6 von ursprünglich 9 Stories) unter dem Titel "Der einsame Roboter" bei Goldmann erschien.
Schon damals war "The Sitters" dem Kürzungswahn zum Opfer gefallen, nun - 17 Jahre später - leider wieder.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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