Hellraiser von Clive Barker

Buchvorstellungund Rezension

Hellraiser von Clive Barker

Originalausgabe erschienen 1986unter dem Titel „The Hellbound Heart“,deutsche Ausgabe erstmals 1992, 128 Seiten.ISBN 3937897178.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Frank Cotton hat auf der Jagd nach dem ultimativen Vergnügen das Tor zur Hölle der Zenobiten aufgestoßen. Sie setzen Lust mit Schmerzen gleich und verschaffen Frank einen unvergleichlichen Abgang. Aber aus dem Jenseits begehrt er die Rückkehr in seine Welt. Seine ihm hörige Schwägerin Julia lockt ihm Menschenopfer in seine Höhle, von denen er sich nährt, bis die Zenobiten bemerken, dass ihnen ein Opfer entkommen ist …Horror-Novelle von bemerkenswerter Intensität, düster, böse, blutig, konsequent auf ein Happy-End verzichtend – eines der besten Werke des sonst gern allzu wortgewaltigen Clive Barker.

Das meint phantastik-couch.de: „Agile Leiche ohne Haut und Gewissen“90

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Die unscheinbare Kirsty liebt den gutmütigen Rory, doch der verehrt nur seine Gattin, die herzlose Julia; diese trauert ihrem Schwager hinterher, dem aufregend-bösem Frank, mit dem sie Rory noch vor der Hochzeit betrog. Wer weiß, was dann geschehen wäre, hätte sich der Schurke nicht aus dem Staub gemacht.

Frank ist freilich gar nicht so weit entfernt von seiner Familie. Seine in Fetzen gerissene Leiche liegt in einer Mauer des großmütterlichen Hauses in der Lodovico Street. Auf einer seiner weiten Reisen entdeckte Frank den Zauberwürfel des Lemarchand, welcher dem, der ihn zu bedienen vermag, den Zugang in eine Welt unbeschreiblicher Lüste öffnet. Dorthin zieht es den verderbten Frank selbstverständlich sehr, doch als er in einer stillen Kammer von Omas Haus besagten Würfel in Gang setzt, finden ihn keine geilen Geister, sondern die dämonischen Zenobiten vom Orden der Wunden, die ihn in ihre Welt ewiger Qualen entführen. Als blutiger Zombie schwebt Frank nun zwischen den Sphären, als ihm wieder einmal unverdient das Glück hold ist.

In das Haus an der Ludovico Street ziehen Rory und Julia Cotton ein. Während der Renovierungsarbeiten verletzt sich der neue Hausherr. Blut sickert durch Ritzen auf die Reste von Franks Leiche. Diese beginnt sich zu regenerieren. Noch ist Frank schwach und abgrundtief hässlich, aber er kann sich Julia erneut unterwerfen. Sie lockt ahnungslose Männer von der Straße in ihr Heim, wo der ghoulische Hausgast schon hungrig auf sie wartet.

Allerdings stellten die Zenobiten inzwischen fest, dass Frank ihrer Folterhölle entkommen ist. Sie unterscheiden nicht zwischen Freund und Feind, was für alle Bewohner des Hauses gefährlich wird – den Toten wie die Lebenden …

Sadomaso-Dämonen mit Kultfaktor

In der realen Welt des 21. Jahrhunderts haben die Zenobiten längst ihre mythologische Nische gefunden. Sie wohnen in der Nachbarschaft von Freddy Krueger, Jason Vorhees oder Michael Myers, mit denen sie gewissenhaft zur Nachtschicht ins Filmstudio fahren: Pinhead & Co. gehören zu den viel beschäftigten Serienhelden des modernen Horrorfilms. Acht Teile umfasst der „;Hellraiser“-Zyklus inzwischen, und es ist davon auszugehen, dass sich weitere anschließen werden.

Das Fundament dieser blutigen, von wahren Gorehounds heiß geliebten Schlacht- und Folterplatte bildet Clive Barkers schmale Novelle „;The Hellbound Heart“, hierzulande erstmals erst fünf Jahre nach dem ersten Film und erst 2006 in ungekürzter Fassung erschienen, was schade ist, denn Barker fand seither selten zur hier bewiesenen Form zurück.

„;The Hellbound Heart“ ist noch heute wahrlich alles andere als ein Durchschnitts-Grusler. Das bezieht sich nicht auf die Mord- und Folterszenen; da ist der hartgesottene Fan heute gröber Gehacktes gewöhnt. Nein, es ist Barker gelungen, eine gute Idee originell in eine atmosphärisch außerordentlich stimmungsvolle Geschichte umzusetzen. Der vordergründige Horror wird dabei durch die eindringliche Schilderung verlorener, durch ihre unbewältigten Gefühle ins Unglück stürzender Durchschnittsmenschen ergänzt.

Figuren jenseits von Gut- und Böse-Klischees

Frank Cotton, Dreh- und Angelpunkt der Geschichte; einerseits ein Dieb, Lügner, Mörder, andererseits ein Mensch auf der konsequenten Suche nach dem, was er sich wirklich ersehnt: Erfahrungen weit jenseits derer, mit denen der ‚gewöhnliche‘ Zeitgenosse sich bescheidet. Frank ist durch und durch unkonventionell, ein Egoist, aber neugierig und ehrlich bemüht, alles über das Laster zu lernen. Außerdem ist er ein Überlebenskünstler. Selbst in der Vorhölle der Zenobiten gibt er nicht auf, sondern wartet auf seine Chance zu entkommen. Als sie sich ergibt, nutzt er sie konsequent. Wer sollte gegen einen solchen Mann ankommen, selbst wenn er nur aus einem blutigen Knochenhaufen besteht?

Bruder Rory ganz sicher nicht. Er ist einer dieser mit dem Leben zufriedenen Menschen, die Frank so verachtet. Seine Julia hat ihn geheiratet, im Job läuft es bestens, viele gute Freunde sind da, mit denen man gemütliche Abende verbringt. Der arme Rory hat keine Chance. Bis es zu spät ist, begreift er niemals, was unter seinem eigenen Dach vorgeht.

Kirsty ist sogar noch langweiliger. Sie führt ein graues Leben, leidet unter Minderwertigkeitskomplexen und wohl auch Depressionen. Ihre heimliche Liebe zielt nicht einmal auf den wirklichen Rory, sondern auf das Idealbild, das sie sich von ihm macht. Andererseits überrascht Kirsty als Kämpferin; als sie den Zenobiten in die Hände zu fallen droht, zögert sie keine Sekunde, ihnen statt dessen Frank vorzuwerfen. Sie wird als einzige das finale Massaker überleben und sogar zur Hüterin des Zauberwürfels aufsteigen.

Julia ist sicherlich die interessanteste Person unserer Geschichte. Sie ist weniger kalt als wie Frank unzufrieden: mit dem Leben, vor allem aber mit Rory. Julia hungert nach Aufmerksamkeit und möchte die Fesseln ihrer bürgerlichen Existenz abstreifen, koste es was es wolle, und das lässt sie für Frank zum idealen Opfer werden. Julia wird zur Mörderin, bis sie schließlich wiederum betrogen wird: eine fast tragische Gestalt, wie Frank Cotton eine Gefangene ihrer eigenen Leidenschaften, deren Untergang daher unabwendbar ist.

Noch durch Abwesenheit glänzt übrigens Ober-Zenobit Pinhead alias Captain Elliot Spencer; Barker erwähnt ihn zwar kurz, aber zur Kultfigur machte er ihn erst im „;Hellraiser“-Film von 1987.

„;Hellraiser“ – die Filme

1987 inszenierte Barker nach eigenem Drehbuch „;Hellraiser“ und schuf einen modernen Klassiker des Horrorfilms. Sein handwerkliches Geschick als Regisseur und die weitgehende Kontrolle, die er über sein eigenes Werk ausüben konnte, brachte ein auch heute noch eindrucksvolles Werk zu Stande. Die Story wird spannend erzählt, optisch lässt sich Barker keine Fesseln anlegen. (Achtung: Niemals „;Hellraiser“ in der stümperhaft kastrierten Kindergarten-Version deutscher Fernsehsender anschauen!) Sogar die Musik ist keine akustisch-elektronische Belästigung, sondern melodisch und suggestiv. Für den Film verjüngte Barker Kirsty und verwandelte sie in Rorys leibliche Tochter, was wesentlich besser funktioniert.

Natürlich kehrte Frank zurück; „;Hellbound: Hellraiser II“ (1988) zeigt seinen neuerlichen Versuch den Zenobiten zu entkommen. Julia schließt sich ihm dabei an. Das Ergebnis ist noch gewalttätiger, noch blutiger als Teil 1, aber – Clive Barker überließ dieses Mal den Regiestuhl Tony Randel und verfasste nicht einmal das Drehbuch – ein Horror-Sequel ohne die Faszination des Originals, wenn auch noch einmal sehr unterhaltsam, bevor mit Teil III der Niedergang der Serie eingeläutet wurde, die nur reine Franchise-Gier am (Schein-) Leben erhält.

Ihre Meinung zu »Clive Barker: Hellraiser«

meni77 zu »Clive Barker: Hellraiser«23.09.2014
Ich habe die hochgelobte Novelle während einer Nachtschicht gelesen, d.h. sie liest sich ganz gut weg, die Idee fand ich auch recht gelungen, trotzdem fehlte mir zu einer Neunziger-Wertung das gewisse Etwas. Der Gänsehautfaktor kam bei mir nicht ganz auf und die Spannung lies auch etwas nach. Der Schreibstil von Barker sagt mir schon zu, es war bisher das erste Buch, was ich von ihm gelesen habe und wird sicherlich nicht das letzte von ihm sein. Ich kenne natürlich seine Verfilmungen und muss sagen, es kommen zwar wenige Filme an das Buch ran, bei diesem scheint mir schon so zu sein. Ich vergebe gute 85 Grad, für 90 hat es nicht ganz gereicht.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
meni77 zu »Clive Barker: Hellraiser«23.09.2014
Habe den Klassiker während der Nachtschicht locker durchlesen können, die Idee war durchaus ansprechend, die Geschichte liest sich auch flüssig, die Zenobiten interessant verpackt, trotzdem fehlte mir irgendwie etwas, um in die Neunziger-Bewertung zu gehen. Dies war mein erstes Buch von Clive Barker und es war sicherlich nicht mein letztes, kannte vorher nur die Filme aus den Endachtzigern, die mittlerweile heute zu den Klassikern des Horrorfilmes zählen. Cabal hat mich damals sogar mehr gefesselt als Hellraiser, vielleicht wird dies mein nächster Versuch mit dem Autor, Hellraiser vergebe ich gute 85 Grad, für Neunzig fehlte mir ein wenig der Gänsehautfaktor bzw. die Spannung
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexi1000 zu »Clive Barker: Hellraiser«06.07.2009
Clive Barker's Hellraiser ist heute sicherlich schon so etwas wie ein moderner Klassiker.
Die ungekürzte Neuauflage dieser Novelle zeigt, wie wegweisend Barker schon 1986 war.
Eine herrlich morbide Atmosphäre, verpackt in einen atemberaubenden Erzählstil.
Die Bilder die Barker im Kopf des Lesers zu erzeugen weiß, sind absolut einzigartig.

Egal, wie gut auch der 1. Film war (nur in diesem führte Er selbst Regie):

das Lesevergnügen hat den Film weit in den Schatten gestellt...

Fazit: eine der besten Geschichten von Barker, vergebe 95°.
LadyGodywer zu »Clive Barker: Hellraiser«04.02.2009
Hut ab! Applaus bitte!
Clive Barker ist der König des Splatterhorrors und mit Hellraiser hat er die Meßlatte ziemlich hoch gesetzt.
Clive Barkers Bücher fangen meist sehr harmlos an und man denkt sich, da kann doch nichts schlimmes kommen.
...Doch es kann....
Und was dann folgt, ist ein überwältigendes und nicht enden wollendes Horrorszenario aus Blut und Gewalt.
Die Idee von einem Tor zur Hölle ist zwar nicht allzu spektakulär, aber die Art und Weise wie Barker die Geschichte mit Leben (und Grauen) füllt ist einmalig.
Wer die Filme gesehen hat,weiß das der erste Teil auch der beste ist.
Am besten sind die Cenobiten, allen voran Pinhead, sie sind sowas wie Dämonen und bereiten den Menschen unglaubliche Qualen, die es gewagt haben den Würfeln zu öffnen.
Also wer die nicht kennt,selbst entschuld :)
Unbedingt lesen und unbedingt den Film anschauen!
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