Sternendieb von Colin Greenland

Buchvorstellungund Rezension

Sternendieb von Colin Greenland

Originalausgabe erschienen 1990unter dem Titel „Take Back Plenty“,deutsche Ausgabe erstmals 1993, 640 Seiten.ISBN 3-442-26668-8.Übersetzung ins Deutsche von Henrik P. Linckens und Marianne Linckens.

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In Kürze:

Die Frachterpilotin Tabea Jute steckt mal wieder in Schwierigkeiten: Das Gesetz ist ihr auf den Fersen, sie ist völlig pleite, und es kann nicht mehr lange dauern, bis man ihr Raumschiff pfändet. Da kommt Tabea ihr neuer Auftrag gerade recht: Sie soll den undurchsichtigen Marco Metz zum künstlichen Habitat Plenty bringen, wo er ein paar Geschäftspartner treffen will. Leicht verdientes Geld also! Doch was ein kurzer Flug hätte werden sollen, gerät bald zu einer atemlosen Flucht vor Verbrechern und Polizei gleichermaßen, die Tabea und Marco schließlich bis in die unergründeten Tiefen des Hyperraums führt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Frauenpower im Weltraum“78

Science-Fiction-Rezension von Anja Helmers

Der Blanvalet Verlag bringt Colin Greenlands ´Sternendieb’ als deutsche Erstausgabe im Februar des laufenden Jahres auf den Markt. Und damit beginnt meine erste Kritik: Unter dem Titel ´Begegnungen auf dem Möbius-Band’ wurde dieser Science-Fiction-Roman bereits 1993 in Deutschland vom Heyne-Verlag veröffentlicht und die Originalausgabe ist von 1990. Damit hat ´Take Back Plenty', wie der wesentlich sinnvollere Originaltitel lautet, bereits 20 Jahre auf dem Buckel.

Es spricht nichts gegen die Neuauflage eines älteren Werke, aber jeder Leser fühlt sich für dumm verkauft, wenn er in freudiger Erwartung von neuem Material von Colin Greenland den „Sternendieb“ kauft und dann zuhause feststellt, dass er ein bereits bekanntes Buch mit einem anderen Deckmantel erworben hat.

Zum Inhalt: Sternendieb ist der Auftakt einer Trilogie. Tabea Jute, Käpt’n des Raumfrachters „Alice Liddell“, liebt ihre Unabhängigkeit und fliegt nur ungern mit Passagieren an Bord. Knapp bei Kasse und in ständigem Clinch mit irgendwelchen Behörden für außerirdische Angelegenheiten, geschieht ihr auf dem Mars ein Missgeschick: Sie landet für eine Nacht im Gefängnis. Der Achsenstabilisator der „Alice“ müsste dringend ersetzt werden und ihr droht sogar die Pfändung ihres Schiffes. Da erscheint der Musiker Marco Metz wie ein Retter in der Not und verspricht Lohn und Brot für die Beförderung seiner Künstlertruppe nach Plenty. Aber der scheinbare Ausweg aus ihren Nöten erweist sich als Beginn einer aberwitzigen Odyssee durch das Sonnensystem.

Eine klassische Space Opera

In kurzen Worten: „Sternendieb“ ist eine intelligente Abenteuergeschichte im Weltraum. Ein schräger Roman, mit bizarren Bewohnern in unserem Planetensystem und mit sehr viel Frauenpower. Skurril, witzig, turbulent und bunt, aber leider streckenweise zäh zu lesen. Ein Widerspruch in sich? Nein, und zwar aus den folgenden Gründen:

Alle Charaktere sind originelle Figuren abseits von den üblichen stromlinienförmigen Schönheiten aus der Heldenmanufaktur. Beispielsweise Marco Metz, beschrieben als ein kurzer, rundlicher Mann, bringt er sich bei Tabea und beim Leser durch sein unaufhörliches ´Gesülze’ um jegliche Sympathie . Die wahren Antreiber der Handlung sind durchweg weiblich. Da wären einmal die Heldinnen des Geschehens: Die erfahrene Raumschiffpilotin Tabea Jute, die verstorbene Hannah Su, die als Managerin aus ihrem Kryo-Tank die Geschicke von Marcos Truppe lenkt, und Sarah, die eine Hälfte der Zodiak-Zwillinge. Der seltsame Cherub Xtaska ist ebenso weiblich wie das Ego des Schiffes.

Von so viel Frauenpower sollte sich jedoch kein männlicher Leser abschrecken lassen. Es wird genügend Action geboten und Romantik oder schnulzige Liebesgeschichten haben dort keinen Platz. Dafür ist Tabea Jute nicht die richtige Person. Klein, zupackend, eigenwillig und nicht so leicht ins Bockshorn zu jagen, mag sie zwar Männer in ihrem Bett, aber sie verlässt sich nicht auf ihre Liebhaber, um sich aus brenzligen Situationen zu befreien. Colin Greenland baut Tabea sehr ausführlich und in die Tiefe gehend auf. Sie ist eine starke Sympathieträgerin, selbstbewusst und gleichzeitig verletzlich. Menschen gegenüber ist sie kratzbürstig und abweisend, dafür lebt sie in starker emotionaler Abhängigkeit zu ihrem Schiff. Das Schiffsego Alice ist Tabeas Kummerkasten schlechthin.

Couchgeflüster

Der Autor nutzt diese Dialoge als Kunstgriff, um Rückblenden aus Tabeas Vergangenheit einzubauen. Die therapeutisch anmutenden Gespräche zwischen Tabea und Alice werfen den Leser immer wieder aus dem Lesefluss und nehmen sehr viel von der Dynamik der Handlung. Sie sind teilweise ausschweifend, zu detailliert und vor allem zu zahlreich, weniger wären da besser gewesen. Vor allem im rasanten letzten Teil des Buches strapazieren sie die Geduld des Lesers sehr.

Da sich die dort erhaltenen Informationen als wichtig für den Plot erweisen, kann man sie aber nicht als nebensächliche Randnotizen abtun, sondern sie erfordern konzentriertes Lesen. Der positive Effekt daraus ist, dass sich immer wieder eine abgewandelte Perspektive auftut. Die Handlung ist ansonsten sehr linear aufgebaut ist, erzählt von einem mysteriösen Ich-Erzähler nach dem Motto: Und dann geschah das, und dann geschah das. So setzen sich Puzzleteilchen auf Puzzleteilchen zusammen und bringen manche Überraschungen mit sich.

Der kleine und der große Schritt

Ein anderer erfreulicher Punkt ist Greenlands Erfindungsreichtum beim Erschaffen eines bunten Universums und sein Gespür, etwas witzig und treffsicher in Szene zu setzen. Menschen, Humanoide und Aliens tummeln sich auf Asteroiden, künstlichen Habitaten und Raumstationen, sowie den bewohnbaren Planeten unseres Sonnensystems. Die Menschheit hat den ´kleinen Schritt’ auf den Mond aus eigener Kraft geschafft, aber den ´großen Schritt’ ins Raumfahrtzeitalter verdankt sie den Capellanern und ihrem Antrieb für Hyperraumsprünge.

Wer sich von über 600 Seiten und den ständigen Rückblenden nicht vergraulen lässt, erhält mit „Sternendieb“ einen unterhaltsamen Science-Fiction Roman mit anfänglichen Längen, bei dem die Gewichtung allerdings mehr auf Fiction als auf Science liegt.

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