Blaues Licht von Daniela Knor

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Blaues Licht von Daniela Knor

Originalausgabe erschienen 2003, 507 Seiten.ISBN 3890645895.

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Ihre Meinung zu »Daniela Knor: Blaues Licht«

Subjimmy zu »Daniela Knor: Blaues Licht«27.05.2010
Sympathischer und erzählerisch exellenter Roman im eisigen Nordland

Mit ihrem Buch "Blaues Licht" aus der Romanreihe zum Schwarzen Auge hat die talentierte junge Autorin Daniela Knor einen spannenden und vor allem erzählerisch virtuosen Roman erschaffen, den man getrost zu den besten der Reihe zählen kann. Dies hängt nicht nur damit zusammen, dass sich Knor, wie zumeist in ihren Romanen, stets ein wenig abseits der stereotypen 08/15-Schiene bewegt; denn im Grunde genommen wagt sie auch keine wirklichen Experimente.

Aber das braucht sie auch gar nicht zu tun, denn dank ihrer schönen, berührenden Sprache erweckt sie die Welt zum Leben, die sie in diesem Roman erschafft. Besonders die ausführlichen Beschreibungen der Natur und der Umgebung vermitteln dem Leser stets das Gefühl, mittendrin statt nur dabei zu sein, um an dieser Stelle eine ausgelutschte Phrase zu gebrauchen. Die liebevolle Ausarbeitung der Welt und auch der Charaktere - so verfügen die Personen über individuelle Sprachstile und sogar Dialekte - verhelfen dazu, eine dichte und lebendige Atmosphäre aufzubauen. Dabei muss man sich im Klaren darüber sein, dass es sich hierbei durchweg um eine eher ruhige, eher actionarme Atmosphäre handelt, auch wenn es an einigen wenigen Stellen überaus brutal und grausam zugeht, was insbesondere auf die minutiös geschilderten Jagdszenen zutrifft. Jagd ist ein gutes Stichwort, denn die zweite Prämisse, mit der man konform gehen muss, ist die Tatsache, dass die Handlung geradezu in der hintersten Ecke Aventuriens angesiedelt ist, woran man Knors Interesse und Vorliebe für die schon angedeutete aventurische Peripherie erkennt.

Doch all dies macht gerade den Reiz ihrer Erzählungen aus. Da muss man dann auch schon ein wenig Ausdauer mitbringen, wenn sich die Jagdszenen über mehrere Seiten erstrecken; und auch das Ende ist leider ziemlich vorhersehbar. Man muss sogar zugeben, dass die gesamte Kriminalgeschichte, die den eigentlichen Kern der Handlung darstellt, sehr konservativ und wenig überraschend ist. Es fehlt einfach der Aha-Effekt, der guten Krimis oder auch Knors Roman Dunkle Tiefen ihre besondere Würze verleiht. Es erstaunt fast ein wenig, wie die Autorin diesen so einfachen Plot so spannend gestalten kann, denn von Anfang bis Ende möchte der Leser erfahren, was mit den ans Herz gewachsenen Protagonisten passiert, auch wenn meist ziemlich genau das passiert, was er auch erwartet hatte. Besonders Henk als typischer Antiheld bekommt sehr schnell Sympathien, obwohl er selbst nicht immer sympathisch ist. Und obwohl es vergleichsweise viele Dramatis Personae sind, wirkt keine von ihnen überflüssig oder unglaubhaft, sodass man sie und ihre Authentizität als den wichtigsten Grundpfeiler dieses Romans bezeichnen kann.

Mit einer großen Anzahl von Charakteren geht fast naturgemäß auch eine große Anzahl von Handlungssträngen einher. Dabei verlaufen sie sich in "Blaues Licht" nie, sondern finden und erklären sich stets gegenseitig. Eine besonders schöne Rahmung findet durch Pro- sowie Epilog statt, die der Erzählung auch eine angenehme historische Nuance verleihen, denn die Handlung spielt relativ weit in der aventurischen Vergangenheit. Auffallend ist hierbei, dass sich ein großer Teil der zweiten Hälfte gar nicht mehr wirklich mit der Kriminalgeschichte der Haupthandlung befasst: Knor legt viel Wert darauf, die Handlung nicht zum bloßen Zweck zu degradieren, sondern macht sprichwörtlich den Weg selbst zum Ziel. Viele Szenen bestechen durch ihren Selbstzweck, was besonders den Charakteren eine echte Tiefe verleiht. Diese Strategie mag gewiss für den ein oder anderen Leser dazu führen, einige Seiten zu überspringen; doch letztendlich macht sie Welt und Charaktere erst so sehr lebendig. Dies können sich allerdings auch nur Schriftsteller mit einer so sympathischen und vielseitigen Erzählweise wie Knor erlauben, denn das Buch ist, verglichen mit den übrigen DSA-Romanen, sehr umfangreich ausgefallen. Durchaus noch mehr Potenzial hätten übrigens auch die sich abwechselnden Erzählstile (1. und 3. Person) gehabt, wenn es darum geht, Wissens- und Erfahrungshorizonte der Protagonisten stärker voneinander abzugrenzen, was Knor sicherlich auch intendiert hatte, doch an einigen stellen nicht konsequent genug umgesetzt erscheint. Auf die Spitze getrieben hieße es, dass ein Räuber wie Henk eine ganz andere Sicht auf die Welt haben muss als eine erfahrene Geweihte.

So wie Knors Charaktere stets ihre Ecken und Kanten haben, die sie so authentisch machen, kann man auch an ihrem Roman durchaus Ecken und Kanten erkennen; im Großen und Ganzen allerdings ist ihr "Blaues Licht" sehr gelungen. Und wenn man das Preis-Leistungsverhältnis berücksichtigt, gibt es eigentlich für kaum einen DSA-Liebhaber noch einen Grund, hier nicht zuzugreifen, wenn man sich auch mal fernab vom Mittelreich aufhalten möchte und sich nicht davor scheut, in die Tiefen der gottlosen Kälte Nordaventuriens einzutauchen. Den dortigen Aufenthalt jedenfalls gestaltet die wunderschöne, erwärmende Erzählweise der Autorin gewiss angenehm wohlig und behaglich.
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