Mission auf Kostroma von David Drake

Buchvorstellungund Rezension

Mission auf Kostroma von David Drake

Originalausgabe erschienen 1998unter dem Titel „With the Lightnings“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 477 Seiten.ISBN 3-453-52234-6.Übersetzung ins Deutsche von Heinz Zwack.

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In Kürze:

Als auf dem Planeten Kostroma eine blutige Revolte ausbricht, schickt die Space Navy ihren besten Mann: Lieutenant Daniel Leary. Doch was ihn auf Kostroma erwartet, scheint selbst seine Fähigkeiten zu übersteigen: Zwei riesige interstellare Mächte haben den Planeten zum Ort ihres entscheidenden Kampfes erkoren …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Landser im Weltall – Bestseller der SF“50

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Military SF ist einer der wenigen Zweige, in denen die SF verkaufsmässig noch Zuwächse verzeichnen kann. Scheinbar üben die Geschichten um die „Landser im Weltall“ mit ihren vermeintlich einfachen Konfliktlösungen nach wie vor enorme Anziehungskraft auf die Leser aus. Die Fans dieser Spielart schlüpfen gerne in die Charaktere, die allen Widrigkeiten und Chancen zum trotz selbst aus heikelsten Situationen als Gewinner hervorgehen. Verbunden mit einer oberflächlich hochtechnischen Umgebung, die sich, schaut man sich die Szenarien einmal genauer an, aber lediglich als verklausulierter Abzug einer grossen Kanone entpuppt, triumphiert der Leser mir seiner charismatischen Figur.

Taugt der Nachzügler etwas?

Ich will gar nicht leugnen, dass derartige Stories ihren eigenen Reiz haben. Angefangen von E.E. Doc Smith über K. H. Scheer, Lois McMaster Bujold und John Ringo bis zu David Weber reicht die Palette entsprechender Zyklen. Die allermeisten dieser Reihen sind zwischenzeitlich in Übersetzungen erhältlich, der Nachschub wird rar. So liess mich vorliegender Roman, der im Original bereits 1998 erschienen ist, schlimmes ahnen. Wenn die Geschichten um „Lt. Leary“ in den neun Jahren, die seit ihrer Veröffentlichung vergangen sind, keinen deutschen Lektor überzeugen konnten, dann dürfte das Gebotene so überwältigend wohl nicht sein, dachte ich.

Und der Beginn der gut 470 Seiten, noch dazu in einem Satzspiegel, der den Gebrauch einer Lupe angeraten sein lässt, schien mir recht zu geben.

Leutnant Daniel Leary stammt von einem der einflussreichsten und begütertsten Geschlechter Cinnebars ab. Dummerweise hat er das aufbrausende Temperament seines halsstarrigen Vaters geerbt und sich mit diesem überworfen. Abgeschnitten von den Beziehungen seiner Familie, verarmt und ohne Freunde, hat er das einzige gemacht, von dem er wusste, dass es seinen Vater noch mehr reizen würde. Er trat der MRC, der Marine der Republik Cinnebar bei. Und jetzt sitzt er mit reichlich Schulden, seinem umtriebigen Leibwächter und ohne jegliche Perspektiven auf einem Planeten am A …der Galaxis fest.

Ausgerechnet nach Kostroma hat es ihn verschlagen. Einen Planeten, um dessen Einflussnahme sich nicht nur die Republik Cinnebar, sondern auch die verfeindete Allianz bemüht. Ein Staatsstreich später ist Leary der einzige in Freiheit verbliebene MRC Offizier und muss sehen, wie er mit ein paar Matrosen und einer Bibliothekarin das Schiff wieder flott bekommt – um im Jargon zu bleiben. Dass die Dame aus der Bücherei ausgerechnet einem alten Adelsgeschlecht entstammt, das mit seiner Familie verfeindet ist und noch dazu eine Meisterschützin und Computerhackerin der Extraklasse, macht die Angelegenheit zunächst auch nicht einfacher. Und dann geht so alles schief, was nur schief gehen kann. Doch so was kann einen Seemann, auch wenn er im Weltraum unterwegs ist doch nicht schrecken. …

Aller Anfang ist schwer

Der Einstieg ist nicht einfach. Drake wirft seinen Protagonisten und mit diesem seinen Leser ins kalte Wasser. Keine grosse Vorstellung der Protagonisten, der politischen Lage oder des Settings, es geht gleich hinein in die Handlung.

Und diese ist zu Beginn verwirrend und auch ein wenig langatmig. Was soll dieses Mauerblümchen von verklemmter Bibliothekarin, was dieser Schnösel von Marineoffizier, der ausser Saufen und dem schönen Geschlecht wenig im Kopf zu haben scheint? Das sollen unsere charismatische Leuchtgestalten im Kampf für Recht und Ordnung sein? Und wie passen die einander argwöhnisch beäugenden galaktischen Reiche und die korrupte Operettenregierung des Planeten ins Bild? Das roch doch sehr nach Stereotypen, das lies böses ahnen. Kaum begonnen scheint das Buch in einer Sackgasse angekommen. Unser Held klassisch ausmanövriert, ohne Unterstützung und von Fortuna verlassen in einer von fremden Streitkräften besetzten Welt auf der Flucht – nur dass ihn niemand verfolgt.

Ist das interessant, ist das packend? Mitnichten.

Doch dann, fast unmerklich rappelt sich die schon angezählte Handlung auf. Die so ungleichen Adelssprösslinge raufen sich zusammen, ergänzen sich und die Handlung nimmt Fahrt auf. Gesegnet mit einem Diener, der so gut wie alles organisieren kann, und der beste Beziehungen zu entsprechenden Kreisen unterhält, unterstützt von einer wackeren Truppe Marines, die zuzupacken und zuzuschlagen wissen, macht sich unser Möchtegern-Anführer auf, seine Gegner das Fürchten zu lehren.

Das erinnert ein wenig an Robert Asprins „Phule“ gemixt mit Weber / Ringos „Roger MacClintock“, das entwickelt plötzlich und unerwartet Charme und Tempo.

Zwar braucht Drake fast ein Viertel des Romans, um in Fahrt zu kommen, doch dann hat er seine Klauen in den Leser geschlagen und lässt diesen nicht mehr los. Dabei ist die Geschichte wahrlich nicht neu – Hollywood hat sie mehrfach erzählt, und auch die Autoren bedienen sich weidlich des Topics. Der junge Schnösel entwickelt sich in der Belastungsprobe zu einem verantwortungsvollen Anführer, stellt sich der Aufgabe und wächst an dieser. Das kennen wir, nichtsdestotrotz packt auch diesmal die Schilderung den schon müden Leser.

Nebenrolle mit Ambitionen

Bemerkenswert, dass die Bibliothekarin Adele als gleichberechtigte Hauptperson an der Seite des Helden agiert. Mehr noch, für mich war sie, die traumatisierte, seit ihren Kindheitstagen verfolgte und mit dem Tode bedrohte Frau, der interessantere Charakter. Sie, die sich von den Menschen abgewandt hat, ganz in der Aufgabe mit leblosen Dingen umzugehen aufgeht, öffnet sich im Verlauf der Romans, wird aktiv, ja hat die Kraft zu vergeben und sich mit ihrem Urfeind zu verbrüdern. Dabei vermeidet es Drake dankenswerterweise uns auch noch eine Love-Story vorzusetzen – die beiden respektieren sich, sie fangen an sich zu mögen, ohne dass zu einer emotionalen Beziehung führen würde. Diese Entwicklung ist, auch wenn die entsprechende Darstellung angesichts der Action in den Hintergrund tritt, glaubwürdig und nachvollziehbar aufbereitet.

Drake arbeitet gerne mit Klischees – die geistig etwas einfachen Matrosen, die rauen aber herzensguten Jungs, deren burschikose Art nach einer ordnenden Hand eines Offiziers ruft, der böse Verräter, die verkarstete Hierarchie der Marine, der alles unter der Hand organisierende Leibdiener – alles altbekannte Versatzstücke, die er aber geschickt zu einer letztlich spannenden, teilweise mitreissenden Handlung mischt.

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